Samstag, 13. April 2024

Schwimm-WM in Deutschland
Bund und Steuerzahler müssten mit viel Geld einsteigen

Der Deutsche Schwimmverband träumt von der Weltmeisterschaft im eigenen Land. Doch die Ausrichtung eines solchen Ereignisses kostet viel Geld – und genau das fehlt dem chronisch klammen Verband.

Von Matthias Friebe | 25.02.2024
Der deutsche Schwimmer Florian Wellbrock schwimmt bei der WM in Doha über 800-Meter Freitstil gegen seine Konkurrenten.
Traum? Oder bald Wirklichkeit? Der Deutsche Schwimmverband will nach mehr als 50 Jahren wieder Weltmeisterschaften ausrichten. (IMAGO / Insidefoto / IMAGO / Andrea Masini / Deepbluemedia / Insidefoto)
Für Kai Morgenroth, den Vizepräsidenten des Deutschen Schwimmverbands, ist das Ziel klar. Irgendwann in den 30er-Jahren soll eine WM in Deutschland stattfinden. „Die Fühler werden ausgestreckt, das war auch ein bisschen meine Mission hier.“

Positive Signale vom Welt-Schwimmverband

Hier, damit ist die gerade zu Ende gegangene Schwimm-WM in Doha gemeint. Gespräche stehen auf seinem Programm, viele Gespräche, die den Boden bereiten sollen für eine deutsche Bewerbung. Inzwischen hat der DSV Unterlagen vom Weltverband bekommen und dazu positive Signale, erzählt Morgenroth im Deutschlandfunk-Sportgespräch.
„Wir haben im Moment sehr, sehr gute Gespräche mit World Aquatics, mit dem Präsidenten, die möchten es gerne, die unterstützen es alle.Doch bis wirklich im Becken um WM-Gold geschwommen und vom Turm gesprungen wird, ist der Weg noch weit. Das liegt vor allem an den Kosten, die es für die WM-Organisation braucht.

Schwimm-WM könnte bis zu 150 Millionen kosten

„Wir reden da derzeitig von einem Volumen von 140 bis 150 Millionen“, rechnet Kai Morgenroth vor. Lizenzgebühren beim Weltverband, Kosten für die Schwimmhalle, Sicherheit, Anti-Doping, Fernsehübertragungen. Eine Anfrage des Deutschlandfunks hat der Weltverband hierzu nicht beantwortet.

Der Deutsche Schwimmverband ist chronisch klamm

Klar ist aber, eine Schwimm-WM mit sechs Disziplinen – Wasserball, Synchronschwimmen, Klippenspringen und Freiwasser kommen ja auch noch dazu, dauert mit zweieinhalb Wochen so lang wie Olympische Spiele und ist teuer. Geld, dass der chronisch klamme Schwimmverband nicht hat.
„Der Deutsche Schwimmverband hat keinen einzigen Euro dafür, selbst wenn wir eine Million hätten, damit könnten wir keine Weltmeisterschaft ausrichten, das ist ganz klar. Es bedarf eines Signals der Politik, dass es gewollt ist.“
„Keinen Euro haben sie dafür. Da müssen wir schon drüber reden, da brauchen wir viele, viele Euros, auch auf die aktuelle Debatte im Haushalt bei uns gesehen, da muss der Verband schon Euros mitbringen.“ Antwortet Tina Winklmann, Sportpolitikerin von Bündnis 90/Die Grünen direkt auf diese Vorschläge.


