Tourismus und Arbeitsplätze
Wie Altenberg von der Rodel-WM profitiert

In Altenberg im Erzgebirge ist die Rodel-WM zu Ende gegangen. Die Bahn wurde vor der WM für 2,7 Millionen Euro saniert. Eine Investition, die sich nicht nur für die Athletinnen und Athleten lohnt. Auch Altenberg selbst profitiert. Ein Ortsbesuch.

Von Jennifer Stange | 28.01.2024
Zuschauerinnen und Zuschauer stehen in einem Kreisel an der Rodelbahn in Altenberg.
Der Kreisel an der Rodelbahn in Altenberg ist ein beliebter Ort für Zuschauerinnen und Zuschauer. (imago images / Hentschel / Lutz Hentschel via www.imago-images.de)
Ein bisschen überrascht wirken die Rodlerinnen und Rodler, wenn sie nach rasanter Abfahrt aus dem Eiskanal steigen und ein paar Meter weiter einen Haufen Schülerinnen und Schüler vor sich haben, die wild mit Stift und Zettel winken. "Wir freuen uns halt, wenn wir mehrere Autogramme haben, weil das ist auch was fürs Leben", sagt eines der Kinder. Ein anderes: "Irgendwann können die ja mal was wert sein!"
Jedenfalls akklimatisieren sich die meisten Athletinnen und Athletinnen schnell und genießen sichtlich das Superstargefühl, dass ihnen unter anderen diese Fünftklässlerinnen aus Pirna geben. Sport braucht Anerkennung, das wissen die Veranstalter.

Junge Fans beeindruckt die Waghalsigkeit

Es ist Freitag, erster Wettkampftag der Rodel-WM im sächsischen Altenberg. Klassenfahrten haben freien Eintritt, sie stellen das Gros der Besucher an diesem Tag. Die meisten kommen aus der Region - Erzgebirge und Sächsische Schweiz. Doch man sieht auch junge Leute mit den Farben Österreichs auf der Stirn, oder dem Wappen der Schweiz auf der Wange. Vor allem die Jüngeren sind beeindruckt von der Waghalsigkeit. Die Rennschlitten- und Bobbahn in Altenberg gilt als eine der anspruchsvollsten und gefährlichsten der Welt.
Andrea Draynova, slovakische Bankerin hat sich Urlaub genommen, damit sie in Altenberg in Kindheitserinnerungen eintauchen und ihr Nationalteam unterstützen kann. "Für mich ist das wirklich was besonderes. Als Athletin bin ich international nur in Österreich und hier in Altenberg angetreten. Es waren gute, aber auch harte Erfahrungen."
Die Bahn ist an mehreren Stellen offen und einsehbar. Viele postieren sich beispielsweise im Zentrum eines Kreisels, stehen da und halten die Luft an, während andere versuchen, vom nächsten vorbeirauschenden Doppelsitzer ein 360-Grad-Handy Video zu drehen. Auch das ist eine anspruchsvolle Aufgabe.
Rentnerin Karin Bauer geht es zu schnell. Sie schaut auf einen der vielen großen Monitore an der Strecke. Sie und ihr Mann haben Tickets über ihren Sportverein ein paar Kilometer weiter ebenfalls kostenlos bekommen. 

Fassungsvermögen von bis zu 5.000 Fans

Jens Morgenstern, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft der Rennschlitten und Bobbahn in Altenberg hofft auf mehr zahlende Besucher am Wochenende. Bis zu 5.000 können hier live dabei sein. "Man merkt wirklich, wenn man live dabei ist, wie die Geschwindigkeit ist, wie das Gefälle ist, ob es nach unten oder im Auslauf nach unten geht."
Für die Rennrodel-Weltmeisterschaft wurde die Bahn frisch saniert mit 1,7 Millionen Euro vom Bund und knapp über einer Million Euro vom Land Sachsen. Morgenstern: "Das ist natürlich für die Region Gold wert, so eine Anlage. Die Stunden, die diese Bahn im Fernsehen ist, wenn man das als Werbemittel ausrechnen würde, das wären Millionen und deshalb ist das für die Region, für Altenberg, für den Landkreis Sächsische Schweiz Osterzgebirge, für den Freistaat Sachsen ein Riesengewinn, da kann man wirklich zeigen was die Region kann."

"Die Infrastruktur profitiert"

Entlang der Bahn gibt es einige Essens- und Getränkestände, überall Musik wie auf dem Rummel. Ein paar Autominuten entfernt in Altenberg selbst spürt man am Freitagmittag noch wenig von dem Spektakel. Die Bühne für die Siegerehrungen steht hier bereit. Das Restaurant an der großen Kreuzung ist geschlossen. Der Empfang in der Touristeninformation gegenüber: herzlich.
Carolin Krupp arbeitet hier und ist davon überzeugt, dass nicht nur Geld in die Bahn reingesteckt wird, sondern viele davon profitieren: "Es werden Übernachtungen generiert, die Infrastruktur profitiert, es sind natürlich auch viele Arbeitnehmer dort beschäftigt, dort in der Organisation, die gastronomischen Einrichtungen."
Krupp rechnet täglich mit mindestens 2000 Besucherinnen. Für viele ist die Touristeninformation am Bahnhof erste Anlaufstelle. Von hier fahren kostenlose Shuttles zur Rodelbahn und später zurück zu Siegerehrung und Partyprogramm am Abend. Jenseits der Rodelwettbewerbe - und wenn es die Witterungsverhältnisse zulassen - gehört Altenberg den Skifahrern und Langläufern und im Sommer den Wanderern. Altenberg setzt auf sportlichen Ganzjahrestourismus.