Samstag, 26. November 2022

Pathos, Polemik, Politik
Gut reden in turbulenten Zeiten

In Deutschland gibt es aufgrund der NS-Zeit Vorbehalte gegen zu große Reden und zu viel Pathos. Im Nachkriegsdeutschland wird anders gesprochen, nachdenklicher, zurückhaltender. Und doch sind neue Elemente hinzugekommen. Viel geht dabei auf den Einfluss von Ex-US-Präsident Barack Obama zurück.

Von Michael Köhler | 20.08.2022

Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), Vizekanzler und Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz
Der Redestil von Wirtschaftsminister Robert Habeck mutet persönlich und auch unfertig, nachdenklich an. Bei vielen Zuhörern kommt das ganz gut an. (dpa / picture alliance / Britta Pedersen)
Die Wahl zum ersten schwarzen Präsidenten Amerikas 2008 hat Barack Obama seinen Reden zu verdanken.
“With three words: Yes, we can!”
Nicht seine Parteikarriere, sondern sein gewinnendes Wesen, seine gesamte Ausstrahlung, insbesondere seine mitreißenden Worte verhalfen ihm zum Erfolg. Er sprach glaubhaft über Gleichheit und Gerechtigkeit, Aufstieg und Hoffnung.
"Diese Rede ist überpathetisch. Nach unserem Geschmack eigentlich schon zu viel. Aber die Amerikaner lieben das.“
Der Germanist Karl Heinz Göttert hat zahlreiche Bücher über Redekunst geschrieben. Mit Barack Obama beginnt für ihn die Erfolgsgeschichte eines neuen Redestils von Politikern: Obama erzählt. Er verliest keine Programme. Er erzählt von sich, von seiner Familie, den Wahlkampfhelfern, den Wählern, der Nation.

In der NS-Zeit wurden Menschen niedergebrüllt

Rhetorik-Spezialist Göttert weist auf Unterschiede zur europäischen Tradition hin.
„Denken Sie so an Reden wie die von Martin Luther King - ein Schmalz ohne Ende. Ich mag Martin Luther King. Wer mag ihn nicht? Aber diese Rede ist entsetzlich. Die ist unhörbar, eigentlich für unsere Ohren, aber die Amerikaner sind hingeschmolzen. Daran sieht man, dass das auch was mit Kulturen, also nationalen Kulturen, zu tun hat.“
In Deutschland gibt es aufgrund unserer Geschichte eine begründete Skepsis gegen zu große Reden und zu viel Pathos. In der Zeit der NS-Schreckensherrschaft wurden Reden zu demagogischen und volksverhetzenden Zwecken eingesetzt. Menschen wurden buchstäblich niedergebrüllt.
In der Demokratie wird anders gesprochen. Auch die Übertragungstechnik hat dazu beigetragen. Niemand muss mehr laut werden und sein Publikum einschüchtern. Im Gegenteil. Reden in Deutschland sind heute nachdenklich und stiller. Andere rhetorische Elemente halten sich. Beispiel: Der Bezug auf eine historische Zäsur.  

