Klimagipfel in Dubai
Das 1,5-Grad-Ziel rückt in weite Ferne

Bei der Weltklimakonferenz COP28 suchen 200 Staaten nach Wegen, wie sich die Erderwärmung stärker begrenzen lässt. Doch ist das 1,5-Grad-Ziel überhaupt noch erreichbar? Und welche Rolle spielt Deutschland? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Von Georg Ehring | 01.12.2023
    Ein Feuerwehrmann arbeitet vor den Flammen eines Waldbrandes in der Sierra de la Culebra 2022. Tausende Hektar bewaldetes Hügelland im Nordwesten Spaniens sind durch einen Waldbrand verbrannt.
    Die Erderwärmung zeigt sich immer katastrophaler: Weltweit kommt es häufiger zu Waldbränden, wie etwa hier in Spanien. (picture alliance / ASSOCIATED PRESS / Emilio Fraile)
    Alle Staaten haben Zusagen zum Klimaschutz abgegeben, um eine gefährliche Erhitzung des Weltklimas zu stoppen.

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    Doch acht Jahre nach Abschluss des Pariser Abkommens ist klar: Die Anstrengungen reichen bei Weitem nicht aus. Zwar werden nahezu überall auf der Welt Windräder und Solaranlagen installiert, Benzinautos durch Elektrofahrzeuge ersetzt und in vielen Ländern auch Häuser gedämmt und klimafreundliche Heizungen installiert. Doch noch immer steigt der Ausstoß von Treibhausgasen.
    Bis zum Ende dieses Jahrzehnts müsste er halbiert werden, stattdessen wird für die nächsten Jahre allenfalls ein Ende des Anstiegs der Emissionen erwartet. Das steht in den Dokumenten zum Global Stocktake, zur weltweiten Bestandsaufnahme, über die die Delegierten auf der Weltklimakonferenz in Dubai vom 30. November bis 12. Dezember beraten.

    Inhalt

    Hat sich die Klimaerwärmung beschleunigt?

    Der Handlungsdruck ist groß: Das Jahr 2023 wird mit großer Sicherheit das wärmste Jahr seit Beginn der Messungen, vermutlich sogar seit 125.000 Jahren. Hitzewellen, Dürren, Überschwemmungen und Wirbelstürme häufen sich, Forschende sehen darin eindeutig eine Folge der Erwärmung. In den Monaten vor der Klimakonferenz erreichte die Erwärmung bereits mehrfach die Marke von 1,5 Grad über dem vorindustriellen Zeitalter, schon im nächsten Jahrzehnt könnte sie dauerhaft überschritten werden – eine Entwicklung, die mit dem Pariser Abkommen eigentlich vermieden werden sollte.
    Die aktuelle Erwärmung wird begünstigt durch das Klimaphänomen El Niño, eine Erwärmung der oberen Wasserschichten im Pazifik vor Lateinamerika mit weltweiten Auswirkungen. Doch in der Forschung wird nun auch darüber diskutiert, ob wir allgemein eine Beschleunigung des Klimawandels erleben. Die Wissenschaft ist jedenfalls alarmiert, auch Vertreter ärmerer Länder, die besonders betroffen sind, werden in Dubai auf ehrgeizige Beschlüsse drängen.

    Was sind die wichtigsten Themen beim Klimagipfel in Dubai?

    Welche Konsequenzen zieht die Weltgemeinschaft aus den unzureichenden Fortschritten beim Klimaschutz? Diese Frage steht im Zentrum der Konferenz. Viele Länder fordern eine Verdreifachung der Installation erneuerbarer Energiequellen wie Windkraft und Sonne bis 2030 sowie einen Fahrplan zum Ausstieg aus der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas.
    Wärmste Monate weltweit nach Abweichung vom globalen Durchschnitt
    Ein wichtiges Thema in Dubai ist das Geld: Die Industrieländer hatten versprochen, ab 2020 jährlich 100 Milliarden US-Dollar für den Klimaschutz in armen Ländern zur Verfügung zu stellen. Das Geld kam jedoch erst 2023, kurz vor der Klimakonferenz, zum ersten Mal zusammen. Besonders für die Anpassung an die Erwärmung etwa durch Deichbau oder künstliche Bewässerung in der Landwirtschaft fließe viel zu wenig Geld, wird kritisiert.

    Klimaschäden-Fonds ist arbeitsfähig

    Gleich zu Beginn verständigte sich die Konferenz in Dubai auf die Funktionsweise eines neuen Fonds zum Umgang mit Klimaschäden in Entwicklungsländern. Der Globale Schutzschirm gegen Klimarisiken war eine wichtige Forderung vor allem von den Ländern des globalen Südens. Deutschland und die Vereinigten Arabischen Emirate sagten jeweils 100 Millionen Dollar zu. Auch die USA, Großbritannien und Japan machten Finanzzusagen. Damit ist dieser Fonds nun arbeitsfähig. Der Präsident der Konferenz, Sultan Ahmed al-Jaber, bezeichnete es als historisch, dass dieser Beschluss bereits zu Beginn der zweiwöchigen Tagung getroffen worden sei.
    Die Frage, wohin das Geld fließen wird, wird das Board des neuen Fonds entscheiden, und damit Industrie- und Entwicklungsländer gemeinsam, teilte das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung mit. Im Board wird es 14 Sitze für Entwicklungsländer geben und zwölf Sitze für Industrieländer, die Entscheidungen sollen möglichst im Konsens getroffen werden. Der Fonds soll Entwicklungsländer in die Lage versetzen, besser mit Klimaschäden umzugehen, zum Beispiel auch durch Frühwarnsysteme gegen Überschwemmungen.

