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StartseiteCorso"Mit einem Bein im Knast"02.04.2020

Filmproduktion in Coronazeiten"Mit einem Bein im Knast"

Weiterdrehen oder unterbrechen? Kinostart verschieben oder den Film direkt digital rausbringen? Der Produzent Stephan Arndt forderte schon einen behördlich verordneten bundesweiten Drehstopp. "Das Dumme ist, dass die Kunst, die wir herstellen, sehr teuer ist", sagte er im Deutschlandfunk.

Stephan Arndt im Gespräch mit Sebastian Wellendorf

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Wie wirkt sich Corona auf laufende Filmproduktionen und geplante Filmstarts aus? Die Produktionsfirma "X-Filme Creative Pool" in Berlin, die unter anderem für "Babylon Berlin" und die"Känguru Chroniken" verantwortlich zeichnet, fordert in einem Appell einen behördlich verordneten Drehstopp. Darin heißt es: "So lange uns von keiner offiziellen Stelle juristisch gesichert jegliche Dreharbeiten untersagt werden, sind wir als deutsche Filmproduzenten nicht in der Lage, einen Drehabbruch auf eigene Initiative und Haftung durchzuziehen, ohne Schäden in Millionenhöhe und damit das Überleben der Firma zu gefährden."

Stephan Arndt, der zusammen mit den Regisseuren Tom Tykwer, Dani Levy und Wolfgang Becker die Firma 1994 gegründet hat, erklärte dazu im Deutschlandfunk, dass die Produktionsfirma das wirtschaftliche Risiko eines Drehs trage und notfalls den Schaden bezahlen müsse. Wenn die Situation aber gesetzlich geregelt sei, dann gebe es zumindest eine gesunde Grundlage, um das Ganze zu verhandeln.

Kussszenen machen Angst

Umarmungs- und Kussszenen zum Beispiel, bei denen man die Abstände nicht einhalten könne, würden den Schauspielern Angst bereiten, und mit Angst sei man als Künstler in der Regel nicht gut, so Stephan Arndt. 

Die vierte Staffel "Babylon Berlin" befinde sich in Vorbereitung, die Dreharbeiten seien aber zum Glück erst für Anfang nächsten Jahres angesetzt. Allerdings sei auch dafür nichts geklärt. Im Januar werde es Corona immer noch geben. "Ich habe nicht die geringste Vorstellung davon, wie wir dann drehen sollen und was passiert, wenn ein Mensch am Set Corona bekommt", sagte Arndt. Er sehe sich schon mit einem Bein im Knast, weil jeder am Set ihn dann verklagen könne. 

"Die Känguru-Chroniken" ab sofort im Heimkino

Um die X-Filme-Produktion "Känguru-Chroniken" sei es aktuell besonders schade, denn kurz nach einem sehr guten Kinostart mussten die Lichtspielhäuser schließen. Seine Firma habe damit einen großen Verlust gemacht. Man habe sich zusammen mit den Kinos entschieden, den Film jetzt ausnahmsweise schnell elektronisch zur Verfügung stellen, und die Kinos an den Downloadeinnahmen zu beteiligen. Denn das Kino sei die Edelschmiede. Nach Ende der Krise wolle man ihn wieder auf die Leinwände bringen.

"Wir stellen ja keine Unterhosen her"

Die von der Politik ausgerufene "Bazooka" der KfW- Kredite werde 90% der Branche nicht helfen, sagte Arndt. Man stelle ja keine Autos, Waffen oder Unterhosen her, was sich realtiv konservativ rechnen lasse. Filme seien eben Kunstwerke, deshalb müsse man sich etwas anderes ausdenken und gemeinsam der Politik erklären, "dass uns mit 9000 € nicht geholfen ist. Das ist ja das Dumme, dass es so eine teure Kunst ist, die wir herstellen."

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Ab den 2. April können DIE KÄNGURU-CHRONIKEN früher als üblich auf den Video on Demand-Portalen gestreamt werden. Der Preis ist mit etwa 17 Euro teurer als für Streams üblich. Ein großer Teil der Einnahmen soll an die Kinos gehen.

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