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StartseiteHintergrundHunger und politisches Chaos06.05.2016

HaitiHunger und politisches Chaos

Haiti ist eines der ärmsten Länder der Welt. Noch immer leiden die Menschen unter den Folgen des Erdbebens vor sechs Jahren. Dazu kommt ein politisches Chaos: Seit Januar ist das Land ohne gewählte Regierung. Deswegen bleiben die dringenden Probleme ungelöst: Hunger, Elend und auch extreme Umweltzerstörung, die ein Grund für die Armut ist. 

Von Anne-Katrin Mellmann

Kinder und Jugendliche spielen auf einem umzäunten und ummaierten Feld  (HECTOR RETAMAL / AFP)
Kinder und Jugendliche an einer Schule in Cite Soleil, Haiti (HECTOR RETAMAL / AFP)
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Cap Haitien liegt an einer karibisch-blauen Meeresbucht im Norden Haitis. Die Uferstraße mit kolonialer Architektur könnte ein Postkartenmotiv sein, wären da nicht das Verkehrschaos und die Berge von Müll am Strand. Viele Einwohner kamen erst nach dem Erdbeben 2010, als die Hauptstadt Port-au-Prince in Schutt und Asche lag. Die meisten schlagen sich mit An- und Verkauf und kleinen Gelegenheitsjobs durch, leben von weniger als einem Euro am Tag - nach den Kriterien der Weltbank ist das extreme Armut. Demnach sind auch die Lehrer der Schule "Amitié" extrem arm, weil keiner von ihnen mehr als 35 Euro im Monat verdient.

Der deutsche Konsul Broder Schütt, der 53 seiner 72 Lebensjahre in Cap Haitien verbracht hat, begrüßt einen der Lehrer mit Scherzen auf Kreol. Die Familie Schütt organisiert Spenden für die Schule, die es schon seit 20 Jahren gibt. Beide Männer inspizieren das schlichte Gebäude, unter dessen Wellblechdach sich die feuchte, schwer erträgliche Hitze staut. 

Abseits des perfekten Karibikstrands

Strom für Ventilatoren oder gar Computer gibt es nicht. Etwa 500 Kinder lernen in zwei Schichten, morgens und nachmittags, weil der Platz sonst nicht reicht. Die Klassen haben 50 Schüler. Auf Kreol und Französisch lernen sie hier Lesen, Schreiben und Rechnen - sechs Jahre lang das Nötigste - und sind damit schon besser dran als andere. In dem Armenviertel reichen die staatlichen Schulen nicht aus für die Menge der Kinder. Viele können gar nicht zur Schule gehen. Etwa 50 Prozent der Haitianer sind Analphabeten. Broder Schütt bringt manchmal Kreuzfahrttouristen hierher. Sie verbringen einige Stunden an einem perfekten weißen Karibikstrand in der Nähe - aber Welten entfernt von Not und Elend: 

"Ich habe in der Weihnachtszeit, da sind Touristen, die Kinder haben, die wollten das ihren Kindern zeigen. Vor Weihnachten, die wollen alle die neuesten Videospiele haben, die wollen den Kindern zeigen, es gibt eine andere Seite. Dann kommen sie hierher und sind geschockt - und wie gut sie es da haben. Das bringt sie zurück zur Erde". 

Politische Stabilität ist nicht in Sicht

Geschockt wegen der überfüllten, stickigen Räume, wegen des fauligen Gestanks, der vom Abwasserkanal hochsteigt, der quer über den Schulhof führt, wegen der Müllberge, die sich am angrenzenden Flussufer türmen. Ziegen und Schweine fressen in der Kloake. Die Schulküche musste vor vier Jahren schließen, weil das Geld für die eine Mahlzeit am Tag, die hier gekocht wurde, nicht mehr reichte. Gerade mal 160 Euro wären für die 500 Kinder täglich nötig. Seit es das Essen nicht mehr gibt, haben die Schüler schlechtere Lernergebnisse. Zu Hause gab es noch nie genug und durch die Dürre, die schon seit drei Jahren herrscht, noch viel weniger. Die Trockenheit ist eine Katastrophe in dem Land, in dem die meisten von dem leben, was sie selbst ernten. Subsistenzwirtschaft ist in Haiti die Regel. Broder Schütt hofft auf Tourismus, damit es mehr Wachstum gibt. Aber dazu müsste erst einmal politische Stabilität einkehren in dem Krisenstaat. Die ist nicht in Sicht. 

