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StartseiteEuropa heuteWie rassistisch ist die britische Polizei?08.07.2020

Racial ProfilingWie rassistisch ist die britische Polizei?

Racial Profiling ist in Großbritannien verboten - was nicht heißt, dass es Kontrollen aufgrund von Hautfarbe oder ethnischer Zugehörigkeit nicht gibt. Schwarze würden immer noch unverhältnismäßig oft kontrolliert, sagte Dlf-Korrespondent Burkhard Birke. Das zeige auch der Fall der Athletin Williams.

Burkhard Birke im Gespräch mit Anne Raith

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Bianca Williams bereitet sich auf den 100-Meter-Endlauf der Damen vor am 21.07.2018 (imago sportfotodienst)
Bianca Williams, hier im Juli 2018 im Stadion, beklagt, von der britischen Polizei rassistisch behandelt worden zu sein. (imago sportfotodienst)
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Die Polizei hatte die Athletin Bianca Williams und ihren Lebensgefährten, den Sprinter Ricardo dos Santos, am vergangenen Wochenende wegen Fahrens auf der falschen Straßenseite im Norden Londons angehalten. Im Wagen war auch ihr drei Monate altes Baby. Sie seien unwirsch aus dem Wagen geholt und für 30 Minuten in Handschellen gelegt worden, schildert Großbritannien-Korrespondent Burkhard Birke den Fall. Von der Kontrolle gibt es auch Videoaufnahmen. Nach dem Erlebten wirft Bianca Williams der Polizei "Racial Profiling" vor, sie sei, seit sie einen teuren Wagen fahre, unverhältnismäßig oft kontrolliert worden.

Reaktionen von Polizei und Politik

Die Metropolitan Police beteuere, alles sei regelkonform abgelaufen, berichtet Birke. Wegen der zunehmenden Jugendkriminalität in der Gegend habe man das Auto auf Waffen durchsuchen wollen. Auch der britische Premierminister Boris Johnson sei auf die Vorwürfe angesprochen worden. Er habe die enormen Fortschritte betont, die Großbritannien bereits gemacht habe und eine Regierungskommission angekündigt.

Demonstranten in London protestieren nach dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd in den USA gegen Rassismus und Polizeigewalt  (Imago/ Hugo Philpott)Demonstranten in London protestieren nach dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd in den USA gegen Rassismus und Polizeigewalt (Imago/ Hugo Philpott)Identität in Großbritannien - "Wenn ich mich für einen Job bewerbe, muss ich Schwarz-Britisch ankreuzen"
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Zahlen sprechen eine andere Sprache

Tatsächlich aber sprächen die letzten offiziellen Zahlen für England und Wales für den Zeitraum 2018/2019 eine sehr deutliche Sprache, so Birke. Menschen schwarzer Hautfarbe werden demnach neuneinhalb Mal so häufig kontrolliert wie Weiße. Von knapp 376.000 Kontrollen in einem Jahr entfielen die Hälfte auf ethnische Minderheiten. Die Kontrollen fänden auf dreierlei Gesetzesgrundlagen statt: wenn Drogen und Diebesgut vermutet werden, um Terroranschläge zu vermeiden und um Waffengebrauch zu verhindern.

Dossier: Rassismus (picture alliance / NurPhoto / Beata Zawrzel)Dossier: Rassismus (picture alliance / NurPhoto / Beata Zawrzel)

Viele Untersuchungen – wenig Verbesserungen

In der Vergangenheit habe es viel Kritik, aber auch Selbstkritik bei den Behörden gegeben. Großbritannien-Korrespondent Burkhard Birke nennt etwa die Sonderkommission nach dem Tod eines jungen Schwarzen Ende der 1990er-Jahre, die Rassismus in Polizei und Justiz offengelegt habe. Von den 70 ausgesprochenen Empfehlungen im sogenannten "Macpherson-Bericht" seien die allermeisten übernommen worden – etwa die Einstellung von mehr schwarzen und asiatisch-stämmigen Polizisten. Und doch seien sie bis heute etwa bei der Metropolitan Police kaum in wichtigen Positionen angekommen.

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