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StartseiteForschung aktuellViele Menschen sind zwei Tage von medizinischer Infrastruktur entfernt20.01.2021

Impfung in EntwicklungsländernViele Menschen sind zwei Tage von medizinischer Infrastruktur entfernt

Die gesamte Bevölkerung möglichst schnell zu impfen ist, für alle Länder eine Herausforderung, doch Entwicklungsländer stehen vor besonderen Problemen. In ländlichen Regionen gibt es oft kaum medizinische Infrastruktur, die Transportfähigkeit von Impfstoffen wird so zu einem entscheidenden Faktor.

Von Dagmar Röhrlich

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Vorbereitung der Impfung, Aufziehen der Spritze (imago images/Jochen Eckel)
Der Impfstoff von Biontech/Pfizer muss gut gekühlt werden. Dafür braucht es entsprechende Infrastrukur (imago images/Jochen Eckel)
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Die Herausforderung ist nie dagewesen: Um die COVID-19-Pandemie zu beenden, müssen rund 5,6 Milliarden Menschen zweimal geimpft werden, erklärt Mariângela Simão, stellvertretende Generaldirektorin der WHO.

"In der globalisierten Wirtschaft bewegen sich die Menschen global. Heute steht kein Land mehr allein und kann so tun, als würden sich die Menschen nicht fortbewegen. Die Krise lässt sich nur durch globale Lösungen beenden, auf die sich die Mitgliedsstaaten einigen."

Impfstoffe weltweit fair und schnell zu verteilen, sei ohnehin eine gewaltige Herausforderung, erklärt Andrea Taylor von der Duke University. Und die Entwicklungs- und Schwellenländer hätten zudem noch mit einem weiteren sehr großen Problem zu kämpfen:

"Wenn man plötzlich eine Massenimpfkampagne durchführen muss, bei der man versucht, jeden zu erreichen, dann haben die meisten dieser Länder außerhalb der Hauptstädte nicht genug Gesundheitspersonal zur Verfügung. Sie haben selbst in ‚Friedenzeiten‘ nicht genügend Mitarbeiter, um den Bedarf zu decke

"Zwei bis drei Tage von einer medizinischen Versorgung entfernt" 

Der Mangel an geschultem Personal macht alle gespritzten Vakzine problematisch: Erst recht, wenn das auch noch zweimal im richtigen zeitlichen Abstand passieren muss.

"In den Hauptstädten wird das angehen, aber sobald es um ländlichere und abgelegenere Gebiete geht, sieht es anders aus: Ein Großteil der Weltbevölkerung lebt in Gegenden, die zwei bis drei Tage von einer medizinischen Versorgung entfernt sind. Für diese Bevölkerungsgruppen wird es sehr, sehr schwierig sein, eine Massenimpfkampagne durchzuführen."

Eine Frau wird gegen Corona geimpft (imago images) (imago images)Was Sie über die Corona-Impfung wissen müssen
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Die Folge: Es werde ein Stadt-Land-Gefälle geben. Außerdem ist die Impf-Infrastruktur in vielen Entwicklungsländern darauf abgestimmt, Schwangere und Kinder zu erreichen. Zu diesen Gesundheitsstationen kämen für die COVID-19-Impfung wichtige Zielgruppen eher nicht:

"Wenn Sie versuchen, eine ältere Bevölkerung zu erreichen, von denen viele gar nicht mehr das Haus verlassen, dann müssen Sie tatsächlich eine Art von Haus-zu-Haus-Impfungen durchführen. Das ist wegen des Personalmangels schwierig. Oder sie richten Impfzentren an Orten ein, die ohnehin bereits Teil des täglichen Lebens vieler Älterer sind, etwa an religiösen Zentren. Doch das bedeutet eine ziemliche Umstellung."

Es braucht leicht zu transportierende Impfstoffe

Außerdem hatten Experten auf einer Konferenz der Afrikanischen Zentren für Krankheitsbekämpfung "Africa CDC" im Dezember die allein für Lieferung und Verteilung der Vakzine auf mehr als drei Milliarden US-Dollar beziffert. Schätzungsweise. Denn derzeit gebe es nicht einmal guten Konzepte, die Landbevölkerung zu erreichen:

"Richten Sie es dann in einer Art Äquivalent zu Märkten Impfzentren ein, zu denen die Menschen kommen sollen? Oder müssen sie in Gebieten, in denen die Menschen zwei oder drei Tagesreisen vom nächsten Gesundheitszentrum entfernt leben, eher Motorräder mit Impfstoffen beladen und das Gesundheitspersonal in die Dörfer schicken? Das dürfte das wahrscheinlichste Szenario sein."

Das bedeutet, dass Impfstoffe möglichst einfach zu transportieren und zu handhaben sein müssen. Deshalb hoffen die Forscher, dass bald stabile Vakzine zugelassen werden, die keine oder kaum Kühlung brauchen – und möglichst nicht gespritzt werden müssen. Entwicklungen von Impfstoffen die über Nasensprays oder als Puder verabreicht werden, laufen. Sie seien, so Andrea Taylor, eine große Hoffnung für die entlegenen Gebiete dieser Welt, nicht nur in Afrika.

Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)Übersicht zum Thema Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)

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