Mittwoch, 08. Februar 2023

100 Jahre BBC
Unabhängig, objektiv, aber nicht ohne Fehler

Die Gründung der BBC vor 100 Jahren gilt als Geburtsstunde des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Die BBC ist von Politik und Wirtschaft unabhängig, berichtet objektiv. Doch in den vergangenen Jahren musste sie sich auch immer wieder eigenen Fehlern stellen.

Von Otto Langels | 17.10.2022

BBC Television Centre in London. A general view of BBC Television Centre, Wood Lane, London. Picture date: Tuesday October 23, 2012. See PA story POLITICS Savile. BBC director general George Entwistle has insisted he did not accept charges that the Corporation handled allegations against former presenter Jimmy Savile badly. Mr Entwistle appeared before a committee of MPs to answer questions about allegations of sexual abuse by Savile over several decades, and about the decision not to broadcast a Newsnight investigation including interviews with his alleged victims last year. Photo credit should read: Jonathan Brady/PA Wire URN:14954476
Die Idee hinter der BBC lautete: einen Dienst für die gesamte Öffentlichkeit zu erbringen, der durch diese Öffentlichkeit auch selbst kontrolliert werden sollte. (picture alliance / empics / Jonathan Brady)
„This is London calling“
„This is the BBC Home and Forces Programme.“
„This is 1, this is BBC, Radio 1.“
Seit 100 Jahren begrüßt die BBC, die British Broadcasting Corporation, ihre Hörerinnen und Hörer mit zeitgemäßen Ansagen und Jingles. Am 18. Oktober 1922 gründen britische und amerikanische Elektrogerätehersteller in London die BBC, zunächst als Company, als Privatunternehmen.
„This is 2LO, the London station of the British Broadcasting Company calling, 2LO calling.“
Verkündet damals der Programmsprecher. 2LO bezeichnet die vom Postamt ausgestellte Sendelizenz. Kurz darauf wird John Reith, ein schottischer Ingenieur, der erste Manager; ein Pastorensohn ohne Rundfunkerfahrung, aber mit einer Vision:
„Der Rundfunk ist eine Entwicklung, die von der Zukunft ernst genommen werden muss. Ein Instrument von fast unschätzbarem Wert für das gesellschaftliche und politische Leben der Gemeinde, in nationalen und internationalen Angelegenheiten.“
Spread from Radio Pictorial Annual showing the British Broadcasting Centre including the interior with the vaudeville studio, the gramaphone effects studio, concert hall, council chamber, Sir John Reith's office, and restaurant in 1935 Date: 1935 (Mary Evans Picture Library) || Nur für redaktionelle Verwendung
Die BBC hat journalistische Standards gesetzt und hat die Leitidee des öffentlichen Rundfunks in Europa etabliert. (picture-alliance / Mary Evans / Pharcide)

Grundidee: Dienst für die gesamte Öffentlichkeit

Der ersten Sendung aus London folgen bald weitere aus Studios in Birmingham und Manchester. Wenige Jahre später ist die BBC landesweit zu hören.
1926 wird aus dem Privatunternehmen eine von der Regierung und Wirtschaft unabhängige Institution, die British Broadcasting Corporation, finanziert ausschließlich über Gebühren. Der Kommunikationswissenschaftler Matthias Künzler von der Freien Universität Berlin: „Die Grundidee der BBC war, einen Dienst für die gesamte Öffentlichkeit zu erbringen, der aber durch diese Öffentlichkeit selbst kontrolliert werden sollte. Dieser Gedanke führte dann auch zu einer speziellen Organisationsform, d.h. die Öffentlichkeit war in gesellschaftlichen Beratergremien eingebunden. Repräsentanten aus der Bevölkerung, die haben beraten, haben Feedback gegeben und so weiter. Und durch die Öffentlichkeit selbst bedeutete auch, dass die BBC eben unabhängig von wirtschaftlichen und politischen Interessengruppen sein sollte.“
Es ist die Geburtsstunde des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, abgesichert durch eine offizielle Satzung, die Royal Charter, verliehen vom Staatsoberhaupt, dem König oder der Königin. Jean Seaton, Medienhistorikerin der Universität Westminster: „Die Royal Charter ist für die BBC 1926 eingeführt worden, und die Absicht der Charter ist bis heute, dass die Lizensierung der BBC oberhalb der Regierung angesiedelt ist. Sie wird vom Staatsoberhaupt verliehen. Gleich zu Beginn war die Idee, dass die Charter der BBC eine verfassungsrechtliche Unabhängigkeit von der amtierenden Regierung gibt.“     
Die BBC wird zu einer anerkannten Institution, angesehen in der breiten Bevölkerung auf Grund ihrer aktuellen und neutralen Berichterstattung, geschätzt wegen ihrer populären Unterhaltungssendungen, beneidet von konkurrierenden Kultureinrichtungen wie Theatern, Kinos und Konzerthäusern ob ihres Zuspruchs. Matthias Künzler: „Sie hat journalistische Standards gesetzt, sie hat die Leitidee des öffentlichen Rundfunks in Europa überhaupt etabliert oder groß bekannt gemacht. Sie war auch ein Vorbild für andere öffentliche Rundfunkorganisationen. Sie war ein Vorbild, wie man es organisieren und finanzieren lässt. Und konnte das eigentlich bis heute bewahren.“

