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StartseiteWissenschaft im BrennpunktSeltenen Impfrisiken auf der Spur28.02.2021

Von AstraZeneca bis BioNTechSeltenen Impfrisiken auf der Spur

Anfang Dezember ist eine Impfkampagne angelaufen, wie es sie noch nie gegeben hat: Weltweit werden Milliarden von Menschen gegen das Coronavirus geimpft. Sind den Zulassungsstudien möglicherweise extrem seltene Nebenwirkungen durchgerutscht? Was tun die Behörden, um sie zu entdecken – wenn es sie denn gibt?

Von Joachim Budde und Edda Grabar

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Impfzentrum Schönefeld, 15.02.2021: Impfung mit Covid19 Biontech-Pfizer-Impfstoff im Impfzentrums im Terminal 5 des BER Flughafens Schönefeld Brandenburg Deutschland (IMAGO / Jochen Eckel)
Die Impfstoffe gegen Corona sind nach allen Erkenntnissen sicher - und dennoch könnte es wie bei allen Vakzinen seltene Nebenwirkungen geben. Die Fahndung nach solchen Ereignissen hat gerade erst begonnen. (IMAGO / Jochen Eckel)
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Wir erleben Zeiten der Superlative. So schnell wie nie haben Firmen Impfstoffe gegen das SARS-Coronavirus-2 entwickelt. Anfang Dezember haben die Impfungen weltweit begonnen: "In kürzester Zeit werden Millionen, vielleicht sogar Milliarden von Menschen in weniger als vielleicht zwei Jahren geimpft, das ist schon eine Riesenherausforderung."

Dass die Impfstoffe sicher und effektiv sind, haben die klinischen Studien vor der Zulassung gezeigt. Jetzt aber geht es um ganz andere Größenordnungen. Wie groß ist das Risiko, dass in diesen Studien extrem seltene Schäden durchgerutscht sind? Und was tun die Behörden, um sie zu entdecken – wenn es sie denn gibt?

"Es war wirklich eine Achterbahn. Es war ganz schrecklich." Edda Grabars Tochter hat vor ein paar Jahren selbst eine Impfkomplikation durchlebt. "Nachdem das passiert ist, bin ich nochmal richtig in die Tiefe gegangen und hab mich mit Impfungen einfach auseinandergesetzt …"

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"Wir als Paul-Ehrlich-Institut werten ja im Moment zweiwöchig alle Verdachtsfallmeldungen zu möglichen Nebenwirkungen und Impfkomplikationen aus, veröffentlichen das auf unserer Webpage, und wenn wir neue Risiken erkennen, würden wir natürlich regulatorisch entsprechende Maßnahmen ergreifen."

Impfungen für das Kind nach den STIKO-Empfehlungen

Als meine Kollegin Edda Grabar ihr erstes Kind bekam, ließ sie Marie noch nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission, der STIKO, impfen: Tetanus, Diphtherie, Polio, diese Sachen. "Ich bin ja Naturwissenschaftlerin und insofern bin ich sehr, sehr rational eigentlich mit den Themen."

Sie hatte recherchiert, welche Nebenwirkungen die Impfungen auslösen können: "Eins von zehn Kindern bekommt Schmerzen an der Einstichstelle, eins von 100 Kindern entwickelt leichtes Fieber und so weiter und so fort. Also so was wusste ich, das war mir schon klar. Und dann gibt es halt diese eins von einer Million Kindern, die, die irgendwelche schwerwiegenden Erkrankungen danach entwickeln können."

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Die schweren Nebenwirkungen sind sehr selten. Doch binnen eines Jahres geriet Edda Grabars Einstellung ins Wanken. "In dem Umfeld, in dem ich mich so befunden habe, da waren ganz, ganz, ganz viele Skeptiker und Impfgegner und ganz viele, die irgendwelche Geschichten erzählen konnten davon, wie Kinder sich nach dem Impfen verändert haben, und das hinterlässt Spuren." Sie entschied, mit der Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln zu warten. "Ich hab mir eingeredet, es wäre vielleicht besser."

Impfentscheidung ist eine Frage der Perspektive

Wie Edda Grabar geht es vielen. Sie machen sich solche Sorgen wegen der Impfungen, dass sie die Krankheit, vor der die Impfung schützen wird, aus dem Blick rücken. Die Psychologieprofessorin Tatjana Aue erforscht an der Universität Bern Emotionen wie Angst. Gegen die Angst, sagt sie, kommen Prozentzahlen nicht an: "Wenn man mit Prozentangaben arbeitet, dann ist es oft auch schwierig für die Leute zu verstehen, was bedeutet das – soundsoviel Prozent."

