Newsblog zum Krieg in der Ukraine
Die Entwicklungen vom 1. bis 6. August 2923

Seit dem 21. Februar 2022 halten wir in einem Newsblog fest, wie sich der Krieg in der Ukraine entwickelt. In diesem Archiv können Sie die bisherigen Entwicklungen nachvollziehen.

07.08.2023
    Der ukrainische Präsident Selenskyj unterschreibt auf einem Flugplatz einen Marschflugkörper vom Typ "Storm Shadow/SCALP-EG ". Darauf ist ein Eiffelturm zu sehen.
    Der ukrainische Präsident Selenskyj unterschreibt auf einem Flugplatz einen Marschflugkörper vom Typ "Storm Shadow/SCALP-EG ". Darauf ist ein Eiffelturm zu sehen. (IMAGO / UPI Photo / IMAGO / UKRAINIAN PRESIDENTIAL PRESS OFF)
    Zu den aktuellen Entwicklungen geht es hier.

    Sonntag, 6. August

    +++ Zwei Autobahnbrücken zur von Moskau annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim sind nach Angaben aus Kiew und Moskau Ziel eines ukrainischen Angriffs geworden.

    Laut einer Mitteilung des ukrainischen Militärs im Nachrichtendienst Telegram griffen die ukrainischen Streitkräfte am Nachmittag zwei wichtige Versorgungsrouten der russischen Besatzer an - die Brücken von Tschonhar und Henitschensk. Die Tschonhar-Brücke zwischen der Krim und dem ukrainischen Festland sei von einer Rakete getroffen und beschädigt worden. Auch etwas weiter nordöstlich bei Henitschesk sei eine Brücke mit mehreren Raketen beschossen und auch eine nahe gelegene Gasleitung beschädigt worden. Ein Mensch sei verletzt worden. Der Besatzungschef des Gebiets Cherson, Saldo, betsätigte die Angaben.

    +++ Am Tag der Luftwaffe der ukrainischen Streitkräfte hat Präsident Selenskyj den Luftstreitkräften des Landes gratuliert.

    Die Piloten hätten seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges mehr als 14.000 Kampfeinsätze geflogen, schrieb Selenskyj bei Telegram. Auf dazu geteilten Bildern und Videos ist zu sehen, wie der Präsident auf einem unbekannten Luftwaffenstützpunkt auf einen an einem Kampfflugzeug befestigten Marschflugkörper "Ruhm der Ukraine" schreibt und diesen signiert. Dabei soll es sich angeblich um einen französischen Marschflugkörper handeln.
    Der ukrainische Präsident Selenskyj
    Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (picture alliance / AA / Ukrainian Presidency / Handout)

    +++ Russland lehnt die internatonale Ukraine-Konferenz in Saudi-Arabien ab, auf der ein Ausweg aus dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine gesucht wird.

    Die Gespräche von Vertretern aus rund 40 Ländern am Wochenende seien zum Scheitern verurteilt, erklärte der russische Vizeaußenminister Rjabkow noch vor dem Ende des Treffens am Sonntag. Russland war zu den Gesprächen in Dschidda nicht eingeladen worden und hatte zunächst angekündigt, es beobachte die Entwicklungen.

    +++ Die russischen Truppen in der Südukraine haben von einem erneuten ukrainischen Angriff auf die Tschonhar-Brücke zur von Moskau annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim berichtet.

    Das Bauwerk, das die Krim und ukrainisches Festland verbindet, sei von einer Rakete getroffen und beschädigt worden, schrieb der Armeechef des Gebiets Cherson, Saldo, auf Telegram. Dazu veröffentlichte er zwei Fotos, die ein größeres Loch in der Fahrbahn der Autobrücke zeigen. Auch etwas weiter nordöstlich bei Henitschesk sei eine Brücke mit mehreren Raketen beschossen und eine nahe gelegene Gasleitung beschädigt worden, erklärte Saldo. Die Angaben lassen sich nicht von unabhängiger Seite überprüfen.

    In der SPD bröckelt die Front gegen eine Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern an die Ukraine.

    Eine solche stelle grundsätzlich keine rote Linie für seine Partei dar, sagte der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Schmid, dem "Tagesspiegel". Es müsse aber sichergestellt werden, dass die Ukrainer selbst die Zielprogrammierung übernehmen können. Der SPD-Haushaltspolitiker Schwarz sprach sich konkret für eine Lieferung der deutsche Marschflugkörper aus. Er sagte dem Magazin "Spiegel", angesichts fehlender Luftunterstützung sei die ukrainische Armee bei ihrer Gegenoffensive auf solche Lenkwaffen angewiesen, um die von den Russen angelegten Minenfelder zu überwinden. Zuvor hatten sich in der Ampel-Koalition bereits Vertreter von FDP und Grünen für eine Lieferung ausgesprochen. Verteidigungsminister Pistorius von der SPD hatte zuletzt Bedenken geäußert.

    +++ In Kiew trägt die riesige Statue, die an den Sieg der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg erinnern soll, nun das ukrainische Staatswappen.

    Zu Beginn der Woche hatten Arbeiter bereits die Symbole Hammer und Sichel vom Schild der Figur abmontiert, die nun durch den Dreizack ersetzt wurden. Außerdem soll die Statue von "Mutter Heimat" in "Mutter Ukraine" umbenannt werden. Die Arbeiten sind Teil des Vorhabens, Sowjetsymbole und russische Kultur aus dem öffentlichen Raum der Ukraine zu verbannen. Der Angriffskrieg Moskaus hatte diesen Prozess noch beschleunigt. Das mit Sockel über 100 Meter hohe Stahlbauwerk zeigt eine Frau, die ein Schwert und ein Schild in die Höhe reckt. Es war 1981 eingeweiht worden und überblickt die Hauptstadt der Ukraine von einem Park am Fluss Dnipro aus.
    Die Mutter-Heimat-Statue in Kiew.
    Die Mutter-Heimat-Statue in Kiew. (picture alliance / pressefoto_korb / Micha Korb)

    +++ Russland hat die Ukraine nach Angaben aus Kiew in der vergangenen Nacht mehrfach aus der Luft angriffen.

    In mehreren Wellen seien insgesamt 70 Waffen unterschiedlicher Art eingesetzt worden, teilte das ukrainische Militär mit. Die ukrainische Luftabwehr habe 30 der 40 Marschflugkörper sowie alle 27 eingesetzten Drohnen zerstört. Russland habe auch drei Hyperschallraketen abgefeuert.

    +++ Die Universität von Donezk ist russischen Angaben zufolge bei einem ukrainischen Angriff mit Streumunition getroffen worden.

    Ein Gebäude sei dabei in Brand geraten, schreibt der von Russland eingesetzte Bürgermeister der Stadt auf Telegram. Von der Ukraine gibt es dazu bisher keinerlei Stellungnahme. Beide Seiten dementieren, Zivilisten und zivile Infrastruktur anzugreifen. Der Moskauer Bürgermeister Sobjanin teilte unterdessen mit, die Luftabwehr habe eine Drohne beim Anflug auf die russische Hauptstadt zerstört. Die Drohne hätte sich am Morgen dem Süden Moskaus angenähert. Am Flughafen Wnukowo wurde der Flugverkehr unterbrochen. Gründe dafür wurden nicht genannt.

    +++ Im saudi-arabischen Dschidda gehen die internationalen Beratungen über den russischen Angriffskrieg in der Ukraine zu Ende.