Haitis ehemaliger Präsident Michel Martelly (Jean Jacques Augustin/dpa)Haitis ehemaliger Präsident Michel Martelly (Jean Jacques Augustin/dpa)

"Haiti Cherié" - singt Sweet Micky, auch bekannt als Michel Martelly. Er war der letzte gewählte Präsident des Landes. Im Februar schied er ohne einen legitimierten Nachfolger aus dem Amt. Wahlen haben stattgefunden, aber vier Anläufe zur nötigen Stichwahl scheiterten. Immer wieder gibt es Unruhen, vor allem in der Hauptstadt Port-au-Prince. Sie sind heftiger geworden, seit auch der vierte Termin zur Stichwahl platzte. 

Nach der ersten Wahlrunde kamen von der unterlegenen Opposition Betrugsvorwürfe. In- und ausländische Experten überprüften die Ergebnisse und befanden sie für gut. Trotzdem wird die Wahl noch einmal überprüft. So will es die derzeitige Übergangsregierung, die dadurch länger amtieren kann.

Chaotischer Wahlprozess

Internationale Organisationen sind nicht begeistert davon. Die ersten drohen damit, die Budgethilfe zu kürzen, wenn nicht bald eine legitimierte Regierung antritt. Im Büro der haitianischen Nichtregierungsorganisation Act Alliance in der Hauptstadt Port-au-Prince arbeitet Edouard Paultre und ärgert sich über diese Einmischung. Er ist überzeugt davon, dass die erneute Prüfung durch die sogenannte "Wahrheitskommission" richtig und notwendig ist - und sei der internationale Druck auch noch so hoch. Die Manipulationen seien zu offensichtlich gewesen:

"Einige Parteien haben ihre eigenen Wahlbeobachter geschickt, die von Wahllokal zu Wahllokal gingen und mehrmals für ihren Kandidaten stimmten. Viele haben gewählt, ohne sich auszuweisen. Das wurde später nur als 'Unregelmäßigkeit' bezeichnet. Aber, wenn in einem Lokal 150 Menschen wählen und die Hälfte davon nicht auf der Wählerliste steht, dann ist das Betrug. Die bisherigen Überprüfungen sollten das Ausmaß des Wahlbetrugs zeigen. Und bei der letzten kam heraus, dass nur acht Prozent der Ergebnisse richtig waren. Der Rest war total falsch".

Trotzdem sprachen sich die Prüfer für eine Fortsetzung des chaotischen Wahlprozesses aus. Er hat bereits etwa 100 Millionen Euro gekostet, viel zu viel für das bettelarme Haiti. 90 Prozent hat das Ausland deshalb beigesteuert, einen großen Teil die Europäische Union.

Politisches Chaos verschärft wirtschaftliche Krise

Antje Grawe, politische Beraterin der UN-Sondergesandten der Friedens- und Stabilisierungsmission Minustah, drückt es diplomatisch aus: Wenn es der Demokratie diene, werden die Sicherheitskräfte von Minustah den Wahlprozess weiterhin logistisch unterstützen. 

"Das ist eine der ganz großen Herausforderungen einer jeden jungen Demokratie, die ja durch sehr turbulente Zeiten in ihrer Geschichte gegangen ist - also was so etwas kreiert, das ist ein Klima von Misstrauen. Jeder misstraut im Grunde genommen jedem. Niemand traut der Wahlkommission. Niemand traut der Regierung. Und niemand traut Überprüfungskommissionen. Und hinzu kommt eine Kultur, die Schwierigkeiten damit hat, verlieren zu können. Und dementsprechend jeder immer wieder versucht, Wege zu finden, doch noch als Sieger aus dem Ganzen hervorzugehen".