Ein Kleinkind bekommt nach einer Impfung ein Pflaster auf die Einstichstelle geklebt. (www.imago-images.de/Ute Grabowsky/photothek)Bei Kindern steht das Thema Impfen immer wieder auf der Tagesordnung - auch ganz ohne Corona (www.imago-images.de/Ute Grabowsky/photothek)

Wenn man keine Kinder hat, denkt man, Zwillinge sind ziemlich selten. Wenn man selbst Zwillinge hat, fällt einem erstmal auf, wie viele Menschen Zwillinge haben - und sogar Drillinge. Ein weiteres Phänomen verstärkt diesen Effekt: die Negativitätsverzerrung. Die Menschen neigen dazu, eher das Schlimme zu erwarten. Und sie sehen ihre Annahmen lieber bestätigt als widerlegt. Letztlich fließt auch diese Überlegung ein: Wenn ich mich impfen lasse, profitiert die gesamte Gesellschaft. Weniger Krankheit, weniger Ansteckung, weniger Leid, weniger Kosten. Wenn ich aber einen Impfschaden davontrage, habe ich allein den Schaden.

Impfschäden werden nicht zentral erfasst

Ein Jahr lang zögerte Edda Grabar die Impfung ihrer Tochter hinaus. "Irgendwann hat einfach diese, ich sag mal sozusagen wissenschaftliche Seite gesiegt." Bei der Impfung lief dann zunächst alles glatt. Bis zum Abend. "Sie war abgeschlagener. Am nächsten Tag war sie auch noch sehr, sehr müde und lustlos und kam auch nicht so richtig auf die Beine, und das hat sich dann am nächsten Tag weiter verstärkt. Das war so unmittelbar nach dieser Impfung, dass ich die ganze Zeit gedacht habe: 'Oh Gott, oh Gott; und mein Kind ist eins von denen, die jetzt irgendwie schwere Behinderungen wegtragen.‘"

Die Kinderärztin schickt sie ins Krankenhaus, dort machten die Ärzte Reaktionstests mit Marie, hörten sie ab, maßen noch einmal Fieber - aber eine Ursache suchten sie vergeblich. Edda Grabar solle noch zwei Tage abwarten. "Am nächsten Tag wurde sie langsam etwas munterer. Man hatte einfach das Gefühl, das Kind guckt nicht mehr so apathisch. Und das war dann so ein Schritt für Schritt. Und als sie dann am Montag irgendwie wieder Ball gespielt hat, da hab ich gedacht: 'Okay, das wird wieder gut.' Und ich würde sagen, nach 10 Tagen, war sie wieder okay."

Der Schreck hat der Wissenschaftsjournalistin noch lange zugesetzt. Die Frage, ob wirklich die Impfung dahintersteckte, hat ihr niemand beantworten können. Aber sie hat sich seitdem immer wieder mit Impfungen beschäftigt. Zum Beispiel: Wie häufig kommen bleibende Schäden überhaupt vor? Die Zahlen dazu sind nirgends zentral gespeichert. Man muss jedes Bundesland abklappern, wird vom einen Amt zum anderen verwiesen, wenn man überhaupt Antwort erhält.

Aus elf von 16 Bundesländern kam Antwort. Dort wurden seit dem Jahr 2009 insgesamt gerade einmal 215 Impfschäden anerkannt. In derselben Zeit wurden 386 Millionen Impfdosen verabreicht. Schäden aufgrund der Corona-Impfungen enthält diese Statistik noch nicht. Als wir die Recherche starten, beginnt die weltweite Impfkampagne gerade erst. Klaus Stöhr: "Das Impfinteresse steigt mit dem Vertrauen in die Regierung, in die Überwachung, und deswegen ist die Kommunikation in Zukunft so wichtig, und dass man solche Nebenwirkungen auch publiziert."

Zwei Personen halten Plakate mit der Aufschrift: Impfung - nein Danke! Ich bin kein Versuchskaninchen." und "Die Pandemie endet erst, wenn wir sie beenden." Demonstration gegen die Coronamaßnahmen in Mannheim.  (www.imago-images.de)Ängste vor etwaigen Impf-Nebenwirkungen sind ein Hauptmotiv von "Corona-Skeptikern". (www.imago-images.de)

Vorbehalte gegen mRNA-Impfstoffe

Wer kümmert sich um die Überwachung? Wer sammelt die Verdachtsfälle? Wer hält auch nach den seltensten Nebenwirkungen Ausschau? Die Suche beginnt lange vor der Impfkampagne in den klinischen Studien – zuerst in Laborversuchen an Zellen und Tieren. Vorstellbar ist vieles. Wenn bestimmte Körperzellen eine ähnliche Struktur haben wie die Stellen auf dem Virus, könnte das Immunsystem nach einer Impfung menschliches Gewebe auflösen.

