Sonntag, 21. April 2024

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Kommentar zu den Kosten des Klimawandels
Die Erwärmung bedroht massiv unseren Wohlstand

Der Klimawandel zerstört nicht nur die Umwelt, er kostet auch richtig Geld, wie eine neue Studie feststellt. Zugleich leisten wir uns noch immer ein Tempolimit beim Klimaschutz - anstatt, wie es nötig wäre, auf der Autobahn, kommentiert Georg Ehring.

Ehring, Georg | 06.03.2023
Zwei junge Frauen und drei junge Männer halten ein Transparent auf dem steht: "Klimaschutz braucht Geld. Klimakatastrophe: unbezahlbar. Jetzt mach hin, Anke."
Klimaschutz kostet Geld, und je länger wir warten, desto mehr: Demonstration von Fridays for Future in Saarbrücken. (Imago / BeckerBredel )
Aktivistinnen und Aktivisten beschmieren Bilder mit Kartoffelbrei, ein Grundgesetz-Denkmal mit schwarzer Flüssigkeit oder sie kleben sich auf Straßen. Wir erleben immer wieder drastische Aktionen aus Angst um die Zukunft – und trotzdem gerät die Klimakrise oft aus dem Fokus.
Der Krieg in der Ukraine bindet Aufmerksamkeit und lenkt von der langfristigen Klima-Bedrohung ab. Auch die Angst vor Wohlstandsverlust ist ein Grund, sich nicht mit dem Thema zu beschäftigen und vor allem keine persönlichen Konsequenzen zu ziehen. Der Mensch klebt am erreichten Standard, schließlich haben die meisten hart dafür gearbeitet.

Bis zu 900 Milliarden Euro

Doch jetzt das: Die Klimaerwärmung wird unglaublich teuer – auch in Deutschland. Das ergibt eine heute vorgestellte Studie. Wenn es immer wärmer wird, summieren sich die Folgekosten auf bis zu 900 Milliarden Euro bis zur Mitte des Jahrhunderts – das ist fast doppelt so viel wie der Bundeshaushalt 2023.
Eine nur auf den ersten Blick unvorstellbar hohe Summe. Mit dem Geld muss unter anderem der Wiederaufbau nach Flutkatastrophen wie 2021 an Ahr und Erft finanziert werden, solche Ereignisse werden mit zunehmender Erwärmung häufiger und noch extremer. Deiche müssen gebaut oder erhöht werden, denn der Meeresspiegel steigt – und mancherorts ist das Land vermutlich auch mit höheren Deichen nicht zu halten. Hitzewellen und Dürren lassen Ernten schrumpfen oder ausfallen, Häuser und ganze Städte müssen umgebaut werden.

Alle werden ärmer

Produktion fällt aus, wenn durch vertrocknete Flüsse kein Material mehr verschifft werden kann. Das Waldsterben vernichtet in vielen Regionen bereits die Fichte, sie war bisher der Brotbaum der Forstwirtschaft. Die Erwärmung bedroht also massiv unseren Wohlstand. Manche trifft es ganz plötzlich und drastisch, doch alle werden ärmer, wenn immer mehr Aufwand und Arbeitskraft gebraucht werden, um die Folgen abzufedern.

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Komplett verhindern lässt sie sich nicht mehr: In Deutschland ist es schon etwa 1,6 Grad wärmer als in der Zeit vor der Industrialisierung. Anpassung an wärmere Zeiten tut Not, es ist gut, dass die Bundesregierung sie anpacken will.
Doch sie ist keine Alternative zum Klimaschutz selbst, auch das macht der Bericht deutlich: Nur, wenn die Erwärmung glimpflich ausfallen würde, ließen sich so die Schäden vermeiden. Wenn es schlimmer kommt – und danach sieht es aus - dann lassen sich die negativen Folgen allenfalls in Grenzen halten.

Verdrängen hilft nicht

Es hilft nichts, die begonnene Katastrophe zu verdrängen und an alten und klimaschädlichen Industrien zu kleben. Den Ruin des Weltklimas zu ignorieren, das geht auch rein wirtschaftlich nach hinten los. Wer mit Rücksicht auf die Auto- oder Mineralölindustrie oder den Braunkohle-Bergbau den Übergang verzögert, schadet dem Standort Deutschland. Es ist noch immer möglich, die Erwärmung durch entschlossenes Handeln in Grenzen zu halten.
Und das heißt Klimaschutz auch da, wo es kostet und auch persönliches Umdenken verlangt: Die Gas- oder Ölheizung muss schneller zum Auslaufmodell werden, das Auto mit Verbrennungsmotor ebenso. Wir brauchen schnell viel mehr Solaranlagen und Windräder anstatt Braunkohle-Tagebaue und Gaskraftwerke. Deutschland leistet sich noch immer ein Tempolimit beim Klimaschutz - anstatt, wie es nötig wäre, auf der Autobahn.