    Gestern hatte es zunächst ein große Plenungsveranstaltung mit Vertreten aus über 40 Staaten gegeben. Zu den teilnehmenden Ländern gehörten westliche Staaten wie die USA und Deutschland, aber auch Indien, Südafrika und China. Russland wurde nicht eingeladen. Das zweitägige Treffen findet auf Ebene nationaler Sicherheitsberater statt. Heute stehen nach dem Abreisen erster Delegationen noch bilaterale Gespräche an, die vom ukrainische Präsident Selenskyj als wichtig bezeichnet wurden. Mit einer offiziellen Abschlusserklärung wurde zunächst nicht gerechnet.

    +++ In der Ukraine gibt es nach Einschätzung der SOS-Kinderdörfer keine Region mehr, in der Kinder sicher sind.

    "In einigen Gebieten kommt es permanent zu direkten Kampfhandlungen, andere werden mit Raketen beschossen und aus der Luft bombardiert", zitiert eine Mitteilung der Hilfsorganisation vom Sonntag ihren Leiter in der Ukraine, Serhii Lukashov. "Überall sind Kinder in Gefahr." Immer wieder würden auch zivile Einrichtungen wie Schulen, Krankenhäuser und Wohnblöcke beschossen. Nach Angaben von SOS-Kinderdörfer wurden bis 17. Juli durch den russischen Angriff auf die Ukraine 494 Kinder getötet und 1.058 verletzt.

    +++ Die russische Armee hat nach Angaben der Ukraine in der nordöstlichen Region Charkiw ein Zentrum für Bluttransfusionen beschossen.

    Die Einrichtung sei von einer Bombe getroffen worden, teilte der ukrainische Präsident Selenskyj mit. Es gebe Berichte über Tote und Verletzte. Laut Selenskyj gab es weitere russische Angriffe. In Saporischschja sei das Werk Motor Sich getroffen worden. Motor Sich gilt als wichtigster Hersteller des Landes von Triebwerken für Flugzeuge und Hubschrauber sowie für Gasturbinen. Auch in der Region Chmelnyzkyj habe es Angriffe gegeben. Ein Teil der Raketen sei von der Luftabwehr abgeschossen worden.

    +++ Bundesaußenministerin Baerbock hat die Friedenskonferenz im saudi-arabischen Dschidda begrüßt.

    Die Grünen-Politikerin sagte der "Bild am Sonntag", jeder Millimeter Fortschritt in Richtung eines gerechten und fairen Friedens bringe ein Stück Hoffnung für die Menschen in der Ukraine. Präsident Selenskyj habe mit seiner Friedensformel dafür einen ganz entscheidenden Pfad aufgezeigt. Deren Kern ist die Forderung nach einem Abzug russischer Truppen aus dem gesamten Staatsgebiet der Ukraine. Baerbock ergänzte, das Signal von Dschidda sei, dass der russische Angriffskrieg auch die Menschen in Afrika, Asien und Südamerika betreffe.

    Samstag, 5. August

    +++ In Saudi-Arabien haben Gespräche zur Beendigung des russischen Angriffskriegs in der Ukraine begonnen.

    Vertreter von rund 40 Ländern kamen zu der zweitägigen Konferenz in Dschidda zusammen. Darunter sind die Ukraine, die USA und Deutschland, außerdem Repräsentanten der EU. Auch Chinas Sondergesandter Li Hui reiste an. China gilt als Verbündeter Russlands und könnte seinen Einfluss in Moskau geltend machen. Russland selbst ist nicht eingeladen worden. Weitere Teilnehmerstaaten sind Indonesien, Ägypten und die Türkei. Eine Abschlusserklärung wird es voraussichtlich nicht geben. Ziel der Gespräche sei ein Austausch von Meinungen und Sichtweisen zur Lösung des Konflikts, hieß es.

    +++ Der stellvertretende Vorsitzende des russischen Sicherheitsrats, Medwedew, hat nach Angriffen auf russische Schiffe im Schwarzen Meer Vergeltungsattacken auf ukrainische Häfen angedeutet.

    "Anscheinend waren die Angriffe auf Odessa, Ismajil und andere Orte nicht genug für sie", schrieb er auf Telegram. Russische Drohnen hatten Ismajil an der Grenze zu Rumänien am Mittwoch angegriffen. Nach ukrainischen Angaben wurden dort Zehntausende Tonnen Getreide zerstört.

    +++ Russland hat nach Angaben aus Moskau wegen einer US-Drohne über dem Schwarzen Meer einen Kampfjet aufsteigen lassen.

    Das unbemannte Flugobjekt habe sich der russischen Staatsgrenze genähert, teilte das Verteidigungsministerium mit. Daraufhin sei ein Jagdflugzeug vom Typ Su-30 aufgestiegen, um es zu identifizieren und keine Verletzung der Grenze zuzulassen. Nach dem Manöver sei die Drohne vom Typ MQ-9A "Reaper" abgedreht und der Kampfjet wieder auf seinen Stützpunkt zurückgekehrt. Zum genauen Ort des Zwischenfalls wurden keine Angaben gemacht.

    +++ Der Angriff auf einen russischen Öltanker nahe der Krim-Brücke war einem Medienbericht zufolge eine gemeinsame Aktion des ukrainischen Geheimdienstes und der Marine.

    Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Geheimdienst-Informationen. Das Schiff habe Treibstoff für das russische Militär an Bord gehabt. Die russische Behörde für Seeverkehr teilte mit, der 140 Meter lange Fracht sei im Bereich des Maschinenraums getroffen worden, schwimme aber noch. Die Besatzung befinde sich in Sicherheit.
    Der Vorfall hatte sich in der vergangenen Nacht in der Straße von Kertsch ereignet, die das Schwarze Meer mit dem Asowschen Meer verbindet. Die Krim-Brücke, die über die Meerenge führt, wurde vorübergehend für den Autoverkehr gesperrt.

    +++ Der Nahost-Experte und Islamwissenschaftler der Stiftung Wissenschaft und Politik, Guido Steinberg, hat die Bemühungen Saudi-Arabiens für eine Beilegung des Krieges in der Ukraine betont.

    Angesichts der zweitägigen Konferenz mit der Ukraine, ihren Verbündeten sowie mit Entwicklungs- und Schwellenländern in Dschidda sagte Steinberg im Deutschlandfunk, das saudische Königshaus bemühe sich seit 2022 um eine Mittlerposition und wolle mit der jetzigen Konferenz sein Prestige steigern. Saudi-Arabien sei die Führungsmacht im Nahen Osten und spiele nicht zuletzt wegen des Ukrainekriegs nun in einer Liga mit Brasilien und Südafrika.
    Welche Rolle spielt Saudi-Arabien mit Blick auf die Ukraine?

    +++ Der von den G7-Staaten und weiteren Verbündeten verhängte Preisdeckel für russisches Öl zeigt nach Angaben der britischen Regierung weiterhin Wirkung.

