Montag, 03. Oktober 2022

Krieg, Klimaschutz und steigende Preise
So können Haushalte Energie sparen

Steigende Preise, Klimaschutz, Gaskrise - es gibt viele Gründe, warum es sich lohnt, Energie zu sparen, auch im Sommer. Mit Ausrufung der Alarmstufe des Notfallplans Gas ist Energiesparen ohnehin das Gebot der Stunde. Was kann jede einzelne Person tun?

22.08.2022

    Eine Steckerleiste, in der Geldscheine stecken, aufgenommen am 02.02.2021 in Berlin (gestellte Szene). Foto: Catherine Waibel
    Jede Kilowattstunde kostet und erhöht die Abhängigkeit von Energiequellen (picture alliance / dpa / Catherine Waibel)
    Wegen der angespannten Lage auf den Gasmärkten hat Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) am 23. Juni die Alarmstufe des Notfallplans Gas ausgerufen. Bereits kurz zuvor hatte Habeck vor dem Hintergrund des Angriffskrieges Russlands in der Ukraine eine Kampagne zum Energiesparen gestartet. Ziel ist es, neben dem Klimaschutz die Abhängigkeit von Russland schneller zu reduzieren und die Haushalte zu entlasten. Denn angesichts schnell steigender Energiepreise müssen sich Verbraucherinnen und Verbraucher auf hohe Energierechnungen einstellen. 
    „Der Gasverbrauch muss weiter runter“, sagte Habeck am 21. Juli, als er ein neues Maßnahmenpaket gegen die Knappheit von Erdgas vorlegte. Zum Paket gehören strengere Vorschriften für den Füllstand der Gasspeicher und Vorgaben für öffentliche Gebäude, Büros und private Haushalte. Grundlage ist das am 8. Juli 2022 erlassene Energie-Sicherungsgesetz. Ein Teil der Maßnahmen ist auf sechs Monate befristet, ein Teil auf zwei Jahre.
    Zum Sparen sind Unternehmen, aber auch private Haushalte aufgerufen. Was kann jeder Haushalt tun? Habeck sagte im April: "Als Faustformel würde ich ausgeben: Zehn Prozent Einsparung geht immer." In vielen Bereichen des Haushalts sind schnelle Einsparungen möglich.
    Wo schnell Energie gespart werden kann 

    Klimaanlage 

    Besonders viel Energie lässt sich im Sommer bei der Klimaanlage einsparen. Laut Berechnungen der Internationalen Energie Agentur (IEA) spart jedes Grad, um das die Wohnung nicht heruntergekühlt wird, zehn Prozent des Gesamtenergieverbrauchs. Wer es dennoch kühl zu Hause haben möchte, sollte in den Morgen- und Abendstunden ausreichend lüften.
    Das Außenteil einer Klimaanlage hängt in Essen (Nordrhein-Westfalen) an der Hauswand eines Mehrfamilienhauses.
    Klimaanlagen - so wie hier an einem Haus in Essen - sind Energiefresser (picture alliance / dpa / Caroline Seidel)
    Tagsüber sollten die Fenster allerdings nicht geöffnet werden. Am besten auch nicht gekippt. Rollladen oder Vorhänge helfen auch und halten Wärme ab. Im Notfall hilft auch ein Ventilator, der verbraucht weniger Strom als eine Klimaanlage. 