    Welche Rolle spielt der Gastgeber Vereinigte Arabische Emirate?

    Das Gastgeberland leitet die UN-Klimakonferenz, in Dubai übernimmt dies Sultan Ahmed al-Jaber. Er ist hauptberuflich Vorstandschef des Ölkonzerns Adnoc. Die Vereinigten Arabischen Emirate gehören zu den weltweit größten Ölproduzenten. Kritiker befürchten, dass sie kein Interesse am Ausstieg aus fossilen Energiequellen wie Öl, Gas und Kohle haben.
    Sultan al-Jaber leitet die Klimakonferenz
    Sultan Ahmed al-Jaber, Vorstandschef des Ölkonzerns Adnoc, leitet die Klimakonferenz in Dubai. (picture alliance / dpa / AP / Kamran Jebreili)
    In der Tat machen sich die Ölstaaten dafür stark, in großem Umfang auf die Speicherung von CO2 zu setzen, so dass die Nutzung von fossilen Energien weitergehen könnte. Ihr Argument: Nicht die Nutzung fossiler Energiequellen sei das Problem, sondern die Emissionen - und die ließen sich auf diese Weise effektiv senken.
    Auf der anderen Seite setzen die Vereinigten Arabischen Emirate auch stark auf erneuerbare Energiequellen. Sie wollen bis zum Jahr 2050 klimaneutral werden und haben kurz vor der Klimakonferenz eine der größten Solaranlagen der Welt in Betrieb genommen. Der Einfluss der Versammlungsleitung auf eine Klimakonferenz ist aber begrenzt.

    Welche Aufgaben hat eine Weltklimakonferenz?

    Bei Weltklimakonferenzen verhandelt die Staatengemeinschaft über Maßnahmen zur Begrenzung der Erderwärmung und die Unterstützung ärmerer Länder beim Klimaschutz. Knapp 200 Staaten entsenden Vertreter, auch die Europäische Union ist Verhandlungspartner.
    Entscheidungen müssen einmütig gefällt werden. Die Konferenz in Dubai ist bereits die 28. COP, die Abkürzung steht für „Conference of the Parties“. Klimakonferenzen finden jährlich statt und dauern etwa zwei Wochen. Bisher ist die COP nur einmal ausgefallen – im Corona-Jahr 2020.

    Ist die Begrenzung des weltweiten Temperaturanstiegs auf 1,5 Grad noch zu schaffen?

    Fachleute bezweifeln, dass das noch möglich ist. Dafür müssten erneuerbare Energiequellen in einem viel größeren Tempo ausgebaut, Kohle- und Gaskraftwerke stillgelegt, Autos mit Verbrennungsmotor schneller aus dem Verkehr gezogen werden. Auch die Umstellung von Heizungen weg von Öl und Gas geht dafür viel zu langsam. Bis zum Jahr 2030 müssten die CO2-Emissionen in etwa halbiert werden, derzeitige Prognosen gehen davon aus, dass sie in den nächsten Jahren kaum zurückgehen.
    Bis Mitte des Jahrhunderts müssen sie sogar auf null gesenkt werden. Danach sind sogar negative Emissionen erforderlich, das heißt, es müsste durch technische Maßnahmen oder das Aufforsten von Wäldern CO2 aus der Atmosphäre geholt werden.
    Es gibt zwar Fortschritte – immer mehr Länder setzen sich ehrgeizigere Klimaziele, viele haben auch beschlossen, bis Mitte des Jahrhunderts treibhausgas-neutral zu werden. Doch noch immer fehle der politische Wille, entschiedeneren Klimaschutz weltweit auch umzusetzen, sagen Klimaforscher wie Johan Rockström, der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung.

    Wie steht es um die nationalen Klimabeiträge Deutschlands?

    Deutschland hat sich vorgenommen, bis zum Jahr 2030 den Ausstoß von Treibhausgasen um 65 Prozent unter den Wert von 1990 zu drücken und 2045 klimaneutral zu sein. Deutschland leistet seinen nationalen Beitrag im EU-Verbund, die EU wiederum will die Klimaneutralität bis 2050 schaffen.
    Am Erreichen vor allem der kurzfristigen Ziele bestehen jedoch Zweifel. Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Klima- und Transformationsfonds fehlt zudem Geld für wichtige Klimaschutz-Vorhaben. Das Gericht hatte die Umwidmung von Kreditmöglichkeiten aus dem Corona-Notfonds für den Klimaschutz für verfassungswidrig erklärt.

    Was passiert, wenn die Temperatur um mehr als 1,5 Grad steigt?

    Zu den Folgen der Klimaerwärmung gehören bereits jetzt Hitzewellen, Dürren, Starkregen und stärkere Wirbelstürme. Diese Ereignisse werden häufiger und die Schäden größer, je stärker sich die Atmosphäre erwärmt.
    Bei stärkerer Erwärmung befürchtet die Wissenschaft darüber hinaus das Überschreiten von Kipp-Punkten im Klimasystem – unter anderem ein komplettes Abschmelzen von Eismassen auf Grönland und in der Antarktis, ein Austrocknen von Regenwäldern am Amazonas oder eine Abschwächung von Teilen des Golfstroms.
    Dies wiederum könnte bisher nicht absehbare schnelle Klimaveränderungen zur Folge haben. Die Erwärmung des Meerwassers und die Schmelze von Eis auf Landmassen führen darüber hinaus zu einem Anstieg des Meeresspiegels über mehrere Jahrhunderte. Bei starker Erwärmung könnte sich dieser Anstieg beschleunigen und viele Meter ausmachen – große Küstenregionen würden überflutet.