Unterstützer-Demonstration in Port-au-Prince für die Wahlkommission, die die Wahlen von 2015 untersucht. (HECTOR RETAMAL / AFP)Unterstützer-Demonstration in Port-au-Prince für die Wahlkommission, die die Wahlen von 2015 untersucht. (HECTOR RETAMAL / AFP)

Das politische Chaos könnte kaum größer sein und verschärft die wirtschaftliche Krise: Die Inflation ist hoch und der Bevölkerung fehlen Nahrungsmittel. Die Vereinten Nationen schlagen Alarm: Dreieinhalb Millionen Haitianer seien von Hunger bedroht. Hausgemachte Probleme in den Augen von Edouard Paultre: 

"Haiti ist ein gescheiterter Staat. Der Zusammenbruch ist überall sichtbar: In der Wirtschaft - die ganze Produktion ist zusammengebrochen. In der Moral. Wir haben keine Politiker, die den Menschen Angebote machen, die wirklich ein überzeugendes Programm haben. Da ist niemand, der etwas verbessern will. Im letzten Wahlkampf haben wir zum Beispiel nie jemanden über Korruption sprechen hören". 

Dabei gehört Korruption zu den größten Problemen. Wer in Haiti Politik mache, wolle häufig nur an die Töpfe, die von den internationalen Gebern gefüllt werden, so Paultre. 

Ökologisches Desaster

Ohne funktionierende Regierung bleiben die dringenden Probleme auf der Strecke: Hunger, Elend und die extreme Umweltzerstörung, die ein Grund für die Armut ist. 

Der Meeresbiologe Jean Wiener, ein hellhäutiger Haitianer mit Zweitwohnsitz in Washington, kümmert sich um die mühsame Heilung eines ökologischen Desasters: 

"Das ist der Strand von Caracol. Dahinter liegt ein Mangrovensumpfgebiet. Die Fischer bringen ihren Fang jeden Nachmittag hierher, zu Frauen, die gleich hier verkaufen oder für den Markt vorbereiten. Die Fische sind höchstens drei Zentimeter groß, und das ist das Problem: Sie werden aus dem Meer geholt, bevor sie sich reproduzieren können. Das schädigt die maritime Umwelt. Die Fischer bekommen für einen Eimer voller winziger Fische nur einen Bruchteil dessen, was ausgewachsene Tiere wert wären. Sie holen einfach alles aus dem Meer, was sie kriegen können. Es ist, als würden sie aus einer bereits ausgepressten Zitrone noch die letzten Tropfen holen."

Die Folgen hat der leidenschaftliche Taucher Jean Wiener unter Wasser mit eigenen Augen gesehen: Im Meer vor den weißen Stränden von Caracol finde er kaum mehr Fische. Alles sei leer gefischt, aus auch für ihn nachvollziehbaren Gründen:

"Wenn die Männer heute nichts fangen, haben sie nichts zu essen. Auch ihre Familien bleiben dann hungrig. Es ist im Grunde unmöglich ihnen zu sagen: Lasst das Fischen sechs Monate lang sein, damit die Fische wachsen! Sie können keinen Tag überleben, ohne etwas nach Hause zu bringen. Deshalb müssen wir ihnen Alternativen anbieten."

Der lang aufgeschossene, jugendlich wirkende 50-Jährige in Jeans und T-Shirt scherzt zur Begrüßung auf Kreol mit den Frauen, die vor ihren Fischeimern sitzen.

Zuviele Mangroven abgeholzt

Mehr als 2.000 Quadratkilometer groß sind die beiden Küstenschutzgebiete, die ersten und einzigen in Haiti, die es ohne Wieners Umweltstiftung FoProbim nicht gäbe. Dieser Küstenabschnitt ist noch nicht hoffnungslos verloren - wie so viele andere in Haiti. Wiener hat für sein Engagement den bedeutendsten Umweltschutzpreis der Welt, den Goldman-Price, erhalten. Seine Stiftung versucht, die Fischer von schonenden Fangmethoden zu überzeugen oder bietet ihnen wirtschaftliche Alternativen, zum Beispiel Bienenzucht.