    Das geht aus einer Mitteilung des Finanzministeriums in London hervor. Die Internationale Energie-Agentur (IEA) berichtete demnach von einem Rückgang der russischen Erlöse aus dem Ölexport im Juni um knapp zehn Milliarden US-Dollar (rund neun Milliarden Euro) im Vergleich zum Vorjahresmonat. Allein zwischen Mai und Juni fielen die Erlöse demnach um 1,5 Milliarden Dollar (1,36 Milliarden Euro). Die Forschungsorganisation Centre for Research on Energy and Clean Air schätze zudem, dass der Preisdeckel auf Rohöl Russland 160 Millionen Euro am Tag kostet. Die Briten zitierten auch russische Regierungsquellen, wonach die Erlöse Moskaus aus dem Energiesektor im ersten Quartal dieses Jahres um 45 Prozent unter dem Vorjahr lagen.
    Der im Dezember vergangenen Jahres eingeführte Preisdeckel für russisches Öl soll Russland dazu zwingen, Erdöl für höchstens 60 Dollar pro Barrel (159 Liter) an Abnehmer in anderen Staaten zu verkaufen. Die Obergrenze ist eine der Sanktionen, mit denen der Westen auf den von Moskau begonnenen Angriffskrieg gegen die Ukraine reagiert. Von Februar an wurde der Preisdeckel auch auf Ölprodukte ausgeweitet.
    Vier Öltanker liegen im Hafen von St.Petersburg
    Vier Öltanker liegen im Hafen von St.Petersburg (imago images / MITO )

    +++ Russland meldet einen ukrainischen Drohnenangriff auf einen Tanker vor der Halbinsel Krim.

    Das Schiff sei in der Straße von Kertsch beschädigt worden, meldete die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass. Laut der "Moscow Times" handelt es sich um den Tanker "SIG", gegen den die USA Sanktionen verhängt hat, weil er russischen Streitkräften in Syrien Treibstoff geliefert hatte. Auf der strategisch wichtigen Brücke über die Meerenge, welche die von Moskau annektierte Krim mit Russland verbindet, kam der Verkehr etwa drei Stunden lang zum Erliegen.

    +++ In Saudi-Arabien beginnt heute eine zweitägige Ukraine-Friedenskonferenz.

    Das Königreich hat dafür die Ukraine, ihre westlichen Verbündeten sowie Entwicklungs- und Schwellenländer nach Dschiddah eingeladen. Russland dagegen ist nicht dabei. Unklar blieb im Vorfeld, ob China eine Delegation entsendet. In einer vorab verbreiteten Erklärung hieß es aus Riad, Ziel des Treffens sei es, einen politischen und diplomatischen Weg zur Beendigung des Krieges zu finden. Das Treffen findet demnach auf Berater-Ebene statt. Erwartet werden unter anderem Vertreter der Ukraine, USA, der EU, Großbritanniens sowie aus Chile, Indonesien, Ägypten und der Türkei. Für die Bundesregierung nach Dschiddah reisen der außenpolitische Berater von Bundeskanzler Scholz, Plötner, und die Politische Direktorin im Auswärtigen Amt, Bellmann.
    Im Vorfeld der Konferenz hieß es aus Berlin, bei der Konferenz gehe es um eine "Konsolidierung verschiedener Friedenspläne" etwa aus China, Afrika und Brasilien mit dem von der Ukraine selbst aufgestellten Zehn-Punkte-Plan.

    +++ Deutschland hat weiteres militärisches Gerät und Waffen an die Ukraine geliefert.

    Unter anderem wurden Kiew Minenräumpanzer, Grenzschutzfahrzeuge und Aufklärungsdrohnen übergeben, wie aus einer Übersicht auf der Internetseite der Bundesregierung hervorgeht. Zudem sollen 40 zusätzliche Schützenpanzer vom Typ Marder und weitere Aufklärungssysteme geliefert werden. Nach Angaben der Bundesregierung belaufen sich die Mittel für die Unterstützung der Ukraine in diesem Jahr auf rund 5,4 Milliarden Euro. Das Land verteidigt sich seit mehr als 17 Monaten in dem russischen Angriffskrieg.

    +++ Der inhaftierte russische Oppositionelle Nawalny hat nach seiner Verurteilung zu einer weiteren Haftstrafe an den Mut der Russen zum Widerstand gegen Präsident Putin appelliert.

    Putin dürfe seine Ziele nicht erreichen, sagte Nawalny. Das Strafmaß sei nicht für ihn selbst gedacht, sondern richte sich gegen alle Menschen in Russland, um ihnen Angst zu machen. Nawalny wurde von einem Gericht in seinem Straflager in Melechowo wegen Extremismus-Vorwürfen zu einer Haftstrafe von 19 Jahren verurteilt. Seine Sprecherin Jarmysch erklärte auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur, dass mit dem Urteil die Gesamtlänge der Haftdauer gemeint sein sollte. Damit wären die neun Jahre Straflager, zu denen Nawalny bereits verurteilt wurde, mit eingerechnet. Es bleibe aber das schriftliche Urteil abzuwarten.
    Das neue Urteil stieß international auf Kritik. Die Europäische Union und die Vereinten Nationen forderten die sofortige Freilassung Nawalnys.
    Ein Moskauer Gericht hat den inhaftierten russischen Oppositionspolitiker Alexej Nawalny zu einer weiteren, 19-jährigen Haftstrafe verurteilt
    Ein Video-Standbild zeigt den russischen Oppositionellen Alexej Nawalny vor Gericht. (IMAGO / SNA / Mikhail Voskresenskiy)

    Freitag, 4. August

    +++ Die ukrainische Armee hat nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Kiew bei der russisch kontrollierten Stadt Bachmut weitere Geländegewinne erzielt.

    "An der südlichen Flanke setzen unsere Streitkräfte trotz dichtem Artilleriefeuer und Minen ihre Vorwärtsbewegung Schritt für Schritt fort", schrieb Vizeverteidigungsministerin Maljar bei Telegram über die Situation in der Ostukraine. Konkrete Angaben machte sie nicht.
    In den Generalstabsberichten wurde indirekt gesagt, dass der Ort Klischtschijiwka südlich von Bachmut nicht mehr völlig unter russischer Kontrolle stehe. Parallel dazu seien russische Angriffe nördlich von Bachmut und an den Abschnitten Kupjansk, Lyman und Swatowe an den Grenzen zwischen den ostukrainischen Gebieten Luhansk, Charkiw und Donezk abgewehrt worden.

    +++ Saudi-Arabien hat nun auch offiziell das Gipfeltreffen ranghoher internationaler Vertreter zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine bestätigt.

    Die staatliche Nachrichtenagentur SPA verbreite eine Mitteilung, wonach das Treffen am Samstag in der Küstenstadt Dschidda stattfinden wird. Ziel sei es, einen "politischen und diplomatischen Weg" zur Beendigung des Krieges gegen die Ukraine zu finden. Nationale Sicherheitsberater und eine Reihe von Vertretern aus verschiedenen Ländern werden demnach an dem Treffen teilnehmen. Erwartet werden unter anderem Vertreter der Ukraine, USA, der EU, Großbritanniens sowie aus Chile, Indonesien, Ägypten und der Türkei, wie es zuvor aus Diplomatenkreisen in Riad hieß.
    Für die Bundesregierung reist der außenpolitische Berater von Bundeskanzler Scholz, Plötner, nach Dschiddah. Ziel des Treffens sei die "Konsolidierung verschiedener Friedenspläne", etwa aus China, Afrika und Brasilien mit dem von der Ukraine aufgestellten Zehn-Punkte-Plan, hieß es im Vorfeld der Konferenz aus Berlin.

    +++ Die bulgarische Regierung hat Lieferung von fast 100 Schützenpanzern sowjetischer Bauart an die Ukraine genehmigt.

    Das berichtet die bulgarische Tageszeitung "24 Tschasa". Demnach hat die bulgarische Regierung einem Vertragsentwurf zugestimmt, der während eines Besuchs des ukrainischen Präsidenten Selenskyj im vergangenen Monat vereinbart wurde. In dem Entwurf geht es um die Lieferung von sowjetischen Schützenpanzern an die Ukraine, die vom bulgarischen Innenministerium nicht mehr genutzt werden. Zuvor hat das Land direkte Waffenlieferungen an Kiew verweigert. Medienberichten zufolge hat Bulgarien jedoch auch früher indirekte Militärhilfe an die Ukraine geleistet.