Solche Mythen kursieren ja bereits für die RNA-Impfstoffe gegen das Coronavirus: Sie sollen angeblich Virus-RNA in die DNA der Impflinge einbauen oder das Plazenta-Gewebe angreifen und unfruchtbar machen. Professor Klaus Cichutek, der Präsident des "Bundesinstituts für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel", also des Paul-Ehrlich-Instituts PEI, entkräftet diese Gerüchte. "Das sind einfach Falschmeldungen, die auf falschen Informationen beruhen. Um das nochmal klarzustellen: Hier gibt es keine Anzeichen dafür, und das ist auch bei einigen Impfstoffprodukten geprüft worden an Tiermodellen, dass die Coronaimpfung unfruchtbar machen könnte."

Leichte Reaktionen auf den Impfstoff sind normal

Tatsächlich sind bei Impfungen die klinischen Studien besonders streng, schließlich werden diese Arzneimittel gesunden Menschen verabreicht: "Wir legen Wert darauf, dass bei Impfstoffen der Nutzen für den Einzelnen, aber auch für die öffentliche Gesundheit weit überwiegt gegenüber den Risiken oder Nebenwirkungen, und wir wissen, dass häufige Nebenwirkungen von Impfstoffen vorübergehend und akzeptabel sind. Das ist der Kopfschmerz, das ist vielleicht Fieber, das vorübergeht, leichtes Unwohlsein."

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Viele Menschen kennen inzwischen die Liste leichter Impfreaktionen, die die neuen Corona-Impfstoffe auslösen können. Die große Mehrheit der Impflinge aller bislang zugelassenen Corona-Impfstoffe berichtet von solchen Symptomen. Wie die halbe Besatzung einer Bochumer Feuerwache, die nach der ersten Dosis des AstraZeneca-Impfstoffs einen Tag lang mit Fieber im Bett lag. Um diese Impfreaktionen geht es aber gar nicht. Sie sind ja sogar ein positives Zeichen, denn sie zeigen: Das Immunsystem reagiert auf die Impfung.

Geimpfte Personen sitzen für 30 Minuten im Nachbeobachtungsbereich im Impfzentrum Essen  (www.imago-images.de)Spontane Nebenwirkungen wie ein anaphylaktischer Schock lassen sich durch eine angemessene Nachbeobachtungszeit weitgehend abfangen (www.imago-images.de)

Anaphylaxie als seltene, aber bedrohliche Nebenwirkung

Vielmehr geht es um die potenziell lebensbedrohlichen Reaktionen. Zum Beispiel die zwei Krankenschwestern, die schon am ersten Tag der Impfkampagne in Großbritannien nach einer Spritze mit dem Vakzin von BioNTech einen allergischen Schock erlitten. Eine solche Anaphylaxie ist gefährlich, lässt sich aber gut behandeln. Bisher haben sich alle Patienten davon erholt. Was noch wichtiger ist: Ein anaphylaktischer Schock tritt binnen Minuten nach der Impfung auf, und lässt sich deshalb leicht entdecken – obwohl er äußerst selten ist. Daten aus den USA zeigen, dass nach weniger als elf von einer Million Impfdosen von BioNTech eine Anaphylaxie aufgetreten ist. Bei Moderna sind es noch weniger.

Die klinischen Studien können keine Nebenwirkungen aufspüren, die seltener als einmal in 10.000 Fällen auftreten, sagt Klaus Stöhr. Er kennt die Impfstoffentwicklung aus erster Hand: Bevor er die Virologieprofessur an der Freien Universität Berlin übernahm, hat er bei der WHO das globale Influenzaprogramm geleitet und danach die Impfstoffsparte beim Pharmahersteller Novartis: "Immer wenn man einen Impfstoff kurz nach der Zulassung sehr schnell in großen Mengen verabreicht, besteht halt das Risiko, dass man solche sehr seltenen Nebenwirkungen später entdecken kann, das ist nicht unerwartet, aber weil in Europa die Arzneimittelüberwachungssysteme vernetzt sind, würde man das relativ schnell dann auch bemerken."

Fehler in der Reaktion des Immunsystems

Sehr seltene schwere Impffolgen haben die Gesundheitsbehörden schon bei früheren Impfkampagnen gegen andere Erreger beobachtet: Ein Beispiel ist das Guillain-Barré-Syndrom. Dabei greift das Immunsystem die eigenen Nerven an. Der Patient verliert erst die Kontrolle über seine Füße, dann steigen die Lähmungen immer weiter den Körper hinauf. Solche Fälle traten zum Beispiel häufiger als üblich nach der übereilten Einführung eines Grippeimpfstoffs in den USA im Jahr 1976 auf. 

