Montag, 20. Mai 2024

Interview "Mein Europa"
AnnenMayKantereit-Gitarrist kritisiert Streaming-Riesen Spotify

Christopher Annen ist Gitarrist der Band AnnenMayKantereit und politisch engagiert. Bei der 1. Europakonferenz des Deutschlandfunks spricht er über seinen Kampf gegen die Benachteiligung von Musikern durch Europas Streaming-Giganten Spotify.

Christopher Annen im Gespräch mit Frederik Rother | 13.04.2024
Zu sehen ist Gitarrist Christopher Annen im Gespräch mit Moderator Frederik Rother auf der Europakonferenz im Deutschlandfunk.
Christopher Annen (34 Jahre) ist Gitarrist der deutschen Popband AnnenMayKantereit. Er genießt den kulturellen Austausch in Europa. (Jessica Sturmberg /Deutschlandfunk)
Als Musiker kommt er schon von Berufs wegen in Europa herum: Christopher Annen ist Gitarrist der deutschen Pop-Band AnnenMayKantereit, die auch über Deutschlands Grenzen hinaus Fans hat. Annen war als reisender Musiker und politisch engagierter Mensch zu Gast bei der 1. Europakonferenz des Deutschlandfunks, die den gesellschaftlich wichtigen Sommer mit der anstehenden Europawahl und der Fußball-Europameisterschaft in Deutschland thematisierte.

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Im Dlf-Interview sprach der 34-Jährige etwa darüber, welche Bedeutung die Länder der Europäischen Union ganz konkret für sein kreatives Schaffen als Musiker haben. Die Band AnnenMayKantereit hat zum Beispiel ihr zweites Album in Spanien aufgenommen. "Wir hatten da eine Ferienunterkunft, wo wir ein Studio reingebaut haben. Dann haben wir da zwei Monate das Album aufgenommen. Wir haben nur gearbeitet, aber es war trotzdem eine total schöne Erfahrung." Es sei für die Kreativität und Produktivität förderlich, irgendwo hinzufahren, "wo man uns nicht kennt, wie in so einem Kloster".

Gitarrist Annen genießt kulturellen Austausch in Europa

Der junge Gitarrist machte klar: Er fühlt sich als Europäer. Annen erklärte: "Von diesem kulturellen Austausch, dass das ein Stück weit identitätsstiftend ist, das ist ein großer Teil von Europa."
Doch der Musiker legte auch den Finger in die Wunde und beklagte auch Probleme innerhalb der EU: "Ich denke an Moria, an die Außengrenzen, die Menschen, die im Mittelmeer ertrinken, die große Ungleichheit, die immer noch in der EU auch in Deutschland speziell herrscht, die Millionen Menschen in Armut."

Was Christopher Annen an Streamingdiensten kritisiert

Konkret die Musikbranche betreffend, engagiert sich Annen als Vorstand bei "Pro Musik", einem Verband für freie Musikschaffende. Annens Hauptthema: Die aus seiner Sicht mangelnde Vergütung für Künstlerinnen und Künstler, deren Musik etwa beim europäischen Streaming-Giganten Spotify (Hauptsitz in Schweden) abrufbar ist.
Der Gitarrist erklärte auf dem Podium: "Am Ende kommt tatsächlich zu wenig bei den Musikerinnen und Musikern an." Das liege etwa an geringen Abo-Preisen und daran, dass viel Geld bei den Musik-Labels und Vertriebsfirmen hängen bleibt.
Denn Streaming-Gelder gehen nicht direkt von Nutzerinnen und Nutzern an die Künstlerinnen und Künstler. Das gesammelte Geld landet in einem großen Topf. Ein Drittel davon behält nach Recherchen des ZDF der Konzern, einen weiteren Teil bekommen Verwertungsgesellschaften (wie z.B. die GEMA) und einzelne Musik-Labels.
Anfang 2024 hat Spotify sein Vergütungsmodell nochmal umgestellt, sodass nun Musikerinnen und Musiker nur noch Geld bekommen, wenn ihr Lied mindestens 1.000 Streams im Jahr erzielt – was Newcomer und junge Bands hart trifft. "Ich glaube, dass viele nicht den Schritt in die Professionalisierung schaffen, weil es so schwierig ist, davon zu leben", urteilte Annen, der mit seinem Verband Pro Musik über 50.000 Unterschriften für eine Petition gegen die Neuerung sammelte.

EU-Parlament signalisiert Unterstützung für Musikschaffende

Politische Unterstützung gibt es mittlerweile vom EU-Parlament, das sich Anfang des Jahres 2024 an die Seite der Musikschaffenden stellte. Die EU forderte eine fairere Einnahmenverteilung bei Streamingdiensten. Ein Gesetz gibt es noch nicht, aber immerhin die Resolution von Mitte Januar.
Annen bewertet das so: "Alleine, dass in so einem mit ganz breiter Mehrheit verabschiedeten Papier steht: Die Künstlerinnen und Künstler, die Urheberinnen und Urheber sind das erste Glied der Wertschöpfungskette – und die, bei denen am Ende der kleinste Betrag hängen bleibt. Dass ein Parlament das mal schwarz auf weiß sagt, das ist ein super wichtiges Zeichen und die Grundlage, um zu gucken, wie wir es besser machen können."

jti