    +++ Die Internationale Atomenergiebehörde hat auf den Dächern des Atomkraftwerks Saporischschja keine Sprengladungen gefunden.

    Die UNO-Behörde hatte Zugang zu den Dächern gefordert, nachdem die Ukraine den russischen Besatzern vorgeworfen hatte, dort Sprengsätze platziert zu haben. Man habe gestern die Dächer der Reaktorgebäude der Blöcke 3 und 4 sowie die Turbinenhallen inspizieren können, teilte die IAEA mit. Dabei habe man keine Sprengstoffe gefunden. IAEO-Chef Grossi erklärte, er begrüße, dass den Experten endlich dieser zusätzliche Zugang zur Anlage gewährt worden sei.

    +++ Der ukrainische Außenminister Kuleba ist überzeugt, dass nur der türkische Präsident Erdogan Russland überzeugen kann, wieder in das Getreideabkommen einzusteigen.

    Das schrieb er in einem Kommentar für die ukrainische Nachrichtenagentur Ukrinform. Ihm zufolge koordiniert die Ukraine mit der Türkei die Bemühungen, das Abkommen zu verlängern. Der ukrainische Präsident Selenskyj sei im ständigen Austausch mit seinem türkischen Amtskollegen Erdogan. Auch Erdogan selbst bestätigte seine Bemühungen um eine Wiederbelebung des Getreideabkommens. Er will sich bald mit dem russischen Staatschef Putin treffen.
    Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und Russlands Präsident Vladimir Putin
    Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan und Russlands Präsident Vladimir Putin (picture alliance / ASSOCIATED PRESS / Alexandr Demyanchuk)

    +++ Litauen hat mehr als 1.000 russische und belarussische Staatsbürger zu einer Bedrohung der nationalen Sicherheit erklärt.

    Wie die Migrationsbehörde in Vilnius mitteilte, wird ihnen der weitere Aufenthalt in Litauen untersagt. Für die Erneuerung oder Befristung einer Aufenthaltsgenehmigung mussten russische und belarussische Bürger seit Ende des vergangenen Jahres einen Fragebogen ausfüllen. Dieser enthielt den Angaben zufolge unter anderem Fragen zur Ausbildung, zu früheren Tätigkeiten und zum Militärdienst. Daraufhin seien zahlreiche Aufenthaltsgenehmigungen entzogen worden.

    +++ Bei dem ukrainischen Drohnenangriff auf den russischen Schwarzmeerhafen von Noworossijsk ist nach Angaben aus Kiew ein Landungsschiff beschädigt worden.

    Ein Video des Einsatzes zeige, wie eine mit Sprengstoff beladene Seedrohne das feindliche Schiff angreife, hieß es in ukrainischen Medien. Das Schiff soll etwa 100 Mann Besatzung gehabt haben. Das russische Verteidigungsministerium hatte einen Drohnenangriff in Noworossijsk bestätigt, aber behauptet, dieser sei abgewehrt worden, ohne dass es Schäden gegeben habe. Seit der Weigerung Russlands, das internationale Getreideabkommen zu verlängern, haben Angriffe im Schwarzen Meer und in den angrenzenden Häfen zugenommen. Sowohl Russland als auch die Ukraine setzen dabei meist Drohnen ein. Ziel russischer Attacken ist unter anderem immer wieder die ukrainische Stadt Odessa.

    Redaktionell empfohlener externer Inhalt

    Mit Aktivierung des Schalters (Blau) werden externe Inhalte angezeigt und personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt. Deutschlandradio hat darauf keinen Einfluss. Näheres dazu lesen Sie in unserer Datenschutzerklärung. Sie können die Anzeige und die damit verbundene Datenübermittlung mit dem Schalter (Grau) jederzeit wieder deaktivieren.

    +++ Polen will in sechs Wochen seine Grenzen für ukrainische Agrargüter schließen.

    Das teilte der polnische Agrarminister, Telus, auf der Plattform X, die zuvor Twitter hieß, mit. Ihm zufolge wird Polen die Grenze schließen, auch wenn eine entsprechende Entscheidung seitens der EU bis dahin nicht vorliegt. Dies geschehe im Interesse der polnischen Landwirte, schrieb Telus. Im Juli forderten Polen, Ungarn, die Slowakei, Rumänien und Bulgarien von der EU eine Verlängerung des bis zum 15. September geltenden Importverbots für ukrainischer Agrargüter. Bereits vor einigen Tagen hatte es diplomatische Spannungen zwischen Warschau und Kiew gegeben. Hintergrund ist eine Bemerkung des polnischen Präsidialberaters Przydacz, wonach die Regierung in Kiew mehr Wertschätzung für Polens Unterstützung zeigen sollte. Daraufhin bestellten Polen und die Ukraine den jeweiligen Botschafter des anderen Landes ein.

    +++ Für den Wiederaufbau der Ukraine fordert die entwicklungspolitische Sprecherin der Grünen, Düring, unternehmerische Investitionen in das von Russland angegriffene Land.

    Angesichts immenser Kriegsschäden in der gesamten Ukraine sei abzusehen, dass die international zugesagten Mittel nicht ausreichten, um die zerstörte Infrastruktur wieder in Stand zu setzen, sagte Düring im Deutschlandfunk. Die Ukraine sei deshalb zwingend auf eigenes Wirtschaftswachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen angewiesen. Die Bevölkerung sei hochmotiviert, ihre zerstörten Städte wieder lebenswert zu machen. Die Menschen betrachteten den Wiederaufbau als Teil des Widerstandes. Russland dürfe es nicht gelingen, die Ukraine auszulöschen, sei immer wieder zu hören gewesen. Düring war jüngst selbst in die Ukraine gereist, um sich ein eigenes Bild von der Lage zu machen.

    +++ Russland wird in diesem Jahr weitaus mehr für Rüstung ausgeben als ursprünglich geplant.

    Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf ein Regierungsdokument aus Moskau berichtet, sind für 2023 mehr als 100 Milliarden Dollar vorgesehen. Das ist ein Drittel aller Staatsausgaben. Ursprünglich hatte die Regierung in Moskau Rüstungsausgaben von 54 Milliarden Dollar eingeplant.

    +++ Der russische Verteidigungsminister Schoigu hat nach Angaben aus Moskau erneut die Invasionstruppen in der Ukraine besucht.

    Er sei im Front-Hauptquartier der Heeresgruppe Mitte von einem Kommandeur über die Lage unterrichtet worden, zitiert die Nachrichtenagentur Tass das Verteidigungsministerium. Der Ort des Treffens wurde nicht genannt.

    +++ Bei seinem Besuch in Nordkorea hat Russlands Verteidigungsminister Schoigu nach Einschätzung amerikanischer Geheimdienste um zusätzliche Munition für den Krieg gegen die Ukraine gebeten.

    Dies teilte der Sprecher des nationalen Sicherheitsrates im Weißen Haus, Kirby, mit. Schon im März hatte die US-Regierung erklärt, dass Russland einen Deal mit Nordkorea anstrebe, und sich auf Geheimdienstinformationen bezogen. Der Deal sehe vor, dass Moskau das isolierte Land mit Lebensmitteln und anderen Gütern beliefere und dafür aus Pjöngjang Munition erhalte. Sowohl Nordkorea als auch Russland haben die Vorwürfe bislang abgestritten.