Zunächst Gegenentwurf zu kommerziellen Privatsendern

Aber im Lauf ihrer 100jährigen Geschichte sollte sie keine unangetastete Institution bleiben.
Zunächst jedoch ist die BBC ein Gegenentwurf zu kommerziellen Privatsendern, die sich über Werbeeinnahmen finanzieren.
„Bei der BBC war genau die Idee, sie sollte eine Art Non-Profit-Organisation sein. Deshalb wurde früh diese Form der Finanzierung über Rundfunkgebühr favorisiert und beibehalten bis heute.“
„The station goes on the air...“
An einem November-Nachmittag im Jahr 1936 beginnt für die BBC ein neues Zeitalter, der Start des Fernseh-Programms mit einem Auftritt des Musicalstars Adele Dixon. Zur Premiere singt sie – wie könnte es anders sein - den „Television-Song“.
Die BBC bietet Unterhaltung, anspruchsvolle Hör- und Fernsehspiele, berichtet tagesaktuell über markante Ereignisse und ermöglicht Premierministern und Mitgliedern des Königshauses, sich direkt ans Volk zu wenden. Ende der 1930er Jahre nimmt der BBC World Service sein fremdsprachiges, weltweit ausgestrahltes Programm auf, zunächst auf Arabisch, Portugiesisch und Spanisch, bald darauf – am Vorabend des Zweiten Weltkriegs – in italienischer, französischer und deutscher Sprache.

Die BBC im Zweiten Weltkrieg

„Hier ist England, hier ist England. Zunächst die Nachrichten in Schlagzeilen.“
Während des Krieges wird die BBC zum wichtigsten Kommunikationsmittel im In- und Ausland, weil sie schneller als Zeitungen berichten kann und als seriöse Nachrichtenquelle gilt. In Deutschland durchkreuzt die BBC mit verlässlichen Informationen die Nazi-Propaganda der gleichgeschalteten Rundfunksender.
Der britische Journalist Hugh Carlton Greene ist seit Oktober 1940 Chefredakteur des deutschsprachigen Programms. Er wird nach 1945 im Auftrag der britischen Besatzungsmacht den Nordwestdeutschen Rundfunk aufbauen und damit zu einem der Pioniere des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland.
„Friede mit dem deutschen Volk? Jawohl! Friede mit Hitler? Niemals! Selbst wenn es 20 Jahre dauern sollte, um Hitler und seine Kriegsmaschine zu Staub zu zermalmen.“
Wer im Zweiten Weltkrieg in Deutschland einen sogenannten Feindsender wie die BBC hört, etwa eine der Reden Thomas Manns aus dem Exil, muss mit Zuchthaus oder sogar mit der Todesstrafe rechnen.
DIRECTOR GENERAL OF THE BBD BRITISH BROADCASING COMPANY HUGH CARLTON GREENE WITH SPANISH MINISTER SENOR DON MANUEL FRAGA IRIBARNE IN LONDON ; 27 NOVEMBER 1963, Copyright: Topfoto PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY UnitedArchivesIPU467544
Generaldirektor Hugh Carlton Greene mit dem Spanischen Politiker Manuel Fraga Iribarne im Jahr 1963 (imago / United Archives International)
„Deutsche Hörer, diesmal hört ihr meine eigene Stimme. Die Stimme eines Deutschlands, das der Welt ein anderes Gesicht zeigte und wieder zeigen wird als die scheußliche Medusenmaske, die der Hitlerismus ihm aufgeprägt hat.“
Die BBC sendet unbeeindruckt weiter, als eine deutsche Luftmine im Dezember 1940 das Londoner Broadcasting House beschädigt, sie überträgt eindrucksvolle Reden Winston Churchills und General de Gaulles und stärkt damit den Durchhaltewillen der Bevölkerung im Kampf gegen Hitler.
Auch nach dem Zweiten Weltkrieg bleibt die BBC eine wichtige Informationsquelle für Menschen, die keinen Zugang zu freien Medien haben.
Die Medienhistorikerin Jean Seaton von der Universität Westminster:
„Die Menschen riskierten während des Zweiten Weltkriegs sehr viel, um sich zu informieren. Ebenso nach 1945 in Osteuropa bis zum Fall der Berliner Mauer. Erneut nahmen die Hörer erhebliche Risiken in Kauf, um durch die BBC die Wahrheit zu erfahren.“
Anders hingegen im Westen: Dort sind die Jahrzehnte nach 1945 Zeiten des Massenkonsums und der Massenmedien, die Unterhaltungsbranche boomt, das Fernsehen beginnt seinen Siegeszug.