    Warmwasser

    Auch ohne Klimaanlage gibt es etliche weitere Stellschrauben: so zum Beispiel bei der Grundtemperatur des Warmwassers. Die wird in der Regel über einen elektronischen Durchlauferhitzer oder Untertischspeicher gesteuert. Wer diese Grundtemperatur auf 60 Grad herunterregelt, kann bis zu zehn Prozent der jährlichen Energiekosten einsparen. Das hat die gemeinnützige Beratungsgesellschaft co2online berechnet - basierend auf den jährlichen Durchschnittswerten des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) für 2021. Sollten die Preise weiter steigen, sind die Ersparnisse noch höher.
    Die 60 Grad beziehen sich dabei auf die voreingestellte Maximaltemperatur. Weniger sollten es nicht sein, denn bei diesen Temperaturen sterben gesundheitsgefährdende Bakterien. Das tatsächliche Bade- und Duschwasser, das wir als angenehm warm bis heiß empfinden, hat Körpertemperatur bis maximal 40 Grad - deshalb leidet auch nicht der Komfort. Dennoch spart es Energie, weniger heiß zu duschen und auf die ein oder andere warme Badewanne zu verzichten.
    Ein Großteil des Energieverbrauchs beim Waschen mit der Waschmaschine wird für das Aufheizen des Wassers auf die gewünschte Temperatur benötigt. Für das Waschen bei 30 Grad Celsius wird nur ein Drittel des Stroms gebraucht als für das Waschen bei 60 Grad Celsius. Es lohnt sich also, die Maschine etwas kälter laufen zu lassen, wenn die Verschmutzung nicht stark ist. Auch die Kleider verschleißen dann langsamer. Häufig benötigt es auch keine Vorwäsche mehr, weil die Hauptprogramme so leistungsfähig sind, dass die Wäsche auch so sauber wird. 

    Strom und Elektrogeräte

    Strom macht 15 Prozent des Energieverbrauchs eines Haushalts aus. Im Badezimmer steht bei vielen der Trockner. Wer darauf verzichtet und im Sommer an der frischen Luft die Wäsche trocknet, kann große Mengen an Energie einsparen.
    Wie alt ist ihr Kühlschrank? Haushaltstechnik, die älter als 15 Jahre ist, ist meist komplett energieineffizient und sollte ausgetauscht werden – Kühlschränke beispielsweise. Ein modernes Gerät der besten Energieeffizienzklasse verbraucht im Vergleich zu älteren Modellen bis zu 50 Prozent weniger Strom. Ein Kühlschrank muss außerdem generell nicht auf vier Grad eingestellt sein, sieben genügen, auch für die Tiefkühltruhe reichen minus 18 Grad aus. Auch ein Blick in ihren Kühlschrank lohnt sich. Gibt es bereits eine Eisschicht im Kühlschrank oder in der Gefriertruhe? Dann auf jeden Fall abtauen, denn das Eis vergrößert den Stromverbrauch erheblich. 
    Eine Frau kratzt in einer Kueche in Hamburg den mit einem Loeffel Eis aus dem Tiefkuehlfach (gestellte Szene).
    Besser mal abtauen - wer Eisschichten im Gefrierfach hat, der sollte lieber mal den Kühlschrank abtauen. Ansonsten geht viel Energie verloren. (picture alliance / dpa / Christin Klose)
    Zudem ist ein gut gefülltes Gefrierfach sinnvoll: Sobald es geöffnet wird, strömt warme Luft herein, die dann wieder heruntergekühlt werden muss. Ist der Innenraum voll mit Lebensmitteln, bleibt weniger Platz für Luft. Allerdings ist der Spareffekt eher gering, da für die Abkühlung der Luft nur relativ wenig Energie verbraucht wird.
    Gar nicht sinnvoll ist der im Internet kursierende Tipp, Platzhalter wie gefüllte Wasserflaschen im Kühlschrank oder Gefrierfach zu lagern: Kaltes Wasser speichert die Kälte zwar besser als Luft, doch die Abkühlung auf die entsprechende Temperatur verbraucht mehr Energie, als später eingespart werden kann. Besser ist es, einen größeren Vorrat an Kühlwaren einzulagern, die ohnehin benötigt werden.
    Beim Licht lässt sich nicht so viel sparen – die meisten Haushalte verwenden schon Energiesparlampen. Sollte das nicht so sein, dann ist die Ersparnis groß, wenn die alten Glühbirnen gegen Energiesparlampe oder sogar LEDs ausgetauscht werden. In Räumen, in denen man sich nicht aufhält, sollte man das Licht ausschalten.
    Schalten Sie zumindest ältere oder mit einem Netzwerk verbundene Geräte auch lieber aus - der Standbymodus lässt den Stromzähler langsam aber stetig steigen. In einem durchschnittlichen Dreipersonenhaushalt machen unnötige Kosten durch Standby im Schnitt etwa acht Prozent der Stromrechnung aus - so das Portal Co2Online. Was viele auch nicht wissen: Ladekabel etwa für Smartphone, Tablet oder Powerbank verbrauchen auch dann Strom, wenn gar kein Endgerät angeschlossen ist. Stecken sie mehrere Stunden am Tag "nur" in der Steckdose, kostet das etwa 20 Cent mehr pro Jahr. Für den einzelnen Haushalt ist das zwar nicht viel, doch in der Summe ergibt sich ein unnötiger Energieverbrauch, mit dem sich einer Vattenfall-Studie zufolge über 2.000 Zwei-Personen-Haushalte ein Jahr lang mit Strom versorgen könnten.
    Der sogenannte Leerlaufverbrauch durch Standby und ungenutze Ladekabel kann mit einer Steckdosenleiste mit Kippschalter vermieden werden: So können mehrere Geräte gleichzeitig vom Netz genommen und am "Stromfressen" gehindert werden.
    Beim Geschirrspüler sollte man das Energiesparprogramm wählen. Und wer die Wahl hat, ob er einen PC oder einen Laptop benutzt: Der Laptop frisst viel weniger Strom. 
    Ein Energiespar-Klassiker für die Küche ist außerdem das Kochen mit Deckel auf dem Topf. Auch das Vorheizen im Backofen ist kein Muss. Es geht auch ohne und dadurch sparen sie auch wichtige Energie. Hinzu kommt: Mit der Restwärme des Backofens wird ihr Gericht auch noch gar. Es ist also möglich, den Backofen schon früher auszuschalten und diese Energie zu sparen.
    Außerdem gilt: kleineres Gerät, kleinerer Verbrauch. Kleingeräte wie Mikrowellen oder Wasserkocher sparen Strom im Vergleich zum Herd. Beim Kochen also am besten nur eine kleine Wassermenge im Topf auf dem Herd erhitzen und den größten Teil der benötigten Menge zuvor im Wasserkocher zum Kochen bringen.