    +++ Nach der Aufkündigung des ukrainischen Getreideabkommens durch Russland warnen die USA vor einer Blockade von Nahrungsmitteln in Konflikten.

    Hunger dürfe nicht als Waffe eingesetzt werden, sagte US-Außenminister Blinken vor dem UNO-Sicherheitsrat in New York. Dort legte er eine gemeinsame Erklärung vor, die mehr als 90 Staaten unterzeichnet haben, darunter Deutschland. Sie verpflichten sich zu Maßnahmen, um den Einsatz von Nahrungsmitteln als Kriegswaffe und das Aushungern von Zivilisten als Kriegstaktik zu beenden.

    +++ Nach Angaben des Vizechefs des russischen nationalen Sicherheitsrates, Medwedew, sind seit Januar mehr als 231.000 Russen für den Einsatz in der Ukraine rekrutiert worden.

    Es sei einiges getan worden, um den Militärdienst attraktiver zu machen, sagte der frühere Kremlchef bei einer Versammlung zur Ausstattung der Streitkräfte. Die von Medwedew unter Berufung auf Militärangaben genannte Zahl ist damit etwa doppelt so hoch wie die vom Mai, als er von 117.000 Freiwilligen und Zeitsoldaten gesprochen hatte. Nach Darstellung Medwedews sind in den vergangenen Monaten zahlreiche organisatorische, wirtschaftliche und soziale Schritte eingeleitet worden, um mehr Freiwillige anzuziehen. Moskau hatte nach massiven Kriegsverlusten im vergangenen Jahr bei einer Teilmobilmachung rund 300 .000 Reservisten eingezogen. Zugleich flohen damals aber auch Zehntausende vor einem möglichen zwangsweisen Kriegseinsatz gegen die Ukraine ins Ausland. Bestätigte Zahlen über die Stärke und Neuaufstellungen der russischen Armee sind wegen des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine schwer zugänglich.

    Donnerstag, 3. August

    +++ Die EU hat die G20-Gruppe aufgefordert, Druck auf Russland auszuuüben, das Getreideabkommen mit der Ukraine wieder in Kraft zu setzen.

    Dazu müsse die internationale Gemeinschaft mit einer klaren und einheitlichen Stimme sprechen, schrieb der EU-Außenbeauftragte Borrell in einem Brief an die G20-Außenminister. Die russische Agrarbranche sei die Hauptnutznießerin der Aufkündigung des Abkommens durch Moskau vor rund zwei Wochen. Russland profitiere weiter von höheren Lebensmittelpreisen und erhöhe seinen Marktanteil auf dem globalen Getreidemarkt, indem es die Exportkapazitäten seines ukrainischen Hauptkonkurrenten stark einschränke, erklärte Borrell. Zugleich biete Moskau Entwicklungsländern vergünstigtes Getreide an. Dies sei eine zynische Politik, bei der Lebensmittel als Waffe eingesetzt würden, um neue Abhängigkeiten zu schaffen. Den russischen Invasionstruppen in der Ukraine wird unter anderem vorgeworfen, absichtlich Hafeneinrichtungen und Getreidelager zu zerstören.

    +++ Der SPD-Außenpolitiker Stegner hat sich gegen die Lieferung deutscher Marschflugkörper vom Typ Taurus an die Ukraine ausgesprochen.

    Stegner sagte im Deutschlandfunk, es liege im deutschen Interesse, eine Eskalation des Krieges zu verhindern. Waffen mit einer Reichweite von 500 Kilometern zu liefern, würde aus seiner Sicht aber Eskalationspotenzial bergen. Es sei falsch, die Unterstützung der Ukraine nur auf militärische Aspekte zu verengen. Zuvor hatte der ukrainische Botschafter in Deutschland, Makeiev, um die Lieferung von Langstreckenwaffen gebeten. Politiker von CDU, FDP und Grünen hatten sich in den vergangenen Tagen ebenfalls dafür ausgesprochen. Verteidigungsminister Pistorius, SPD, lehnt eine Lieferung derzeit ab. Die Bundeswehr verfügt über rund 150 einsatzbereite Taurus-Marschflugkörper.

    +++ Russland hat Norwegen auf seine Liste mit Ländern gesetzt, die nach seiner Lesart "unfreundliche Handlungen" gegen seine diplomatischen Vertretungen begangen haben.

    Das melden staatliche russische Nachrichtenagenturen. Norwegen hatte im April 15 russische Diplomaten wegen mutmaßlicher Spionage ausgewiesen. Darauf reagierte Russland mit der Ausweisung von zehn norwegischen Diplomaten.

    +++ Die Zahl der erwerbstätigen Geflüchteten aus der Ukraine ist leicht gestiegen.

    Im Durchschnitt gingen 18 Prozent der erwerbsfähigen Ukrainer im Frühjahr 2023 in Deutschland einer bezahlten Tätigkeit nach, teilte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) mit. Das sei ein Anstieg von einem Prozentpunkt im Vergleich zur ersten Umfrage im Herbst 2022. Allerdings zeigten die Ergebnisse der eigenen Untersuchung, dass die Beschäftigtenquote ab einer Aufenthaltsdauer von zwölf Monaten deutlich auf 28 Prozent ansteigt. Weiter hieß es, dass fast die Hälfte der vor dem Krieg in ihrer Heimat Geflohenen in Berufen tätig ist, für die sie auf dem deutschen Arbeitsmarkt formal überqualifiziert sind. Zudem verdienen ukrainische Geflüchtete unterdurchschnittlich: Ihre mittleren Bruttomonatsverdienste in Vollzeitjobs liegen mit 2.550 Euro deutlich unter dem Durchschnittsverdienst aller Vollzeitbeschäftigten in Deutschland von 3.516 Euro. - Die Studie beruht auf einer repräsentativen Umfrage bei rund 6.000 ukrainischen Geflüchteten.

    +++ Nach Einschätzung des britischen Verteidigungsministeriums erschwert nachwachsendes Unterholz die Kämpfe im Süden der Ukraine.

    Die überwiegend landwirtschaftlich genutzte Fläche in der Kampfzone liegt nun seit 18 Monaten brach, weswegen Unkraut und Sträucher bei den warmen, feuchten Sommerbedingungen schneller nachwachsen, teilte das Ministerium in London mit. Das bedeute zusätzliche Tarnung für russische Verteidigungspositionen und erschwere die Räumung von Minenfeldern, schrieben die Briten in ihrem täglichen Update. Obwohl das Unterholz auch Tarnung für kleine, heimliche Infanterieangriffe bieten könne, sei es für beide Seiten schwieriger, voranzukommen.

    +++ Die russischen Truppen haben sich nach ukrainischen Angaben in den von ihnen kontrollierten Gebieten verschanzt und diese vermint.

    Der Sekretär des ukrainischen Sicherheitsrates, Danilow, sagte im staatlichen Fernsehen: "Die Zahl der Minen auf dem Gebiet, das unsere Truppen zurückerobert haben, ist völlig verrückt. Im Durchschnitt gibt es drei, vier, fünf Minen pro Quadratmeter." Das mache es den ukrainischen Truppen schwer, nach Osten und Süden vorzudringen.
    Ein Minensucher in Uniform am Rande eines Feldes in der Ukraine
    Die Ukraine leidet unter dem Einsatz von Minen in den Kampfzonen. (picture alliance / Anadolu Agency)

    +++ Russland und die Ukraine haben in der vergangenen Nacht nach eigenen Angaben feindliche Drohnen zerstört.