Bei Impfkomplikationen wie dieser gibt es ein Problem, sagt Thomas Mertens. Er ist Virologieprofessor an der Universität Ulm und Vorsitzender der "Ständigen Impfkommission", der Stiko, die in Deutschland Empfehlungen dazu aufstellt, welche Impfungen welche Bevölkerungsgruppen erhalten sollten. "Bei dem Guillain-Barré-Syndrom ist es in der Tat so, dass das vermutlich auch später nach Impfung noch auftreten kann. Allerdings ist es da schon schwierig deshalb, weil das Guillain-Barré-Syndrom natürlich auch spontan auftritt, also bei Ungeimpften. Das macht die Beurteilung im Einzelfall natürlich sehr schwierig.

Ein anderes Beispiel ist Narkolepsie: Die Betroffenen leiden am helllichten Tag unter Schlafattacken. Auch dahinter vermuten Wissenschaftler Fehler in der Reaktion des Immunsystems. "Den Zusammenhang zu beweisen ist schwierig. Aber den Zusammenhang auszuschließen, ist auch sehr schwierig in diesen Fällen. Und das kann man wahrscheinlich auch nicht prinzipiell lösen."

Klinische Studien durch Teilnehmerzahlen limitiert 

Das sind die Nebenwirkungen, die uns interessieren. Zu selten für die klinischen Studien. Aber sie sollen natürlich trotzdem gefunden werden. Wie die Überwachung von unerwünschten Nebenwirkungen genau funktioniert, erfahren wir von Dr. Brigitte Keller-Stanislawski beim Pressebriefing des Paul-Ehrlich-Instituts. Sie leitet am PEI die Abteilung "Sicherheit von Arzneimitteln und Medizinprodukten".

In Sachen Corona hat für sie die Arbeit gerade erst richtig begonnen: "Wir haben zwar in den Zulassungsstudien gesehen, dass eben auch Risikopatienten eingeschlossen worden sind, also Personen, die eben ein erhöhtes Risiko für schwere Covid-19-Erkrankungen haben, also z.B. auch Personen mit Übergewicht, ältere Personen, aber auch Personen mit Autoimmunerkrankung, Aber natürlich waren die Fallzahlen jetzt nicht so groß, dass man hier tatsächlich robuste, valide Schlüsse ziehen kann."

Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)Übersicht zum Thema Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)

Sie rechnet vor: Wollte man schon in den klinischen Studien erkennen, dass eine Impfung so seltene Erkrankungen wie ein Guillain-Barré-Syndrom auslösen kann, müssten sie enorm groß sein. In einer Stadt wie Köln mit einer Million Einwohnern erkranken statistisch gesehen jedes Jahr zehn Frauen und Männer an einem Guillain-Barré-Syndrom. Wollte man erkennen, dass wegen der Impfung plötzlich 100 Kölnerinnen und Kölner daran erkranken – das wäre enorm –, müsste eine klinische Studie 100.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer umfassen.

Wenn die Impfung die Zahl der Kölnerinnen und Kölner mit Guillain-Barre nur auf 20 steigen ließe, das Risiko also doppelt so hoch wäre wie normal, müsste die Studie sogar 2,3 Millionen Menschen einschließen. Das ist unmöglich. Darum heißt es jetzt, während der Impfkampagne besonders wachsam zu sein. "Das machen wir quasi per Knopfdruck."

Alle vermuteten Nebenwirkungen unbedingt melden

Jeder Mensch, der eine Impfung erhalten hat und denkt, dass die eine Nebenwirkung ausgelöst hat, ist ausdrücklich dazu aufgerufen, das dem Paul-Ehrlich-Institut auf seiner Website zu melden. Ärzte, Apothekerinnen und die Hersteller sind sogar gesetzlich dazu verpflichtet. Brigitte Keller-Stanislawski und ihr Team vergleichen die Verdachtsfälle damit, wie häufig diese Krankheiten in der Bevölkerung unter normalen Umständen vorkommen, also mit der sogenannten Hintergrundinzidenz. 

"Das haben wir gemeinsam mit dem Robert-Koch-Institut und der Universität Köln schon vor etlicher Zeit begonnen, diese Hintergrundraten festzustellen unter Verwendung von elektronischen Gesundheitsdaten. Bei uns war das die Barmer Krankenkasse." Will Brigitte Keller-Stanislawski Verdachtsfälle einordnen, sucht sie sich Daten für die Gruppe von Menschen heraus, über die Verdachtsmeldungen eingegangen sind. Im Moment vor allem Menschen über 80, weil die gerade geimpft werden. 

