Mittwoch, 27. September 2023

Causa Frank Ullrich
Sportausschuss-Vize: "Verdachtsmomente ausräumen"

Trotz Zustimmung steht ein Gutachten über eine mögliche Doping-Vergangenheit von Frank Ullrich (SPD), Vorsitzender des Bundestags-Sportausschusses, noch aus. Es gehe um die Glaubwürdigkeit der Sportpolitik, so Vize-Vorsitzender Philip Krämer (Grüne).

Philip Krämer im Gespräch mit Marina Schweizer | 01.04.2023

Der Sportausschuss des deutschen Bundestags während einer öffentlichen Sitzung.
Der Sportausschuss des deutschen Bundestags während einer öffentlichen Sitzung. (imago images / Christian Ditsch / Christian-Ditsch.de via www.imago-images.de)
Seit Ende 2021 ist Frank Ullrich von der SPD der Vorsitzende des Sportausschusses des Deutschen Bundestages. Ullrich wurde 1980 auch Biathlon-Olympiasieger für die DDR. Später trainierte er dann auch die Biathlon-Auswahl der DDR, danach war er Langlauf-Bundestrainer für die BRD.
In der Vergangenheit gab es immer wieder Zeugenaussagen, laut denen Ullrich in das Staatsdoping-System der DDR verwickelt gewesen sein soll. Er selbst bestreitet das. Doch die Vergangenheit ist bei seiner hervorgehobenen Position in der deutschen Sportpolitik relevant, sodass die Frage nach Ullrichs möglicher Dopingverwicklung nun wieder häufiger gestellt wird.

Gutachten noch nicht in Auftrag gegeben

Nach langer Diskussion stimmte Ullrich im Mai 2022 im Sportausschuss letztlich zu, dass ein Gutachten in Auftrag gegeben werden soll, das seine mögliche Verstrickung ins DDR-Doping klären soll. Doch das zieht sich hin. Auf Nachfrage teilte Ullrich dem Deutschlandfunk mit, dass er einen Wiederholungsantrag auf Akteneinsicht beantragt habe. Er sei noch auf der Suche, nach einer "geeigneten Person, die ein Gutachten unter der Einbeziehung der Aktenlage erstellen kann". Zu einem Gespräch war Ullrich nicht bereit.
Philip Krämer (Grüne), Vize-Vorsitzender des Sportausschusses, sei nach so vielen Monaten verwundert gewesen, dass das Gutachten noch nicht in Auftrag gegeben worden sei, sagte er im Deutschlandfunk. "Aber ich bin guter Dinge, dass es in den nächsten Tagen dann auch final erfolgen wird. Also dass wir hier auch einfach Licht ins Dunkel bringen", sagte er. Für ihn gelte zwar die Unschuldsvermutung, "aber es gibt ja dann doch eine durchaus große Diskussion darüber. Und es würde meines Erachtens nach der Sportpolitik im Allgemeinen gut tun, wenn damit mal aufgeräumt würde."

"Keine Vorgaben" zu Gutachtern

Dass Ullrich sich die Gutachterin oder den Gutachter selber aussuchen könnte, hält Krämer nicht für problematisch. "Das kann jetzt nicht ein beliebiger Jurist sein, sondern das muss schon jemand sein, der sich in der Vergangenheit mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Ich bin da absolut offen. Für mich ist auch in Ordnung, wenn Herr Ullrich jemanden vorschlägt und die Person eine gewisse Unabhängigkeit hat. Da will ich keine Vorgaben machen. Wichtig ist dann nur, dass es dann auch tatsächlich in den nächsten Tagen in Auftrag gegeben wird."
Bezahlen solle das Gutachten laut Krämer entweder die SPD-Fraktion oder Ullrich selbst. Das sei so üblich. "Das macht auch nichts mit der Glaubwürdigkeit der Person, wenn das eben eine Person ist, die eine Expertise in dem Bereich hat. Von daher ist das eine Fragestellung, die nachrangig behandelt werden kann."
Krämer gehe es bei dem Thema vor allem um die Vorbildfunktion des Sportausschusses. "Der Kampf gegen Doping ist Aufgabe der Bundespolitik im Bereich Sport. Und deswegen haben wir die Verantwortung, dass wir als Politik auf jeden Fall sauber sind, dass wir Verdachtsmomente ausräumen und dass wir mit gutem Beispiel vorangehen." Man müsse zeigen, "dass sauberer Sport für uns eine Grundvoraussetzung ist für ein Sportsystem, das unabhängig und fair ist. Und das sind wir den vielen Spitzensportlerinnen und -sportlern schuldig, die sauber sind."
Dazu komme auch die Aufarbeitung des SED-Dopings, "das für viel Leid gesorgt hat. Auch das ist etwas, mit dem man nicht lapidar umgehen kann."

Keine Kritik nach Wahl von Ullrich

Bei Ullrichs Wahl zum Sportausschuss-Vorsitzenden habe Krämer nicht gedacht, dass das Thema noch einmal aufkomme. "Das muss man sich selbstkritisch vorwerfen. Da hätte man zu Beginn kritischer sein müssen. Das ist jetzt passiert. Wichtig ist jetzt aber, dass wir, seitdem diese Vorwürfe auf dem Weg sind, daran arbeiten, dass sie nach Möglichkeit ausgeräumt oder zumindest bearbeitet werden."
Die Koalition und die Sportpolitik insgesamt stehe nun in der Verantwortung, den Sachverhalt noch innerhalb der Legislaturperiode aufzuklären, so Krämer. "Weil ansonsten wird da ein relativ großer Anteil an Glaubwürdigkeit verloren gehen."
Er sei aber "guter Dinge, dass wir da jetzt tatsächlich zumindest zur Beauftragung kommen in den nächsten Tagen und dementsprechend zeitnah das Gutachten dann auch vorliegt. Und dann kann man sich ein abschließendes Urteil erlauben."