„Von Anbeginn bis heute eine Trendsetterin“

1957 wendet sich die Queen zu Weihnachten erstmals über das Fernsehen an ihre Landsleute:
„Happy Christmas. 25 years ago my grandfather broadcast the first of these christmas messages. Today is another landmark.“
Einige Jahre später ist es die BBC, die zum ersten Mal den Song einer noch relativ unbekannten englischen Band aufzeichnet und am nächsten Tag ausstrahlt:
„Die BBC war von Anbeginn bis heute eine Trendsetterin.“, meint der Medien- und Kommunikationswissenschaftler Matthias Künzler.
„Und das bedeutete zunächst, inhaltlich Dienst für die gesamte Öffentlichkeit zu sein, die gesamte Bevölkerung sollte mit den Programmen erreicht werden. Alt, Jung, Personen in der Großstadt, in der Peripherie. Und letztlich ging es darum, auch das Verbindende zwischen den verschiedenen Menschen zu betonen, eine Integrationsfunktion zu spielen.“
Doch die BBC bleibt nicht von Skandalen verschont, Verstöße gegen journalistische Regeln stellen ihr Renommee als seriöse, kritische und unabhängige Institution infrage.
„Welcome to January 1st 1964, it's 6:34pm and it's a program you never heard before it's called Top of the pops. And there is a chance…“
Jimmy Savile
Bis zu seinem Tod war Jimmy Savile einer der erfolgreichesten und beliebtesten Moderatoren im britischen Fernsehen. Nach seinem Tod 2011 änderte sich seine Reputation. (imago / UPPA / Photoshot)
Seit 1964 präsentiert Jimmy Savile in der BBC die Hitparade „Top of the Pops“, später kommen Kindersendungen hinzu. Er ist ein Fernsehstar, befreundet mit Margret Thatcher und – damals noch - Prince Charles, geadelt für seine Spenden an Kinderheime, ein Aushängeschild der BBC. Immer wieder gibt es Gerüchte um sein Privatleben, doch erst nach seinem Tod im Jahr 2011 wird bekannt, dass Savile jahrzehntelang Kinder und Jugendliche missbraucht und vergewaltigt hatte, auch in seiner Garderobe im Sender. Publik wird dabei, dass die BBC die Aufklärung des Skandals im eigenen Haus behindert hatte. Generaldirektor George Entwistle, erst kurz im Amt, bemüht sich um Schadensbegrenzung.
„Die BBC hat nicht die Möglichkeit, Leute zur Befragung zu zwingen, die nicht länger für sie arbeiten, oder Beweise sicherzustellen. Es ist wichtig, und die Polizei hat mich explizit darum gebeten, nichts zu tun, was eine kriminaltechnische Untersuchung beeinträchtigen könnte.“
Doch damit nicht genug. Als wolle die BBC ihre Versäumnisse im Savile-Skandal wettmachen, bezichtigt Newsnight, die wichtigste Nachrichtensendung, kurz darauf den ehemaligen Schatzmeister der Konservativen Partei des Kindesmissbrauchs. Ein haltloser Vorwurf, Newsnight muss sich umgehend entschuldigen. Immerhin: Radiomoderator John Humphries stellt seinem Intendanten unbequeme Fragen.
„Haben Sie keine natürliche Neugier? Sie warten darauf, bis jemand vorbeikommt und sagt, Tschuldigung Generaldirektor, hier geschieht etwas, das Sie interessieren könnte?“ „In der Sekunde, als ich darauf aufmerksam gemacht wurde letzte Nacht...“ „Als Sie darauf aufmerksam gemacht wurden? Lesen Sie keine Zeitung? Haben Sie nicht die Titelseite des Guardian gestern Morgen gelesen?“ „Nein John, ich habe gestern Morgen eine Rede gehalten.“
Einen Tag später tritt George Entwistle von seinem Posten zurück.

