Politisches Engagement
Wie Unternehmen Demokratie fördern

Unternehmen starten Demokratie-Initiativen, grenzen sich von der AfD ab und ermutigen Beschäftigte zu politischem Engagement. Warum mischt sich die Wirtschaft ein und weshalb sind stabile demokratische Verhältnisse auch in ihrem eigenen Interesse?

    Illustration: Eine große Hand wirft einen Stimmzettel mit angekreuztem Feld in eine Wahlurne; drumherum sind Symbole wie Parlamentsgebäude, Globus, Menschen und ein Wohnhaus in Rot, Blau und Gelb zu sehen.
    Die Demokratie sichert Unternehmen Rechtsstaatlichkeit und unternehmerische Freiheit (IMAGO / Ikon Images / Stuart Kinlough)
    Am 6. September wird in Sachsen-Anhalt gewählt. Aktuell führt die AfD in Wahlumfragen mit über 40 Prozent. Sollte sie in die Regierung kommen, wäre das ein Härtetest für die Demokratie.
    Die Partei plant einen radikalen Umbau in vielen Gesellschaftsbereichen: Sie will die Landeszentrale für politische Bildung abschaffen, die Rundfunkstaatsverträge aufkündigen, die Lehrpläne in den Schulen verändern, die Migrationspolitik verschärfen und fehlende Fachkräfte durch KI ersetzen.
    Auch für Unternehmen könnten die Pläne der AfD gefährlich werden. Denn nur eine stabile Demokratie sichert ihnen unternehmerische Freiheit. Deshalb grenzen sich einige von der rechtspopulistischen AfD ab und machen sich für die Demokratie stark.

    Inhalt

    Wie die deutsche Wirtschaft zur AfD steht

    Spitzenverbände der Wirtschaft haben sich vor den Landtagswahlen im Osten gegen die AfD ausgesprochen. Die Partei habe keine Lösungen für die Probleme Deutschlands, sagte Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger.
    Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) sowie der Maschinenbauverband (VDMA) grenzen sich von der AfD ab.
    Der einflussreiche Wirtschaftsverband „Die Familienunternehmer“, der nach eigenen Angaben rund 6.500 Mitglieder vertritt, zeigte sich im Oktober 2025 offener gegenüber der AfD: Er lud den AfD-Politiker Leif-Erik Holm zu einer Diskussionsveranstaltung ein.
    Daraufhin verließ unter anderem die Drogeriemarktkette Rossmann den Verband, der wiederum erklärte, dass er sich von Extremisten distanziere und nicht vereinnahmen lasse.
    Manche Unternehmen unterstützen die AfD mit Parteispenden. Der Frust über die Regierungspolitik sei groß, sagt der Ökonom Matthias Diermeier.
    In Ostdeutschland, wo in diesem Jahr zwei Landtagswahlen und die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus anstehen, schätzt fast die Hälfte der Unternehmerinnen und Unternehmer die allgemeine wirtschaftliche Situation negativ ein.
    Gleichzeitig sehen viele großes Potenzial im Wirtschaftsstandort Ostdeutschland. Für kleine Betriebe ist ein Umzug ohnehin keine Option. Sie müssen sich den hiesigen Rahmenbedingungen stellen.

    Demokratie-Initiativen und neue Netzwerke

    Die staatliche Förderbank KfW hat im Januar die Initiative „Charta der Demokratie“ gestartet. Die Bank bietet Mitarbeitenden, die sich kommunalpolitisch engagieren, Weiterbildungen an und gewährt bis zu fünf Tage Sonderurlaub im Jahr. Damit will sie politisches Engagement fördern und demokratische Netzwerke über Unternehmensgrenzen hinweg schaffen.
    Die Deutsche Börse, die sich der „Charta der Demokratie“ angeschlossen hat, ermutigt ihre Mitarbeitenden, sich als Wahlhelferinnen und -helfer zu engagieren. Auf starre Vorgaben verzichtet die Demokratie-Initiative, der aktuell 13 Unternehmen angehören, bewusst.
    Der Verband „Wirtschaft für ein weltoffenes Sachsen“ setzt sich seit 2016 für Demokratie und gegen den politischen Rechtsruck ein. Auslöser für die Gründung waren die ausländerfeindlichen Pegida-Demonstrationen.
    Das Wirtschaftsbündnis organisiert politische Debatten, wirbt um mehr Unterstützung für die Integration von Zuwanderern und berät Betriebe, die ausländische Fachkräfte anwerben wollen. Inzwischen gehören rund 160 Firmen und Einzelpersonen dem Bündnis an. Zum Vergleich: In Sachsen gibt es mehr als 150.000 Unternehmen.

    Warum Unternehmen von der Demokratie profitieren

    Populistische Politik erhöhe die Risiken für Unternehmen, während Demokratien verlässliche Partner seien, sagt Wirtschaftswissenschaftler Markus Scholz an der TU Dresden. Es sei für Unternehmen sicherer, sich auf Gesetze verlassen zu können, als vom Wohlwollen einer Regierung abhängig zu sein.
    Die Demokratie garantiert Rechtsstaatlichkeit, offene Märkte und unternehmerische Freiheit. Daher gibt es grundsätzlich eine prodemokratische Haltung unter Unternehmerinnen und Unternehmern, wie eine aktuelle Studie zeigt: Mehr als 90 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass die Demokratie ein wichtiger Standortfaktor sei. Rund 60 Prozent der Befragten waren der Meinung, dass Unternehmen zur Stabilisierung der Demokratie aktiv beitragen sollten.
    Autoritäre Herrschaftsverhältnisse seien ein wirtschaftliches Risiko, erklärt Markus Scholz. Sie würden den fairen Wettbewerb behindern und Vetternwirtschaft begünstigen.
    Hinzu kommt, dass Unternehmen auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen sind. Der Fachkräftemangel zieht sich schon jetzt durch viele Branchen und ist vor allem im Gesundheitswesen und im Baugewerbe akut. Gerade in Ostdeutschland ist er wegen der alternden Bevölkerung eine besonders große Herausforderung, die durch KI nicht aufgefangen werden kann.

    Hörfunkbeiträge: Katja Scherer und Alexander Moritz
    Online-Text: Kristina Reymann-Schneider