Dienstag, 23. April 2024

"DFB Play TV"
Warum der DFB Pokalspiele jetzt gratis zeigt

Die Vermarktung von Fußball stockt, gerade im Ausland: Es gibt Regionen, für die der DFB zum Beispiel keine Rechte für den DFB-Pokal verkauft hat. Stattdessen setzt der Verband jetzt auf FAST-Channels: kostenlosen, durch Werbung finanzierte Kanäle.

Von Piet Kreuzer | 31.03.2024
Fans im Ausland können etwa den DFB-Pokal bald über den verbandseigenen FAST-Channel verfolgen.
Fans im Ausland können etwa den DFB-Pokal bald über den verbandseigenen FAST-Channel verfolgen. (IMAGO / Steffen Beyer / IMAGO / Steffen Beyer)
Der Verkauf von Medienrechten im Fußball stößt derzeit an seine Grenzen. Besonders auf den internationalen Märkten ist es sehr schwierig, in allen Länder Abnehmer für die Rechte zu finden. In dieser Situation geht der Deutsche Fußball-Bund neue Wege.
"Also wir merken immer mehr, dass sich das alte Lizenzmodel - heißt ein dicken Scheck gegen exklusive Rechte - immer weniger funktioniert", sagt Kay Dammholz, Abteilungsleiter Medienrechte bei der DFB-Marketing GmbH. Und kündigt deshalb den Launch des FAST-Channels „DFB Play TV“ für die internationalen Märkte an.

DFB will neue Erlöse generieren

Das FAST steht für „Free Ad Supported Streaming“, also in etwa „kostenloses, werbefinanziertes Streaming“. Der DFB baut einen eigenen Kanal auf, über den ausländische Fans kostenlos und ohne Abo Spiele der DFB-Wettbewerbe verfolgen können. Damit soll in den Ländern, in denen gar keine oder keine exklusiven Lizenzen für DFB-Wettbewerbe verkauft worden sind, neue Erlöse generiert werden.
"Ich rede jetzt vom DFB-Pokal. Aber natürlich geht es auch für andere Rechte, die auf dem FAST-Channel laufen werden, wie teilweise Frauen-Nationalmannschaft, die Junioren-Bundesliga, der Junioren-Pokal, der DFB-Pokal der Frauen, die 3. Liga", so Dammholz.

FIFA+ als Vorbild

Es gibt Vorbilder wie etwa FIFA+ oder die Pay-TV-Angebote einiger Klubs. "Wir können uns an einigen bestehenden Business-Modellen orientieren. Aber wir sind relativ weit vorne, was den Bereich Fast-Channel und App angeht, wenn es um Verbände geht", meint Dammholz.
Als die Paramount-Tochter Pluto TV vor einigen Jahren in den USA die ersten FAST-Channels gründete, herrschte große Skepsis. Kostenloses, werbefinanziertes Fernsehen: Ein totes Geschäftsmodell, war die vorherrschende Meinung.
"Die Leute haben sich geirrt, wenn man sich ansieht, wie sich das Geschäft in den USA entwickelt hat. Pluto TV ist jetzt ein Milliardengeschäft, wir unterhalten 80 Millionen Nutzer. Und eine Menge großer Streaminganbieter ist jetzt in dem Geschäft dabei. Es ist unglaublich zu sehen, dass dies tatsächlich ein Geschäft für Pluto TV geworden ist. Aber wir sind auch Pioniere in einem neuen Segment dieser Branche", sagt Pluto-Generalmanager Olivier Jollet.

Gerätehersteller als potenzielle Abnehmer

Neben dem Marktführer gibt es auch weitere Aggregatoren wie Zattoo oder Waipu TV. Das sind Plattformen, die Angebote anderer Anbieter präsentieren. Aber auch Streaming-Plattformen wie DAZN, Telekommunikationsunternehmen oder Gerätehersteller wie Samsung sind potenzielle Abnehmer für DFB Play-TV.
Ergänzt wird der FAST Channel von der App „DFB Play.“ Dammholz: "Die App hat den Vorteil, dass wir den Content auf jedes Land genau aussteuern können."
Denn die Inhalte auf dem Channel können nicht auf die verschiedenen Märkte abgestimmt werden. Der Content ist für alle Märkte gleich. Der kleinste gemeinsame Nenner ist im Fall von DFB Play TV der DFB-Pokal. Im Fall der Frauen-Bundesliga beispielsweise sind die Rechte in einige Märkte verkauft worden, in denen es aber keinen Lizenznehmer für den Pokal gibt. Dort kommt dann die App zum Zuge.

FAST-Channel kann auch Teil einer Medienrechte-Ausschreibung sein

Für die Zukunft ergeben sich andere Perspektiven beim Verkauf der Medienrechte. So kann der FAST-Channel auch in die traditionellen Ausschreibungen integriert werden.
"Es kann aber auch sein, dass es als Verhandlungstool gilt. Sozusagen okay, du zahlst mir nicht den vollen Preis für exklusive Rechte, die ich haben möchte. Dann wollen wir aber entweder parallel oder in Teilen selbst anbieten können", sagt Kay Dammholz vom DFB. Der finanzielle Aufwand ist überschaubar. Die technischen Kosten für einen solchen Channel liegen im niedrigen sechsstelligen Bereich.
"Es geht jetzt nicht um Gewinnmaximierung. Es geht darum, den Content bereitzustellen für alle Fans weltweit. Es geht darum, mit den Lizenznehmern interessante Hybridmodelle zu stricken. Es geht darum, unseren Sponsoren Fläche anzubieten, neue Werbemöglichkeiten, neue Kundenbindungsmaßnahmen, neue Messages senden zu können", sagt Dammholz.
Ein Weg, den auch andere Verbände bald bestreiten könnten. Als die Super League ihr jüngstes Konzept vorgestellt hat, war ein zentrales Versprechen: kostenloses, werbefinanziertes Streaming für alle Fans. Über Fast-Channels.