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StartseiteStreitkulturPrivat oder öffentlich – Welche Musikschule ist besser?17.08.2019

Mario Müller vs. Matthias PannesPrivat oder öffentlich – Welche Musikschule ist besser?

Klavier, Gitarre, Schlagzeug: Musikalische Bildung gehört zur kulturellen Grundversorgung. Hierzulande bieten sowohl städtische als auch private Musikschulen Unterricht an. Die Bedingungen unterscheiden sich - mit Auswirkungen auf Anspruch und Niveau?

Moderation: Michael Köhler

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Jugendliche proben gemeinsam ein Musikstück. (dpa/Christoph Schmidt)
Private und öffentliche Musikschulen unterscheiden sich - aber konkurrieren oder ergänzen sie sich? (dpa/Christoph Schmidt)
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Wer in Deutschland ein Instrument lernen will, hat die Wahl: Es gibt einerseits ein breites Netz kommunaler Musikschulen. 930 sind im Verband der deutschen Musikschulen (VdM) organisiert. Sie bieten im öffentlichen Auftrag und gefördert mit öffentlichen Mitteln musikalische Bildung für alle – vom Klavier bis zum Kontrabass, von der musikalischen Früherziehung bis zur Vorbereitung auf ein Hochschulstudium. Andererseits haben sich seit Jahren freie Musikschulen etabliert. Sie arbeiten unabhängig von den Kommunen, werden nicht subventioniert und orientieren sich als private Unternehmen an den Anforderungen des Marktes.

Verstehen sich private und öffentliche Musikschulen als Konkurrenz oder Ergänzung? Wie viel öffentliche Förderung brauchen wir und was können wir dem freien Markt überlassen? Gibt es Qualitätsunterschiede? Und wer hat angesichts der neuen digitalen Herausforderung die besseren Karten? Darüber diskutieren Matthias Pannes und Mario Müller.

Matthias Pannes ist Bundesgeschäftsführer des Verbandes der deutschen Musikschulen und Mitglied zahlreicher Fachgremien.

"Das Netz von 930 öffentlichen Musikschulen ist in der Fläche aufgestellt. Zahlreiche Kreismusikschulen versorgen eben auch ländliche Bereiche. Zeitgemäßes Angebot baut immer auf einem strukturierten Bildungsgang auf. Musikschulen sind Orte strukturierter musikalischer Bildung – von klein auf bis zum lebenslangen Lernen. Wir sind vor allen Dingen in den Musikschulen auch dem gemeinschaftlichen Musizieren verpflichtet. Kernmerkmal öffentlicher Musikschularbeit ist die Ensemblearbeit, nicht die Einzelhaft am Instrument, sondern ein durchgängiges Bildungsangebot, was eben in vielfältigen Ensembleformationen, in Bands, in Kammermusikformationen, in Orchestern, Chören auch das gemeinschaftliche Musiziererlebnis ermöglicht. Und öffentliche Musikschulen sind im kommunalen Auftrag tätig mit kommunalem Mandat und öffentlicher Kontrolle. Und sie haben vor allen Dingen ein zugangsoffenes Angebot. Es geht nicht ums Billigermachen, sondern es geht darum, dass breiten Bevölkerungsschichten der Zugang ermöglicht wird."

Mario Müller ist Vorsitzender des Bundesverbandes der Freien Musikschulen sowie Inhaber und Geschäftsführer einer privaten Musikschule mit mehreren Filialen im Bonner Raum.

"Die Entstehung der freien Musikschulen ist eine ganz andere als die der kommunalen Seite. Viele Musikschulen sind entstanden aus Einzelkämpfern, die dann größer geworden sind. Die mit Herzblut dabei sind, die Programme machen, die natürlich marktorientiert am Standort sind. Wir müssen natürlich danach gucken, dass die Kosten gedeckt werden. Somit kann man auch nur Angebote anbieten, die gefragt sind. Ich glaube einfach, die Herangehensweise ist anders. Wir sind schneller, wenn neue Strömungen auftauchen in der Musik. Natürlich haben wir auch Gruppen- und Orchesterarbeit. Wir haben Bandarbeit. Ich glaube, die freie Musikschullandschaft ist ein bisschen poplastiger als die kommunale. Früher waren es ja viele reine Popmusikschulen. Mittlerweile gleicht es sich an. Aber da kommen wir her. Ob das Ganze jetzt zeitgemäßer ist, weiß ich nicht. Aber es ist auf jeden Fall deutlich schlanker, und einige Unterrichtsangebote sind bei uns vielleicht auch schneller umzusetzen als in den kommunalen Schulen."

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