Dienstag, 27. Februar 2024

Doping
Der Fall Sara Benfares - Krebs, Lügen oder Doping?

In einer Doping-Probe von Sara Benfares wurden EPO und Testosteron gefunden. Der Olympia-Traum der Leichtathletin scheint damit vorbei. Doch es gibt Berichte, dass Benfares Krebs hat, was die Werte erklären würde. Doch der Fall geht noch weiter.

Von Christian von Stülpnagel | 04.02.2024
Sara Benfares läuft bei den Wettbewerben bei den European Championships in München 2022.
Der mutmaßliche Doping-Fall um die deutsche Olympia-Kandidatin Sara Benfares hat für großes Aufsehen gesorgt. Doch steckt womöglich eine Krebserkrankung hinter der Einnahme der verbotenen Substanzen? (dpa / picture alliance / Angelika Warmuth)
Im August 2022 bricht Sara Benfares auf der Tartanbahn im Münchner Olympiastadion zusammen. Bei der EM ist sie gerade über 5000 Meter eine Zeit von 15 Minuten und 20 Sekunden gelaufen. Persönliche Bestzeit.
Die 22-Jährige ist eine der deutschen Nachwuchshoffnungen im deutschen Laufbereich. 2022 wird sie deutsche Meisterin über 10 Kilometer auf der Straße. Das nächste Ziel hat sie klar formuliert: Olympia 2024 in Paris.

Positive Test auf EPO und Testosteron

Doch daraus wird wohl nichts, denn Anfang der Woche wird bekannt: die Dopingprobe der Läuferin ist positiv auf EPO und Testosteron getestet worden.
„Das ist für uns die schwärzeste Stunde in unserer Vereinsgeschichte", sagt Thomas Klein, 1. Vorsitzender von Benfares‘ Verein LC Rehlingen in einer ersten Reaktion im saarländischen Rundfunk SR: „Das gilt es jetzt erstmal zu verarbeiten und damit auch umzugehen.“
Die Sportstiftung des Saarlands und der Landessportverband Saarland streichen die Unterstützung, wie deren Vertreter Johannes Kopkow im SR erklärt: „Denn am Ende geht es darum, dass so ein Fall große Außenwirkung erzielt und auch Schaden für den gesamten Sport herbeiführt."

Hat Benfares Knochenkrebs?

Doch unter der Woche dann die mögliche Wendung: Die positiven Testergebnisse von Benfares könnten medizinisch begründet sein. Das französische Portal SPE15 machte in einem Bericht eine Knochenkrebserkrankung der Läuferin öffentlich.
„Für uns war das extrem bemerkenswert, dass ein Tag nach Veröffentlichung unserer Recherchen in einem französischen Dopingportal Zitate des Vaters aufgetaucht sind, mit der Diagnose Knochenkrebs", sagt Kai Klankert von der Saarbrücker Zeitung, der maßgeblich zu dem Fall recherchiert: „Wenn man sich dann vorstellt, dass das vielleicht auch wahr sein könnte, dann spürt man so ein Gefühl des Hin-und-Her-Gerissenseins. Das macht es auch in die Bewertung sehr, sehr schwierig.“

Ungereimtheiten über Berichte, Fotos und Aussagen

An der Nachricht der Krebserkrankung findet er einige Ungereimtheiten. So habe der Vater von einer Diagnose im vergangenen August gesprochen und dabei nach eigener Aussage auch den behandelnden Arzt darauf hingewiesen, dass seine Tochter als Leistungssportlerin eine medizinische Ausnahmegenehmigung für die Behandlung mit EPO und Testosteron benötige:
"So wie der Vater es in dem französischen Internetportal geschildert hat, ist diese Diagnose Knochenkrebs im August aufgetreten. Und Sara Benfares war am 31. August hier am Sportcampus und wurde präsentiert als Athletin im sogenannten ‚Team Saarland für Paris‘ und hat bei allen, die da waren, einen extrem zuversichtlichen Eindruck gemacht. Da war in keiner Situation erkennbar, dass die Sportlerin vor möglicherweise wenigen Tagen eine furchtbare Diagnose bekommen hat.“
Benfares habe sogar noch von einer Olympiamedaille gesprochen. Auf Instagram hat Benfares kurz vor den Doping-Berichten Bilder veröffentlicht, wie sie auf Krücken durch einen Flur humpelt, mit bandagiertem Knie, in einem spanischen Krankenhaus. „Das ist mein tägliches Leben seit mehr als einem Jahr“, schreibt sie dazu. Und: „Ich habe es satt, mich vor den Behörden ständig für meine Behandlungen rechtfertigen zu müssen.“ Kurz zuvor zeigen Bilder sie bei harten Tempoeinheiten und Wettkämpfen.

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Weitere Fragen wirft ein Foto auf, das Benfares im Sommer während der European Games in München zeigt. Im Dress der deutschen Nationalmannschaft steht sie dort zwischen zwei Männern und lächelt in die Kamera. Die Männer sind augenscheinlich Carol und Daniel Santa, Vater und Sohn sind in der Sportbranche keine Unbekannten. Daniel Santa hat das Bild selbst auf Facebook gepostet.
„Das eine ist ein Leichtathletik Trainer, das andere ein Sportmanager. Und diese beiden Herren genießen einen eher zweifelhaften Ruf in der Szene", erklärt der Journalist Kai Klankert. Einige ihrer Athleten würden mit Doping in Verbindung gebracht. Auf dem Bild tragen die beiden Männer Vereinskleidung eines Leichtathletik-Vereins aus Montreuil – dem zweiten Heimatverein von Sara Benfares, bei dem ihr Vater Präsident sei, so Klankert: „Das hat schon mehr als ein Geschmäckle an dieser Stelle.“

Ärzte: EPO und Testosteron geben zusammen keinen Sinn

Offizielle Statements zum Fall Benfares sind rar. Die Familie antwortet auf unsere Anfragen nicht, der Deutsche Leichtathletik-Verband erklärt auf unsere Nachfrage hin schriftlich, eine Verbindung zur Familie Santa sei nicht bekannt. Und: "Der Deutsche Leichtathletik-Verband positioniert sich seit Jahren klar gegen Doping […] und steht für fairen und sauberen Sport."
Die Dopingkontrollen habe man bereits 2011 an die NADA übertragen, die Mechanismen funktionierten, so der DLV weiter. Die NADA hat Strafanzeige gegen Sara Benfares gestellt und antwortet auf unsere Nachfragen schriftlich: "Die von Ihnen genannte Athletin wurde von der NADA suspendiert. Es läuft derzeit ein Ergebnismanagementverfahren aufgrund eines möglichen Verstoßes gegen Anti-Doping-Bestimmungen. Darüber hinaus bitten wir um Verständnis, dass wir das laufende Verfahren nicht weiter kommentieren.“
Für Georg Gitzinger vom Saarländischen Rundfunk deutet der Fall Benfares aber in eine ungute Richtung: „Ich habe vier saarländische Ärzte befragt und alle sagen: Bitte, Testosteron und EPO zusammen, da liegt doch bei einer jungen Athletin der Doping-Verdacht nahe. EPO bei einer Krebserkrankung ja, vielleicht. Aber Testosteron keinesfalls, warum auch", hat er im SR gesagt. So oder so ist es ein tragisches Schicksal: Von einer jungen Sportlerin, die eine positive Dopingprobe hat. Oder bei der Knochenkrebs die Karriere bedroht.