Freitag, 22. September 2023

Spitzensportreform
Wie der Neustart im Leistungssport gelingen soll

Eine unabhängige Sportagentur soll zukünftig die Fördergelder im Spitzensport verteilen. Johannes Herber von Athleten Deutschland begrüßte dies im Dlf als "Neustart". Auch das umstrittene Potenzialanalysesystem "PotAS" nahm er in Schutz.

Johannes Herber im Gespräch mit Matthias Friebe | 16.09.2023

Die Rückseite und Vorderseite einer Goldmedaille von den Olympischen Winterspielen in Peking 2022.
Gute Nachrichten für den Sport: Der Bund hatte eine Streichung von rund 27 Millionen Euro in der deutschen Spitzensportförderung geplant. Doch die ist nun hinfällig. (dpa / picture alliance / Wassmuth)
Die Sportminister der Länder haben ein Feinkonzept zur Reform des Spitzensports und der Förderung verabschiedet. Zentraler Bestandteil ist die Gründung einer unabhängigen Sportagentur, die über die Verteilung der Fördergelder entscheiden soll. 
"Ich würde das als Neustart bezeichnen", sagte Johannes Herber, Geschäftsführer von Athleten Deutschland, im Dlf. Der Neustart sei aber noch nicht vollzogen. Es müssten aber noch viele offene Fragen geklärt werden. Es sei eine gute erste Weichenstellung, den Start müsste man noch hinkriegen.
Die Agentur soll Ende 2025 voll arbeitsfähig sein und auch das Anerkennungsverfahren für die Bundesstützpunkte übernehmen.
Die Unabhängigkeit der Agentur sei dabei eine entscheidende Frage, sagte der Sportfunktionär und Ex-Basketball-Nationalspieler. Man wolle die sportpolitischen Reibereien und Konflikte, die man im alten System habe, in Zukunft verhindern, sagte Herber.
Herber plädierte auch dafür, dass Potenzialanalysesystem PotAS weiter zu führen. Man brauche eine Grundlage, um zu berechnen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass diese Sportart in Zukunft auch zum Erfolg geführt werden könne. "PotAS kann das bedingt vorhersagen", sagte Herber.
Johannes Herber spricht bei einer Veranstaltung freundlich lachend in ein Mikrofon.
Johannes Herber, Geschäftsführer des Vereins Athleten Deutschland. (Athleten Deutschland)
Der 40-Jährige verteidigte im Dlf dabei auch das in die Kritik geratene Analysesystem. Das System hatte dabei der Leichtathletik das höchste Medaillenpotenzial bescheinigt, dem Basketball das niedrigste. In der Praxis passierte dann genau das Gegenteil: Die Leichtathleten gingen bei der WM in Budapest leer aus, die Basketballer holten bei der WM in Asien den Titel und bei der EM Bronze.
Herber zeigte im Dlf auf, wie es zu dem Ergebnis gekommen sein konnte. Zum Zeitpunkt der Abfrage habe der Basketball sowohl bei den Männern, als auch den Frauen und im 3x3 keine zurückliegenden Erfolge vorweisen können, habe aber den Männern auf der Potentialsäule ein gutes Potential bescheinigt. "Also so ganz falsch lagen sie nicht", sagte Herber. "Die Kritik, die man jetzt an PotAS hat, ist etwas zu platt", sagte er. Damals habe es sich um eine komplette Verbandsanalyse gehandelt und zur damaligen Zeit seinen die 3x3- und Frauen-Teams ganz neu gewesen.
Es sei nun die Frage, wie man das Geld verteilen wolle, sagte Herber. Die Debatte, die man nun führen müsse sei, in welchen Sportarten man erfolgreich sein wolle. "Wenn wir nur reine Medaillenziele haben, dann müssem wir auf Sportarten setzen, in denen es viele Medaillen zu gewinnen gibt, wie im Bahnradfahren oder im Wintersport", sagte der Ex-Basketball-Nationalspieler.
Dies könne aber dazu führen, dass viele Sportarten nicht mehr gefördert werden, Sportarten, die aber viele Kinder in Deutschland ausüben, wie Badminton, Turnen oder die Leichtathletik, sagte er.
Angesprochen auf eine mögliche deutsche Olympia-Bewerbung sagte Herber, dass er hier viel Unterstützung verspüre und dies wichtig sein könnte, um neue Vorbilder im Sport für nachfolgende Generationen hervor zu bringen. Eine Olympia-Bewerbung dürfe aber nicht dazu führen, dass alle weiteren Bemühungen vernachlässigt werden.