
Macron: "Rückkehr imperialer Ambitionen"
Macron warnte in seiner Rede auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos mit Blick auf den Streit um Grönland vor einer globalen Abkehr von Regeln und internationalem Recht. Es finde gerade ein Wandel statt hin zu einer Welt, in der das Völkerrecht mit Füßen getreten werde und das einzig geltende Gesetz das Recht des Stärkeren sei.
Macron sprach von einer Rückkehr imperialer Ambitionen. Zudem kritisierte er die Drohungen der USA mit neuen Zöllen. Dieser aggressive Handelsdruck ziele darauf ab, Europa zu schwächen und zu kontrollieren, sagte Macron. Die Europäische Union forderte er dazu auf, dem entschlossen entgegenzutreten.
Von der Leyen: "EU setzt auf Partnerschaft, nicht auf Zölle"
EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen rief dazu auf, "geopolitische Schocks als Chance für Europa" zu betrachten. Wenn der Wandel dauerhaft sei, müsse sich Europa auch dauerhaft verändern, sagte sie in ihrer Rede. Nostalgie werde die alte Weltordnung nicht wieder zurückholen. Die EU-Kommissionspräsidentin kündigte den Abschluss weiterer Freihandelsabkommen an, unter anderem mit Indien. Die EU setze auf Partnerschaft, nicht auf Zölle, betonte sie.
Am Montag war von der Leyen in Davos mit einer parteiübergreifenden US-Delegation zusammengekommen. Sie forderte, die Souveränität Grönlands und Dänemarks zu achten. Dies sei für die transatlantischen Beziehungen von größter Bedeutung.
Wirtschaftsweise Schnitzer: "So geht es nicht weiter"
Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer forderte im Streit um Grönland eine entschiedene Reaktion auf die Zolldrohungen von US-Präsident Trump. Sie sagte im Deutschlandfunk, es gehe nicht mehr allein um wirtschaftliche Fragen, sondern um die Souveränität der EU.
Trumps Drohungen stellten die Weltordnung und die NATO in Frage. "Es ist die Stunde gekommen, wo man sagen muss: So geht es nicht weiter." Schnitzer verwies darauf, dass die EU weitreichende Strafmaßnahmen gegen die USA verhängen könne und zwar auf Basis des Anti-Coercion-Instruments. Zudem werde das Zollabkommen mit den USA, das eigentlich in dieser Woche vom EU-Parlament ratifiziert werden sollte, sehr wahrscheinlich auf Eis gelegt. Auch ein einbrechender Aktienmarkt könne Trump womöglich zur Umkehr zwingen.
Trump bekräftigt Forderungen
Der US-Präsident wird am Mittwoch in Davos erwartet. Er machte nochmals deutlich, dass die USA Grönland erwerben wollten. Die Dänen und ihre Regierung seien zwar wunderbare Menschen, aber sie seien nicht in der Lage, Grönland zu schützen. Weil die Insel von so großer strategischer Bedeutung sei, müsse Amerika sie übernehmen, meinte Trump.
Sollte das nicht möglich sein, müssten Länder, die seine Forderung nicht unterstützten, mit weiteren Zöllen rechnen. Konkret nannte er Dänemark, Deutschland, Norwegen, Schweden, Frankreich, Großbritannien, die Niederlande und Finnland. Bundeskanzler Merz will auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos am Mittwoch mit US-Präsident Trump ins Gespräch kommen.
Über mögliche Reaktionen auf Trumps Forderungen und die Androhung von Strafzöllen wollen die EU-Staats- und Regierungschefs am Donnerstag auf einem Sondergipfel beraten.
Weiterführende Informationen:
EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen: US-Strafzölle sind ein Fehler
Streit um Grönland: "So geht es nicht weiter": Wirtschaftsweise Schnitzer fordert entschiedene Reaktion auf Trumps Zolldrohungen (Audio)
Außenhandel: Deutscher Export in die USA bricht ein
Diese Nachricht wurde am 20.01.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.