    Das ukrainische Militär teilte auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit, man habe rund 15 russische Drohnen abgeschossen, die sich auf dem Weg nach Kiew befunden hätten. Das russische Verteidigungsministerium meldete wiederum den Abschuss sechs ukrainischer Drohnen in der Region Kaluga, rund 200 Kilometer südwestlich von Moskau. In beiden Fällen habe es keine Schäden oder Verletzte gegeben, hieß es. - Zuletzt war es immer wieder zu Drohnenangriffen gekommen. Am Dienstag hatte Russland Einschläge in der Hauptstadt Moskau und auf der annektierten Halbinsel Krim gemeldet, am Mittwoch war unter anderem der ukrainische Donau-Hafen in Ismail Ziel eines Angriffs.

    +++ Die Europäische Union warnt Entwicklungsländer vor einer Abhängigkeit von russischem Getreide.

    "Während die Welt mit Versorgungsengpässen und steigenden Preisen zu kämpfen hat, kommt Russland nun mit bilateralen Angeboten für Getreidelieferungen zu reduzierten Preisen auf gefährdete Länder zu und gibt vor, ein Problem zu lösen, das es selbst geschaffen hat", heißt es in einem Schreiben des EU-Außenbeauftragten Borrell, das der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt. Borrell sprach davon, dass Lebensmittel als Waffe eingesetzt würden, um neue Abhängigkeiten zu schaffen.

    +++ Der ukrainische Präsident Selenskyj hat erneut mehr internationale Unterstützung bei der Luftabwehr gefordert.

    In seiner abendlichen Videoansprache verwies er auf die russischen Angriffe auf Hafeninfrastruktur und Getreidelager. Moskau wolle eine globale Katastrophe herbeiführen. "Gemeinsam mit unseren Partnern tun wir unser Bestes, um die Lieferung von Luftverteidigungssystemen zu steigern", sagte Selenskyj.

    Mittwoch, 2. August

    +++ In Russland haben die Gouverneure der an die Ukraine angrenzenden Regionen Kursk und Belgorod die Bewaffnung von "Volksmilizen" angekündigt.

    Dies geschehe, da seine Region seit Monaten "fast täglich" von "aus der Ukraine kommenden terroristischen Angriffen" getroffen werde, erklärte der Gouverneur von Kursk, Roman Starowojt, im Online-Dienst Telegram. Nun würden nach "mehreren Monaten" Arbeit an der "Frage der Bewaffnung der freiwilligen Volksmilizen" sei nun "ein Mechanismus gefunden" und die erste "Lieferung am Stützpunkt eingetroffen". In "naher Zukunft" werde die Anzahl der Waffen für die Miliz auf 300 erhöht, ergänzte der Gouverneur. Die nach dem Vorbild ähnlicher Einheiten aus der Sowjetzeit entstandenen Freiwilligenmilizen wurden demnach in der Region Kursk im Dezember gebildet, um dem Militär, der Nationalgarde, der Polizei und dem Grenzschutz "zusätzliche Unterstützung" zukommen zu lassen. In der Region Belgorod waren "freiwillige Volksmilizen" bereits in den ersten Wochen nach Beginn der russischen Offensive in der Ukraine gebildet worden.
    Kreml-Sprecher Peskow erklärte, alles werde "im Einklang mit dem Gesetz umgesetzt". Es handle sich "um Maßnahmen, die vor dem Hintergrund der Angriffe, der Attentate, die von ukrainischem Territorium aus verübt werden, notwendig sind". Die an die Ukraine angrenzenden russischen Regionen werden seit Monaten regelmäßig mit Drohnen attackiert. Russland beschuldigt die ukrainische Regierung, dahinter zu stecken.
    Der Sprecher von Russlands Präsident Putin, Dmitry Peskow, steht an einem Rednerpult.
    "Die Ausrüstung der Milizen ist rechtmäßig und notwendig": Der Sprecher von Russlands Staatschef Putin, Peskow. (NATALIA KOLESNIKOVA / AFP)

    +++ Russland hat einem Medienbericht zufolge Einschränkungen für den See- und Flugverkehr in der Straße von Kertsch ausgerufen.

    Die Staatsagentur Tass berief sich auf das Verteidigungsministerium in Moskau. Ein Grund wurde demnach nicht angegeben. Die Meerenge verbindet das Schwarze Meer mit dem Asowschen Meer. Dort liegt auch die Krim-Brücke, die im Krieg durch Angriffe beschädigt wurde.

    +++ Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hofft nach eigenen Angaben, dass im Herbst ein Friedensgipfel abgehalten werden kann.

    Das bevorstehende Treffen in Saudi-Arabien sei ein Schritt auf dem Weg dorthin, sagte Selenskyj vor ukrainischen Diplomaten. Dazu würden inzwischen Vertreter von fast 40 Staaten erwartet. Früheren Medienberichten zufolge findet das Treffen am Wochenende in Dschidda statt.

    +++ Weder der russische Staatschef Wladimir Putin noch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sind nach Ansicht ihres brasilianischen Amtskollegen Luiz Inacio Lula da Silva zu Frieden bereit.

    Brasilien bemühe sich darum, sagte Lula vor der ausländischen Presse. Vorschläge für Friedenserklärungen lägen vor, sollten Russland und die Ukraine verhandeln wollen. "Weder Putin noch Selenskyj sind zu Frieden bereit."

    +++ Der rumänische Präsident Iohannis hat die Angriffe auf die zivile Infrastruktur der Ukraine entlang der Donau verurteilt.

    Das russische Militär hatte dort in den vergangenen Tagen nach ukrainischen Angaben wiederholt Ziele beschossen, zuletzt etwa den Hafen Ismail. Iohannis sagte, es handle sich um Kriegsverbrechen. Damit werde die Fähigkeit der Ukraine beeinträchtigt, Nahrungsmittel an Bedürftige in der Welt zu liefern.
    Zu sehen ist Rumäniens Präsident Klaus Iohannis.
    Rumäniens Präsident Klaus Iohannis (Archivbild). (dpa / Maurizio Gambarini /dpa-Bildfunk )
    Das russische Militär hat nach Angaben des ukrainischen Präsidentenbüros heute die Hafenstadt Ismail an der Grenze zu Rumänien mit Drohnen angegriffen. Dabei seien rund 40.000 Tonnen Getreide zerstört worden, auf das afrikanische Länder, China und Israel gewartet hätten, sagte der ukrainische Infrastrukturminister Kubrakow.

    +++ Die drei baltischen Länder Estland, Lettland und Litauen wollen ihre Energiesysteme Anfang 2025 vom russischen Stromnetz abkoppeln und mit dem übrigen Kontinentaleuropa synchronisieren.

    Darauf einigten sich die Netzbetreiber der drei Staaten, wie das litauische Energieministerium mitteilte. Bislang ist die Energieversorgung der drei Länder Teil eines gemeinsamen Stromnetzes mit Russland und Belarus. Bei der Aufrechterhaltung der Stabilität ihrer Stromsysteme sind sie daher auf Moskau angewiesen. Vor dem Hintergrund des russischen Angriffs auf die Ukraine gilt dies inzwischen als Sicherheitsrisiko.
    Rot-weiße Schornsteine ragen über einem Kraftwerk in den Himmel
    Ein Kraftwerk in Moskau (imago/Valery Sharifulin)

    +++ Die russische Marine hat mit einem Manöver in der Ostsee begonnen.