Scholz' Stil funktioniert im Amt nicht mehr

Wenige Tage nach dem russischen Angriff auf die Ukraine hielt Olaf Scholz seine Regierungserklärung. Er sprach von einem Wendepunkt in der Geschichte unseres Kontinents.
„Wir erleben eine Zeitenwende. Und das bedeutet, die Welt danach ist nicht mehr dieselbe wie die Welt davor.“
Thomas Niehr lehrt Germanistische Sprachwissenschaft an der RWTH in Aachen und ist Verfasser einer Einführung in die Politolinguistik. Zur Rede des Bundeskanzlers sagt er:
„Da ist einmal drin, es passieren schlimme Dinge, insofern sind die Zeiten andere geworden mit diesem Krieg. Dann die Bewertung dessen, das ist alles ganz schlimm und das können wir so nicht stehen lassen, und es dient gleichzeitig dazu, wenn die Zeiten so anders sind, dann müssen auch die Maßnahmen, die wir ergreifen, so anders sein, also gleichzeitig auch ein Ausblick und eine Rechtfertigung der Maßnahmen, die jetzt kommen, die man von einem SPD-Kanzler auch nicht unbedingt erwartet hätte.“
Für Johan Schloemann, Politik-Redakteur der Süddeutschen Zeitung und Verfasser einer Geschichte der politischen Redekunst von Cicero bis Obama, hat sich das Bild des Kanzlers in den letzten Monaten gewandelt. Zu dessen Nachteil:
„Bei Olaf Scholz ist das Seltsame, dass im Wahlkampf seine Art zu sprechen, offenbar ganz gut funktioniert hat, oder bei einigen ganz gut angekommen ist. Das ist so ein bisschen, was die Angelsachsen 'No Nonsense' nennen. Also offenbar hat es den Leuten gefallen, dass er so ein bisschen lakonisch, klar, auch ein bisschen unpathetisch und handfest war. Seit er im Amt ist, funktioniert das komischerweise nicht mehr so richtig.“
Auf die Frage einer Journalistin zum Abschluss des G7-Gipfels in Elmau, ob der deutsche Regierungschef mal die sicherheitspolitischen Ziele nennen könnte, antwortet der nur verschmitzt: „könnte“, und sagt weiter nix. Er stieß damit nicht nur die Journalistin, sondern auch eine teilnehmende Öffentlichkeit vor den Kopf.
„Das, was eben im Wahlkampf noch handfest, sympathisch cool fast wahrgenommen wurde, das kommt jetzt als Arroganz rüber, zum Teil sogar fast als Bockigkeit", sagt Johan Schloemann. Die politische Rede hat in der Öffentlichkeit eben immer eine Wirkung. Erinnert sei kurz an zwei prominente Beispiele.

Jenningers Rede löst einen Skandal aus

In der Gedenkstunde des Deutschen Bundestages zu den Novemberpogromen hielt der damalige Bundestagspräsident Philipp Jenninger am 10. November 1988 eine Rede, die als schriftliches Manuskript unanstößig war. Was Jenninger aber aussprach und wie er es vortrug, irritierte zutiefst.
Er sprach vom „Faszinosum“ der Jahre 1933 – 1938 und dem „Triumphzug Hitlers“. Die Anführungszeichen waren nicht zu hören, und auch nicht das Fragezeichen Jenningers. Auch der folgende Auszug war missverständlich.
„Was die Juden anging, hatten sie sich nicht in der Vergangenheit doch eine Rolle angemaßt, - hieß es damals -, die ihnen nicht zukam? Mussten sie nicht endlich einmal Einschränkungen in Kauf nehmen, hatten sie es nicht vielleicht sogar verdient, in ihre Schranken gewiesen zu werden?“
Philipp Jenninger (CDU) nach seiner Rede zum 50. Jahrestag der Reichspogromnacht am 10. November 1988 im Deutschen Bundestag. Rechts die sichtlich erschütterte Schauspielerin Ida Ehre.
Philipp Jenninger (CDU) nach seiner Rede zum 50. Jahrestag der Reichspogromnacht am 10. November 1988 im Deutschen Bundestag. Rechts die sichtlich erschütterte Schauspielerin Ida Ehre, die zuvor die "Todesfuge" von Paul Celan rezitiert hatte. (picture-alliance/dpa/Martin Athenstädt)
Es mangelte ihm an Einfühlungsvermögen, so die breite Kritik daran, die eine solche Gedenkstunde verlange. Jenninger löste damit einen Skandal aus und musste zurücktreten. Linguist Niehr über die Jenninger Rede:
„Vielleicht erinnern Sie sich an diese Passagen, „hatten nicht die Juden auch selbst schuld? Hatten sie sich nicht zuviel angemaßt?“ Das kann man vielleicht in einem literarischen Text machen, aber wenn man es dann so monoton vorträgt, wie Jenninger das gemacht hat, so dass man kaum unterscheiden kann, was ist denn jetzt seine Position, und was ist innerer Monolog, dann wird das Ganze schwierig.“
Ein anderes Beispiel: Wolfgang Schäuble, damals parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. In der zwölfstündigen Hauptstadt-Debatte vom 20. Juni 1991 warb er als einer der ersten von über hundert Rednerinnen und Rednern für Berlin als Bundeshauptstadt.
„Und um unsere Zukunft in einem Europa, das seine Einheit verwirklichen muss, wenn es seiner Verantwortung für Frieden, Freiheit und soziale Gerechtigkeit gerecht werden will. Und deshalb bitte ich Sie herzlich, stimmen Sie mit mir für Berlin.“

