Donnerstag, 29. September 2022

Walfang-Moratorium vor 70 Jahren
Meilenstein der internationalen Umweltgesetzgebung

Allein im 20. Jahrhundert wurden mehr als drei Millionen Großwale zu Tode gejagt, viele Arten nahezu ausgerottet. Mit der Unterzeichnung des Übereinkommens zur Regelung des Walfangs wollten 42 Walfangnationen die Bestände kontrollieren und sichern. Für einige Arten kam das Moratorium allerdings zu spät.

Von Monika Seynsche | 02.12.2021

Ein abtauchender Pottwal im Polarmeer.
Nur Japan, Island und Norwegen betreiben heute noch kommerziellen Walfang. (imago / Herwig Czizek)
Wale durchwandern alle Ozeane der Welt, gut geschützt gegen das kalte Wasser durch dicke Speckschichten. Und genau wegen dieses Specks wurden sie jahrhundertelang erbittert gejagt.
Das ausgekochte Walöl war der erste, in rauen Mengen verfügbare flüssige Brennstoff der Menschheit. Es wurde für Lampen gebraucht, für Kerzen, Seifen, zur Margarineherstellung, in Kosmetika und der Industrie. Aber auch die Knochen, das Fleisch und die hornartigen Barten der Wale waren heiß begehrt, und die Jagd wurde mit Beginn des 20. Jahrhunderts immer intensiver. Der pensionierte Walforscher Harald Benke hat diese Jagd als junger Doktorand auf einer isländischen Walfangstation selbst miterlebt.
„Es ist schon recht brutal. Also, man versucht, den Wal möglichst schnell zu töten, indem man die Harpune so platziert, dass sie in der Gegend der Lunge explodiert, so dass der Wal möglichst schnell stirbt. Aber häufig ist es so, dass Sie nicht genau da in dem Körperbereich treffen. Also wir hatten Wale dabeigehabt, die haben sie dann in den Schwanz geschossen, und diese Wale haben dann stundenlang gekämpft um ihr Leben, bis sie dann verblutet waren.“
Originaldruck einer Walfängerszene. Im Vordergrund ein Wal, im Hintergrund ein Boot, das Jagd auf das Tier macht (schwarz-weiß)
Viele Bestandteile der Wale wurden weiterverarbeitet. Die Jagd auf Wale hat deshalb eine jahrhundertelange Tradition (picture alliance / Bildagentur-online/Celeste)

Alarmierend geringe Walbestände

In den 1930er-Jahren waren die Bestände zahlreicher Walarten so stark eingebrochen, dass sich die großen Walfangnationen zusammentaten, um eine nachhaltige Nutzung der Tiere zu sichern. Am 2. Dezember 1946 unterzeichneten 42 Staaten das „Internationale Übereinkommen zur Regelung des Walfangs“. Die Internationale Walfangkommission wurde gegründet und Fangquoten festgesetzt, an die sich aber kaum jemand hielt, sagt der Kurator für Meeressäugetiere am Deutschen Meeresmuseum in Stralsund, Michael Dähne.
„Gerade in den 1950er-, 60er-Jahren wurden sehr, sehr heftig noch verschiedene Walarten bejagt, das ging sozusagen mit den großen Walen los, war bei den Grönlandwalen dann sehr weit verbreitet. Und dann fing man an, sozusagen nach und nach umzusteigen auf die schnelleren Walarten, die schwieriger zu bejagen waren, die Blauwale, die Finnwale, die Seiwale, bis man schließlich beim Zwergwal angekommen war.“

Kommerzieller Walfang musste eingestellt werden

Allein im 20. Jahrhundert fielen drei Millionen Großwale der Jagd zum Opfer. In den 1960er- und 70er-Jahren mehrten sich die Stimmen, die ein komplettes Verbot des Walfangs forderten. Dazu kam, dass die meisten Walprodukte inzwischen ersetzt werden konnten, durch Kunststoffe und Fette auf Erdöl- oder Pflanzenbasis. Thilo Maack ist bei Greenpeace für Wale und Fischereipolitik zuständig.
„Letztendlich hat die Internationale Walfangkommission 1982 zu einem Walfang-Moratorium geführt. Das war das erste Mal, dass ein Industriezweig, in diesem Fall der kommerzielle Walfang, tatsächlich eingestellt wurde. Und das war aus unserer Sicht, und Greenpeace war unmittelbar beteiligt am Zustandekommen dieses Moratoriums, ein wirklicher Meilenstein in der internationalen Umweltgesetzgebung.“
Greenpeace-Aktivisten in einem Schlauchboot fahren am 20.12.1999 an einem japanischen Verarbeitungsschiff im Walschutzgebiet in der Antarktis vorbei, um den Walfang zu stoppen.
Greenpeace-Aktivisten in einem Schlauchboot fahren an einem japanischen Verarbeitungsschiff im Walschutzgebiet in der Antarktis vorbei, um den Walfang zu stoppen (picture alliance / dpa / epa Greenpeace)
Für einige Arten kam das Moratorium allerdings zu spät.
Von den ehemals mehreren hunderttausend Blauwalen rund um die Antarktis haben vermutlich weniger als 1.000 Tiere überlebt - zu wenig, als dass sich der Bestand erholen könnte.
Getöteter Grindwal in Kvivik auf den Färöer Inseln.
Getöteter Grindwal auf den Färöer Inseln (picture alliance / Hinrich Bäsemann )
Heute betreiben nur noch Island, Norwegen und Japan kommerziellen Walfang. Aber es gibt noch jede Menge andere Gefahren. Jedes Jahr verenden 300.000 Wale und Delfine qualvoll als Beifang in den Netzen der Fischerei. Gleichzeitig nimmt der Unterwasserlärm immer stärker zu, besonders durch den ständig wachsenden Schiffsverkehr.

Wale spielen wichtige Rolle im Ökosystem

Wale kommunizieren über hunderte von Kilometern hinweg miteinander. Ist es zu laut, können sie einander nicht mehr hören, finden keine Nahrung und keinen Partner, um sich fortzupflanzen. Dabei wird erst langsam klar, welche enorm wichtige Rolle Wale im Ökosystem der Meere spielen.
„Wale werden mittlerweile als die Gärtner des Meeres bezeichnet, weil sie riesige Mengen an Plankton zu sich nehmen. Und dieses Plankton entsteht dadurch, dass aus der Atmosphäre Kohlendioxid entzogen wird und Kohlenstoff in den Meeren aufgebaut wird. Die Wale fressen diese Riesenmengen an Plankton, tauchen ab und tun dann in der Tiefe das Gegenteil von Fressen sozusagen. Und so gelangt atmosphärischer Kohlenstoff sozusagen über die Wale in das größte Kohlenstoffendlager des Planeten, nämlich in die Tiefsee.“
Eine Gruppe Pottwale im Meer
Eine Gruppe Pottwale im Meer (imago / StockTrek Images)
Deshalb setzen sich Wissenschaftler und Umweltverbände dafür ein, die Walfangkommission in eine Walschutzorganisation umzuwandeln. Damit die verbliebenen Tiere eine Zukunft auf diesem Planeten haben.