Erst statistische Einordnung kann Signal auf Impfschäden liefern

Erfinden wir mal ein Beispiel: Ein 85-jähriger Mann gönnt sich zum Frühstück ein weiches Ei und fährt danach in ein Impfzentrum. Nach dem Pieks bleibt er noch eine Viertelstunde dort, um eine schwere allergische Reaktion auszuschließen. Am Abend stirbt er an einem Herzinfarkt. So kurz nach der Impfung stellt sich wohl jeder die Frage: Ist die Impfung die Ursache? Keiner käme dagegen auf den Gedanken, nach der Rolle des Frühstückseis zu fragen.

Brigitte Keller-Stanislawski schaut in ihren Vergleichsdaten nach, wie viele Menschen über 80 normalerweise täglich an einem Myokardinfarkt sterben: "Das sind 27, also rein statistisch aufgrund der Hintergrundrate von akuten Myokardinfarkten in dieser Altersgruppe. Und innerhalb von sieben Tagen sehen Sie 191 und innerhalb von 14 Tagen 381." Solange also nicht plötzlich deutlich mehr als 27 von einer Million Impflingen über 80 pro Tag einen Herzinfarkt erleiden, ist es sehr unwahrscheinlich, dass der Impfstoff dahintersteckt.

Natürlich muss der Arzt diesen Fall dem PEI melden. Häufen sich solche Fälle, kann das ein Signal für Impfschäden sein, sagt Thomas Mertens, der Virologe von der STIKO. "Erst müssen Sie das Signal haben, und dann können Sie anschließend anfangen, das studienmäßig zu untersuchen, indem Sie dann Korrelationen suchen zwischen Impfung zum Beispiel oder irgendwelchen anderen besonderen Ereignissen und dann letztendlich die Auswirkungen versuchen mit einem Auslöser zu korrelieren."

Genau so sind die WHO und die norwegischen Gesundheitsbehörden auch vorgegangen, als in einem Pflegeheim in Norwegen binnen sechs Tagen nach einer Impfung mit dem BioNTech-Impfstoff 33 Menschen verstarben. Die Untersuchungen haben ergeben, dass diese Todesfälle mit der normalen Sterberate in dieser Altersgruppe übereinstimmten.

Glasdöschen mit dem Impfstoff Pandemrix und Impfspritze stehen auf einem Formular mit einer Impf-Einverständniserklärung  (imago stock&people)Pandemrix: Erst empfohlener Schutz vor der Schweinegrippe, dann selbst Auslöser für Ängste (imago stock&people)

Narkolepsie-Fälle nach Impfung mit Pandemrix 

Schwere Nebenwirkungen, Impfschäden gar, gab es in der Vergangenheit tatsächlich. Beispiel Kinderlähmung: Als noch mit abgeschwächten Polio-Viren gegen die schreckliche Krankheit geimpft wurde, kam es vor, dass das Virus seine krankmachenden Eigenschaften zurückgewann. Bis ein besseres Vakzin entwickelt war, hat die Gesellschaft diese Gefahr akzeptiert, denn die Impfung hat tausendfache Erkrankungen verhindert.

Ein jüngeres Beispiel: Als Anfang 2009 die ersten Meldungen über einen neuen Schweinegrippe-Erreger um die Welt gingen, war die Sorge groß: Das Influenzavirus vom Typ H1N1 galt als besonders ansteckend und tödlich. Gegen die Influenza existierten zu diesem Zeitpunkt schon lange Impfstoffe. Die Hersteller brauchten die Vakzine lediglich auf die neue Virus-Variante umzustellen. Um mit derselben Menge Impfstoff mehr Menschen schützen zu können, fügten manche Hersteller ihren Vakzinen einen Wirkverstärker zu. Bei GlaxoSmithKline und seinem Impfstoff Pandemrix war das AS03. Klaus Cichutek, der Präsident der Paul-Ehrlich-Instituts: "Der Influenza-Impfstoff mit dem Wirkverstärker AS03 war bei der Musterzulassung für einen pandemischen Impfstoff auf ganz normalem und üblichem Weg mit aller Sorgfalt zugelassen worden."

Ab Oktober 2009 lief auch in Finnland die Impfkampagne an. Ende Dezember 2009 klagte ein siebenjähriger Junge bei seinem Arzt darüber, dass er seit kurzem tagsüber dauernd einschlafe. Im Februar 2010 stand die Diagnose fest: Narkolepsie. Bis August 2010 fielen in Finnland 14 weitere Fälle auf. Ähnliche Berichte gab es aus Schweden. Bald entstand der Verdacht, die schwere Erkrankung könne mit Pandemrix zusammenhängen.

"Das Signal war schwer zu erkennen"

Klaus Cichutek: "Das Phänomen trat mit unterschiedlicher Häufigkeit auf. Prägnanter und häufiger in den nordeuropäischen Ländern, weniger in den südeuropäischen Ländern und in Kanada, wo ein ganz vergleichbarer Impfstoff verwendet wurde, trat das Phänomen gar nicht auf, sodass wir von einem sehr seltenen Fall sprechen, knapp über der ganz normalen Inzidenz in der Bevölkerung. Das Signal war also schwer zu erkennen."

