Newsblog zum Krieg in der Ukraine
Die Entwicklungen vom 21. bis 28. August 2023

Seit dem 21. Februar 2022 halten wir in einem Newsblog fest, wie sich der Krieg in der Ukraine entwickelt. In diesem Archiv können Sie die bisherigen Entwicklungen nachvollziehen.

29.08.2023
    Wolodymyr Selenskyj sitzt an seinem Schreibtisch, mit ernstem Blick, die Hände gefaltet, im Hintergrund die ukrainische Fahne.
    Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (imago / ZUMA Wire / Sarsenov Daniiar)
    Zu den aktuellen Entwicklungen geht es hier.

    Montag, 28. August

    +++ Russland hat nach eigenen Angaben über dem Schwarzen Meer erneut zwei US-Aufklärungsdrohnen abgefangen.

    Der Vorfall ereignete sich nach Angaben des Verteidigungsministeriums nahe von Moskau annektierten Halbinsel Krim. Um eine "mögliche Verletzung der Grenze zu verhindern", seien zwei russische Kampfjets entsandt worden. Die Drohnen hätten daraufhin ihren Kurs geändert. In den vergangenen Monaten war es sowohl im Schwarzen Meer als auch über der Ostsee vermehrt zu Zwischenfällen gekommen, an denen russische Flugzeuge sowie US-Drohnen oder Flugzeuge aus anderen NATO-Staaten beteiligt waren. Bereits am Sonntag hatte Moskau nach eigenen Angaben eine US-Drohne abgefangen.

    +++ Der türkische Präsident Erdogan wird nach eigenen Angaben "bald" Russland besuchen, um mit seinem russischen Amtskollegen Putin über eine mögliche Wiederaufnahme des Getreideabkommens mit der Ukraine zu diskutieren.

    Das Treffen werde in der russischen Schwarzmeerstadt Sotschi stattfinden, sagte ein Sprecher von Erdogan. Die Türkei hoffe durch die Gespräche eine "drohende Ernährungskrise" zu verhindern. Kremlsprecher Peskow sagte Journalisten, es werde "intensiv" an der Vorbereitung des Treffens gearbeitet, nannte aber ebenfalls kein Datum. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete, dass der türkische Präsident am 9. September auf seinem Weg zum G20-Gipfel in Indien in Russland Halt machen könnte. Moskau war im Juli aus dem Getreideabkommen ausgestiegen, das der Ukraine trotz des Krieges den Transport von Getreide über das Schwarze Meer ermöglicht hatte.

    +++ Der ukrainische Präsident Selenskyj will Wahlen während des Kriegs nur durchführen, wenn die USA oder die EU bei der Finanzierung helfen.

    "Nach dem Gesetz ist es verboten, Wahlen während des Kriegsrechts abzuhalten", sagte er in einem Interview. Eine Durchführung sei sehr schwierig und kostspielig. Wahlen auf Kredit werde er nicht abhalten, Gelder von der Verteidigung für die Wahlen abziehen werde er ebenfalls nicht, so Selenskyj. Das Hauptproblem für legitime Wahlen besteht ihm zufolge darin, wie gesichert wird, dass die Soldaten abstimmen können. Dazu müssten ebenso Wahlbeobachter in die Schützengräben geschickt werden. Eine Teilnahme der Millionen in Europa verstreuten Flüchtlinge müsste auch ermöglicht werden. Zuvor hatte der republikanische US-Senator Graham bei einem Besuch in Kiew gefordert, dass die Ukraine trotz des Krieges spätestens 2024 Wahlen abhalten lässt.

    +++ Die Ukraine meldet neue Erfolge bei ihrer Gegenoffensive gegen die russischen Invasionstruppen.

    Das Militär erklärte, die strategisch wichtige Siedlung Robotyne im Südosten des Landes sei vollständig zurückerobert und die Streitkräfte versuchten nun, weiter nach Süden vorzustoßen. Das Dorf liegt zehn Kilometer südlich der Frontstadt Orichiw in der Region Saporischschja. Russland hatte unter anderem diese Region im September 2022 für annektiert erklärt. Angaben aus dem Kriegsgebiet können nicht unabhängig überprüft werden. Moskau bestätigte die Aufgabe von Robotyne nicht.

    +++ Knapp sechs Wochen nach dem Scheitern des Getreideabkommens mit Russland hat ein zweiter von der Ukraine kommender Frachter Istanbul erreicht.

    Das Schiff einer Reederei aus Singapur war gestern vom ukrainischen Hafen in Odessa aus gestartet. Vor rund zwei Wochen war bereits das deutsche Containerschiff "Joseph Schulte" von Odessa nach Istanbul gefahren. Der Weg gilt als gefährlich, weil Russland nach dem Aus für das Geteideabkommen erklärt hatte, im Schwarzen Meer jedes Schiff aus der Ukraine oder mit dem Ziel dorthin als mögliches feindliches Objekt zu betrachten. Die Regierung in Moskau hatte den Vertrag Mitte Juli aufgekündigt. Das Abkommen hatte der Ukraine trotz des Krieges den Transport von Getreide über das Schwarze Meer ermöglicht und galt als wichtig für die Versorgung der Staaaten des globalen Südens.
    Blick auf den Frachthafen von Istanbul
    Der Frachthafen von Istanbul (IMAGO / Frank Sorge / IMAGO / Foto: Frank Sorge)

    +++ Nach einem Ende des Krieges zwischen Russland und der Ukraine könnten Soldaten aus der EU in der Ukraine stationiert werden.

    Dies könne etwa zum Zwecke der Ausbildung ukrainischer Soldaten, aber auch wegen der umfangreichen Minenräumarbeiten sinnvoll sein, sagte der Vorsitzende des EU-Militärausschusses, Brieger, der Zeitung "Die Welt". Der Ausschuss ist das höchste militärische Gremium der EU, er besteht aus den Generalstabschefs der 27 Mitgliedstaaten. Mit der Entsendung von Soldaten aus der EU in das Land könne die Ausbildung von ukrainischen Soldaten über den derzeit geplanten Zeitraum von zwei Jahren fortgeführt werden. Das sei "eine realistische Option", so Brieger.

    +++ Der russische Inlandsgeheimdienst FSB hat laut der staatlichen Nachrichtenagentur TASS einen ehemaligen US-Konsulatsmitarbeiter wegen Spionage angeklagt.

    Ihm werde vorgeworden, in der russischen Region Ferner Osten Informationen über den Krieg in der Ukraine für die US-Regierung gesammelt zu haben, zitiert TASS den FSB. Dabei sei es auch um Informationen über die Auswirkungen der Einberufungskampagne des russischen Militärs auf die politische Unzufriedenheit im Vorfeld der Präsidentenwahl 2024 gegangen. Er habe diese Informationen an Mitarbeiter der US-Botschaft in Moskau weitergegeben. Bei dem Mann handelt es sich um einen russischen Staatsbürger, der bereits seit Mai in Haft ist. Die US-Botschaft bezeichnete die Anschuldigungen damals als völlig unbegründet. Die einzige Aufgabe des Mitarbeiters habe darin bestanden, Zusammenfassungen von Presseartikeln aus öffentlich zugänglichen russischen Medienquellen zu erstellen.

    +++ Die russische Armee hat auch in der vergangenen Nacht wieder Ziele in der Ukraine aus der Luft angegriffen.

    Beim Raketenbeschuss einer Fabrik in der ostukrainischen Region Poltawa wurden nach Angaben des örtlichen Gouverneurs mindestens zwei Arbeiter der Nachtschicht getötet. Demnach gab es zudem mehrere Verletzte. Zwei Personen werden noch vermisst.

    +++ Die russische Luftabwehr hat nach Angaben von Behörden erneut drei ukrainische Drohnen abgefangen.

    Demnach wurde in der Nacht eine Drohne südöstlich von Moskau abgeschossen, wie der Bürgermeister der Stadt auf Telegram mitteilte. Es habe keine Opfer oder Schäden gegeben. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf die Luftfahrtbehörde berichtete, wurde der Flugverkehr auf den Moskauer Flughäfen Domodedowo und Wnukowo zeitweilig ausgesetzt. Das russische Verteidigungsministerium meldete via Telegram, dass zwei weitere Drohnen von der Luftabwehr über der Region Brjansk an der Grenze zur Ukraine zerstört worden seien. Zu möglichen Opfern oder Schäden gab es keine Angaben.

    Sonntag, 27. August

    +++ Präsident Selenskyj hofft im September auf eine Reihe militärischer Hilfspakete aus dem Ausland.

