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StartseiteForschung aktuellKlimawandel und Mensch beeinflussen Wanderverhalten29.01.2020

Tracking von BuckelwalenKlimawandel und Mensch beeinflussen Wanderverhalten

Dem Hering wird es in den Weltmeeren langsam zu warm. Deshalb zieht er in die kühleren Gefilde des europäische Nordmeeres. Gefolgt von Buckelwalen, die einen Abstecher an die nordnorwegische Küste nutzen, um sich an Heringen satt zu fressen. Und immer öfter dabei die Wege des Menschen kreuzen.

Von Christine Westerhaus

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Ein Paar ausgewachsener Buckelwale schwimmt in der Antarktis. (imago / robertharding)
Ein Paar ausgewachsener Buckelwale schwimmt in der Antarktis. (imago / robertharding)
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Wenn sich das Wasser in den Weltmeeren durch den Klimawandel aufheizt, wird es vielen Fischarten in den gemäßigten Breiten zu warm. So auch dem Hering. Seit ein paar Jahren ist er auch in der Arktis unterwegs und zieht in großen Schwärmen an der nordnorwegischen Küste entlang.

Über diese neuen Wanderwege freuen sich nicht nur norwegische Fischer. Auch Forscher wie Evert Mul von der Arktischen Universität von Norwegen in Tromsö profitieren von diesem Fischbesuch. 
 
"In den vergangenen Jahren hatten wir die einmalige Gelegenheit, Wale zu erforschen. Denn sie folgen im Winter den Heringsschwärmen, die neuerdings an der Küste unterwegs sind. Normalerweise ist es sehr schwierig, Wale zu erforschen: Aber wenn sie an der Küste unterwegs sind, können wir die Tiere mit Satellitensendern bestücken, und es wird einfacher, Probleme zu erkennen. Zum Beispiel finden wir dort Tiere, die sich in Fischernetzen verheddern und Abdrücke von Schiffspropellern auf dem Rücken haben. Und wir bemerken weitere Probleme, die auftauchen, wenn sich die Wege von Mensch und Wal kreuzen."

Heringe satt in der Arktis, zu spät zur Paarung in der Karibik

Um den Aktionsradius der Wale zu erkunden, haben die Forscher 27 Buckel- und 25 Schwertwale mit Satellitensendern bestückt. Zwischen 2014 und 2019, also fünf Jahre lang, verfolgten Evert Mul und seine Kollegen die Wege der Tiere per GPS.

Diese Informationen verglichen die Forscher mit Daten aus der Fischerei sowie geplanten offshore Windkraftanlagen und Aquakultur-Farmen. Dabei zeigte sich: Buckelwale machen immer häufiger einen Abstecher zur nordnorwegischen Küste, um sich an Heringen satt zu fressen. 
 
"Buckelwale nutzen die nordnorwegische Küste als eine Art Zwischenstopp. Im Sommer sind sie in der Barentssee unterwegs und bevor sie dann den weiten Weg in die Karibik zurücklegen, machen sie ein paar Monate in Norwegen halt, um Heringe zu fressen. Und das ist eine wichtige Beobachtung, denn es sieht so aus, als würden sie durch diesen Zwischenstopp zu spät in der Karibik landen, um sich dort zu paaren." 
 
Ähnlich wie Lachse nehmen Buckelwale sehr weite Wege auf sich, um sich zu paaren. Für die Tausende Kilometer weite Strecke bis in die Karibik brauchen die Tiere mehrere Monate. Dennoch verbringen manche Individuen weniger als einen Tag in ihrem Paarungsgebiet und schwimmen dann direkt wieder gen Norden. Möglicherweise verpassen manche Individuen durch den Zwischenstopp in der Arktis also die Chance, sich zu paaren.

Schwertwale schnappen Fischern den Fang weg

Eine weitere Beobachtung, die die Forscher gemacht haben: Schwertwale scheinen geradezu magisch von Fischerbooten angezogen zu werden. Manchmal werden die Schiffe von 50 Tieren gleichzeitig umringt. Offenbar haben die Wale gelernt: Dort wo Fischer ihre Netze auswerfen, lässt sich fette Beute machen. Und auch Pottwale machen dem Menschen immer häufiger Konkurrenz, haben Forscher schon häufiger beobachtet.

"Die Tiere holen sich oft Fische, die mit Langleinen gefangen werden. Sie schwimmen den Fischerbooten einfach hinterher und warten ab. Und wenn die Fische dann an den langen Leinen gefangen sind und an den Pottwalen vorbeiziehen, müssen die Tiere einfach nur zuschnappen. Es ist fast so wie in Sushi-Restaurants, wo die befüllten Teller auf den Transportbändern an einem vorbeiziehen. Das ist faszinierend und ziemlich schlau von den Walen, dass sie sich so schnell an menschliche Aktivitäten anpassen."

Dennoch: Auch wenn manche Wale davon profitieren, dass der Mensch immer größere Gebiete der Arktis erschließt. Nicht immer laufen diese Begegnungen harmonisch ab.

"Wir sehen jedes Jahr Wale, die sich in Fischernetzen verheddert haben oder von langen Fangleinen eingewickelt wurden und ertrinken. Außerdem verursacht der Schiffsverkehr Krach, und die Propeller der Schiffe können Tiere verletzen. Für die Wale ist es also eine Abwägung zwischen dem Risiko durch menschliche Aktivitäten und dem leichteren Zugang zu Nahrung."

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