Schäubles Rede für Berlin

„Schäuble hat wohl mit seiner Rede maßgeblich dazu beigetragen, dass das Parlament jetzt in Berlin seinen Sitz hat. Also insofern, ja, können solche Reden durchaus etwas bewirken, keine Frage!“
Die öffentlich erfolgreichste und damit wirkungsmächtigste Rede der Nachkriegsgeschichte hielt Bundespräsident Richard von Weizsäcker am 8. Mai 1985.
„Es geht nicht darum, Vergangenheit zu bewältigen, das kann man gar nicht, sie lässt sich ja nicht nachträglich ändern oder ungeschehen machen. Wer aber vor der Vergangenheit die Augen verschließt, der wird am Ende blind für die Gegenwart. Wer sich der Unmenschlichkeit nicht erinnern will, der wird wieder anfällig für neue Ansteckungsgefahren.“

Weizsäckers klug komponierte Rede

Diese Rede wurde damals als gedruckte Ausgabe im Buchhandel vertrieben und stark nachgefragt. Denn Weizsäcker sprach vierzig Jahre nach Kriegsende nicht von Niederlage, sondern von einer Befreiung der Deutschen – also einem Neuanfang, nachdem Altes zu Grabe getragen wurde.
Germanist Göttert: „Es ist ja im Grunde eine Totenrede. Ich habe die damals mit der Gefallenen-Rede von Perikles verglichen, eine ganz ähnliche Situation übrigens. So, und jetzt geht´s um die Opfer. Und jetzt muss man sich mal überlegen, da sitzt er am Schreibtisch und überlegt sich, wen nimmst du? Er kann natürlich nicht beginnen mit den deutschen Soldaten als Opfer. Das wäre eine Katastrophe gewesen, aber womit beginnt er? Und zwar mit den Frauen! Das ist überhaupt keine aggressive Rede, sondern genau das Gegenteil, eine Rede des Vermeidens und des Friedenstiftens.“

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„Die Bitte an die jungen Menschen lautet, lassen Sie sich nicht hineintreiben in Feindschaft und Hass gegen andere Menschen, gegen Russen oder Amerikaner, gegen Juden oder gegen Türken, gegen Alternative oder gegen Konservative, gegen schwarz oder gegen weiß, lernen Sie, miteinander zu leben, nicht gegeneinander!“

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Was hat sich seither an öffentlichen Reden geändert?
Weizsäcker hielt eine klug komponierte Rede voller wirkungsvoller Stilmittel. Mit Obama hat zwanzig Jahre später ein republikanisches Sprechen Einzug gehalten. Politische Probleme wurden in persönliche Geschichten von Gleichberechtigung und sozialem Aufstieg eingebettet.

Habecks unfertiger und demonstrativ nachdenklicher Stil

Aktuell wirkt das in der Ampel-Koalition durch eine jüngere Politiker-Generation fort.
„Zum Beispiel Habeck, das ist doch das Super-Beispiel dafür. Der erzählt und gesteht seine Schwierigkeiten ein, und das kann man bezeichnen als weibliche Form des Redeanteils, die sehr auf Resonanz stößt.“
Robert Habeck am 24.11.2021 über die Koalitionsverhandlungen und das Ampel-Bündnis. Da erzählt jemand – nochmals anders als Obama – nicht nur persönlich, sondern auch unfertig, demonstrativ nachdenklich.
„Die entscheidenden Momente bei diesen Verhandlungen waren immer dann, wenn man voneinander gelernt hat. Gegensätze können überwunden werden, durch eine lernende Politik, ein lernendes Deutschland. Das ist das Versprechen, das wir uns geben.“
„Also Robert Habeck ist in seiner Sprech- und Redeweise sehr symptomatisch", sagt Astrid Séville, Politikwissenschaftlerin in München.
„Er redet immer, während er nachdenkt, das ist seine Inszenierung, während er spricht, während er in einer Talkshow sitzt, entwickelt er den Gedanken, während des Sprechens, so hat es zumindest den Anschein. Also die Nachdenklichkeit, die eigene Reflexivität wird kommunikativ nochmal abgebildet. Das ist natürlich auch eine Kommunikationsstrategie, die Robert Habeck als Typ perfektioniert hat.“

