Mittwoch, 20.10.2021
 
Seit 02:30 Uhr Lesezeit
Startseite@mediasresWie DAB+ die Sendervielfalt prägt20.05.2021

Tanzmusik und RosenkranzWie DAB+ die Sendervielfalt prägt

Während die UKW-Frequenzen stark begrenzt waren, bietet das Digitalradio DAB+ Platz für mehr Sender, manche davon für ganz spezielle Zielgruppen. Welche neuen Kanäle sich auf dem Radiomarkt langfristig behaupten können, muss sich allerdings erst zeigen.

Von Stefan Fries

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Spiegelkugel in einer Disko (Imago/localpic)
Elektronische Tanzmusik wird bei den großen Radiosendern eher selten gespielt - "Sunshine live" hat sich darauf spezialisiert (Imago/localpic)
Mehr zum Thema

Toggo Radio RTL startet neuen Sender für Kinder

Radio- und TV-Empfang Kein Lokalfunk im Kabelnetz

100 Jahre Radio Senden wie anno dazumal

Radio in Echtzeit Live ist live – oder doch nicht?

Zehn Jahre DAB+ Wie das Digitalradio fast die Zukunft verpasst hätte

Digitalradio DAB+ Schluss mit UKW - aber wann?

Vom Ladenhüter zum Radiostandard Der lange Weg des DAB+

Tanzmusik und Rosenkranz Wie DAB+ die Sendervielfalt prägtDAB+ vs. Streaming Wie das Radio der Zukunft aussieht

DAB+ im Katastrophenschutz Das Radio als Lebensretter

Wechsel zu Digitalradio Wie Norwegen und die Schweiz UKW abschalten

Für einen Radiosender ist das ungewöhnliche Musik, die man eigentlich nur in Clubs und auf Raves hört: Im Radio besetzt der Sender "Sunshine live" mit elektronischer Tanzmusik erfolgreich eine Nische. Seit das Digitalradio DAB+ vor zehn Jahren gestartet ist, ist "Sunshine live" dabei – und gilt heute als Zugpferd für den neuen Digitalradiostandard.

UKW-Frequenzen sind knappp

Aber auch so etwas gibt es bei DAB+: "Radio Horeb", ein privater römisch-katholischer Radiosender, der die Lehre der Kirche verbreiten will – wie mit diesem Angebot zum Mitbeten. Mit "ERF plus" gibt es ein ähnliches Angebot von evangelischer Seite.

Programme wie diese haben das in Deutschland lange eher kleine Radioangebot erweitert. Bis in die 80er-Jahre hinein gab es im Wesentlichen nur öffentlich-rechtliche Radiosender mit einem begrenzten Angebot. Dann wurden nach und nach Privatradios zugelassen, aber je nach Bundesland immer noch stark reguliert – wegen knapper Frequenzen schaute die Politik sehr genau darauf, welche Programme sie zuließ.

Ein Mitarbeiter hält ein Digitalradio mit DAB+ auf der Technik-Messe IFA, der weltweit größten Fachmesse für Unterhaltungs- und Gebrauchselektronik in der Hand. (picture alliance/dpa/Britta Pedersen) (picture alliance/dpa/Britta Pedersen)Dieser Beitrag ist Teil der Reihe "Vom Ladenhüter zum Radiostandard: Der lange Weg des DAB+". Warum konnte sich das Digitalradio noch nicht flächendeckend durchsetzen? Welche Rolle spielt dabei das Internet? Wann kommt das Aus für UKW? Und was kann Deutschland von der Schweiz und Norwegen lernen?  Diese und weitere Fragen rund um DAB+ beantworten wir auch in einem @mediasres Spezial am 13. Mai um 15.30h im Deutschlandfunk.

Erst mit breitbandigem Internet waren die Sendeflächen praktisch unbegrenzt. DAB+ will eine größere Vielfalt auch ins Antennenradio bringen. Es bietet zwar weniger Platz als das Netz, aber perspektivisch deutlich mehr Sendeplätze als UKW, auch wenn von diesen Kapazitäten bisher nur wenig ausgeschöpft wird.

Startschuss für DAB+ fiel 2011

Im August 2011 startete die erste Palette an DAB+-Programmen auf Bundesebene und weitere auf Ebene der Bundesländer, darunter auch die Programme der regionalen ARD-Sender, erläutert Carsten Zorger, Leiter des Digitalbüros Deutschland, das den Ausbau von DAB+ koordiniert:

"Es gibt zunächst einmal jetzt zwei große bundesweite Belegungen, also zwei Schichten bundesweit. Und dann gibt es natürlich je nach Stadt und Land noch regionale beziehungsweise sogar lokale Belegungen, je nachdem, wo sie sind. In München zum Beispiel haben sie drei lokale, zwei bundesweite und zwei überregionale Belegungen."