Aber es war da. Insgesamt fanden die Gesundheitsbehörden in Europa 1333 Narkolepsiefälle nach einer Pandemrix-Impfung. In Deutschland hat das PEI bis Oktober 2016 86 Narkolepsie-Meldungen registriert. "Insgesamt haben wir hier in Deutschland damit eine leichte Erhöhung der Inzidenz ums etwa Dreifache gehabt, das Signal hatte sich gezeigt, war dann im Erwachsenenalter ab einem Alter von etwa 40 Jahren nicht mehr über der Hintergrundinzidenz erkennbar."

Die Konsequenz: Die Behörden änderten ihre Empfehlungen: Menschen unter 20 Jahren sollten Pandemrix nicht mehr bekommen. Der Impfverstärker AS03 wird seitdem nicht mehr verwendet. Experten gehen heute davon aus, dass das Antigen auf der Oberfläche des Schweinegrippevirus in Verbindung mit dem Wirkverstärker AS03 bei Jugendlichen mit einer bestimmten seltenen genetischen Veranlagung die Narkolepsie ausgelöst hat.

Internationaler Datenaustausch schärft den Blick - zumindest theoretisch

Wer äußerst seltene Nebenwirkungen finden will, benötigt möglichst viele Daten. Auf EU-Ebene arbeiten die einzelnen Zulassungsbehörden deshalb über die Europäische Arzneimittelagentur EMA zusammen, sagt Klaus Stöhr: "Dadurch, dass in Europa die nationalen Zulassungsbehörden auch verbunden sind, man hier das Arzneimittelüberwachungssystem harmonisiert hat, Daten austauscht, kann man auch sehr kleine, sehr geringe Ausbrüche sehr gut evaluieren, dann die Daten vereinigen, sodass es dann größere Datenmengen gibt, sodass man solche Ereignisse dann viel schneller erkennen kann."

Die EMA speist alle Daten in das System EUDRA ein. Das ist allerdings maximal unübersichtlich. Außerdem tauschen sie ihre Daten mit den Agenturen in Großbritannien, den USA und Kanada aus. Auch die WHO liefert Daten. Solche passiven Überwachungssysteme, wie sie das PEI einsetzt, sind nicht ganz unproblematisch, sagt Susan Ellenberg, Professorin für Biostatistik, Medizinethik und Gesundheitspolitik an der University of Pennsylvania in Philadelphia:

"Auf der einen Seite: Nur die wenigsten Nebenwirkungen werden tatsächlich gemeldet. Auf der anderen Seite werden zu viele Ereignisse gemeldet: Jemandem passiert direkt nach einer Impfung etwas Schlechtes und er denkt, es hängt damit zusammen. Dabei tut es das wahrscheinlich gar nicht. Es ist sehr kompliziert, mögliche Signale mit dieser passiven Überwachung zu finden, aber es gibt inzwischen gute Methoden, um die Nadel aus dem Heuhaufen zu ziehen."

Die Installations-Seite der SafeVac-App im Appstore ist auf einem Smartphone-Bildschirm zu sehen (www.imago-images.de/Thomas Dinges/EP_TDS)Die "SafeVac"-App des Paul-Ehrlich-Instituts fragt Nebenwirkungen nach einer Impfung ab (www.imago-images.de/Thomas Dinges/EP_TDS)

Smartphone-App "SaveVac" fragt Nebenwirkungen ab

Wenn die Statistik nicht alle Ereignisse erfasst, sind die Ergebnisse verzerrt. Darum will das PEI bei den Corona-Impfungen nicht mehr auf Meldungen von Betroffenen warten, sondern aktiv suchen. Nachfragen. Dazu setzt die Behörde auf eine neue Smartphone-App namens SafeVac, sagt Brigitte Keller-Stanislawski vom PEI: "Wir wollten eigentlich eine Echtzeitüberwachung von unerwünschten Ereignissen und wir wollten eben die Häufigkeit, den Schweregrad, die Dauer und den Ausgang der unerwünschten Ereignisse sozusagen in Echtzeit untersuchen können. Auf Bitten des Robert-Koch-Instituts haben wir auch noch Aspekte der Wirksamkeit mit aufgenommen."