Abkühlungs- und Aufhitzungs-Phasen in der Rhetorik

Hat also ein leiser, nachdenklicher, antipathetischer Ton Einzug gehalten? Misstrauen wir nicht sogar zu viel erhabener Rede? Ist die Zeit des Pathos, die Zeit der großen Rede mit den großen Gesten endgültig vorbei? Johan Schloemann, Buchautor und Politikredakteur, verneint.
„Nein, das glaube ich nicht. Ich glaube, es gibt so Abkühlungs- und Aufhitzungs-Phasen in der Rhetorik. Und es kann sein, dass man eben nach den ganz großen Rednern, siehe Barack Obama, oder den Aufregern, siehe Trump, ein bisschen Nüchternheit vielleicht ganz gerne hat, bisschen klare Sprache.“
Dabei, so Schloemann, sei eine Art abgekühltes Pathos unter bestimmten Umständen immer noch ein Erfolgsrezept.
„Also man braucht Redner, die sehr handfest sind. Die müssen nicht unbedingt unpopulärer sein, nur, weil sie ein bisschen nüchterner sprechen. Aber, schauen Sie sich doch mal an, wie Annalena Baerbock über den Ukraine-Krieg spricht ... das ist nicht nur pathetisch, das ist auch mit einer starken emotionalen Involvierung, mit einer persönlichen Betroffenheit, die auch formuliert wird.“
Vergleicht man Baerbocks Rede in Israel mit dem missglückten Auftritt Jenningers, wird der Unterschied klar.
„Als Deutsche und als Außenministerin meines Landes halte ich hier in Yad Vashem demütig inne. Am Ort der Erinnerung an das millionenfache Leid des Völkermordes an den Juden Europas, den Deutsche akribisch geplant und ausgeführt haben. Als Mutter zweier Töchter stockt mir der Atem.“
Die Ich-bezogene-Erzählweise, die subjektivierende Rede, fällt auf, sagen die Sprach- und Politikwissenschaftler. Befindlichkeiten und Persönliches werden zum Maßstab glaubwürdiger Politik - in Zeiten schwindender Parteibindung. Und in Zeiten der „Ich-Botschaften“, die das Internet füllen.

Persönliches wird politisch

Diese subjektive Dauerreflexion birgt allerdings ein Problem. Sie suggeriert Ansprache, Kommunikationsbereitschaft und Teilhabe – Teilhabe von Bürgerinnen und Bürgern am politischen Prozess. Gelungene Ansprache garantiere aber noch keine Mitsprache, meint die Politologin Astrid Séville.
„Das ist - glaube ich - so ein Signalwort unserer Zeit, Kommunikationsbereitschaft, die ganze Zeit wird gesendet, gesendet. Aber daraus folgt noch nicht, dass politische Interessen auch wirklich aufgenommen werden und in den politischen Prozess eingespeist werden. Um es kurz zu sagen, politische Kommunikation ist noch nicht politische Repräsentation.“
„Dies ist ein persönliches Buch über ein politisches Problem“. Damit beginnt Robert Habecks Buch „Von hier an anders“. Ganz im Stil Obamas. Persönliches wird hier politisch. Für Politologin Astrid Séville ist das verbreitet.
„Aber es ist eben nicht nur Robert Habeck. Also eine bestimmte Kandidatin präsentiert sich als Tochter von Alleinerziehenden, jemand macht home stories und erzählt sich privat. Da finden wir, was sie beschreiben, dass Amt und Institution mittlerweile sich verschieben zu dem Subjekt darin. Wer ist der einzelne darin, was ist das für eine Figur? Und das hängt natürlich auch mit dieser Fetischisierung von Authentizität zusammen, die wir heutzutage haben. Also jemand soll authentisch sein, soll seine Schwäche zeigen, Empathie zeigen. Das ist ja nichts Schlechtes, aber es ist eben eine Veränderung vom Amtsverständnis, würde ich meinen.“

Spiegels denkwürdiger Auftritt

Einen Höhepunkt des Einblicks in persönliche Befindlichkeiten lieferte die ehemalige Bundesfamilienministerin Anne Spiegel. Es war ein denkwürdiger Augenblick in der an öffentlichen Auftritten reichen Bundespolitik.