Bayern fördert DAB+ besonders

Tatsächlich ist Bayern Vorreiter beim Ausbau von DAB+. Die Bayerische Landeszentrale für neue Medien unterstützte in den vergangenen Jahren den Ausbau der Netze auch für die privaten Sender. Auch deshalb sind in Bayern mittlerweile 98 Programme im Angebot, so viele wie in keinem anderen Bundesland. Auch bei der Verbreitung von Empfangsgeräten liegt Bayern vorne, wenn auch nicht weit: In 31 Prozent der Haushalte gibt es mindestens ein DAB+-Gerät, im Vergleich zu 24 Prozent bundesweit.

Der Melker Fritz Janz aus Oerie (Kreis Springe) melkt im Dezember 1951 bei Musikberieselung eine Kuh. Aber nicht für sein Vergnügen hat er das Radio im Kuhstall aufgestellt, sondern für die Kühe. Der findige Melker hatte von Versuchen gehört, mit denen bei Musik im Stall die Milchleistung der Kühe erhöht werden sollte. Und prompt den Rundfunkempfänger in den Stall getragen. Der Versuch hat geklappt: Nach anfänglicher Unruhe haben sich die Kühe an die neuen Töne gewöhnt, die Milchleistung ist um acht Liter pro Tag gestiegen. Ganz besonders schätzt das Vieh den Jazz. (picture alliance / dpa) (picture alliance / dpa)Radio - Demokratie auf Empfang
Radio ist ein urdemokratisches Medium: Jeder kann es hören, es bringt alle zusammen. In dieser Reihe zeigen wir, was Hörfunk kann: als Jedermann-Sender und Gemeinschaftsmedium, als politische Informationsquelle und Werbeträger.

Radio heißt bei DAB+ allerdings vor allem: Musikradio. Die gestiegene Vielfalt bezieht sich auf die Zahl der Sender und auf die verschiedenen musikalischen Stilrichtungen, weniger auf journalistische Inhalte. Automatisierte Playlisten halten die Kosten niedrig. Viele Programme senden immerhin stündlich Nachrichten – auch diese Sender für alle, die im Auto unterwegs sind, darunter vor allem Lastwagenfahrer.

Spezielle Kanäle für Sport und Autofahrer

Damit nutzen die Programmmacher auch den Vorteil, dass DAB+ auf fast jedem Autobahnkilometer in Deutschland zu empfangen ist – ohne Aussetzer und Senderwechsel. Das "dpd Driver’s Radio" gehört zum zweiten Schwung von DAB+-Programmen, die seit Oktober und noch bis zum Sommer nach und nach starten: Diesmal sind, anders als vor zehn Jahren, auch viele komplett neue Angebote dabei – und auch solche, die sich nicht über die Musik definieren, wie etwa "Femotion" speziell für Frauen und das "Sportradio" mit Hintergründen zum Sportgeschehen.

Was für die Hörerschaft ein Vorteil ist, nämlich mehr Auswahl, bedeutet für die Sender selbst mehr Konkurrenz, finden sich doch im selben Gerät statt einer Handvoll nun Dutzende Programme, zu denen sich schnell wechseln lässt. Olaf Hopp, Geschäftsführer des Radiobetreibers Energy Deutschland, sieht darin aber auch Chancen:

"DAB Plus bietet heute neuen Anbietern die Möglichkeit, Märkte zu betreten, die bis dato abgeschottet waren aus politischen Gründen, wo einfach kein Zugang bestand. Das ist ein Plus für Hörer, weil sie mehr Auswahl haben. Das ist ein Plus für neue Angebote, weil sie die Möglichkeit haben, ein neues wirtschaftliches geschäftliches Terrain zu erschließen."

Logo zum Medienpodcast "Nach Redaktionsschluss" des Deutschlandfunk

Inzwischen erweitern auch andere Bundesländer das Angebot. So hat Nordrhein-Westfalen gerade erstmals DAB+-Sendeplätze für landesweite Privatradios vergeben, die es bisher nicht auf UKW gab. Und Mecklenburg-Vorpommern bietet DAB+-Kapazitäten für nichtkommerzielle Radioprogramme in Rostock an.

Der Markt für Programme über DAB+ allerdings bildet sich gerade erst. Wer den Wettbewerb übersteht, ist nicht absehbar. Und das hängt nicht nur davon ab, welche Programme die Hörer annehmen – sondern auch davon, wie viele Hörer DAB+ überhaupt künftig haben wird.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk