
Die Deutschen bleiben reiselustig – trotz Kriegen und Krisen. Zumindest 2025 verreisten sie so häufig wie seit 20 Jahren nicht mehr. Das geht aus der Tourismusanalyse der Hamburger Stiftung für Zukunftsfragen hervor.
Demnach unternahmen nahezu zwei Drittel der Bundesbürger (64 Prozent) mindestens eine fünftägige Reise. Fast jeder Zweite verreiste mehrfach. Die Urlaubsausgaben stiegen auf einen Höchstwert von durchschnittlich 1636 Euro pro Person. Anfang 2026 planten zudem zwei Drittel auch bereits wieder mindestens eine Reise.
Allerdings lebte im vergangenen Jahr laut Statistischem Bundesamt gut jede fünfte Person in einem Haushalt, der sich nicht einmal eine Woche Sommerurlaub leisten konnte.
Entscheidend für einen Urlaub ist das Einkommen
Für rund 17,3 Millionen Menschen in Deutschland war 2025 nach eigener Aussage eine einwöchige Urlaubsreise außer Reichweite. Ihr Anteil lag wie im Vorjahr bei 21 Prozent. Ob Urlaub möglich ist, entscheidet vor allem das Einkommen. Unter den Menschen, die monatlich mit höchstens 1600 Euro auskommen müssen, gab nahezu jede zweite Person an, sich keine einwöchige Reise leisten zu können.
Für Alleinerziehende ist Urlaub demnach besonders oft unbezahlbar – für 39 Prozent. Damit sind sie deutlich stärker betroffen als andere Haushaltsformen. Zum Vergleich: In Haushalten mit zwei Erwachsenen und Kindern lag der Anteil bei 18 Prozent, bei Paaren ohne Kinder sogar nur bei 16 Prozent. Auch Alleinlebende mussten häufig auf Urlaub verzichten: Knapp drei von zehn gaben an, sich keine einwöchige Auszeit leisten zu können.
Dass gerade Alleinerziehende und Alleinlebende angaben, sich eine Reise zu versagen, liegt nahe: Laut Paritätischem Wohlfahrtsverband ist etwa jede dritte Person in diesen Lebenslagen von Armut betroffen.
Kinder bleiben zu Hause und Sozialeinrichtungen müssen sparen
In Deutschland wachsen laut UNICEF mehr als eine Million Kinder in Armut auf. Für sie sind Angebote von Jugendfreizeiteinrichtungen besonders wichtig. Dort gibt es Pläne für die Ferien, zum Beispiel Kino- und Schwimmbadbesuche, Fußballturniere oder gemeinsames Pizzabacken.
Allerdings seien viele Angebote eingeschränkt, weil auch diesen Einrichtungen das Geld fehle, sagt der Berliner Sozialarbeiter Burak Caniperk: „Man muss gut kalkulieren.“ Nicht jeden Tag sei ein „Highlight“ möglich.
Nach Caniperks Erfahrungen berichten Kinder und Jugendliche oft nicht offen darüber, dass sie die Ferien zu Hause verbringen. Weil es um Geld gehe, sei das Thema auch schambehaftet. „Man will nicht immer mit der Wahrheit herausrücken, während natürlich alle anderen von den tollen Urlaubsplänen erzählen.“
Für viele sei es auch nicht das erste Mal, mit Enttäuschungen oder spontanen Planänderungen umgehen zu müssen. „Einige sind optimistisch und machen dann das Beste daraus und sagen, ja gut, dann sind wir halt hier und sind in Berlin, ist ja auch schön“, so der Sozialarbeiter.
Günstige Familienferienstätten oder Urlaub spenden
Für Familien mit kleinerem Einkommen und in herausfordernden Lebenssituationen bietet die Bundesarbeitsgemeinschaft für Familienerholung Unterstützung an. Auf ihrer Webseite sind 74 gemeinnützige Familienferienstätten in Deutschland aufgeführt, die familienfreundliche und bezahlbare Urlaubsangebote bereitstellen. Gefördert wird dies vom Bundesfamilienministerium.
Je nach Bundesland und Einkommen besteht zudem die Möglichkeit, finanzielle Hilfe für einen Aufenthalt in einer Familienferienstätte zu erhalten oder von ermäßigten Preisen zu profitieren. Ob ein Anspruch auf Zuschüsse oder Vergünstigungen besteht, kann man mit dem Zuschussrechner überprüfen.
Es gibt aber auch die Möglichkeit, durch Spenden Kindern Urlaub zu schenken. Dazu ruft zum Beispiel die Diakonie Mitteldeutschland seit 20 Jahren auf. Im vergangenen Jahr profitierten davon den Angaben zufolge rund 5000 Kinder und Jugendliche. Es wurden mehr als 337.000 Euro gespendet.
Onlinetext: Beate Thomsen


