Bund und damit der Steuerzahler müssten einspringen

Denn wenn der DSV selbst kein Geld hat, müsste der Bund – und damit die Steuerzahler – mit viel Geld einsteigen, um die WM-Träume zu erfüllen. Geld, dass in der aktuellen Haushaltslage, in der in allen Ressorts gespart werden muss, kaum vorhanden ist. Schwer zu vermitteln, Millionen für eine WM auszugeben, während gleichzeitig Geld für örtliche Schwimmbäder fehlt. Bevor die Haushaltslage sich so zuspitzte, war Winklmann mit dem Sportausschuss bei der WM vor einem Jahr im japanischen Fukuoka.
 „Es ist sehr wichtig, dass die Politik sich zeigt, dass die Weltverbände sehen, die deutsche Politik steht hinter der Sportnation, es wird unterstützt und das ist sehr, sehr wichtig, da kann man einen guten ersten Aufschlag machen.“

Weg für Schwimm-WM in Deutschland ist noch weit

Doch auch Winklmann sieht den Weg zu einer WM noch weit. CSU-Kollege Stephan Mayer war auch mit in Fukuoka.
„Wir hatten damals, kann mich noch sehr gut erinnern, ein sehr gutes Gespräch mit dem Präsidenten von World Aquatics, einem kuwaitischen Schwimmfreund.“
Und dieser Husain al Musallam hat, so Mayer, dem deutschen Schwimmen auch einige Hausaufgaben mitgegeben. „Er hat uns dabei auch sehr unverblümt auf Defizite hingewiesen. Der deutsche Schwimmverband hat ja in den letzten Monaten einiges getan, um offene Baustellen zu beseitigen, insbesondere Dinge, ich meine da auch ganz konkret den Vorfall Jan Hempel, zu lösen.“
Rund 600.000 Euro Entschädigung zahlte der DSV an Jan Hempel, der von seinem Trainer missbraucht wurde. Eine Aufarbeitungskommission untersucht weitere Fälle im Verband. Zahlungen wie diese oder die Entschädigung an den entlassenen Sportdirektor Thomas Kurschilgen verkleinern aber nicht die Finanzsorgen des Verbands.
„Die Frage ist die Finanzierung“, sagt auch Sabine Poschmann, die sportpolitische Sprecherin der SPD. „Da finde ich es nicht ein starkes Zeichen, wenn wir jetzt sagen, wir hauen jetzt Millionen für die Schwimm-WM raus. Wir beteiligen uns wie immer und gucken, was wir dazu beitragen können, aber zunächst muss der Schwimmverband seine Hausaufgaben machen.“

Schwimm-WM als Vorbereitung auf künftige Großereignisse

Heißt: Einen Einnahmen-Ausgaben-Plan erstellen, sei es über Sponsoring, Tickets oder andere Wege. Heißt zuallererst aber ganz konkret, den Beschluss fassen, sich zu bewerben und dann beim für den Sport zuständigen Bundesinnenministerium Bedarf für einen Zuschuss anmelden.
Das ist aber noch nicht geschehen, bestätigt das Ministerium auf Deutschlandfunk-Anfrage. Grundsätzlich begrüße man aber, wenn sich ein Verband um die Ausrichtung eines international renommierten Großereignisses bewerbe. Unions-Sportpolitiker Mayer glaubt, dass für den Fall einer Bewerbung sich in jedem Fall ein Weg finden lasse:
„Wenn alle guten Willens sind, der DSV, die Bundesregierung, die jeweilige Landesregierung des Austragungsortes, dann lässt sich auf jeden Fall eine Möglichkeit, eine Lösung finden, dass auch die finanziellen Herausforderungen gemeistert werden.“

Deutsche Olympia-Bewerbung bleibt fraglich

DSV-Vizepräsident Morgenroth sieht eine Schwimm-WM auch – und das könnte die politischen Geldbeutel vielleicht leichter öffnen – als Vorbereitung auf mögliche noch größere Sportereignisse: „Im Zuge dann auch einer möglichen Olympia-Bewerbung Deutschlands, ist es mit Sicherheit wichtig eine Weltmeisterschaft in einer Kernsportart irgendwann in den 30er-Jahren dann nach Deutschland zu holen.“
Ob sich Deutschland überhaupt noch einmal um Olympische Sommerspiele bewirbt, steht auf einem ganz anderen Blatt. Sicher ist nur, eine Schwimm-WM in Deutschland ist ein Traum des Schwimmverbands, dessen Erfüllung noch lange dauern wird. „Es braucht mit Sicherheit noch ein paar Jahre, es ist auch ein riesiges Volumen, aber auch wir in Deutschland könnten es.“