Säcke mit Holzkohle stehen auf einem Platz (imago stock&people)Cote Des Arcadins, Haiti: Verkauf von Holzkohle auf dem Markt. (imago stock&people)

Jean Wiener spricht mit dem Fischer Joel Charles, der in seinem Auftrag bei der Mangroven-Aufforstung in Caracol hilft, neue Pflanzen züchtet und verkauft - und deshalb weniger draußen auf dem Meer arbeiten muss. Caracol ist ein Dorf wie die meisten in Haiti: ohne Wasser und ohne Strom, staubig trocken, kein Grün. Die Bewohner haben die Mangroven abgeschlagen, um Holzkohle zum Kochen zu gewinnen. Das gehört zum Leben in extremer Armut, das mehr als Dreiviertel der Haitianer führen. Joel Charles aber strahlt über das ganze faltige Gesicht, während er erzählt:

"Bevor FoProbim kam, wurden die Mangroven einfach abgeholzt. Heute haben die Leute Angst, erwischt zu werden, weil es jetzt verboten ist. Man achtet aufeinander. Außerdem fangen wir weniger von den ganz kleinen Fischen. Aber es muss noch viel passieren. Wenn wir jetzt Kohle brauchen, dann gehen wir einfach woanders hin, um Holz zu holen."

Und verschieben damit das Problem. Mangroven abzuschlagen hat fatale Konsequenzen, weil sie sich nicht so gut regenerieren können wie Wald. Die Küstenerosion nimmt zu, es gibt weniger Fisch und weniger Schutz vor Wirbelstürmen. Aber woanders Bäume zu fällen und Holzkohle aus ihnen zu machen, ist mindestens genauso schädlich. 

Die Umweltkatastrophe begann schon vor hunderten Jahren

In den Bergen, einige Autostunden von Caracol entfernt, ist die Landschaft karg wie fast überall in Haiti. Bäume gibt es kaum noch. Kein Vogelgesang ist zu hören. In diesem Jahr knirscht der trockene Boden besonders, denn seit November hat es nicht geregnet. Wo kein Wald ist, bilden sich keine Wolken, versiegen die Quellen. Haiti ist ein kahl rasiertes Land - die nackte Hälfte der Insel Hispaniola. Die Ostseite, die Dominikanische Republik, ist grün. Nur noch zwei Prozent des haitianischen Waldes, den es vor der Kolonialisierung durch Spanier und Franzosen gab, sind übrig geblieben. Die Umweltkatastrophe begann schon vor hunderten Jahren. Um sie rückgängig zu machen, braucht es einen langen Atem.

Der Bauer Elouard Wilner, ein kräftiger Mann mit fröhlichen Augen, hat diesen langen Atem, weil ihn die Welthungerhilfe darin unterstützt. Sie ist eine der Organisationen, die schon lange erfolgreich in Haiti arbeiten. Sie verteilt nicht einfach Wohltaten, sondern bietet Hilfe zur Selbsthilfe - auch in abgelegenen Gegenden, wie dieser, wo sie ein Aufforstungsprojekt betreibt. 

Die meisten in Wilners Dorf Mont Organisé bauen gerade so viel an, wie sie selbst zum Leben brauchen. Wilner dagegen bestellt mehrere Hektar und forstet auf. In diesem Jahr hat er wegen der Dürre kaum ernten können. Als er anfängt zu erzählen, beginnt ein leichter Regen-Schauer. Der erste seit sieben Monaten:

"Ich würde gern aussähen, aber wegen der Dürre geht das nicht. Bäumchen, die ich angepflanzt habe, sind vertrocknet. Ich habe vor kurzem 16.000 neue gepflanzt, die nun wegen der Dürre gefährdet sind. Hier gibt es einen Fluss mit etwas Wasser. Darum habe ich mit der Welthungerhilfe gesprochen, ob sie mir nicht eine Pumpe zur Bewässerung der Bäumchen geben können. Von der Aufforstung hier haben alle etwas. Derzeit hungern viele. Staatliche Unterstützung bekommt unsere Gegend nicht". 