Impflinge können sich die Gratis-App für iOS oder Android herunterladen, die das PEI zusammen mit dem Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig entwickelt hat. Sieben Mal nach der ersten Dosis und achtmal nach der zweiten fragt das Programm in den ersten Wochen nach den Impfungen ab, ob die Userin oder der User Beschwerden hat. Und dann noch einmal nach sechs und nach zwölf Monaten, sagt Klaus Cichutek, der PEI-Präsident: "Wir fragen hier aktiv nach, und dadurch, dass die Teilnehmer und Teilnehmerinnen diese App herunterladen, sind sie ja dann aufgefordert, die entsprechenden Befragungen zu bedienen, und im Vergleich zu dem sonstigen Verlassen auf Verdachtsfallmeldungen, die spontan bei uns eingehen."

Obwohl die meisten Impflinge momentan älter als 80 Jahre sind, werde die App gut angenommen. Knapp 50.000 Menschen speisen Daten in SafeVac ein. Der älteste Teilnehmer sei über 100 Jahre alt. "Die Größenordnung aller Teilnehmer liegt etwa bei 2 Prozent der geimpften Personen, das ist ein sehr guter Wert, und die App bietet ja die Möglichkeit, aktiv hinsichtlich möglicher Verträglichkeitsprobleme oder Vorkommniserkennung nachzufragen, aus unserer Sicht ist das ein sehr guter Erfolg."

Susan Ellenberg sieht in der App einen Fortschritt. "Ich denke, das ist hilfreich, weil es aktive Überwachung ist. Die Leute müssen also nicht selbst daran denken, irgendwo zu melden, wenn ihnen etwas zustößt. Sie brauchen nur auf Fragen zu antworten. So ein System hat noch bei keiner Impfung zuvor Anwendung gefunden. Darum wird es interessant sein zu sehen, welche Signale es aufdecken wird."

Bislang keine "unerwarteten" Todesfälle nach Coronaimpfung

Alle zwei Wochen veröffentlicht das PEI einen Sicherheitsbericht. Der aktuellste stammt vom 18. Februar 2021. Nach rund vier Millionen Impfungen hat das PEI gut 7500 Verdachtsfälle registriert, davon 1072 schwerwiegende Fälle, also auch Todesfälle. 233 Geimpfte sind Stunden oder Tage nach der Impfung gestorben. Aber, so bewerten es Brigitte Keller-Stanislawski und ihr Team, das sind nicht mehr als in so einer Zeitspanne zu erwarten wäre.

Klaus Cichutek: "Todesfälle werden nicht durch die Impfung verursacht, sondern sind bedingt dadurch, dass im Moment ältere Personen geimpft werden, das mittlere Alter der Personen, die hier natürlich verstorben sind, beträgt nach der letzten Erhebung etwa 84 Jahre, diese Personen sind an Grunderkrankungen oder natürlicherweise verstorben."

In einigen Fällen hat das PEI weitere Informationen angefordert. Es wird spannend sein zu sehen, was weitere Studien ans Licht bringen. Vom zweiten Quartal an will das PEI eine rückblickende Studie über alle Altersgruppen starten. Außerdem will es besonders Schwangere untersuchen, denn eine ganze Reihe Frauen sind bei der Impfung schwanger, ohne es zu wissen. In den USA haben die CDC Ende Januar bei knapp 22 Millionen Impfungen 15.000 Schwangerschaften registriert. Und danach? Lassen sich wirklich Langzeitfolgen finden? Vielleicht über die klinischen Studien. Schließlich begleiten sie zumindest einen Teil der Probandinnen und Probanden zwei Jahre lang. Oder die App, die nach einem Jahr nochmal bei ihren Usern nachfragt.

Es wäre aber schwierig, wirkliche Langzeitschäden von Impfungen aufzuspüren, wenn sie einigermaßen unauffällig und sehr selten wären. Je länger eine Impfung zurückliegt, desto mehr neue Ereignisse trüben das Bild. Sie kenne kein Beispiel für Impfschäden, die nach mehr als sechs bis acht Wochen aufgetreten seien, sagt Susan Ellenberg, die Statistikerin von der Pennsylvania University. "Ich bin nicht sicher, ob das möglich wäre, außer bei etwas wirklich Spektakulärem. Wenn die Leute plötzlich lila Haut mit gelben Pünktchen hätten, würde man sich sehr anstrengen, um rauszukriegen, welchen Auslöser das hatte."

Ein älterer Mann betritt die Kabine mit der Beschriftung "Beratung" im Impfzentrum Hanau (www.imago-images.de)Auch bei der Corona-Impfung gibt es noch einmal eine Aufklärung über mögliche Nebenwirkungen (www.imago-images.de)

Gefahrenabwägung zwischen Folgen von Impfung und Krankheit

Beim Impfen geht es darum, Gefahren abzuwägen. Bevor es Impfungen gab, starben noch zwei Millionen jedes Jahr weltweit an den Masern, in den 50er Jahren erlagen 4300 Menschen in Deutschland der Diphterie, allein 1952 erkrankten in der BRD 10.000 Menschen an Polio. 778 starben. All dieses Leid ist lange vergessen, weil die Impfungen so gut davor schützen. Wer sich vor der Corona-Impfung ängstigt, macht diesen Fehler: Er vergleicht die Gefahr schwerer Nebenwirkungen durch die Impfung mit der Gesundheit ohne Impfung. Und ohne Krankheit. Die - hypothetischen - Langzeitfolgen der Corona-Impfungen sind sehr selten. Wenn alle Einwohner Kölns – eine Million Menschen – geimpft wären, erlitten nach jetzigen Erkenntnissen etwa zehn von ihnen allergische Schocks. Schwerere Folgen sind nicht bekannt.