    Wie das Verteidigungsministerium in Moskau mitteilte, sind an den Übungen rund 6.000 Marinesoldaten beteiligt. Zudem seien 50 Militärschiffe sowie 30 Flugzeuge im Einsatz. Bei dem Manöver soll den Angaben zufolge insbesondere die Verteidigung von Flottenbasen und Kommunkationswegen geschult werden.
    Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine vor gut 18 Monaten probt Russlands Marine in regelmäßigen Abständen den Kriegsfall in der Ostsee. Immer wieder kommt es dabei auch zu Zwischenfällen mit NATO-Flugzeugen.

    +++ In Russland sind vor einer befürchteten neuen Mobilmachung für den Krieg in der Ukraine erneut Kreiswehrersatzämter Ziele von Brandanschlägen geworden.

    So griff in der Nähe von St. Petersburg ein 76-Jähriger in Wsewoloschsk eine solche Militäreinrichtung mit Molotow-Cocktails an, wie die Deutsche Presse-Agentur mit Verweis auf das Internetnachrichtenportal Fontanka.ru berichtete. Ein im Internet veröffentlichtes Video zeigte den Angriff auf die Fassade und die geparkten Autos vor dem örtlichen Militärkommissariat.
    Ein weiteres Online-Video zeigte eine Frau, die einen Brandsatz vor den Türen eines Kreiswehrersatzamtes in St. Petersburg anzündet. In der Hauptstadt Moskau warf eine Frau einen Molotow-Cocktail auf ein Militärkommissariat. Auch aus anderen Städten wurden ähnliche Vorfälle gemeldet.

    +++ Russische Truppen haben den ukrainischen Hafen Ismail an der Donau angegriffen.

    Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Kiew wurde ein Getreidesilo beschädigt. Der Hafen Ismail liegt auf der ukrainischen Seite des Donaudeltas und gehört zu den Häfen, die für die geplanten Ausweichrouten für Getreideexporte über Kroatien genutzt werden könnten. Gestern hatte die Ukraine mitgeteilt, eine Einigung über die Ausfuhr ihres Getreides über kroatische Häfen an der Adria erzielt zu haben.

    +++ Trotz des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine bleiben die Zahlen russischer Studierender in Deutschland weitestgehend stabil.

    Nachdem im Wintersemester 2021/2022 rund 10.739 russische Studierende an deutschen Hochschulen eingeschrieben waren, geht der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) davon aus, dass die Zahlen für 2022/2023 gleich bleiben oder nur leicht zurückgehen. Das berichten die Zeitungen der Mediengruppe Bayern laut Mitteilung.
    Dem DAAD zufolge ist der Austausch von deutscher Seite weiterhin gewollt: "Der DAAD hält als letzte Brücke für die russische Zivilgesellschaft den Weg für Studierende, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit einem DAAD-Stipendium an deutsche Hochschulen so lange wie möglich offen", erklärte der Dienst gegenüber der Mediengruppe Bayern. Die Förderung bestehe weiterhin. Nach Russland hingegen wurden im Zuge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine alle Kontakte abgebrochen. Der DAAD vergibt etwa keine Stipendien mehr für Studienaufenthalte in Russland und fördert keine Projekte mehr mit russischen Hochschulen.

    +++ Russland bildet laut den britischen Geheimdiensten neue Kampfeinheiten für den Krieg gegen die Ukraine aus.

    Das britische Verteidigungsministerium teilte in seinem täglichen Bericht mit, in den vergangenen Monaten seien wahrscheinlich erstmals im größeren Umfang mehrere Formationen gebildet worden. Zuvor habe Russland seit Kriegsbeginn vor allem bestehende Einheiten mit mobilisierten Reservisten aufgefüllt und keine völlig neuen Truppenteile aufgestellt. Das britische Ministerium bezweifelte jedoch, dass Russland ohne eine neue verpflichtende Mobilmachung genug neue Truppen findet, um die Einheiten zu unterstützen.

    Redaktionell empfohlener externer Inhalt

    Mit Aktivierung des Schalters (Blau) werden externe Inhalte angezeigt und personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt. Deutschlandradio hat darauf keinen Einfluss. Näheres dazu lesen Sie in unserer Datenschutzerklärung. Sie können die Anzeige und die damit verbundene Datenübermittlung mit dem Schalter (Grau) jederzeit wieder deaktivieren.

    +++ Bundeswehrverband: Der russischer Angriffskrieg hat das deutsche Verständnis für die Bundeswehr verändert.

    Der stellvertretende Verbandsvorsitzende Bohnert sagte im Deutschlandfunk, wegen der gesteigerten Bedrohungslage müsse das Verhältnis zu den Streitkräften weiter überdacht werden. Dafür müssten auch Vorurteile und Skepsis abgebaut werden. Das Image der Bundeswehr sei bei der jungen Bevölkerung gut, es brauche angesichts des gestiegenen Personalmangels allerdings einen stärkeren Austausch. Zudem sei es wichtig, das nach Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine beschlossene Sondervermögen für die Bundeswehr zu nutzen, um Mängel in Technik und Ausstattung zu beseitigen.

    +++ Aus der Ukraine werden weitere Luftangriffe der russischen Armee gemeldet.

    Kiews Bürgermeister Klitschko erklärte per Telegram, die Hauptstadt sei in der Nacht von mehreren russischen Drohnen attackiert worden. Dabei sei ein Gebäude beschädigt worden. Menschen kamen demnach nicht zu Schaden. Auch die Region um die Stadt Odessa am Schwarzen Meer wurde nach Angaben der dortigen Militärverwaltung von Drohnen beschossen. Ziele waren demnach unter anderem Hafenanlagen und Getreidelager. Einige Einrichtungen seien in Brand geraten, hieß es weiter.
    Russische Luftangriffe auf Kiew und Odessa

    Dienstag, 1. August

    +++ Der künftige deutsche Botschafter in Moskau, Lambsdorff, erwartet keine baldigen Friedensverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine.

    Zwar wünschte er sich, dass solche Gespräche auf der Tagesordnung stünden, sagte der bisherige FDP-Außenpolitiker dem "Bonner General-Anzeiger". Aber zurzeit sehe er bei beiden Kriegsparteien die Einstellung, dass man militärisch noch mehr erreichen könne, um dann bessere Voraussetzungen für Verhandlungen zu schaffen.
    Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Makeiev, hatte zuvor erklärt, er sehe derzeit keine Chance für einen Verhandlungsfrieden mit Russland. Dieser Frieden müsse erkämpft werden. Und Russland müsse besiegt werden, sagte er der "Rheinischen Post" aus Düsseldorf.

    +++ Polen kündigt eine Aufstockung seiner Truppen an der Grenze zu Belarus an.

    Das Verteidigungsministerium in Warschau verweist auf zwei belarussische Hubschrauber, die den polnischen Luftraum verletzt hätten. Das Verteidigungsministerium in Minsk erklärt dagegen auf Telegram, die Vorwürfe seien "weit hergeholt". Polen benutze sie als Vorwand für eine Truppenverstärkung.

    +++ Sollte Deutschland Marschflugkörper an die Ukraine liefern?

    Darüber diskutieren derzeit Politikerinnen und Politiker in Deutschland. Hören Sie einen Kommentar zum Thema von Stephan Detjen aus unserem Hauptstadtstudio:
    Kommentar zum ukrainischen Wunsch nach Marschflugkörpern
    Mehr zum Thema: Diskussion über Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern an die Ukraine.
    "Taurus"-Lieferung an die Ukraine?

    +++ Nach der Aufkündigung des Abkommens zur Ausfuhr ukrainischen Getreides über das Schwarze Meer durch Russland sehen die USA Grund zur Hoffnung.