"Die Nation wurde im Kampf geboren"

Viele Kinder aus Mont Organisé können derzeit nicht zur Schule gehen, weil ihre Eltern in der Landwirtschaft nicht das nötige Geld verdienen. 8.000 Gourdes, etwa 130 Euro, kostet die Schule im Jahr. Es ist ein Teufelskreis der Armut: Die Umweltzerstörung verhindert eine produktive Landwirtschaft. Die Menschen ernten nicht genug, verdienen kaum, hungern im schlimmsten Fall. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als Holzkohle zu verbrennen und zu verkaufen – für ein paar Gourdes. Damit zerstören sie die Umwelt immer weiter. Für die Schule reicht das Geld trotzdem nicht. Keine Bildung, kein Fortschritt, noch mehr Armut. 

Aber dennoch gibt es Hoffnung: Haitianer kämpfen, ziehen sich immer wieder selbst aus dem Sumpf:

"Die Nation wurde im Kampf geboren, dem Kampf gegen die Plantagenwirtschaft der weißen Sklavenhalter. Dann lebt man mit der Energie aus diesem Kampf. Diese Energie macht uns willensstark. In Haiti wirst du immer überrascht sein von der Leistungsfähigkeit der Menschen. Sie schaffen und schaffen... Nicht nur künstlerisch. Darin waren wir schon immer gut. Jetzt gibt es mehr junge Leute, die eine Menge anpacken". 

Yanick Lahens ist eine der wenigen Intellektuellen des Karibikstaates. Nach dem verheerenden Erdbeben von 2010 mit mehr als 300.000 Toten und über einer Million Obdachlosen schrieb sie ein Buch über ihre Eindrücke. Auf Deutsch ist es unter dem Titel "Und plötzlich tut sich der Boden auf" erschienen. Darin rechnet sie mit der oft wirkungslosen internationalen Aufbauhilfe ab. Die Menschen müssten ihre Geschicke selbst in die Hand nehmen, findet nicht nur sie. 

Die haitianische Schriftstellerin Yanick Lahens, vor einer gelben Wand stehend. (imago stock&people)Die haitianische Schriftstellerin Yanick Lahens (imago stock&people)

Eine Katastrophe nach der anderen

Einmischung von außen verletzt die stolzen Haitianer seit jeher: Ob es die US-Invasion Anfang des 20. Jahrhunderts war oder die Intervention in den 1990er-Jahren, später die UN-Friedens- und Stabilisierungsmissionen, deren Soldaten nach dem Erdbeben die Cholera ins Land brachten. Oder dubiose Hilfsorganisationen, die nach der Erdbebenkatastrophe massenhaft nach Haiti kamen und weitgehend unkoordiniert arbeiteten oder Evangelikale Gruppen, die den Menschen weiß machen wollten, ihr Glaube an Voodoo habe die Katastrophe über das Land gebracht. Haitianische Nichtregierungsorganisationen, wie die von Edouard Paultre gibt es nur wenige. Er sieht die internationale Hilfe zwar kritisch, spart aber auch nicht mit Selbstkritik:

"Die größte Verantwortung liegt bei der letzten Regierung, die nicht gegen die Korruption vorging und trotz der vielen ausländischen Hilfsgelder nicht in der Lage war, die Produktion wieder in Gang zu bringen. Das Volk lässt zu, dass die Regierenden mit dem Land machen, was sie wollen. Sie wählen sie trotzdem. Ich möchte es mit einem Bild aus der Bibel ausdrücken: Wir haben Haiti, sein politisches System und die Wirtschaft, auf Sand gebaut, nicht auf Felsen. Deswegen bricht jetzt alles zusammen".

Sechs Jahre nach dem Erdbeben, von dessen Folgen sich Haiti nie erholt hat, erlebt das Land eine weitere Katastrophe nach der Katastrophe. Sie kommen immer wieder - wie der Zombie im Voodoo-Glauben, der nicht totzukriegen ist. 

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