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StartseiteCampus & KarriereMehr Wettbewerbsfähigkeit - aber auch mehr Druck11.05.2016

Forschungsstandort DeutschlandMehr Wettbewerbsfähigkeit - aber auch mehr Druck

Die Bundesregierung hat einen Bericht zum Zustand von Forschung und Innovation in Deutschland vorgelegt. Demnach hat sich der Forschungsstandort Deutschland in den letzten Jahren gut entwickelt. Doch der internationale Konkurrenzdruck ist groß - besonders aus Japan und China.

Von Christiane Habermalz

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) am 29.01.2016 in Berlin bei der Pressekonferenz zur Evaluation "Wie geht es weiter mit der Exzellenz-Initiative für Wissenschaft und Forschung?" (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)
Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)
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Der neue BUFI, kurz für "Bundesbericht für Forschung und Innovation" in Deutschland ist 731 Seiten stark und wiegt knapp 2,7 Kilo. Ein Schriftstück, mit dem man jemanden erschlagen kann. Und erschlagen fühlt sich auch erst einmal jeder, der aus dem Mammut-Hochglanzwerk Informationen zu ziehen und Trends abzuleiten versucht. Gut, dass das Bundesforschungsministerium die Lesehilfe gleich mitliefert. Und die lautet: Deutschland gibt mehr Geld als je zuvor für Forschung und Entwicklung aus. Nämlich - die jüngsten Daten sind von 2014 -  84 Milliarden Euro. Und auch die Zahl der Jobs in Forschung und Entwicklung hat einen Rekordwert erreicht: 600.000 Menschen arbeiten in diesen Bereichen, ein Drittel mehr als noch 2005. Das Fazit der zuständigen Bundesministerin Johanna Wanka: 

"Dass wir zugelegt haben an Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit, dass gleichzeitig aber auch der Wettbewerbsdruck steigt."  

Innovationsschwache mittlere und kleine Unternehmen

Der größte Teil, nämlich zwei Drittel der Forschungsausgaben, wird durch die Wirtschaft getätigt. Doch auch die öffentlichen Fördermittel für Forschung und Innovation sind seit 2005 kontinuierlich gestiegen. 14,2 Milliarden gab allein der Bund im Jahr 2014 aus - vor zehn Jahren waren es noch neun Milliarden. Grund, sich allseits auf die Schulter zu klopfen also. Doch was wurde mit dem Geld erreicht? Die unabhängige Expertenkommission Forschung und Innovation hatte Deutschland im Februar ein paar Schwachstellen ins Klassenbuch geschrieben. Vor allem die kleinen und mittleren Unternehmen seien eher innovationsschwach und täten sich mit der Anwendung von Big Data schwer - deutlich schwerer als in anderen Ländern. Man betrachte mit Sorge, so Wanka "dass die Ausgaben, die wir in der Bundesregierung insgesamt für kleine und kleinste Unternehmen seit Jahren ausgeben, nicht dazu geführt haben, dass die Innovationsstärke dieser Unternehmen gewachsen ist. Und das war auch ein Grund, dass wir auch in meinem Haus eigentlich ein ganzes Jahr lang diskutiert haben."  

Gewicht auf Schlüsseltechnologien legen

Mit dem im Januar vorgestellten Zehn-Punkte-Programm "Vorfahrt für den Mittelstand" will das Ministerium nun kleine und mittlere Unternehmen verstärkt fördern und zur Zusammenarbeit mit Hochschulen und außeruniversitären Einrichtungen animieren, um neue Ideen umzusetzen. Deutschland steht als Innovationsstandort dennoch gut da, betonte Wanka. 30 Prozent der Investitionen in Europa in Forschung und Entwicklung werden von Deutschland getätigt:

"Noch mal eine Einschätzung von der Weltorganisation für geistiges Eigentum, die mal geschaut hat, wo ist Deutschland jetzt auf den vorderen Rängen, nach Themen bezogen, da sind wir zum Beispiel beim 3-D-Druck auf Platz 3, bei Robotik auf Platz 5, in der Nanotechnologie auf Platz 5, also im vorderen Feld. Aber der Vorsprung kann ganz schnell schrumpfen." 

Die deutsche Forschungspolitik, betont Wanka, muss daher in Zukunft vor allem Gewicht auf die Schlüsseltechnologien legen, das sind laut BUFI die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft, der Umgang mit großen Datenmengen, sowie sichere und hochleistungsfähige Kommunikationssysteme. Weitere Schwerpunkte liegen auf Mikroelektronik, Energieforschung  und Mobilität.

Rückläufige Zahl bei den Patenten

Doch Quantität ist nicht gleich Qualität. Als Indikator für die Relevanz von Forschung gilt die Zahl der angemeldeten marktrelevanten Patente - hier ist der Konkurrenzdruck besonders hoch. Japan etwa hat seit 2003 seine Patentanmeldungen um 52 Prozent gesteigert - Deutschland im gleichen Zeitraum nur um 9 Prozent. In den letzten Jahren waren die Zahlen sogar rückläufig. Als weiterer Gradmesser für die Qualität von Forschungsleistung wird die Exzellenzrate ermittelt - dabei wird gezählt, wie oft eine wissenschaftliche Publikation international zitiert oder verwendet wurde. Die USA liegen hier traditionsgemäß weit vorn. Doch deutsche Wissenschaft, das geht aus dem Bericht hervor, konnte sich kontinuierlich steigern und zählt heute zu den zehn Prozent meistzitierten weltweit. Allerdings dicht gefolgt von China, deren Forschungsergebnisse immer größere internationale Beachtung finden. 

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