Sportgespräch
Edwin Moses - Erinnerungen an eine große Karriere

Edwin Moses dominierte seinen Sport - Hürdenlauf - wie niemand anders vor oder nach ihm. Im Dlf-Sportgespräch spricht er über seine Karriere und Rassismus in den USA, aber auch über die aktuelle Situation im Sport.

Kerstin Zilm im Gespräch mit Edwin Moses | 05.05.2024
Edwin Moses lacht
Der Hürdenläufer Edwin Moses bei den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles. (Imago / Colorsport)
Über 400 Meter Hürden gewann er in den 70er- und 80er-Jahren 122 Rennen hintereinander, zwei Goldmedaillen und zwei Weltmeisterschaften. Der US-Boykott der Olympischen Spiele in Moskau verhinderte, dass der Leichtathlet 1980 seine erste Goldmedaille verteidigen konnte. Doch vier Jahre später stand er in Los Angeles wieder ganz oben auf dem Siegerpodest. In der deutschen Künstlerresidenz Villa Aurora in Los Angeles stellte er den Trailer zu einem Dokumentarfilm vor, der mit Hilfe deutscher Förderung gedreht wurde: "Moses 13 Steps" - nach den Schritten, die er zwischen jeder Hürde rannte.

In Paris nur abseits des Team - Moses arbeitet für die US-Antidoping-Agentur

Moses sagte, dass er wegen seiner Rolle in der US-Antidoping-Agentur nichts mehr mit dem Leichtathletikteam zu tun habe. "Wir haben sozusagen eine Chinesische Mauer zwischen uns, eine ethische Trennung. Wer auf der Doping-Seite aktiv ist, kann es nicht gleichzeitig auf der Sport-Seite sein. Ich habe seit 25 Jahren nicht mehr direkt mit der US-Leichtathletik zu tun." Nach Paris zu den Olympischen Sommerspielen reise er daher unabhängig vom Team.
Moses sprach sich im Deutschlandfunk-Sportgespräch dafür aus, das Marihuana grundsätzlich auf der Dopingliste bleiben soll. "Denn wir wollen ja zum Beispiel nicht, dass jemand auf einem Drei-Meter-Brett high ist, wenn er ins Wasser springt. Oder eine Synchronschwimmerin, die ihren Atem 40 Sekunden anhalten muss, das unter dem Einfluss von Marihuana oder Haschisch tut. Wir wollen nicht, dass Leute im Boxring high sind. Die könnten sterben, wenn Gegner einen Treffer landen. Wir wollen gefährliche Situationen vermeiden", sagte Moses.

Da zu sein, wo schwarze Männer nicht willkommen sind - "das hat mich stärker gemacht".

Der zweifache Olympiasieger sprach über die Beginne seiner Karriere, die Widerstände und über Rassismus in den USA. "Es ist wichtig zu bedenken, dass ich ein Schwarzer in Amerika bin", sagte Moses. "Ich war der Erste in unserer Familie, der mit Weißen auf eine Schule ging. Und dann aufs College. Mich in Umstände zu begeben, in denen schwarze Männer nicht willkommen sind, hat mich stärker gemacht. Es war auch ein Grund, warum ich gewinnen wollte. Als ich anfing zu gewinnen, wurden mehr Menschen auf mich aufmerksam."
Edwin Moses im April 2024
Edwin Moses im April 2024 (IMAGO / ZUMA Wire / IMAGO / Luis Soto)
Er äußerte sich auch zur Rolle der russischen Athletinnen und Athleten. "Ich denke, dass die Russen für das bestraft werden müssen, was sie dem Sport angetan haben", sagte Moses. "2014 sind sie in Labore eingebrochen und haben mit Hilfe von ihren Geheimdiensten Proben gestohlen und manipuliert. Sie steckten unter einer Decke mit dem Verband. Dafür müssen sie bezahlen. Wer sich so verhält, muss einen Preis zahlen. Das ist ihre Methode und sie müssen damit aufhören. Es beschädigt den Grundgedanken von Sport. Welches gastgebende Land betrügt bei den Olympischen Spielen, versteckt Proben und hat hundert Athletinnen und Athleten, die positiv testen? Gerade letzte Woche haben wir noch russische Athleten für Betrug von 2012 verurteilt." Auch der russische Angriffskrieg in der Ukraine macht Moses betroffen: "Eine andere schreckliche Sache, mit der niemand auf der Welt glücklich ist."