    Dazu zählten Artillerie, gepanzerte Fahrzeuge, Luftverteidigung und Raketen sowie Minenräumgerät, schrieb der Präsident auf seinem Telegram-Kanal. "Jeder der Partner ist über unsere Bedürfnisse informiert. Wir warten auf Entscheidungen." Außenpolitisch kündigte Selenskyj einen "kraftvollen September" an. Geplant seien Gesprächsrunden zu internationalen Sicherheitsgarantien für das durch Russland angegriffene Land. Die Regierung bereite sich zudem auf Treffen wie die UNO-Generalversammlung in New York vor. Die Ukraine wolle erneut Länder außerhalb Europas ansprechen, gerade zum Thema Lebensmittelversorgung.
    Wolodymyr Selenskyj steht an einem Rednerpult; im Hintergrund die finnische und die ukrainische Flagge.
    Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bei einer Pressekonferenz in Kiew anlässlich eines Besuchs des finnischen Ministerpräsidenten Petteri Orpo. (picture alliance / dpa / Lehtikuva / Emmi Korhonen)

    +++ CDU-Chef Merz ist in der Debatte über Taurus-Lieferung an die Ukraine für eine europäische Lösung.

    Vor dem Hintergrund, dass solche westliche Waffen nicht auf russischem Territorium eingesetzt werden sollen, sei er "der Meinung, dass wir eine gemeinsame europäische Antwort geben müssen auf diese wichtige Frage", sagte Merz im ARD-Sommerinterview. Eine gemeinsame europäische Lösung bedeute für ihn eine Lösung vor allem mit Frankreich und Großbritannien. Beide Länder lieferten zum Teil schon Waffen mit Reichweitenbegrenzung, sagte Merz. Die Ukraine fordert seit längerem auch Taurus-Marschflugkörper. Kanzler Scholz äußerte sich dazu aber bisher zurückhaltend. Es gibt Befürchtungen, dass die Marschflugkörper auch russisches Territorium erreichen könnten.

    +++ Aus der Ukraine wurden auch in der vergangenen Nacht wieder Angriffe der russischen Invasionstruppen gemeldet.

    Mehrere Regionen seien mit Raketen beschossen worden, hieß es. Unter anderem in den Außenbezirken Kiews sei die Luftabwehr aktiviert worden, teilte die Militärverwaltung der ukrainischen Hauptstadt mit. Das russische Verteidigungsministerium in Moskau gab seinerseits an, über den Regionen Brjansk und Kursk ukrainische Drohnenangriffe abgewehrt zu haben. Die Flugkörper seien zerstört worden. Die Angaben beider Kriegsparteien können häufig nicht überprüft werden.

    +++ Nach ukrainischen Angaben könnte Russland bei seinem jüngsten Raketenangriff zum Teil auch Attrappen eingesetzt haben.

    Die ukrainische Luftwaffe teilte mit, am frühen Morgen seien Marschflugkörper von russischen Kampfflugzeugen bei der Stadt Engels an der Wolga gestartet worden. Insgesamt seien acht Flugkörper beobachtet worden. Vier von ihnen seien über der nördlichen und zentralen Ukraine abgeschossen worden. Trotzdem seien keine Einschläge oder Schäden bekannt geworden. Es könnte sich bei einigen der Lenkraketen um Attrappen gehandelt haben, heißt es.

    +++ Vier Tage nach einem Flugzeugabsturz haben DNA-Tests nach Darstellung russischer Behörden den Tod des Chefs der Söldnertruppe Wagner, Prigoschin, bestätigt.

    Nach Identifizierung aller zehn Opfer stehe fest, dass Prigoschin dazu gehöre, teilte das Ermittlungskomitee mit. Die Maschine war am vergangenen Mittwoch kurz nach dem Start abgestürzt. Laut Passagierliste befand sich auch der Wagner-Kommandeur Utkin an Bord. Prigoschin hatte vor zwei Monaten kurzzeitig gegen die Führung des russischen Militärs revoltiert. Seine Wagner-Kämpfer waren Richtung Moskau gezogen und hatten auf dem Weg dorthin unter anderem Armee-Helikopter abgeschossen. Der Aufstand wurde kurz darauf nach Vermittlung des belarussischen Machthabers Lukaschenko beendet. Demnach erklärte sich Prigoschin dazu bereit, ins Exil nach Belarus zu gehen. Im Gegenzug wurde in Russland keine Anklage gegen den Söldnerführer erhoben. Weiterhin unklar ist die Ursache des Absturzes. Der Kreml hatte jegliche Verwicklung zurückgewiesen.
    Bergungsarbeiten am Flugzeugwrack
    Bergungsarbeiten am Flugzeugwrack (picture alliance / ASSOCIATED PRESS / Uncredited)

    +++ Eine Truppe rechtsgerichteter russischer Paramilitärs droht angeblich mit Befehlsverweigerung im Ukraine-Krieg, weil einer ihrer Anführer in Finnland inhaftiert ist.

    Die russische Regierung solle eine Ausreise des 36-jährigen nach Russland durchsetzen, forderte die Miliz Rusitsch. Darüber berichtete das US-amerikanische Institut für Kriegsstudien ISW. "Wenn ein Land seine Bürger nicht schützt, warum sollen die Bürger dann das Land schützen?", hieß es auf einem Rusitsch-Kanal auf Telegram. Der inhaftierte Russe wird verdächtigt, 2014 und 2015 bei Kämpfen in der Ostukraine Gräueltaten gegen ukrainische Soldaten begangen zu haben. Die Ukraine verlangt deshalb seine Auslieferung. Das Bezirksgericht von Vantaa bei Helsinki verlängerte am Freitag den Gewahrsam gegen den Mann, wie der finnische Rundfunk Yle berichtete. Der einschlägig bekannte Rechtsextremist sei schon im Juli wegen eines Verstoßes gegen Aufenthaltsbestimmungen festgesetzt worden.

    +++ Die ukrainischen Streitkräfte machen laut dem US-Institut für Kriegsstudien ISW weitere taktisch bedeutsame Fortschritte in der westlichen Oblast Saporischschja.

    Mehrere ukrainische und russische Quellen berichten demnach, dass die ukrainischen Streitkräfte durch die erste Reihe der russischen Verteidigungsstellungen vorgedrungen sind, die nach ukrainischen und US-amerikanischen Angaben die größte Herausforderung darstellen. ISW verwies auf die Einschätzung eines ukrainischen Kommandeurs mit Decknamen Skala: "Wir haben die Hauptstraßen, die vermint waren, passiert. Wir kommen zu den Linien, an denen wir vorrücken können. Ich bin sicher, dass wir von hier aus schneller vorankommen werden."

    +++ In der Ukraine wird eine Kollision zweier Kampfflugzeuge mit drei Toten untersucht.

    Luftwaffensprecher Ihnat sagte dem ukrainischen Fernsehen, die Dauer der Untersuchung sei unklar. Nach Angaben der Luftwaffe bei Telegram waren am Freitag zwei Militärflugzeuge vom Typ L-39 bei einem Kampfeinsatz über der westukrainischen Region Schytomyr kollidiert. Drei Piloten sollen getötet worden sein, darunter der bekannte Pilot Andrij Pilschtschykow, der sich dafür eingesetzt hatte, dass das Land Kampfflugzeuge vom Typ F-16 erhält. Der ukrainische Präsident Selenskyj würdigte in seiner nächtlichen Ansprache Pilschtschykow. Dieser habe der Ukraine sehr geholfen.
    Flugzeugteile am Unglückort
    Der Flugzeugabsturz bei einer Übung wirft die Ukraine bei ihren Bemühungen zurück, ihre Luftstreitkräfte zu stärken. (AFP / HANDOUT)

    +++ Verbände der russischen und der chinesischen Marine haben einem Agenturbericht zufolge eine gemeinsame Patrouillen-Fahrt im Pazifik abgeschlossen.

    An der mehr als dreiwöchigen Übung nahmen einige der größten Kriegsschiffe Russlands teil, wie die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf die russische Flotte berichtete. Während der Patrouille seien gemeinsame U-Boot- und Flugabwehrübungen durchgeführt worden. Die Verbände legten demnach mehr als 7000 Seemeilen unter anderem auch durch das Japanische Meer und das Beringmeer zurück. Dabei fuhren sie entlang der Kurilen-Inseln, die seit Jahrzehnten für Spannungen zwischen Japan und Russland sorgen.

    Samstag, 26. August

    +++ Die ukrainische Führung bereitet nach eigenen Angaben für den Abwehrkampf gegen Russland weitere Einberufungen vor.

    "Ja, die Militärs haben sich an uns gewandt und es wird wohl eine zusätzliche Einberufung geben", sagte der Sekretär des Nationalen Rates für Sicherheit und Verteidigung, Danilow, im ukrainischen Radio. Die Mobilmachung werde aber nicht über die zu Kriegsbeginn am 24. Februar 2022 bereits festgelegten Parameter hinausgehen, versicherte er. Laut Danilow handelt es sich nicht um eine außerplanmäßige Maßnahme. Die Mobilmachung laufe seit eineinhalb Jahren, mehrere Etappen seien bereits durchlaufen worden.

    +++ Bei dem Zusammenstoß von zwei Kampfjets sind drei Piloten ums Leben gekommen.

    Der Unfall mit den Militärflugzeugen des Typs L-39 habe sich am Freitag über der Region Schytomyr, westlich der Hauptstadt Kiew, ereignet, teilt die ukrainische Luftwaffe mit. Es laufe eine Untersuchung zu den Ursachen. Den Familien der Piloten sprach die Luftwaffe ihr Beileid aus.

    +++ Trotz der russischen Aufkündigung des Getreideabkommens mit der Ukraine ist ein weiterer Frachter aus dem Hafen von Odessa ausgelaufen.

    Die "Primus" befindet sich nach Angaben des Datenerfassers Marinetraffic auf dem Weg nach Warna in Bulgarien. Welche Ladung das Schiff an Bord hat, ist unklar. Der unter liberianischer Flagge laufende Frachter ankerte seit Ende Februar in Odessa. In der Zeit wechselte er seinen Besitzer und gehört nun einer Reederei aus Singapur. Moskau hatte Mitte Juli seine Sicherheitsgarantien für einen Getreidekorridor über das Schwarze Meer zurückgezogen. Alle Schiffe auf dem Weg von und zu ukrainischen Häfen wurden zu möglichen Angriffszielen erklärt. Doch die Seeblockade wurde bereits umgangen. Den Präzedenzfall bildete Mitte August das deutsche Frachtschiff "Joseph Schulte" in einem einseitig von der Ukraine ausgewiesenen Korridor. Die Überfahrt von Odessa nach Istanbul verlief damals ohne Zwischenfälle.

    +++ Russland hat eigenen Angaben zufolge einen ukrainischen Drohnenangriff auf Moskau abgewehrt.

    Wie Bürgermeister Sobjanin mitteilte, zerstörte die russische Luftabwehr eine Drohne im Anflug auf Moskau im Bezirk Istrinskij. Es habe keine Opfer oder Schäden gegeben. Die russische Nachrichtenagentur Tass berichtet, der Betrieb aller drei großen Flughäfen von Moskau sei heute vorübergehend eingestellt worden. Nach russischen Angaben gab es zudem zwei Angriffe in der Region Belgorod nahe der Grenze zur Ukraine. Vier Menschen seien verletzt worden.
    Die Ukraine meldet ihrerseits russischen Beschuss in der Region Charkiw. Dort wurden nach Angaben der Behörden zwei Menschen getötet, einer wurde verletzt. Getroffen wurde demnach ein Cafe in dem Dorf Podoly.

    +++ Russland hält an seiner militärischen Zusammenarbeit mit dem Iran fest.

    "Wir sind unabhängige Staaten und werden uns nicht dem Diktat der USA oder seiner Satelliten unterwerfen", sagt Vize-Außenminister Sergej Rjabkow laut der staatlichen russischen Nachrichtenagentur RIA. "Es gibt keine Veränderungen, und die Kooperation mit dem Iran wird fortgesetzt."
    Zuvor hatten die USA Medienberichten zufolge die Führung in Teheran aufgefordert, Verkäufe von Drohnen nach Russland einzustellen. Russische Truppen setzen bei ihren Angriffen in der Ukraine seit einiger Zeit Drohnen des Typs Schahed aus iranischer Produktion ein. Die Regierung in Moskau hat diese Darstellung bisher zurückgewiesen. Der Iran erklärte, Drohnenlieferungen an Russland hätten nur vor Beginn der russischen Invasion im Februar 2022 stattgefunden. Laut US-Regierungskreisen sollen aber seit August 2022 noch mehrere hundert Stück an Russland übergeben worden sein.

    +++ Das ukrainische Militär hat erneut mit Drohnen Stellungen der russischen Armee auf der annektierten Halbinsel Krim angegriffen.

    Es gebe Dutzende Tote und Verletzte, berichtet die "Ukrajinska Prawda" unter Berufung auf den Geheimdienst. Veröffentlicht wurde auch ein Foto von Rauchwolken. Demnach soll die 126. Brigade der russischen Schwarzmeerflotte unweit der Krim-Hauptstadt Simferopol angegriffen worden sein. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
    Das russische Militär hatte gestern nach eigener Darstellung Drohnen- und Raketenangriffe auf der Krim abgewehrt.

    +++ Der ukrainische Präsident Selenskyj drängt zur Eile für einen Einsatz der Kampfjets vom Typ F-16 gegen das russische Militär.

    Zugleich erklärte Selenskyj, dass die Ukraine die Infrastruktur vorbereite. So würden Piloten und Ingenieure zur Ausbildung in die USA geschickt. Dort erhielten sie zunächst Englisch-Kurse und dann ein Flug-Training. Die Niederlande, Dänemark und Norwegen hatten angekündigt, der Ukraine F-16 Kampfflugzeuge zu liefern. Der ukrainische Verteidigungsminister Resnikow äußerte sich unterdessen optimistisch, dass Deutschland seinem Land Marschflugkörper vom Typ Taurus liefern wird. Als Partner der Ukraine habe Deutschland bereits viele hochmoderne Systeme zur Verfügung gestellt, sagte Resnikow mehreren Medien.
    Ein F-16-Kampfjet der rumänischen Luftwaffe patrouilliert an der NATO-Ostflanke. Weit unterhalb des Jets sind Wiesen und Felder zu erkennen.
    F-16-Kampfjet (imago / ABACAPRESS / IPA )

    +++ Die westlichen Nachbarländer der Ukraine haben sich einstimmig dafür ausgesprochen, weiterhin kein Getreideimporte aus dem Land zuzulassen.

    Das teilte Polens Landwirtschaftsminister Telus nach Beratungen mit seinen Kollegen aus Ungarn, Rumänien, der Slowakei und Bulgarien mit. Bis Mitte September gilt ein Importstopp. Die Nachbarländer verlangen, dass das Einfuhrverbot bis Ende des Jahres verlängert wird. Dies müsste von der EU genehmigt werden. Polen und Ungarn wollen darauf nach eigenen Angaben jedoch keine Rücksicht nehmen.
    Auslöser waren Getreideimporte aus der Ukraine, die die Preise sinken ließen. Die Ukraine kann ihr Getreide wegen des russischen Angriffskriegs und der Blockade nicht mehr über das Schwarze Meer exportieren.

    +++ Neuseeland lockert angesichts des anhaltenden Krieges in der Ukraine seine Einwanderungsbestimmungen für Flüchtlinge aus dem Land.

    Ukrainer, die vor dem 15. März kommenden Jahres mit einem befristeten Sondervisum nach Neuseeland einreisten, könnten eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung erhalten, sagte Einwanderungsminister Andrew Little. Die Regierung mache es "so einfach wie möglich, einen Antrag auf eine Aufenthaltserlaubnis zu stellen". Um den Zugang dazu zu erleichtern, müssen die Antragsteller weder einen Sprachtest ablegen noch über ausreichende finanzielle Mittel verfügen oder eine Bürgschaft angeben.

    Freitag, 25. August

    +++ Nach dem Flugzeugabsturz in Russland, bei dem mutmaßlich auch Wagner-Chef Prigoschin ums Leben kam, haben russische Ermittler nach eigenen Angaben neben den Leichen der zehn Opfer auch Flugschreiber der Maschine an der Absturzstelle gefunden.

    "Die Flugschreiber wurden von den Ermittlern sichergestellt", teilte die russische Ermittlungskommission im Onlinedienst Telegram mit. Um die Identität der zehn Todesopfer festzustellen, würden die Leichen derzeit genetisch untersucht, hieß es weiter.

    +++ Westliche Nachbarländer der Ukraine haben sich einstimmig für eine Verlängerung der Einfuhrbeschränkungen für ukrainisches Getreide ausgesprochen.

    "Wir unterstützen eine Verlängerung des Importstopps in unsere Länder bis zum Ende des Jahres", erklärte der polnische Landwirtschaftsminister Telus nach einer Videokonferenz mit seinen Amtskollegen aus Ungarn, Rumänien, der Slowakei und Bulgarien. Sollte die EU einer Verlängerung der Einfuhrbeschränkungen nicht zustimmen, werde Polen diese einseitig aufrecht erhalten, betonte Telus. Auch Ungarn werde so verfahren. Die bisherige Vereinbarung mit der EU läuft am 15. September aus.
    Die Getreideernte wird auf einem Feld durch eine große Landmaschine bewältigt.
    Getreideernte in der Region Kharkiv in der Ukraine. (picture alliance / AA / Stringer)

    +++ Die Ukraine hat von Lettland einen weiteren Hubschrauber als Militärhilfe zur Verteidigung gegen den russischen Angriffskrieg erhalten.

    Die Armee des EU- und Nato-Landes habe einen Helikopter vom Typ Mi-17 geliefert, teilte Verteidigungsministerin Murniece mut.  Lettland hatte bereits zuvor mehrere Exemplare der einst in der Sowjetunion entwickelten Flugmaschinen, die in dem Baltenstaat nun von Militärhubschraubern vom Typ UH-60M Black Hawk ersetzt wurden, geliefert. Das an Russland und Belarus grenzende Lettland gehört international zu den entschlossensten Unterstützern der Ukraine. 

    +++ Der belarussische Präsident Lukaschenko hat nach eigener Darstellung den russischen Söldnerchef Prigoschin vor Lebensgefahr gewarnt.

    Jedoch habe Prigoschin die Warnungen zwei Mal in den Wind geschlagen, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Belta Lukaschenko. Das erste Mal sei im Juni während des Marsches der Wagner-Söldner auf Moskau gewesen. "Zur Hölle damit - ich werde sterben", habe Prigoschin erwidert. Beim zweiten Mal habe er neben Prigoschin auch dem Mitgründer von Wagner, Dmitri Utkin, gesagt: "Jungs - passt auf." Wann dies genau geschah, ging aus der Belta-Meldung nicht hervor.

    +++ Die USA wollen nach eigener Aussage die Getreide-Exporte der Ukraine auf Vorkriegsniveau heben.

    Es gebe "machbare Wege", das Getreide über See und Land zu exportieren, sagt der Leiter des Büros für Sanktionskoordination im US-Außenministerium, James O'Brien, der Nachrichtenagentur Reuters. Dies solle über die kommenden Monate erfolgen. Russland blockiert seit der Invasion in der Ukraine im Februar 2022 die Häfen des Landes. Zudem hat sich die Regierung in Moskau aus einem Abkommen zum Getreide-Export zurückgezogen. Die Ukraine ist ein bedeutender globaler Getreideproduzent und -exporteur.

    +++ Estlands Ministerpräsidentin Kallas steht wegen der Russland-Kontakte ihres Ehemanns unter Druck.

    Zwei estnische Zeitungen forderten sie heute zum Rücktritt auf, nachdem bekannt wurde, dass ihr Ehemann an einem Unternehmen beteiligt ist, das seit dem Einmarsch Moskaus in der Ukraine in Russland tätig ist. Während Kallas ihren Ehemann verteidigte, erklärte dieser, er verkaufe seine Anteile an dem fraglichen Unternehmen. Kallas selbst hatte europäische Firmen wiederholt aufgefordert, ihre Beziehungen zu Moskau abzubrechen.
    Estlands Ministerpräsidentin Kaja Kallas
    Estlands Ministerpräsidentin Kaja Kallas (dpa / picture alliance / Pavel Golovkin)

    +++ Zwei Tage nach dem mutmaßlichen Tod des russischen Söldnerführers Prigoschin bei einem Flugzeugabsturz sind die Trümmer der Maschine zu Untersuchungen abtransportiert worden.

    Das meldete die staatliche Nachrichtenagentur Ria von der Unfallstelle im Gebiet Twer. Ein Video der Agentur zeigte, wie ein großes Wrackteil verhüllt auf einem Lastwagen weggefahren wurde. Die Teile würden in eine Fahrzeugreparaturwerkstatt der Armee gebracht, berichtete die kremlnahe Zeitung "Iswestija". Auf dem Telegram-Kanal des russischen Militärbloggers Rybar zeigte ein Video, wie eine Tragfläche des Geschäftsfliegers aus einem dichten Waldstück gezogen wird.
    Trümmerteile eins Flugzeugs, bei dessen Absturz der russische Wagner-Chef Prigoschin ums Leben gekommen sein soll.
    Der russische Söldnerführer Prigoschin soll bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen sein. (picture alliance / newscom / Russian Investigative Committee)

    +++ Nach dem mutmaßlichen Anschlag auf die Nord-Stream-Gasleitungen hofft Bundesinnenministerin Faeser, dass der Generalbundesanwalt genügend Anhaltspunkte findet, um die Täter anzuklagen.

    "Wir müssen solche Verbrechen vor Gericht bringen", sagte die SPD-Politikerin dem "Spiegel". Nach Recherchen des Magazins sowie des ZDF gehen Bundeskriminalamt und Bundespolizei nach Analyse unter anderem von IP-Adressen davon aus, dass sich Verdächtige vor und nach dem Sabotageakt in der Ukraine aufgehalten und von dort aus kommuniziert haben. "Überhaupt überwiegt unter Ermittlern und Agenten mittlerweile der Verdacht, dass ein ukrainisches Kommando für den beispiellosen Angriff auf die deutsche Energieinfrastruktur verantwortlich war", berichteten die Medien.
    Nord Stream 1 und 2 verlaufen jeweils als Unterwasser-Doppelstrang über eine Strecke von rund 1.200 Kilometern von Russland nach Deutschland. Nord Stream 1 lieferte seit 2011 einen erheblichen Anteil des nach Europa importierten Gases. Am 26. September 2022 waren Explosionen in der Nähe der dänischen Insel Bornholm registriert worden. Wenig später wurden vier Lecks an drei der vier Leitungen entdeckt. Der Betreiber von Nord Stream 1 sprach später von metertiefen Kratern und weit verteilten Trümmern am Meeresgrund.

    +++ Die Ukraine unternimmt nach Angaben von Botschafter Makeiev intensive diplomatische Bemühungen, um den russischen Angriffskrieg zu beenden.

    Makeiev sagte im "Interview der Woche" des Deutschlandfunks, es liefen Gespräche zwischen außenpolitischen Beratern - etwa aus Deutschland, den USA und Großbritannien. Kiew gehe aber ohne Kompromissbereitschaft in Friedensverhandlungen, weil Russland die Absicht habe, die Ukraine zu vernichten. Diese Verhandlungsposition sei für das Land überlebenswichtig. Seit der Friedenskonferenz im saudi-arabischen Dschidda könnten immer mehr internationale Partner die ukrainische Haltung nachvollziehen, betonte Makeiev. Die Vorbereitungen für einen neuen Friedensgipfel liefen. Dafür wolle man aber noch viel mehr Länder ins Boot holen. Den schleppenden Verlauf der ukrainischen Gegenoffensive führte Makeiev auf die verzögerten Waffenlieferungen der westlichen Partner zurück. Das habe Moskau Zeit verschafft, die russischen Stellungen zu sichern und mit einem Minenstreifen zu versehen, der stellenweise 20 Kilometer breit sei.

    +++ Russland hat jegliche Verantwortung für den mutmaßlichen Tod von Wagner-Chef Prigoschin zurückgewiesen.

    Die Vorwürfe seien eine Lüge, sagte Kreml-Sprecher Peskow in Moskau. Der Fall des Flugzeugabsturzes müsse auf der Basis der Fakten behandelt werden. US-Präsident Biden hatte erklärt, er sei über den Absturz nicht verwundert. In Russland passiere nicht viel, ohne dass Staatschef Putin dahinter stecke. Auch die Bundesregierung hält es für denkbar, dass der Absturz mutwillig herbeigeführt worden ist. Besonders überraschend wäre ein gewaltsames Ende Prigoschins nicht, sagte Regierungssprecher Büchner in Berlin. Gleichzeitig betonte er, dass die Bundesregierung keine eigenen Erkenntnisse über die Umstände des Vorfalls habe. Eine offizielle Bestätigung für den Tod Progoschins gibt es bislang noch nicht, weil die Identifizierung der Leichen noch nicht abgeschlossen ist.

    +++ In der Ukraine ist der Leiter des staatlichen Notdienstes der Ukraine, Serhij Kruk, entlassen worden.

    Das teilte Innenminister Klymenko mit. Er nannte keine Gründe und verwies darauf, dass die Entlassung Folge einer internen Überprüfung gewesen sei. Kruks Stellvertreter werde den Notdienst übergangsweise leiten. Die Regierung in Kiew will im Zuge der angestrebten EU-Mitgliedschaft verstärkt gegen Korruption vorgehen.

    +++ Der niederländische Braukonzern Heineken hat den Verkauf seiner Aktivitäten in Russland abgeschlossen und wird das Land endgültig verlassen.

    Die russische Arnest Group werde alle Anteile, darunter sieben Brauereien, zum symbolischen Preis von einem Euro übernehmen, teilte das Unternehmen mit. Heineken erwartet einen Verlust von rund 300 Millionen Euro. Alle rund 1800 Mitarbeiter sollen ihren Arbeitsplatz behalten.

    +++ Wagnerchef Prigoschin ist nach Einschätzung britischer Geheimdienste "sehr wahrscheinlich" tot.

    Zwar gebe es noch keinen endgültigen Beweis, dass Prigoschin an Bord des abgestürzten Flugzeugs gewesen sei, zumal er stets außergewöhnliche Sicherheitsmaßnahmen ergreife, betonte das britische Verteidigungsministerium. Doch Prigoschins Tod würde die Privatarmee Wagner zutiefst destabilisieren, hieß es in London weiter.

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    +++ Die Ukraine hat nach russischen Angaben eine Rakete in Richtung Moskau abgefeuert.

    Das russische Verteidigungsministerium erklärt, es habe eine modifizierte S-200-Rakete über der Region Kaluga abgeschossen. Die Region Kaluga grenzt im Südwesten an Moskau, die Stadt Kaluga ist weniger als 200 Kilometer von Moskau entfernt. Es habe keine Verletzten gegeben, erklärte Gouverneur Wladislaw Schapscha.

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    +++ Das US-amerikanische "Institut for the Study of War" geht nicht davon aus, dass die Wagner-Gruppe als eigenständige Struktur bestehen bleibt.

    Das ISW bezeichnet den Flugzeugabsturz als fast sichere Tötung("almost certain assassination") von Wagner-Chef Prigoschin durch Präsident Putin.

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    +++ Unser Russland-Korrespondent Florian Kellermann geht davon aus, dass Wagner-Chef Prigoschin bei dem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen ist.

    Er sagte im Deutschlandfunk, davon könne man zu 100 Prozent ausgehen. Alles andere gehöre nach seinem Dafürhalten in den Bereich der Verschwörungstheorien. Zur Wagner-Gruppe sagte Kellermann, diese werde weitgehend aufhören zu existieren: "Das ist mehr oder weniger das Ende von Wagner". Seit dem abgebrochenen Aufstand hätten die Einheiten ihre Waffen abgegeben. Erfahrene Kämpfer seien zudem massiv von einer anderen Parallel-Armee abgeworben worden, die inzwischen dem Verteidigungsministerium unterstehe und offenbar die Funktion von Wagner in Afrika übernehmen solle.

    +++ Das US-Militär will ukrainische Piloten in den USA an Kampfjets vom Typ F-16 ausbilden.

    Laut dem Verteidigungsministerium soll im September zunächst ein Englisch-Training beginnen, im Oktober dann das Flugtraining. Die US-Regierung hatte zuvor nicht ausgeschlossen, ukrainische Soldaten in den USA an F-16-Kampfjets auszubilden, falls es in Europa nicht ausreichend Kapazitäten dafür geben sollte. Nun hieß es, zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft werde die Kapazität in Europa erreicht sein. Daher gehe man nun präventiv diesen Schritt.

    +++ Russland hat eigenen Angaben zufolge 42 von der Ukraine gestartete Drohnen über der Halbinsel Krim abgefangen.

    Wie das Verteidigungsministerium mitteilte, haben russische Streitkräfte die Drohnen am Freitagmorgen mit Hilfe von Luftabwehrakten sowie Systemen der elektronischen Kriegsführung zerstört, beziehungsweise kontrolliert abstürzen lassen. Eine Bestätigung von unabhängiger Seite gibt es nicht.

    Donnerstag, 24. August

    +++ Bundespräsident Steinmeier hat der Ukraine anlässlich des Unabhängigkeitstags die volle Unterstützung zugesichert.

    Deutschland bleibe fest an der Seite der Ukraine, und man werde das das Land auch auf dem Weg in die Europäische Union unterstützen, sagte Steinmeier laut Redetext bei einem Konzert des "Ukrainian Freedom Orchestra" in Berlin. Seit anderthalb Jahren kämpfe die Ukraine in dem von Russland geführten völkerrechtswidrigen Angriffskrieg um ihr Überleben, betonte der Bundespräsident. Die Menschen in Deutschland begleiteten den Freiheitskampf mit großer Anteilnahme und auch mit Bewunderung. Die Ukraine hatte am 24. August 1991 im Zuge des Zusammenbruchs der Sowjetunion ihre Unabhängigkeit erklärt. Seit dem Beginn der russischen Invasion im Februar vergangenen Jahres hat Deutschland der Ukraine neben Finanzhilfen auch Rüstungsgüter wie Kampfpanzer und Flugabwehrsysteme zur Verfügung gestellt.

    +++ Ukrainische Truppen haben nach Militärangaben an mehreren Frontabschnitten russische Angriffe abgewehrt.

    Der Lagebericht des Generalstabs in Kiew am Abend des Nationalfeiertags nannte unter anderem die Abschnitte Kupjansk im Osten des Landes und Awdijiwka nördlich der von Russland kontrollierten Stadt Donezk. Bei Marjinka südwestlich von Donezk seien die Russen in der Offensive; es sei aber gelungen, sie zurückzuhalten. Die Militärangaben waren nicht unabhängig überprüfbar.

    +++ Mit Norwegen hat ein weiteres Land der Ukraine zugesagt, F-16-Kampfflugzeuge zu liefern.

    Der norwegische Ministerpräsident Støre sagte bei einem Besuch in Kiew, sein Land werde die Ukraine mit allem unterstützen, was möglich sei. Zuvor hatten bereits Dänemark und die Niederlande angekündigt, F-16-Maschinen zur Verfügung zu stellen. Die Ukraine erhält zudem einen Nachschub an Flugabwehrraketen des Typs Iris-T aus Norwegen.
    Der norwegische Ministerpräsident Jonas Gahr Støre mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Kiew
    Der norwegische Ministerpräsident Jonas Gahr Støre mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Kiew (picture alliance / ASSOCIATED PRESS / Uncredited)
    Das US-Verteidigungsministerium kündigte unterdessen an, ukrainische Piloten in den USA an Kampfjets vom Typ F-16 auszubilden. Im September solle zunächst ein Englisch-Training beginnen, im Oktober dann das Flugtraining.

    +++ Die US-Regierung hat Sanktionen gegen verschiedene Mitglieder des russischen Staatsapparates verhängt wegen der Verschleppung ukrainischer Kinder.

    Das US-Außenministerium verkündete in Washington Strafmaßnahmen gegen mehrere hochrangige russische Beamte wie auch Betreiber von Umerziehungsprogrammen für Kinder. Ihnen wird vorgeworfen, an der Verschleppung ukrainischer Kinder aus von Russland besetzten Gebieten in der Ukraine beteiligt gewesen zu sein. Mit den Sanktionen werden unter anderem Vermögenswerte der Betroffenen in den USA eingefroren, Geschäfte mit den USA werden ihnen untersagt. Zum Teil wurden auch Visabeschränkungen erlassen.

    +++ Nach Einschätzung des litauischen Präsidenten Nauseda hat der mutmaßliche Tod des russischen Söldnerführers Prigoschin keinen Einfluss auf die Sicherheitslage in seinem Land. 

    Falls es tatsächlich eine Bestätigung geben werde, ändere sich wenig, sagte Nauseda bei einem Besuch in der Ukraine. Man müsse weiter die eigenen Grenzen schützen. Litauen ist wie Polen und Lettland besorgt wegen Aktivitäten von Wagner-Söldnern im Nachbarstaat Belarus. Dorthin gingen zahlreiche Söldner nach dem gescheiterten Aufstand in Russland.
    Bergungsarbeiten am Flugzeugwrack
    Bergungsarbeiten am Flugzeugwrack (picture alliance / ASSOCIATED PRESS / Uncredited)

    +++ Außenministerin Baerbock hat sich enttäuscht von der mangelnden Wirkung der Sanktionen gegen Russland gezeigt.

    Eigentlich hätten wirtschaftliche Sanktionen wirtschaftliche Auswirkungen. Das ist aber nicht so, sagte die Grünen-Politikerin in einem heute erschienenen Buch des Journalisten Stephan Lamby. Die Logiken von Demokratien würden in Autokratien nicht greifen, erklärte sie zur Begründung. Mit rationalen Maßnahmen sei der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine nicht zu beenden.

    +++ Spezialisten untersuchen derzeit die Absturzstelle des Flugzeugs, in dem sich Söldner-Chef Prigoschin befunden haben soll.

    Die Behörden haben eine strafrechtliche Untersuchung eingeleitet. Acht Leichen wurden inszwischen aus den Trümmern geborgen. Hinweise zur Absturzursache gibt es weiterhin nicht. Auch eine offizielle Bestätigung des Todes von Prigoschin liegt bisher nicht vor. In der Vergangenheit war schon zweimal über den Tod Prigoschins berichtet worden.
    Der ukrainische Präsident Selenskyj betonte unterdessen, sein Land habe mit dem Absturz des Flugzeugs nichts zu tun. Bundesaußenministerin Baerbock sagte, noch immer sei unklar, was passiert sei. Auf russische Verlautbarungen sei kein Verlass. Es sei kein Zufall, wenn die ganze Welt jetzt auf den Kreml schaue, so Baerbock.
    Weitere Details zu den Hintergründen des Flugzeugabsturzes finden Sie hier: Was bisher bekannt ist – und was nicht

    +++ Die Marine und der Militärgeheimdienst der Ukraine haben nach Angaben des Verteidigungsministeriums in der vergangenen Nacht einen Einsatz auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim durchgeführt.

    Spezialeinheiten auf Wasserfahrzeugen seien an der Küste im Westen der Krim gelandet, teilte ein Sprecher in Kiew mit. In der Erklärung hieß es, dem Feind seien Verluste beigebracht und alle Ziele erreicht worden. Um welche Ziele es sich handelte, ist nicht bekannt. Russische Medien berichten dagegen, der Angriff sei abgewehrt und die Angreifer getötet worden. Die Angaben der Kriegsparteien sind von unabhängiger Seite nicht überprüfbar.

    +++ Die Ukraine begeht den zweiten Nationalfeiertag seit Kriegsbeginn.

    Der ukrainische Präsident Selenskyj hat die Bürger in seinem Land anlässlich des heutigen Unabhängigkeitstages als freies Volk gewürdigt. In einer Mitteilung dankte er ausdrücklich den Soldaten, ihren Familien und allen weiteren, die das Land im russischen Angriffskrieg verteidigten.
    Bundeskanzler Scholz schrieb auf Ukrainisch und Englisch, man stehe an der Seite Kiews. Außenministerin Baerbock sagte im Deutschlandfunk, die Bundesrepublik wolle, dass die Ukraine diesen Krieg gewinne und Frieden erlange. Der Bürgermeister der Hauptstadt Kiew, Klitschko, hat angesichts der anhaltenden Gefahr russischer Luftangriffe größere Feierlichkeiten verboten. Im vergangenen Jahr hatte Russland die Ukraine am Unabhängigkeitstag mit einer Angriffswelle überzogen.

    +++ In Frankfurt am Main ist ein deutscher Geschäftsmann festgenommen worden, weil er gegen EU-Sanktionen auf Ausfuhren nach Russland verstoßen haben soll.

    Wie die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mitteilte, wurde der Mann aus Baden-Württemberg bei seiner Ankunft am Flughafen in Gewahrsam genommen. Der Geschäftsmann soll 2015 drei Verträge über die Lieferung von insgesamt sechs Werkzeugmaschinen samt Zubehör mit einer russischen Firma abgeschlossen haben. Diese Maschinen hätten die Serienproduktion von Scharfschützengewehren ermöglicht, hieß es. Damit habe der Mann gegen das Rüstungsembargo nach der russischen Annexion der Krim 2014 verstoßen.

    +++ Der Modekonzern H&M kündigt die Wiedereröffnung von Filialen in der Ukraine an.

    Der schwedische Konzern teilte mit, dass es in engem Dialog mit Partnern und Behörden stehe und nun plane, die meisten seiner Filialen im Land von November 2023 an schrittweise wieder zu eröffnen. Zuvor hatten bereits andere westliche Konzerne wie die Fast-Food-Kette McDonald's ihre Geschäfte in der Ukraine wieder aufgenommen.

    +++ Der US-Reporter Gershkovich bleibt länger in russischer Untersuchungshaft.

    Ein russisches Gericht verlängert einem Medienbericht zufolge die Untersuchungshaft des "Wall-Street-Journal"-Reporters Gershkovich um drei Monate. Eigentlich hätte die U-Haft am 30. August enden sollen. Russland wirft dem Mann vor, unter dem Deckmantel des Journalismus Spionage betrieben zu haben. Das "Wall Street Journal" weist den Vorwurf zurück, die USA fordern die Freilassung des Reporters. Gershkovich war am 29. März in der Stadt Jekaterinburg im Ural verhaftet worden.

    +++ Russland hat nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau drei ukrainische Drohnen abgeschossen.

    Zwei Drohnen seien über der Region Brjansk an der Grenze zur Ukraine abgeschossen worden und eine weitere über der Region Kaluga, die näher an Moskau liegt.
    Der ukrainische Militärgeheimdienst teilte zudem mit, man habe in den vergangenen Tagen bei Angriffen auf russische Flugplätze zwei Langstreckenbomber zerstört und zwei weitere beschädigt. Russland hatte von Drohnenangriffen auf zwei Militärflugplätze berichtet und ein beschädigtes Kampfflugzeug gemeldet.

    +++ Die ukrainische Stadt Dnipro war in der Nacht Ziel russischer Angriffe.

    Nach Angaben des Gouverneurs der zentralukrainischen Region, Lyssak, gab es einen Treffer und sieben Verletzte.

    Mittwoch, 23. August

    +++ An der Absturzstelle eines Privatjets, in dem der russische Söldnerchef Jewgeni Prigoschin als Passagier aufgeführt war, wurden acht Leichen geborgen.

    Das meldete die russische Nachrichtenagentur RIA unter Berufung auf Rettungsdienste. Eine Bestätigung, dass Prigoschin an Bord der Maschine war, blieb zunächst aus. Nach Angaben der russische Flugaufsicht steht der Name des Söldnerchefs auf der Passagierliste. Nach offiziellen Angaben waren zehn Menschen an Bord des Flugs von Moskau nach St. Petersburg.

    +++ Bei einem russischen Drohnenangriff auf den Donau-Hafen der südukrainischen Stadt Ismajil sind 13.000 Tonnen Getreide vernichtet worden.

    Das teilte der ukrainische Infrastrukturminister, Kubrakow, auf Facebook mit. Den Angaben zufolge wurden zudem mehrere Getreidesilos beschädigt. Das Getreide sei für die Ausfuhr nach Ägypten und Rumänien bestimmt gewesen.

    +++ Russland hat Generaloberst Wiktor Afsalow zum Oberbefehlshaber der Luft- und Raumfahrtstreitkräfte ernannt.

    Das berichtet die staatliche russische Nachrichtenagentur RIA unter Berufung auf nicht genannte Quellen. Demnach soll Afsalow den Posten kommissarisch übernehmen. Gestern haben mehrere russische Militärblogger sowie der frühere Leiter des aufgelösten Senders Echo Moskwy, Wenediktow, berichtet, dass der bisherige Chef der Luft- und Raumfahrtstreitkräfte, General Surowikin, abgesetzt wurde.

    +++ In der Ukraine sind am Vortag des Nationalfeiertags mindestens sieben Menschen durch russische Luftangriffe getötet worden.

    Unter anderem starben vier Menschen bei einem Drohnenangriff auf eine Schule in der nordostukrainischen Region Sumy, wie der ukrainische Innenminister Klymenko mitteilte. Nahe der ostukrainischen Stadt Lyman wurden örtlichen Behörden zufolge drei Zivilisten getötet.

    +++ Der ukrainische Militärgeheimdienst hat eigenen Angaben zufolge ein russisches Flugabwehrsystem auf der von Moskau annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim zerstört.

    Dazu wurden Drohnenaufnahmen veröffentlicht, die die Explosion auf der Landzunge Tarchankut am westlichsten Ende der Halbinsel zeigen sollen. Mit welchen Mitteln das russische Flugabwehrsystem angegriffen worden sein soll, ist nicht bekannt. Russland äußerte sich zunächst nicht dazu. Eine unabhängige Überprüfung der Angaben ist nicht möglich.

    +++ Die ukrainische Armee hat bei Vorstößen im Gebiet Saporischschja im Süden des Landes eigenen Angaben zufolge weitere Geländegewinne erzielt.

    Unweit der Siedlung Nowoprokopiwka südöstlich des lange umkämpften Dorfes Robotyne setzen sich ukrainische Einheiten auf neu erreichten Positionen fest, sagte Generalstabssprecher Andrij Kowaljow gemäß einer Mitteilung. Angaben der Kriegsparteien lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

    +++ Bei einem russischen Angriff auf eine Schule in der ukrainischen Region Sumy sind zwei Lehrer getötet worden.

    Das berichtet die militärische Verwaltung der Region. Demnach wurde eine Schule in der Stadt Romny durch einen Angriff mit iranischen Schahed-Drohnen vollkommen zerstört. Drei weitere Lehrkräfte wurden verletzt. In der Nacht auf Mittwoch hat Russland nach ukrainischen Angaben 10 Regionen des Landes angegriffen, unter anderem einen Hafen in der Südukraine.

    +++ Ukrainische Streitkräfte sind in der Gegenoffensive gegen die russischen Angreifer nach Einschätzung westlicher Militärstrategen zu weit verteilt aufgestellt.

    Um durchzustoßen, müssten sie sich entlang der Hauptfront im Süden konzentrieren, schrieb die "New York Times" unter Berufung auf nicht namentlich genannte US- und andere westliche Beamte. Kiew habe zu viele Soldaten, darunter einige der besten Kampfeinheiten, an den falschen Orten stationiert. Vor allem aus diesem Grund habe das ukrainische Militär auch Schwierigkeiten, den russischen Verteidigungsgürtel zu durchbrechen.

    +++ Russland hat nach ukrainischen Angaben in der Region Odessa erneut Hafenanlagen beschossen.

    Aus der Ukraine heißt es, durch den Beschuss seien sechs Zivilisten getötet worden. Tote gab es nach Behördenangaben im nordostukrainischen Gebiet Sumy, in der Region Donezk und im Gebiet Cherson. Angriffe habe es auch rund um die Hafenstadt Odessa gegeben. Dabei seien Anlagen für den Transport von Getreide in Brand geraten.

    +++ Das russische Militär hat nach eigenen Angaben in der Nacht erneut ukrainische Drohnenangriffe in der Region Moskau abgewehrt.

    Das Verteidigungsministerium teilte mit, man habe zwei Flugkörper abgeschossen und bei einem dritten die Steuerung gestört. Daraufhin sei die Drohne in einen Rohbau in einem Geschäfts- und Büroviertel von Moskau gestürzt. Menschen wurden den Angaben zufolge nicht verletzt. Der Betrieb an den Flughäfen der Hauptstadt wurde nach kurzer Unterbrechung wieder aufgenommen.
    Nach Einschätzung unserer Korrespondentin Gesine Dornblüth deutet viel darauf hin, dass die Angriffe auf Flughäfen von russischem Boden aus gestartet werden. Das ukrainische Nachrichtenportal "New Voice" beruft sich auf den ukrainischen Geheimdienst und meldet, dass russische Saboteure für die Angriffe verantwortlich sind. Das ganze Gespräch mit Gesine Dornblüth können Sie hier nachhören:
    Außerdem meldeten die russischen Behörden drei Tote nach Drohnenangriffen in der Grenzregion Belgorod. Der zuständige Gouverneur teilte mit, über dem Dorf Lawy seien Sprengsätze abgeworfen worden. Unter anderem sei ein Sanatorium getroffen worden.

    +++ Eine große Mehrheit der Ukrainer lehnt Kompromisse mit Russland im Tausch gegen einen Friedensschluss ab.

    Das ist das Ergebnis einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage zweier renommierter Institute. Demnach sind mehr als 90 Prozent der rund 2000 Befragten gegen Gebietsabtretungen. Knapp 74 Prozent schlossen den Verzicht auf einen Nato-Beitritt aus.

    +++ Zwei Monate nach dem Aufstand der Gruppe Wagner ist der Chef der russischen Luft- und Raumfahrttruppen, General Surowikin, offenbar abgesetzt worden.

    Surowikin galt als einer der ranghöchsten Verbündeten von Wagner-Chef Prigoschin. Über seine Absetzung berichtet der frühere Chef des aufgelösten Senders Echo Moskwy, Wenediktow. Er gilt noch immer als gut vernetzt und beruft sich auf einen Erlass von Präsident Putin. Auch mehrere russische Militärblogs berichten über Surowikins Ablösung.

    Dienstag, 22. August

    +++ Die Ukraine ist nach eigenen Angaben im Zusammenhang mit Korruptionsermittlungen gegen mehr als 200 Rekrutierungsbüros für das Militär vorgegangen.

    Wie die Staatsanwaltschaft auf Telegram mitteilte, deckten die Fahnder in fast allen Regionen des Landes groß angelegte Korruptionssysteme auf. Unter anderem seien Beamte bestochen worden, damit sie Behindertenausweise ausstellten oder Personen als dienstunfähig einstuften. So sollte der Militärdienst hinausgezögert der vermieden werden. Anfang August hatte Präsident Selenskyj alle Leiter der Rekrutierungsbüros entlassen. Wehrpflichtigen sei systematisch die Schleusung außer Landes ermöglicht worden, erklärte er.
    Für seine Gegenoffensive gegen die russischen Invasionstruppen rekuriert Kiew landesweit neue Soldaten.
    Die Europäische Union macht Fortschritte bei der Korruptionsbekämpfung zur Bedingung für einen EU-Beitritt der Ukraine.

    +++ Die Zahl der Kinder, die Opfer russischer Angriffe in der Ukraine wurden, ist seit Mai im Vergleich zu den vier Monaten zuvor um ein Sechstel gestiegen.

    Das teilte die Hilfsorganisation Save the Children mit Sitz in London mit. Die Entwicklung gehe einher mit einer Vervielfachung der Militärschläge Russlands in Wohngebieten. Seit Mai wurden demnach seit Mai 151 Kinder in der Ukraine durch Luft- oder Drohnenangriffe getötet oder verletzt. In dem Zeitraum fanden nach Daten, die Save the Children zitiert, mehr als 1.400 russische Attacken statt, dreimal mehr als zwischen Jahresbeginn und Ende April. 95 Prozent der Angriffe erfolgten in bewohnten Gegenden.
    Nach UNO-Angaben, auf die sich die Organisation bezieht, wurden seit Kriegsbeginn am 24. Februar 2022 in der Ukraine 541 Kinder getötet und rund 1.140 weitere verletzt.

    +++ Bundesaußenministerin Baerbock hat ihre Einschätzung bekräftigt, dass Drohnenangriffe auf die russische Hauptstadt Moskau durch das internationale Recht gedeckt seien.

    Russland habe die Ukraine angegriffen und die Ukraine verteidige sich im Rahmen des internationalen Rechts, sagte die Grünen-Politikerin auf einer Pressekonferenz mit ihrem estnischen Amtskollegen Tsahkna in Berlin. Sie antwortete auf die Frage einer Journalistin. Seit einigen Wochen mehren sich Drohnenangriffe auf russisches Gebiet, vor allem auf die russische Hauptstadt Moskau. Russland macht Kiew dafür verantwortlich, die Ukraine enthält sich meistens eines Kommentars.

    +++ Russland hat nach Angaben aus Moskau ein weiteres ukrainisches Boot im Schwarzen Meer zerstört.

    Gegen 10 Uhr MESZ habe ein russisches Armeeflugzeug östlich der Schlangeninsel ein Willard Sea Force-Schnellboot aus US-amerikanischer Produktion mit einer ukrainischen Landetruppe an Bord getroffen, teilte das russische Verteidigungsministerium mit. Wenige Stunden zuvor hatte Moskau bereits die Zerstörung eines ukrainischen Aufklärungsboots nahe einer russischen Gas-Förderanlage im Schwarzen Meer gemeldet. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben nicht.

    +++ Zwei Monate nach dem abgebrochenen Aufstand gegen die russische Führung ist der Chef der Söldner-Truppe Wagner, Prigoschin, erstmals wieder in der Öffentlichkeit aufgetaucht.

    Im Kurzmitteilungsdienst Telegram wurde ein Video verbreitet, das Prigoschin angeblich in Afrika zeigt. Er ist dort mit einem Sturmgewehr und Militärfahrzeugen in einer wüstenähnlichen Landschaft zu sehen. Prigoschin erklärt in dem Video, die Wagner-Truppe führe eine "Aufklärungs- und Suchmission" aus. Es folgt der Aufruf an Freiwillige, sich der Gruppe anzuschließen. Mehrere Wagner-nahe Kanäle verbreiteten das Video, dessen Echtheit bisher nicht bestätigt ist.
    Ende Juni hatte die Wagner-Gruppe versucht, die russische Militärführung mit einem Marsch auf Moskau zu stürzen. Der Aufstand endete mit einer Vereinbarung, nach der sich Prigoschin und seine Söldner nach Belarus absetzen können. Wo sich Prigoschin seither aufhielt, blieb unklar.

    +++ Griechenland bietet Ausbildung ukrainischer Piloten für F16-Kampfjets an.

    Der ukrainische Präsident Selenskyj, der sich zur Zeit in Griechenland aufhält, bedankte sich für das Angebot, das er gerne annehme. Der größte Teil der griechischen Luftwaffe besteht aus F-16-Jets, die Piloten gelten als äußerst erfahren. Am Sonntag hatten Dänemark und die Niederlande der Ukraine zugesagt, Dutzende F-16-Kampfflugzeuge für den Abwehrkampf gegen die russischen Angreifer zu liefern. Allerdings muss erst die Ausbildung ukrainischer Piloten abgeschlossen sein. Selenskyj war kurzfristig zu einem informellen Treffen der Staats- und Regierungschefs von Balkan- und osteuropäischen Ländern nach Athen gereist.

    +++ Russisches Militär zerstört ein ukrainisches Aufklärungsboot im Schwarzen Meer.

    Die Besatzung eines russischen Kampfjets hat nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau ein Aufklärungsboot der ukrainischen Streitkräfte in der Nähe von russischen Gasförderanlagen im Schwarzen Meer zerstört. Das berichtete das Ministerium am Dienstagmorgen bei Telegram. Bei dem Kampfjet habe es sich um eine Su-30-Maschine gehandelt. Aus der Ukraine gibt es bislang keine Stellungnahme.

    +++ Der Flugbetrieb an allen Moskauer Flughäfen war in der Nacht vorübergehend gestört.

    Alle Moskauer Flughäfen haben in der Nacht zum Dienstag Starts und Landungen vorübergehend ausgesetzt oder verzögert. Das berichtete die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf die Luftfahrtdienste. Betroffen waren demnach die Flughäfen Wnukowo, Domodedowo und Scheremetjewo. Die letzten beiden nahmen nach einer kurzen Unterbrechung den Flugverkehr wieder auf. Wnukowo blieb vorerst noch geschlossen. Der Grund für die Aussetzung des Flugbetriebs war zunächst unklar. In jüngster Zeit war die russische Hauptstadt allerdings wiederholt zum Ziel ukrainischer Drohnenangriffe geworden. Durch die Vorfälle war auch immer wieder der Flugverkehr eingeschränkt worden.

    +++ In Johannesburg kommen heute die Vertreter der BRICS-Staaten zu einem Treffen zusammen.

    Dazu gehören Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika. Sie wollen unter anderem über Kriterien für die Aufnahme neuer Mitglieder beraten. Persönlich erwartet werden die Staats- und Regierungschefs von China, Indien und Brasilien sowie von zahlreichen afrikanischen Ländern.
    Der russische Präsident Putin wird von Außenminister Lawrow vertreten und per Video zugeschaltet. Putin reist wegen des gegen ihn erlassenen Haftbefehls des Internationalen Strafgerichtshofs wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen in der Ukraine nicht an.
    Schwellenländer fordern eine neue Weltordnung

    +++ Das russische Militär hat Drohnenangriffe nahe Moskau und in der Region Brjansk abgewehrt.

