Donnerstag, 08. Dezember 2022

Vor 30 Jahren
Die letzte Ausgabe der "Quick"

Ihr Markenzeichen waren Enthüllungen aller Art: Seit April 1948 lieferte die Illustrierte „Quick“ mit bildträchtigen Skandalgeschichten allwöchentlich Gesprächsstoff. Doch durch die Konkurrenz des Privatfernsehens wurde das Überleben immer schwieriger.

Von Andrea Westhoff | 27.08.2022

Die Quick war eine vom 25. April 1948 bis zum 27. August 1992 wöchentlich erscheinende deutsche Illustrierte.
Die "Quick" war eine vom 25. April 1948 bis zum 27. August 1992 wöchentlich erscheinende deutsche Illustrierte. (imago / Manfred Segerer / )
Das Heft Nummer 36 sah aus wie immer: Auf dem Titelblatt links oben das markante weiße „Q“ im roten Quadrat und eine spärlich bekleidete junge Frau. Die Themen: ein Promi-Skandal aus den USA, eine deutsche Herz-Schmerz-Geschichte und als große Titelstory ein neuer Modetrend: die Farbe Schwarz.
Das erscheint im Nachhinein fast hellsichtig, denn mit der Ausgabe vom 27. August 1992 fand die älteste deutsche Illustrierte ein jähes Ende, wie die Medienjournalistin Sissy Pitzer damals im WDR berichtete:
"Die 'Quick' hat ihrem Namen ein letztes Mal Ehre gemacht: schnell, von einer Stunde auf die andere, hat sie ihr Erscheinen eingestellt. Verleger Heinz Bauer kam höchstselbst von Hamburg nach München, um der völlig ahnungslosen Redaktion mitten in der Arbeit die Hiobsbotschaft zu überbringen."

Bebilderte Reiseberichte aus fernen Ländern, Serien und Memoiren

Schnell ging es auch am Anfang: Noch vor der Gründung der Bundesrepublik, am 25. April 1948, brachten Theodor Martens und Diedrich Kenneweg die "Quick" auf den Markt - das erste wöchentliche Unterhaltungsblatt nach dem Krieg.
Chefredakteur Richard Mahkorn zeigt in der Münchner Redaktion das letzte Heft der Illustrierten "Quick", das der Hamburger Heinrich Bauer Verlag am 27. August 1992 herausgab.
Chefredakteur Richard Mahkorn zeigt in der Münchner Redaktion das letzte Heft der Illustrierten "Quick", das der Hamburger Heinrich Bauer Verlag am 27. August 1992 herausgab. (dpa / picture-alliance / dpa / Augstein)
Unter dem Slogan „Dem 'Quick'-Leser gehört die Welt“ gab es jeden Donnerstag reichlich bebilderte Reiseberichte aus Ländern, von denen die meisten Menschen in den 1950er-Jahren nur träumen konnten. Johannes Mario Simmel war einer der ersten rasenden Reporter. Und sein Roman „Es muss nicht immer Kaviar sein“ erschien 1960 zuerst als Fortsetzungsgeschichte in der "Quick". 
Serien waren ihr Erfolgsrezept: exklusive Memoiren Prominenter, wie die der Schahgattin Soraya, eine Kolumne von Loriot, oder die Comics um den „Meisterdetektiv Nick Knatterton“.

"Mit Busen und Popo ist alles gerettet"

Jede Woche zwischen 1950 und 1959 präsentierte der Zeichner Manfred Schmidt in der "Quick" ein neues Abenteuer seines Helden, einer Mischung aus Sherlock Holmes und James Bond. "Der Redakteur sagte mir, wenn du Busen und Popo zeichnen kannst, ist schon alles gerettet."
Aber die "Quick" behandelte auch politische Themen – und war dabei klar verortet als „'Stern' von rechts“. Denn vor allem mit dem Hamburger Magazin kämpfte sie um die Vorherrschaft auf dem Zeitschriftenmarkt. Konservative Politiker präsentierte sie volksnah in sogenannten Homestories, und in den 1970er-Jahren machte das Blatt kräftig Stimmung gegen die sozialliberale Ostpolitik von Brandt und Bahr, indem es etwa geheime Protokolle aus den Verhandlungen mit der DDR veröffentlichte.

Oswalt Kolle als "Sexualaufklärer der Nation"

Für Skandale und Enthüllungen aller Art stand vor allem ein Name: Oswalt Kolle. Mit der Artikelserie „Dein Kind, das unbekannte Wesen“ begann in der "Quick" 1960 seine Karriere als „Sexualaufklärer der Nation“. Seine klare Sprache brachte den damaligen Bundesfamilienminister Franz-Josef Würmeling auf die Palme, erzählte Kolle in einem Interview 2009: "Wenn solche schweinischen Wörter noch mal in der 'Quick' erscheinen würden, dann würde er persönlich für ein Verbot der 'Quick' sorgen."

"Titten – Tresen – Temperamente"

Die Auflage der "Quick" schoss über die Millionengrenze - „Sex sells“. Und nach der Devise wurde umso konsequenter gehandelt, als 1966 der Hamburger Bauer-Verlag die Illustrierte übernahm.
„Der Verlag ist auf Billigblätter mit einem deutlichen Schuss Sex and Crime abonniert. Auch die "Quick" gehörte zuletzt in diese Kategorie. 'Titten – Tresen – Temperamente', so der redaktionelle Insiderspruch über den Blattinhalt.“

Das Privatfernsehen sorgt für den Garaus

Doch seit Mitte der 1980er-Jahre verlor die „Mutter der deutschen Illustrierten“ – wie sie oft genannt wurde - immer mehr ihre Bedeutung auf dem Zeitschriftenmarkt. Seriöse Polit-Magazine auf der einen und die zunehmende Zahl an „bunten Blättern“ auf der anderen Seite drückten die Auflage. Den Untergang der "Quick" besiegelte schließlich das Privatfernsehen, das viel mehr Glamour, Unterhaltung und vor allem mehr „Sex“ bot.
Zwar waren immer noch 700.000 Exemplare pro Woche verkauft worden, aber das Anzeigengeschäft hatte sich bis 1992 halbiert, weil viele Werbekunden zu den privaten elektronischen Medien abgewandert waren. Und der Verleger folgte ihnen: Fast zeitgleich mit dem Ende der "Quick" stieg der Heinrich Bauer-Verlag bei RTL II ein.