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Spiegel hatte Mitte April dieses Jahres angekündigt, ihr Amt niederzulegen, nachdem bekannt wurde, dass sie nach der Flutkatastrophe im Sommer 2021 in einen mehrwöchigen Familienurlaub gefahren war. Damals war sie noch Umweltministerin in Rheinland-Pfalz.
„Und ich mache jetzt einen ungewöhnlichen Schritt, zu dem ich mich entschieden habe. Ich werde Ihnen jetzt einige private Details nennen. Aber mein Mann war sehr stark auch belastet. Und es war wirklich an einem Punkt, zum ersten Mal für uns als Familie, wo wir Urlaub gebraucht haben.“

Die AfD hat den Diskurs verändert

Dem Bemühen um persönliche Ansprache der Allgemeinheit steht die Ansprache einer bestimmten Zielgruppe gegenüber. Besonders deutlich wird das bei der rechtspopulistischen AfD, die in Teilen vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuft wird. Dazu beispielhaft Alice Weidel. Sie bedient sich einer provozierenden Sprache, sie grenzt aus, diskriminiert und skandalisiert:
„Ich kann Ihnen sagen, Burkas, Kopftuchmädchen und alimentierte Messermänner und sonstige Taugenichtse werden unseren Wohlstand, das Wirtschaftswachstum und vor allem den Sozialstaat nicht sichern.“
Linguist Thomas Niehr hat zur Sprache des Rechtspopulismus ein Buch veröffentlicht. Es heißt "Volkes Stimme".
"Da ist die Skanalisierung immer schon wohlkalkuliert gewesen. Das sieht man dann an den Anschlussreaktionen. Es wird dann meistens nichts davon zurückgenommen." 
Die Redebeiträge der AfD-Politiker, da sind sich Sprachforscher und Demokratieforscher sicher, haben den Diskurs und die demokratischen Prozesse ebenfalls beeinflusst und verändert. Sie haben einen verächtlichen, feindseligen Ton ins Parlament getragen.
Wie anders, wie reflektiert, wie buchstäblich emanzipatorisch - im persönlichen Ton ihrer Zeit voraus - sprach dagegen Elisabeth Selbert, eine der wenigen Frauen im Parlamentarischen Rat am 19. Januar 1949.
„Der gestrige Tag, an dem im Hauptausschuss des Parlamentarischen Rates in Bonn, dank der Initiative der Sozialdemokraten, die Gleichberechtigung der Frau in die Verfassung aufgenommen worden ist, dieser Tag war ein geschichtlicher Tag, eine Wende auf dem Wege der deutschen Frauen der Westzonen. Lächeln Sie nicht! Es ist nicht falsches Pathos einer Frauenrechtlerin, das mich so sprechen lässt. Ich bin Jurist und unpathetisch. Ich spreche aus dem Empfinden einer Sozialistin heraus, die nach jahrzehntelangem Kampf um diese Gleichberechtigung, nun das Ziel erreicht hat.“
Politische Reden sind für die parlamentarische Demokratie wichtig. Weil politische Überzeugungen öffentlich ausgesprochen werden und mit anderen in Wettstreit treten können. Bürger können Ansichten nachvollziehen, ihnen zustimmen oder sie ablehnen. Für eine Gesellschaft der prinzipiell Gleichberechtigten ist die politische Redefreiheit daher zentral.  
Für Germanist Göttert ist und bleibt es wichtig, nicht nur irgendeine, sondern eine gute Rede zu halten. Eine gute Rede schätze zudem das Publikum, an das sie sich richtet. Schließlich: Eine gute Rede sei auch eine schöne Rede.
„Unsere Redekultur bevorzugt dieses Element der Kunst. Das ist eine Form der Ästhetik, des Genusses, der auf die Zuhörer gezielt ist. Diese Ästhetik wird irgendwie verlangt. Und ich glaube, dass das nicht untergeht. Deshalb ist Scholz zum Beispiel immer in Schwierigkeiten, weil ihm dieses Element stark fehlt. Es geht gar nicht darum, ob der gute oder schlechte Argumente hat, aber man denkt hmmmh, irgendwas, hmmh, irgendwas fehlt hier.“