Donnerstag, 26. Januar 2023

Versuchter Angriff auf Radio Dresden und Hitradio RTL
Wie sich Lokalmedien schützen

Am 10. Dezember versuchte ein Geiselnehmer in Dresden in die Senderäume von Radio Dresden und Hitradio RTL zu gelangen. Das misslang - auch weil das Unternehmen nach dem Terroranschlag auf "Charlie Hebdo" 2015 in Sachen Sicherheit nachgerüstet hatte.

Text: Isabelle Klein | Tino Utassy im Gespräch mit Annika Schneider | 12.12.2022

Absperrband der Polizei liegt vor dem geschlossenen Einkaufszentrum Altmarkt-Galerie. Am 10.12.2022 hatte die Polizei dort eine Geiselnahme beendet.
Nach dem Eindringversuch bei Radio Dresden und Hitradio RTL hatte sich der Täter mit Geiseln im Dresdener Einkaufszentrum Altmarkt-Galerie verschanzt. Er konnte überwältigt werden und starb wenig später an den dabei erlittenen Verletzungen. (picture alliance / dpa / Sebastian Willnow)
Der Terroranschlag auf "Charlie Hebdo" 2015 war für viele Medienhäuser ein Anlass, ihre Mitarbeiterinnen besser zu schützen. Damals waren bei einem islamistisch motivierten Terroranschlag Attentäter in die Redaktionsräume der französischen Satirezeitschrift eingedrungen und hatten elf Personen ermordet.
Unmittelbar nach dem Anschlag verstärkte die Polizei auch die Sicherheits-Vorkehrungen für viele deutsche Redaktionen. Langfristig rüsteten Medianhäuser selbst nach, so auch Radio Dresden und Hitradio RTL.

"Investitionen in Sicherheit waren richtig"

Man habe damals beschlossen, bestimmte Maßnahmen zu ergreifen, so Tino Utassy, Geschäftsführer von Broadcast Sachsen (BCS), dem Veranstalter der beiden Sender. Seinerzeit sei man noch belächelt worden. Am 10.12.2022 versuchte ein bewaffneter Täter in die Redaktion einzudringen. Der Angriff misslang. Der Vorfall zeige, dass die Investitionen in die Sicherheit richtig waren, heißt es in einem Statement von Radio Dresden bei Twitter.

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So kamen die Sendungsteams von Radio Dresden und Hitradio RTL am Morgen des 10. Dezember glimpflich davon, als der Angreifer vergeblich versuchte in die Büro- und Studioräume im Dresdener Ammonhof einzudringen. Der Täter versuchte laut Utassy eine mit Sicherheitsglas versehene Tür zu zerstören, und gab, nachdem es ihm nicht gelang, mehrere Schüsse darauf ab.
Polizeifahrzeuge stehen am 10.12.22 vor dem Ammonhof.
Polizeieinsatz am Ammonhof in Dresden. Hier versuchte der Täter in die Räumlichkeiten von Radio Dresden und Hitradio RTL einzudringen. (picture alliance / dpa / Bodo Schackow)
Verletzt worden sei niemand, so der Geschäftsführer. „Unsere Mitarbeiter sind geistesgegenwärtig durch eine andere Tür raus und haben das Gebäude verlassen." Der Täter wurde später bei einer Geiselnahme im Dresdener Einkaufszentrum Altmarkt-Galerie von der Polizei überwältigt und erlag seinen Verletzungen.
Insgesamt habe sich die Gefährdungslage für die Radiosender von BCS in den vergangenen Jahren aber nicht erhöht, so Utassy.
Dennoch kommt es vereinzelt immer wieder zu (versuchten) Angriffen auf Redaktionen, wie 2018 in den Niederlanden. Die niederländische Tageszeitung „De Telegraaf”  in Amsterdam hatte nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo ebenfalls ihre Sicherheitsmaßnahmen verschärft und massive Blumenkübel vor ihrem Eingang platziert. Wegen Bauarbeiten waren die Kübel im Sommer 2018 jedoch verschoben worden, weshalb Angreifer im Juni mit einem Kleinbus gegen die Fassade des Gebäudes fahren konnten und das Fahrzeug anzündeten. Auch hier wurde niemand verletzt.

Funke: "Direkter Draht" zu Sicheherheitsbehörden

Die Funke Mediengruppe, Veranstalterin von elf Lokalradios im Ruhrgebiet und im Hochsauerland sowie Verlegerin zahlreicher Tageszeitungen, darunter die „Berliner Morgenpost“, „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ und „Thüringer Allgemeine“, erklärte gegenüber @mediasres, beim Thema Sicherheit im engen Austausch mit den zuständigen Behörden zu stehen. „Durch diesen ‚direkten Draht‘ können wir die Sicherheitslage gut einschätzen“, heißt es seitens der Pressestelle.
Über genaue Maßnahmen will die Mediengruppe aus Sicherheitsgründen schweigen, an den verschiedenen Standorten würden aber verschiedene technische und organisatorische Maßnahmen zur Sicherheit greifen. Am Konzernstandort in Essen, der erst nach dem Terroranschlag auf "Charlie Hebdo" 2015 neu gebaut und 2019 fertig gestellt wurde, habe man das Thema Sicherheit besonders bedacht und führe darüber hinaus sogenannte Auditierungen durch, "die die Wirksamkeit prüfen oder womöglich Sicherheitslücken aufdecken" sollen.