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StartseiteSport AktuellMachtkampf im DFB: Nazivergleiche und brisante Verbindungen26.04.2021

FußballMachtkampf im DFB: Nazivergleiche und brisante Verbindungen

Der DFB kommt nicht zur Ruhe. Seit Monaten bekämpfen sich Präsident Fritz Keller und sein Vize Rainer Koch – intern und extern. Wie extrem dieser Streit verläuft, zeigt unter anderem ein Vorfall, über den das Nachrichtenmagazin Der Spiegel heute berichtet: Präsident Keller soll während einer Präsidiumssitzung Koch, der Richter ist, mit dem Nazi-Richter Roland Freisler verglichen haben. Keller bat bereits um Entschuldigung. Unterdessen gibt es neue Erkenntnisse rund um den Medienberater Kurt Diekmann.

Von Thomas Kistner

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Fritz Keller, Präsident vom Deutschen Fußball-Bund (DFB), steht unter einem DFB-Logo (dpa / Boris Roessler)
Fritz Keller, frisch gewählter Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (dpa / Boris Roessler)
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Umtriebig und diskret – so lässt sich die Arbeit von Kurt Diekmann gut beschreiben. In den vergangenen Jahren haben sich die Wege des Kommunikationsberaters und hohen DFB-Funktionären immer wieder gekreuzt. 2016, auf dem Höhepunkt der Sommermärchen-Affäre, ist Diekmann zum Beispiel bei einem geheimen Treffen mit Rainer Koch und dem Korruptionsaufklärer Mark Pieth anwesend.

Medienberater vom DFB bezahlt - und für den Spiegel im Dienst

Jetzt räumt der DFB ein, Diekmann ab April 2019 bezahlt zu haben. Das ist doppelt brisant: Zum einen arbeitet Diekmann damals auch bis Mai 2019 für das Nachrichtenmagazin Der Spiegel, wie dieser mitteilt. Und vor allem stürzt in jenem April 2019 der damalige DFB-Präsident Reinhard Grindel über diverse Affären. Grindel war bei seinen Kollegen um Vize Rainer Koch und Generalsekretär Friedrich Curtius in Ungnade gefallen, ständig fanden Indiskretionen gegen ihn aus dem DFB-Inneren an die Öffentlichkeit.

Jetzt zeichnet ein Mailverkehr ein brisantes Bild. Am 27. März 2019 gratuliert Medienberater Diekmann einem Spiegel-Redakteur zu dessen Fragenkatalog an den DFB: "Chapeau! Mit dieser Großkalibersalve habt (haben wir) die Munitionskammer des Grinch erwischt. Er war offenbar heute Abend nicht einmal intern zu einer Reaktion fähig."

Mit "Grinch" war Grindel gemeint. Der Einschub "Haben wir" weist darauf hin, dass Diekmann selbst an der Demontage des DFB-Präsidenten mitgewirkt hat. Umso wichtiger ist die Frage, warum Diekmann nur Tage später, im April, eine Tätigkeit beim DFB aufnehmen kann – und dafür insgesamt 360.000 Euro kassiert.

Keller unter medialer Beobachtung wie zuvor Grindel

Die zahllosen Merkwürdigkeiten um Diekmann haben vor Monaten auch bei DFB-Präsident Fritz Keller Fragen ausgelöst. Wie sein Vorgänger Grindel sieht er sich ständigen medialen Attacken ausgeliefert. Auf Kellers bestreben untersuchen Wirtschaftsprüfer Diekmanns Vertrag. Ihren Zwischenbericht haben sie vor wenigen Tagen vorgelegt – darin bringen sie sogar eine Selbstanzeige des DFB ins Spiel. Der DFB wirft den unabhängigen Prüfern hingegen  "falsche Annahmen" und "juristisch unrichtige Erwägungen" vor, die Experten hätten ihre Überlegungen noch nicht abgeschlossen.

Der Brisanz der Personalie Diekmann tut das keinen Abbruch. Kürzlich hat der Medienberater sogar Strafanzeige gegen DFB-Präsident Keller wegen Geheimnisverrats gestellt, weil eine Rechnung öffentlich geworden war. Dabei könnte der Agent nach Aktenlage sogar noch in einem Vertragsverhältnis mit Kellers DFB sein. Unwahrscheinlich, dass diese Strafanzeige die letzte im Showdown an der DFB-Spitzen sein wird.

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