Eigene Standards missachtet

Ein anderer Vorfall liegt bereits längere Zeit zurück, bevor nähere Details bekannt werden: Im November 1995 verfolgen mehr als 20 Millionen Zuschauer auf der britischen Insel das Interview, das Prinzessin Diana dem BBC-Journalisten Martin Bashir gibt.
„Do you think, that Mrs. Parker Bowles was a factor in the breakdown of Your marriage?“ – „Well, there were three of us in this marriage. So it was a bit crowded.“
Offen berichtet Diana von der Affäre ihres Mannes Charles mit seiner späteren Frau Camilla und erklärt: „Wir waren zu dritt in dieser Ehe. Es war etwas überfüllt." Kurz darauf reicht der heutige König Charles III. die Scheidung ein.
Ein denkwürdiges Interview, bei dem aber die BBC – so das Ergebnis eines internen Untersuchungsberichts aus dem vergangenen Jahr - ihre eigenen Standards missachtet und Fehlverhalten zu vertuschen versucht hatte. Der Journalist hatte unter anderem Dokumente gefälscht, um das Vertrauen Dianas zu gewinnen.
Ein Desaster für die BBC. Der Ruf hat durch diese Skandale gelitten, auch wenn Matthias Künzler meint:
„Wenn wir‘s vergleichen mit anderen großen Medien im Vereinigten Königreich, also die Murdoch-Medien usw., dann ist die BBC nach wie vor sehr integer und sehr ausgewogen.“
Queen Elizabeth II death. File photo dated 20/11/1995 of Diana, Princess of Wales, during her interview with Martin Bashir for the BBC. Issue date: Thursday September 8, 2022. As the country's longest serving heir to the throne, Charles, now King after the death of his mother the Queen, has carved out his own royal role over the decades and has set up a host of charities, which raise more than £100 million a year. See PA story DEATH Queen CharlesProfile. Photo credit should read: PA/BBC SCREEN GRAB/PA Wire URN:68709876
Das Interview sorgte damals wie heute für gemischte Reaktionen. (picture alliance / empics / PA / BBC SCREEN GRAB)
Doch was heißt ausgewogen und objektiv? Eine Frage, die sich allen öffentlichen Rundfunksendern stellt.
Hier besteht in großen Teilen der Politik und auch der Bevölkerung ein falsches Verständnis von Objektivität; nämlich im Sinne, Objektivität sei ein völlig neutraler Zustand, der auch erreicht werden kann. Dem ist aber nicht so. Objektivität ist eher ein Streben nach möglichst unabhängiger Information auf Grundlage von bestimmten Berufsstandards. Aber es ist natürlich nie möglich, alle Stimmen genau gleich ausgewogen zu erreichen.“
Untersuchungen von Medienwissenschaftlern der Universitäten Oxford und Durham belegen, dass die BBC ein breites Publikum anspricht, ausgewogen berichtet und im politischen Spektrum von rechts bis links, von den Tories bis Labour, großes Vertrauen genießt. Trotzdem sieht sich der Sender seit längerer Zeit massiven politischen Angriffen ausgesetzt.
„Ich denke, es hat eine Steigerung gegeben mit der Regierung Thatcher in den 80er Jahren. Margret Thatcher war kein Freund des öffentlichen Rundfunks, kein Freund der BBC, sie hatte eine ganz starke neoliberale Politik betrieben, die auch die BBC betreffen sollte, sie konnte sich aber dazumal noch nicht durchsetzen. Aber in ihrer Tradition hat sich das in der konservativen Partei gerade gehalten und unter der Regierung Johnson hat sich das nochmals massiv verstärkt. Es sind für die BBC sicher bedrohliche Tendenzen vorhanden.“

