Wegen hoher Spritpreise
Deutsche Autofahrer weichen auf Tankstellen in Nachbarländern aus

An deutschen Tankstellen sind die Preise wegen des Iran-Krieges stark gestiegen. Immer mehr Autofahrer weichen deshalb auf Nachbarländer aus. Benzin und Diesel sind in Tschechien, Polen oder Luxemburg deutlich günstiger. Derweil diskutiert die Politik weiter über Maßnahmen gegen die hohen Kraftstoffpreise.

    Ein Auto wird an einer Zapfsäule mithilfe eines Tankrüssels an einer Tankstelle betankt.
    Tanken ist seit Beginn des Krieges im Iran deutlich teurer geworden. (picture alliance/dpa | Silas Stein)
    Der Ölpreis ist gestiegen. Die für Europa maßgebliche Sorte Brent überschritt am Freitag zum ersten Mal seit 2024 wieder die Marke von 90 Dollar pro Barrel. Der Wirtschaftsverband Fuels and Energy e.V. betont jedoch in einer Mitteilung, nicht der Rohölpreis, sondern die Produktpreise für Kraftstoffe wie Benzin und Diesel, die ebenfalls an Börsen gehandelt würden, seien maßgeblich für die Einkaufspreise der Tankstellen.

    ADAC: Kraftstoff im Osten und Südosten Europas deutlich günstiger

    Laut ADAC sind die Spritpreise im Osten oder Südosten Europas fast immer deutlich niedriger als in Deutschland. Das geht aus Daten der EU-Kommission hervor. Die Brüsseler Behörde überwacht die Preise in den Mitgliedsstaaten wöchentlich über das sogenannte Weekly Oil Bulletin. Länder wie Luxemburg, Österreich, Polen und Tschechien hätten eine andere Steuer- und Abgabenpolitik auf Kraftstoffe, erklärt der Automobil-Club. Zudem starte man dort bei der Preissteigerung von einem niedrigeren Niveau aus als in Deutschland.
    Die Entwicklung hat den grenzüberschreitenden "Tanktourismus" weiter angekurbelt. In der polnischen Grenzregion sowie in Tschechien gab es teilweise lange Schlangen an den Tankstellen, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet. Teils hätten Autofahrer noch Kanister mit Sprit gefüllt, hieß es. Auch in Belgien, Österreich und Luxemburg kosten Diesel, Benzin und Super derzeit weniger.

    Zoll kontrolliert an der Grenze

    In Brandenburg begann der Zoll mit verstärkten Kontrollen an der Grenze. Die Einfuhr von Treibstoff aus dem Ausland ist nur dann zollfrei, wenn er für den Eigenbedarf genutzt wird und persönlich befördert wird - sprich durch den Tank des eigenen Fahrzeugs. Kanister bis 20 Liter sind ebenfalls zollfrei, wenn der eingefüllte Treibstoff zum jeweiligen Motor des Fahrzeugs passt.

    Debatte über Preisbremse

    Der starke Preisanstieg seit Kriegsbeginn hat Forderungen nach einer Neuauflage der sogenannten Spritpreisbremse aufkommen lassen. Nachdem sich bereits Bundeswirtschaftsministerin Reiche (CDU) und Ökonomen dagegen ausgesprochen haben, lehnten auch die Spitzenverbände der Wirtschaft, BDA, BDI, IHK und ZDH eine solche Maßnahme ab. Die Klimaschutzorganisation Germanwatch und der Verkehrsclub Deutschland (VCD) äußerten sich ebenfalls kritisch. Das Bundeskartellamt dämpfte Hoffnungen auf rasche Abhilfe bei den Preissteigerungen. Es gebe kein Instrumentarium, "um geopolitisch getriebene Preissteigerungen quasi auf Knopfdruck zu verhindern", betonte Behördenchef Mundt. Man analysiere die Preisentwicklung für Kraftstoffe jedoch fortlaufend.
    Diese Nachricht wurde am 07.03.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.