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Sagen & MeinenDie Last mit Steuerbegriffen

Wenn Medien über Steuern berichten, dann häufig mit Wortkonstruktionen, die das Thema als etwas Negatives erscheinen lassen: Steuerbelastung zum Beispiel. Neutral ist das nicht – denn die positiven Seiten des Themas bleiben so auf der Strecke.

Von Stefan Fries | 22.07.2020

Symbolbild Steuerbüro Stempel "Kopie für Ihre Akten "
Begriffe rund ums Thema stempeln Steuern oft als etwas Negatives ab (imago stock&people)
Klar, für viele sind Steuern nicht schön, und vermutlich nur wenige zahlen sie total gerne. Dass wir Steuern deshalb als Belastung wahrnehmen, ist verständlich. Aber es ist nur eine Perspektive auf Steuern. Denn sie haben ja auch viele positive Seiten, die wir uns selten klarmachen.
Wir bekommen für sie ein demokratisches Parlament und Wahlen, eine Justiz, um unser Recht durchzusetzen, Straßen und Gleise, auf denen wir fahren, Kindergärten und Universitäten, Krankenhäuser und Altenheime. Bei allen Schwierigkeiten, ein gerechtes Steuersystem zu schaffen, und bei allen Problemen im System kann man Steuern also auch anders sehen als als Last.
Der Sprachcheck
Viel zu oft setzen sich fragwürdige Begriffe und Euphemismen in Medien fest, zum Beispiel das "Gute-Kita-Gesetz", das "Familiendrama" oder der "Lockdown". Solche Formulierungen hinterfragen wir in der Reihe "Sagen & Meinen – der Sprachcheck".
Steuersenkung statt Steuererleichterung
Trotzdem nutzen wir den Begriff "Steuerbelastung" oft und kennen ihn auch in vielen Varianten: Steuerbürde, Steuererleichterung, Steuerbefreiung, Steuerfalle, Steuerschlupfloch, Steuerflucht, Steueroase, Steuerparadies – all diese Begriffe stellen Steuern als etwas Negatives dar. Eine berechtige Perspektive – wenn man seine Worte bewusst wählt.
Wer Steuern als Beitrag zur Gemeinschaft sieht, kann auch eine andere wählen. Und wer neutral formulieren will, spricht zum Beispiel nicht von Steuererleichterung, sondern von Steuersenkung.