BBC vor enormen Herausforderungen

Bedrohlich ist unter anderem der Rückgang der Einnahmen. Immer mehr Briten geben an, keinen Fernseher zu besitzen und zahlen keine Beiträge. Rentner sind ohnehin von der Rundfunkgebühr befreit, und längst fällige Beitrags-Erhöhungen lassen auf sich warten. Hinzu kommt der Druck privater Konkurrenten wie neuerdings GB News.
Die Folge: Die BBC muss an Personal und Programmen sparen. Konservative Politiker beteuern zwar, die BBC sei eine britische Institution, auf die man stolz sei. Im Raum steht aber die Drohung der Tories, die bisherige Rundfunkgebühr durch ein Abo-System à la Netflix zu ersetzen. 2019 erklärte Boris Johnson:
"Man muss sich fragen, wie lange dieser Ansatz zur Finanzierung eines Senders langfristig noch Sinn macht, wenn andere sich doch selbst finanzieren können? Wie lange kann man ein System rechtfertigen, in dem jeder, der ein Fernsehgerät besitzt, bestimmte Radio- und Fernsehprogramme zu bezahlen hat?"
Noch ist nicht abzusehen, ob die neue Premierministerin Liz Truss den medienpolitischen Kurs ihres Vorgängers fortsetzen wird. Doch unabhängig davon steht die BBC – wie auch andere öffentlich-rechtliche Sender in Europa - vor enormen Herausforderungen. Die Medienhistorikerin Jean Seaton:
„Da ist die Gebührenfrage, die Überprüfung der Royal Charter erfolgt im Jahr 2027, es gibt kommerzielle und internationale Konkurrenten. Die BBC hat eine Menge Probleme. Hat sie Fehler gemacht? Ja! Hat es Krisen gegeben? Ja!“
BBC licence fee. File photo dated 25/05/15 of a TV camera outside BBC Broadcasting House in Portland Place, London. The BBC expects the licence fee to be the funding model of the future, James Heath, director of policy and charter at the corporation has said. Issue date: Thursday November 5, 2015. Funding is one of the main issues up for debate as part of the BBC's Royal Charter which is due to expire in 2016 and is currently under Government review. See PA story MEDIA BBC. Photo credit should read: Anthony Devlin/PA Wire URN:24661201
"In einer globalisierten Welt ist die BBC eine der wenigen Institutionen, die den Herausforderungen gewachsen ist." (picture alliance / empics / Anthony Devlin)
Dennoch sei eine Institution wie die BBC unverzichtbar, ist Seaton überzeugt.
„In einer globalisierten Welt ist die BBC eine der wenigen Institutionen, die den Herausforderungen gewachsen ist. Die BBC spricht zu uns allen und gibt allen eine Stimme. Sie gibt auch denen eine Stimme, denen man normalerweise nicht zuhört, die leise sprechen und kommerziell wenig erfolgreich sind und die ihre Ansichten nicht ohne weiteres artikulieren können.“
Und ihr Kollege Matthias Künzler ergänzt:
„Ich denke, dass die Leitideen, wie sie vor 100 Jahren bei der BBC entwickelt wurden, heute aktueller denn je sind. Also die Idee, im Dienste der gesamten Öffentlichkeit ein Programm zu produzieren, das eben unabhängig gegenüber Interessengruppen ist und das gerade eben anders als Social Media das Verbindende zwischen den gesellschaftlichen Gruppen aufzuzeigen und zu betonen versucht, das ein Programm bietet, welches versucht, objektiv zu sein.“
Aber genügen die Verweise auf die Leitideen, die den Sender einst bekannt gemacht haben, um für die Zukunft gerüstet zu sein? Die BBC wird sich an ihrem eigenen Anspruch als Qualitätsmedium mit hohen journalistischen Standards messen lassen und zugleich kreative Ideen entwickeln müssen, um sich gegen politische Einflüsse und wirtschaftliche Konkurrenten zu behaupten.