Asienexpertin zum Verhältnis China-USA"Peking ist im Moment relativ aggressiv unterwegs"

US-Präsident Joe Biden und Chinas Führer Xi Jinping haben in einem Video-Gipfel beraten. Es sei ein Versuch, an der Deeskalation der Situation zu arbeiten, sagte Didi Kirsten Tatlow, Asienexpertin bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik im Dlf. Denn China rüste militärisch schnell auf.

Didi Kirsten Tatlow im Gespräch mit Andreas Noll | 20.11.2021

Joe Biden und Xi Jinping bei einem virtuellen Treffen.
Joe Biden und Xi Jinping bei einem virtuellen Treffen. (Susan Walsh/AP/dpa)
Zwar war es nur ein Videogipfel, zu dem sich Joe Biden aus dem Weißen Haus und Xi Jinping in der Großen Halle des Volkes am Montagabend (15.11.2021) zusammengeschaltet hatten, aber beide nahmen sich dreieinhalb Stunden Zeit. Denn zwischen den beiden mächtigsten Staaten der Welt hat sich eine Menge Konfliktstoff angehäuft.
"Es ist auf jeden Fall ein guter Anfang, dass man versucht, miteinander zu reden. Und ich sehe das eigentlich als Versuch, die Eskalation von Seiten der Vereinigten Staaten in den Griff zu kriegen", sagte Didi Kirsten Tatlow, Asienexpertin bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik im Dlf. Es sei aber noch viel zu früh, um sicher zu sein, wo das hinführen könnte.

"Sie sagen nicht öffentlich, was sie an Nuklearwaffen haben"

Vor allem die US-Regierung in Washington habe ein großes Interesse daran, die Situation wieder zu beruhigen, denn "Peking ist wirklich im Moment relativ aggressiv unterwegs", sagte Tatlow. Die Spannungen und Vorfälle von Seiten Chinas in der Pazifikregion nehmen zu. "Amerika ist König und China strebt nach oben. Und das ist natürlich dann immer sehr unstabil", sagte die Sinologin. Auch beim Thema der Nuklearwaffen sei das Thema sehr ernst, China rüste schnell auf, was bedrohlich sei, aber vieles bleibe im Verborgenen. "Aber das Problem mit China ist immer, dass wir nicht wissen, was Sie wirklich haben. Denn Gespräche finden ja gar nicht statt. Und sie sagen auch nicht in der Öffentlichkeit, was sie an Nuklearwaffen haben", sagte Tatlow.

Taiwan-Problem "zu lösen"

Auch in der Taiwanstraße sei die Lage sehr bedrohlich, denn China fliege inzwischen sehr regelmäßig in Richtung Taiwan. "Und das ist militärisch aggressiv und auch riskant nicht nur für Taiwan, sondern auch für sehr viele Länder", sagte Tatlow. Denn wenn irgendein Zwischenfall passieren sollte, sei es völlig unklar, wie man damit umgehen solle. Der Druck auf Taiwan werde schnell zunehmen, prognostizierte die Asienexpertin. Denn Xi Jinping habe sich persönlich vorgenommen, das sogenannte Taiwan-Problem "zu lösen" und aus Sicht der Kommunischen Partei heiße lösen, zwangsläufig nur eines: "zu vereinigen, also, dass China und Taiwan sich zu einem Territorium vereinigen werden, obwohl die große Mehrzahl der Taiwanesen dies nicht wolle", sagte sie. Es gebe dabei schon ganz konkrete Pläne und als Zielkorridor werde das Jahr 2035 genannt.