Wenn aber alle Kölner sich mit dem Sars-Coronavirus-2 infizieren, erkranken 140.000 schwer daran. 100.000 müssen im Krankenhaus behandelt werden. 1000 fiktive Kölner unter 50 Jahren sterben. Damit nicht genug: Wenn man die Zahlen der britischen Statistikbehörde auf die Kölner aus dem Beispiel anwendet, dann leiden mehr als 100.000 Covid-Patientinnen und Patienten noch mehr als drei Monate nach Ende der akuten Erkrankung weiter unter ernsthaften Gesundheitsproblemen wie Organschäden – Long Covid.

Vor diesem tausendfachen Leid schützen die Impfstoffe von Biontech, von Moderna und von AstraZeneca. Klaus Cichutek, der PEI-Präsident, fasst es so zusammen: "Wir erkennen jetzt mit der jetzt laufenden Pandemie leider nochmal wirklich am eigenen Leibe, wie schwerwiegend Verläufe von Infektionskrankheiten sein können, wir sehen auch, wie tödlich sie wirken. Und ich glaube, da wird uns nochmal bewusst, was für ein Segen Impfstoffe sind, und wir hoffen natürlich auch mit den Impfstoffen diese Pandemie bewältigen zu können."

Experten plädieren für zentrales Impfregister

Viele Experten glauben, dass wir in Deutschland noch besser aufgestellt sein könnten. Damit die Daten noch genauer werden, wünschen sie sich ein Impfregister. So wie Thomas Mertens, der Stiko-Vorsitzende. "Ich bin persönlich schon lange ein Befürworter eines Impfregisters, für mich persönlich und aus Sicht auch der Vaxinologie wäre natürlich ein Impfregister, wie es in Finnland existiert und da ja offensichtlich auch ganz gut funktioniert, wäre natürlich schon etwas, was große Vorteile bieten würde. Vor allen Dingen auch, weil es die Möglichkeit bietet, sehr viel schneller Daten zu haben. 

Mit einem Impfregister könnten Experten Nebenwirkungen noch besser analysieren, weil sie die Verbindung zu Hintergrunderkrankungen von Patienten herstellen, sagt Dr. Katharina Paul vom Institut für Soziologie der Universität Wien. Sie beschäftigt sich seit Jahren mit der Bedeutung von Impfregistern:
"Man kann leicht Daten von verschiedenen Stellen zusammenführen. Seien es jetzt Kinderärztinnen und Kinderärzte, die Nebenwirkungen beobachten, oder auch Patientinnen, Patienten selber, und man kann eben so ganz gut diese Daten zusammenführen und vergleichen. Und einerseits eben schnell und direkt beobachten, andererseits auch idealerweise langfristig Wirkungen beobachten und Wirksamkeit beobachten."

Impfbereitschaft ist eine Frage des Vertrauens

Aber das ist zumindest in Deutschland frühestens etwas für die Zeit nach Corona. Erst will die Bundesregierung eine Smartphone-App als elektronischen Impfausweis einführen, das hat sie Ende Januar beschlossen. Auch sie soll die Impfbereitschaft erhöhen. Das Vertrauen. Denn darauf läuft es immer wieder hinaus, sagt Klaus Stöhr von der Freien Universität Berlin. "Das Impfinteresse hängt davon ab, wieviel Vertrauen man in die Regierung hat."

Wird Thomas Mertens sich gegen Corona impfen lassen? "Ja, klar. Ich lasse mich impfen. Ich bin, wie Sie wissen, über 70, ich bin übergewichtig, ich bin auch sonst, wie so Siebzigjährige das halt sind, nicht topgesund, ich kann mir wahrscheinlich bis auf wenige Prozent genau ausrechnen, wie groß mein Risiko bei Infektionen ist, schwer zu erkranken oder auch zu versterben."

Und Edda Grabar? "Also ich würde mich impfen lassen, und ich stehe dem auch nicht wirklich skeptisch gegenüber. Alles, was bislang an Daten da ist, muss man ja sagen: Es ist definitiv weniger gefährlich als am Coronavirus zu erkranken."

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