    Unterwegs

    Egal ob mit einem Stromer, Diesel oder Benziner - wer weniger Auto fährt, der spart Geld und schont die Umwelt. Dasselbe gilt auch für die Automodelle. Schwerere Autos verbrauchen in der Regel mehr Energie. Wer mit dem Auto unterwegs ist, kann genau wie in der Wohnung mit ein paar Kniffen Energie einsparen. So zum Beispiel über die Klimaanlage. Der ADAC kommt in einen Mehrverbrauch von zehn bis 15 Prozent beim Laufen einer Klimaanlage 

    Heizung

    Im Sommer fällt sie weniger ins Gewicht, doch in den kühlen Monaten schlägt sie besonders aufs Konto: die Heizung. Heizkosten machen in vielen Haushalten 70 Prozent der Energiekosten aus. Es wird billiger, wenn man die Temperatur herunterdreht, beispielsweise auf 19 Grad, und sich stattdessen etwa einen Pullover anzieht.
    Eine Frau dreht an einem Heizungsthermostat. Die steigenden Energiekosten bereiten vielen Haushalten Sorge. Strom- und Gaspreise sind auch für Verbraucher in den vergangenen Monaten teilweise drastisch erhöht worden.
    Vor allem die Heizung verbraucht viel Energie. Mit etlichen Tricks kann viel eingespart werden. (picture alliance/dpa / Marcus Brandt)
    Den Raum ein Grad kälter zu machen bedeutet, die Energiekosten zwischen sechs und sieben Prozent zu senken. Im Schlafzimmer genügen oft auch 16 oder 17 Grad. Wenn der Regler am Heizkörper auf fünf gedreht ist, heizt er den Raum auf bis zu 28 Grad hoch. 20 Grad wären etwa Stufe drei. Wer heizt, der muss auch Lüften. Durch dauerhaft gekippte Fenster verpufft immer sehr viel Energie und es entstehen sogenannte Kältebrücken. Der Tipp zum Lüften heißt deshalb: Lieber fünf Minuten Stoßlüften als dauerhaft ein Fenster zu kippen. Das reicht – und senkt die Energiekosten deutlich.
    Ein anderer Ansatz, bei der Heizung Kosten zu sparen, heißt: gute Dämmung. Es sei sinnvoll, die Gebäudehülle zu verbessern, bevor man eine neue Heizung einbaue, sagt etwa der unabhängige Energieberater Jürgen Leppich. Auf diesem Weg könne man eine kleinere Heizung einbauen. Die Heizkosten gingen in der Folge nach unten und die Amortisationszeit der Dämmmaßnahmen sei heute kürzer als früher, weil die Energiepreise nach oben gegangen sind. Allerdings sind auch die Kosten für eine Gebäudedämmung deutlich gestiegen, wegen des Fachkräftemangels im Handwerk und gestiegener Materialpreise. Gute Planung ist hier also wichtig.