    Die russische Luftabwehr hat am frühen Dienstagmorgen nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau vier ukrainische Drohnen abgewehrt. Zwei Drohnen seien über der Region Moskau zerstört worden, zwei weitere seien über der Grenzregion Brjansk im Südwesten des Landes abgestürzt, teilte das Ministerium bei Telegram mit. Es habe keine Toten oder Verletzten gegeben. In Krasnogorsk sei ein Hochhaus beschädigt worden, berichtete die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf Einsatzkräfte. Ersten Informationen zufolge habe es aber keine Toten oder Verletzten gegeben. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

    +++ Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl fordert, den Schutzstatus für die rund vier Millionen ukrainischen Kriegsflüchtlinge in der Europäischen Union zu verlängern.

    Angesichts des Kriegsverlaufs wäre jede andere Entscheidung absurd, sagte ein Sprecher der Organisation der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Die EU-Innenminister sollten schnell entscheiden, den Flüchtlingen weiterhin Sicherheit zu geben. Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine trat die sogenannte "Richtlinie zum vorübergehenden Schutz" in der EU in Kraft. Damit erhalten Flüchtlinge auch ohne Asylverfahren schnell Aufenthaltstitel. Diese Richtlinie wurde bereits zweimal um sechs Monate verlängert und würde im März 2024 auslaufen. Eine dritte Verlängerung benötigt die Zustimmung der EU-Innenminister.

    Montag, 21. August

    +++ USA genehmigen Verkauf von Militärhubschraubern an Polen im Wert von rund zwölf Milliarden US-Dollar.

    Wie die zuständige US-Behörde, die Defense Security Cooperation Agency, mitteilte, handelt es sich um 96 Helikopter und Ausrüstung. Das Rüstungsgeschäft werde die Sicherheit des NATO-Verbündeten verbessern und Polens Fähigkeit erhöhen, gegenwärtigen und künftigen Bedrohungen zu begegnen, hieß es. Die Kosten seien eine Schätzung. Zur Finanzierung wurden keine Angaben gemacht.
    Die polnische Regierung hatte den Kauf der Kampfhubschrauber vergangenes Jahr bei den USA beantragt. Polen fühlt sich von Russland bedroht und rüstet massiv auf.

    +++ Im Ringen um das Abkommen für einen sicheren Getreide-Export über das Schwarze Meer stellt der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan Unterredungen von Regierungsvertretern in Moskau in Aussicht.

    Außenminister Hakan Fidan könnte bald in die russische Hauptstadt reisen und dort über die Vereinbarung sprechen, sagte Erdogan laut Redetext vor Journalisten. "Unser Außenminister könnte bald eine Reise nach Russland antreten". Schließlich sei es sehr wichtig, diese Angelegenheit von Angesicht zu Angesicht zu besprechen. Im Juli hatte die russische Regierung eine Verlängerung des Abkommens zur Ausfuhr von Getreide aus der Ukraine verweigert. Die Vereinbarung war ursprünglich von der Türkei und den Vereinten Nationen vermittelt worden.

    +++ Der russische Botschafter in Dänemark hat die zugesagte Lieferung von F-16-Kampfflugzeugen an die Ukraine kritisiert.

    Er warf der Regierung in Kopenhagen vor, mit ihrer Entscheidung, Kiew Kampfjets zu schenken, den Konflikt zu verschärfen. Dänemark verstecke sich hinter der Prämisse, dass die Ukraine die Bedingungen für einen Frieden selbst bestimmen müsse. Damit versuche Dänemark "mit Taten und Worten, der Ukraine keine andere Wahl zu lassen, als die militärische Konfrontation mit Russland fortzusetzen". Dänemark und die Niederlande haben gestern die Lieferung von F-16-Kampfjets zugesagt, nachdem die USA dies genehmigt hatten.

    +++ Der ukrainische Präsident Selenskyj hat der dänischen Regierung für die militärische Unterstützung und die zugesagte Lieferung von F-16-Kampfflugzeugen gedankt.

    Dänemark helfe seinem Land im schwierigen Kampf für die Freiheit, sagte Selenskyj in einer Rede vor dem Parlament in Kopenhagen. Im Namen aller Ukrainer danke er für die Solidarität und Unterstützung. Zugleich unterstrich Selenskyj die Bedeutung der Ukraine für die Sicherheit in Europa. Russland wolle das Leid über die Ukraine hinaus weiter nach Europa und in die Welt bringen, sagte er. Demokratien könnten zum Ziel von Raketen, Söldnern und Destabilisierung werden. "Alle Nachbarn Russlands sind bedroht, wenn die Ukraine nicht siegt. Aber die Ukraine wird siegen", sagte er.
    Der ukrainische Präsident Selenskyj spricht im dänischen Parlament vor Abgeordneten. Sie alle stehen und applaudieren ihm.
    Der ukrainische Präsident Selenskyj besucht Dänemark und spricht im Parlament in Kopenhagen. (picture alliance / Ritzau Scanpix / Mads Claus Rasmussen)

    +++ Selenskyj hatte die geplanten F-16-Kampfjetlieferungen zuvor bereits als "historisch" bezeichnet.

    Die Die F-16 würden den Kämpfern und den ukrainischen Bürgern frisches Vertrauen und Motivation bringen, teilte Selenskyj bei X (früher Twitter) mit.

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    +++ Vor dem Hintergrund der Zusage über F-16-Kampfjets wirbt die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Strack-Zimmermann, im DLF dafür, dass Deutschland der Ukraine Marschflugkörper zur Verfügung stellen sollte.

    Über die Zusage zu Kampfflugzeugen aus Dänemark und den Niederlanden zeigte sie sich erfreut. Spätestens jetzt sei dies ein grünes Signal für die Bundesregierung, der Ukraine Taurus-Marschflugkörper zur Verfügung zu stellen, betonte die FDP-Politikerin im Deutschlandfunk. Diese könnten die Front schützen und russische Nachschubwege stören. Die Ukraine sei ein verlässlicher Partner und die brutalen russischen Angriffe müssten beendet werden, erklärte Strack-Zimmermann.

    +++ Die russische Armee hat nach eigenen Angaben einen weiteren Drohnenangriff auf die Hauptstadt Moskau abgewehrt.

    Eine ukrainische Drohne sei im Westen der Stadt über dem Landkreis Istra abgeschossen worden, teilte das Verteidigungsministerium mit. Nach Angaben des Bürgermeisters von Moskau, Sobjanin, gab es keine Verletzten oder Schäden. Zuvor war bereits eine Drohne ebenfalls westlich von Moskau im Kreis Rusa zum Absturz gebracht worden. An den Moskauer Flughäfen Wnukowo und Domodedowo wurden vorübergehend Starts und Landungen ausgesetzt.

    +++ Ukrainische Truppen haben nach eigenen Angaben im Osten des Landes binnen einer Woche ein kleines Gebiet nahe der umkämpften Stadt Bachmut zurückerobert.

    Vize-Verteidigungsministerin MaljarIn sprach im staatlichen Fernsehen von "weiteren drei Quadratkilometern". Seit Juni seien insgesamt 43 Quadratkilometer zurückerobert worden. "Im Süden hat sich die Lage nicht bedeutend verändert", führte Maljar weiter aus. Die Ukraine hatte Anfang Juni eine große Gegenoffensive gestartet, um die von Russland besetzten Gebiete zurückzuerobern.

    +++ Mit der Bildung einer neuen Armee reagiert Russland nach Einschätzung britischer Geheimdienste auf die ukrainische Offensive im Süden des Landes.

    Das teilte das britische Verteidigungsministerium mit. Ziel sei, erfahrenere Einheiten für den Kampf an Schlüsselachsen einsetzen zu können. So seien sehr wahrscheinlich zuletzt Luftlandetruppen aus dem Gebiet Cherson in den schwer umkämpften Sektor Orichiw verlegt worden.

    +++ Die traditionelle Wallfahrt strenggläubiger Juden ins ukrainische Uman ist offenbar erneut gefährdet.

    Wie israelische Medien berichteten, drohte der ukrainische Botschafter in Israel, Jewgen Kornijtschuk, die Ukraine werde vor den hohen jüdischen Feiertagen ihre Grenzen für Israelis schließen, wenn die Abschiebung von Ukrainern aus Israel nicht aufhöre. Traditionell pilgern jeweils zum jüdischen Neujahrsfest Rosch ha-Schana, das in diesem Jahr am Abend des 15. September beginnt, Zehntausende gläubige Juden ins ukrainische Uman zum Grab des Rabbiners Nachman (1772-1810), eines des Begründers der strengreligiös-jüdischen Strömung des Chassidismus.
    Ein bewaffneter Polizist bewacht jüdische Pilger in traditionellem Gewand.
    Zehntausende orthodoxe Juden hatten sich 2022 in Uman in der Zentralukraine versammelt - trotz des Kriegs. (AFP / SERGEI SUPINSKY)

    Die bisherigen Entwicklungen im Ukraine-Krieg finden Sie hier.