    "Wir haben Anzeichen dafür gesehen, dass sie an einer Rückkehr zu den Diskussionen interessiert sein könnten", sagte die amerikanische UNO-Botschafterin Thomas-Greenfield in New York. Bislang habe man aber keine konkreten Schritte Moskaus in diese Richtung gesehen.

    +++ Die Ukraine und Polen haben im Tagesverlauf den jeweiligen Botschafter des anderen Landes einberufen.

    Auslöser war eine Bemerkung des polnischen Präsidialberaters Przydacz, die Regierung Kiew solle mehr Wertschätzung für Polens Unterstützung zeigen. Der Sprecher des ukrainischen Außenministeriums sagte, dem polnischen Botschafter sei mitgeteilt worden, die Behauptungen seien "unwahr und inakzeptabel".
    Das polnische Außenministerium erklärte seinerseits, der ukrainische Botschafter sei als Reaktion auf die "Kommentare von Vertretern der ukrainischen Behörden" vorgeladen worden.

    +++ Arbeiter in Kiew haben Hammer und Sichel von einer Statue in Kiew entfernt, die an den Sieg der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg erinnern soll.

    Die 62 Meter hohe Stahl-Statue einer Frau, die ein Schwert und ein Schild in die Höhe reckt, war 1981 eingeweiht worden und überblickt die Hauptstadt der Ukraine von einem Park am Fluss Dnipro aus. Die Entfernung von Hammer und Sichel vom Schild der Figur ist Teil einer Kampagne, Sowjetsymbole und russische Kultur aus dem öffentlichen Raum der Ukraine zu verbannen. Mehr zum Thema.
    Die Mutter-Heimat-Statue in Kiew.
    Die Mutter-Heimat-Statue in Kiew. (picture alliance / pressefoto_korb / Micha Korb)

    +++ Russland hat eigenen Angaben zufolge eine Drohne über der Stadt Sewastopol auf der Krim abgeschossen.

    Nach dem Abschuss habe es eine Explosion gegeben, Gras und Büsche hätten gebrannt, teilt der von Russland eingesetzte Gouverneur Raswoschajew auf Telegram mit.

    +++ Von den Wagner-Söldnern geht nach Ansicht der US-Regierung keine besondere Bedrohung für Polen oder andere NATO-Verbündete aus.

    Man beobachte die Lage an der Grenze von Polen zu Belarus sorgfältig, sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats, Kirby.
    Söldner der Wagner-Gruppe halten sich derzeit in Belarus auf und trainieren dort belarussische Spezialkräfte. Das NATO-Mitglied Polen hat deshalb seine Armee an der Grenze verstärkt. Auch Litauens Präsident Nauseda äußerte sich zuletzt wieder besorgt über die Präsenz russischer Wagner-Söldner in Belarus.

    +++ Island hat als erstes europäisches Land wegen des Ukraine-Kriegs seine Botschaft in Russland geschlossen.

    Die bereits im Juni getroffene Entscheidung, den Botschaftsbetrieb in Moskau auszusetzen, stelle keinen Abbruch der diplomatischen Beziehungen dar, erklärte das Außenministerium in Reykjavik. Sobald es die Bedingungen zuließen, werde Island der Wiederaufnahme des Betriebs Priorität einräumen, fügte das Ministerium hinzu.

    +++ Die Ukraine hat nach eigenen Angaben eine Einigung mit Kroatien über die Ausfuhr ihres Getreides über Häfen an der Adria erzielt.

    Die Agrargüter sollten über die Donau verschifft werden, teilte das Außenministerium in Kiew mit. Anschließend solle die Fracht per Güterzug an die Adriaküste gebracht werden. Damit wolle das Land eine Blockade durch Russland im Schwarzen Meer umgehen, nachdem Moskau das unter Vermittlung der Vereinten Nationen und der Türkei geschlossene Getreideabkommen aufgekündigt hatte. Russland erklärte alle Frachter auf dem Schwarzen Meer zu potenziellen militärischen Zielen.
    Unterdessen gibt es amerikanische und ukrainische Medienberichte, wonach sich drei Frachtschiffe den russischen Drohungen widersetzt und einen ukrainischen Getreidehafen im Donau-Delta angesteuert haben. Begleitet wurden sie demnach von Aufklärungsflugzeugen der NATO.

    +++ Auch heute wurden aus der Ukraine wieder Angriffe durch die russischen Invasionstruppen gemeldet.

    Der Bürgermeister von Charkiw teilte mit, in der Nacht seien mehrere Drohnen in bewohntem Gebiet niedergegangen. Eine habe zwei Stockwerke eines Studentenwohnheims zerstört. Nach russischen Angaben wurden erneut Drohnen über Moskau abgefangen. Eine habe Zerstörungen an einem Hochhaus angerichtet, hieß es.

    +++ Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Brugger, hat sich für die Lieferung von Langstreckenwaffen an die Ukraine ausgesprochen.

    Sie sagte im Deutschlandfunk, es wäre gut, wenn die Ukraine über entsprechende Fähigkeiten verfügen könnte. Deutschland sollte sich diesen Forderungen nicht verschließen. Mit Blick auf die ablehnende Haltung von Verteidigungsminister Pistorius zur Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern erklärte Brugger, es sei richtig, dass die Regierung um solche Fragen ringe.
    Agnieszka Brugger (Bündnis 90/Die Grünen) spricht im Bundestag.
    Agnieszka Brugger (Bündnis 90/Die Grünen) 2021 im Bundestag (dpa | Christophe Gateau)
    Wie sich andere Politiker in Deutschland in der Debatte um eine mögliche Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern an die Ukraine positionieren, lesen Sie hier.

    +++ Die ukrainische Gegenoffensive setzt nach Einschätzung britischer Geheimdienste die russischen Besatzungstruppen im Süden der Ukraine unter Druck.

    Zu den allgemeinen Problemen der russischen Kommandeure im Süden dürften knappe Bestände an Artilleriemunition, ein Mangel an Reserven und Probleme bei der Sicherung der Flanken der verteidigenden Einheiten gehören, teilte das britische Verteidigungsministerium mit. Das Ministerium veröffentlicht seit Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine im Februar 2022 täglich Informationen zum Kriegsverlauf. Moskau wirft London Desinformation vor.

    +++ Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Makeiev, sieht derzeit keine Chance für einen Verhandlungsfrieden mit Russland.

    Dieser Frieden müsse erkämpft werden. Und Russland müsse besiegt werden, sagte er der Rheinischen Post aus Düsseldorf. Russland könne den Krieg schnell beenden, indem es alle seine Truppen aus den besetzten Gebieten zurückziehe, inklusive der Krim.

    +++ Nach den schweren Raketenangriffen unter anderem auf seine Heimatstadt Krywyj Rih hat der ukrainische Präsident Selenskyj erneut schärfere Sanktionen gegen Russland gefordert.

    "Der weltweite Sanktionsdruck gegen Russland verdient eine deutliche Steigerung", sagte Selenskyj in einer Videoansprache. Insbesondere müssten Sanktionslücken geschlossen werden, mithilfe derer Russland seine Waffenproduktion am Laufen halte. Darüber hinaus pochte der ukrainische Staatschef einmal mehr auf Raketen mit längerer Reichweite für sein Land. Dies sei nötig, "damit wir diese terroristische Bedrohung beseitigen können, die Russland gegen unser Volk, gegen unsere Kinder erschafft", sagte er.

    Die bisherigen Entwicklungen im Ukraine-Krieg finden Sie hier.