    Wie groß ist der Einfluss von privaten Verbrauchern?

    Laut Daten des Bundesumweltamts machen die privaten Haushalte in Deutschland knapp ein Drittel des Endenergieverbrauchs aus. Die insgesamt mehr als 41 Millionen Haushalte verbrauchen am meisten Energie durchs Heizen. Sie verbrauchen auch ein Viertel des gesamten Stroms in Deutschland.
    Struktur des Energieverbrauchs nach Sektoren in Deutschland 2020
    Struktur des Energieverbrauchs nach Sektoren in Deutschland 2020 (Statista)
    Nach Angaben des Verbraucherportals Bayern können Durchschnittshaushalte ihre Stromkosten um bis zu 50 Prozent senken. Laut dem Ökonom Jens Südekum sind Energie-Einsparungen von Haushalten durchaus sinnvoll, denn sie könnten dazu führen, dass die Industrie im Notfall weniger einsparen müsse und es in Folge im Falle eines plötzlichen Ausfalls des russischen Gases weniger Produktionsstopps gebe.

    Was, wenn das mit dem freiwilligen Sparen nicht ausreicht? 

    Deutschland müsse mit voll gefüllten Gasspeichern in den Winter gehen, hat Wirtschaftsminister Habeck betont und angekündigt, zur Not auch gesetzliche Energiesparmaßnahmen zu ergreifen. Derzeit liegt der Füllstand der Gasspeicher laut Habeck bei 56 Prozent. Allerdings hat Russland die Gaslieferungen nach Deutschland bereits gedrosselt Momentan fließen nur noch 40 Prozent der technisch möglichen Kapazitäten nach Deutschland. Welche gesetzlichen Maßnahmen bei einer Verschärfung der Lage ergriffen werden könnten, ließ Habeck offen.
    Die Bundesnetzagentur hatte vorgeschlagen, die gesetzlichen Vorgaben zur Mindesttemperatur in Gebäuden zu senken. Bislang muss die Heizungsanlage während der Heizperiode so eingestellt werden, dass eine Mindesttemperatur von zwischen 20 und 22 Grad Celsius erreicht wird. Gegenwind gab es bereits vom Mieterbund. Der hält den Vorschlag für zu undifferenziert. Ältere Menschen etwa würden häufiger und schneller frieren als jüngere. Auch die FDP hat bereits vor Verboten beim Energiesparen gewarnt.
    Der Ökonom Jens Südekum von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf begrüßte den Aufruf zum Energiesparen im Dlf. Auch er sagte aber, sollte es dazu kommen, dass Russland den Gashahn komplett zudrehe, werde Freiwilligkeit nicht mehr ausreichen.
    Der Ökonom wies zudem darauf hin, dass viele Privathaushalte langfristige Verträge mit Gasversorgern hätten. Die Preiserhöhungen seien bei Kunden teilweise noch gar nicht angekommen. Laut Südekum sieht im Fall eines russischen Lieferstopps das Energiesicherungsgesetz der Bundesregierung vor, dass Verträge kurzfristig geändert werden dürfen. Dann könnten die Preise „empfindlich“ steigen. Das könnte dann wiederum Signale zum Sparen senden. 
    Quellen: Sandra Pfister, NM, dpa