Dienstag, 05. März 2024

Studie von Greenpeace
Wie der Welt-Skiverband FIS seinen CO2-Fußabdruck kleinrechnet

Der Weltskiverband FIS behauptet seit zwei Jahren, „klimapositiv“ zu sein. Experten kritisieren diese Bezeichnung als unseriös. Jetzt zeigt eine neue Studie von Greenpeace: Die FIS hat ihren CO2-Fußabdruck kleingerechnet.

Von Maximilian Rieger | 23.05.2023
Polish Ski Stations Waiting For Snow And Tourists A single skier climbs an empty slope at the Jaworzyna Krynicka ski station in Krynica-Zdroj. Towns and villages in the Western Beskids as well as ski stations are waiting for snowfall and tourists before the upcoming winter holidays, because the weather is exceptionally mild. On Thursday, January 12, 2023, in Krynica-Zdroj, Nowy Sacz County, Lesser Poland Voivodeship, Poland. Krynica-Zdroj Poland PUBLICATIONxNOTxINxFRA Copyright: xArturxWidakx originalFilename: widak-polishsk230112_npBZC.jpg
Die FIS hat eineinhalb Jahre lang keine Berechnung vorgelegt, wie sie auf den Status "klimapositiv" kommen. (IMAGO / NurPhoto / IMAGO / Artur Widak)
„FIS feiert die zweite Saison als klimapositiver Sport“. So lautet im November 2022 die Überschrift einer Pressemitteilung. Darin schreibt der Welt-Skiverband, dass er in Peru ein Projekt unterstützt, um Regenwald zu erhalten. Dadurch werde mehr CO2 aus der Luft gefiltert, als die FIS durch ihre weltweiten Aktivitäten verursache, so der Verband. Eine neue Studie von Greenpeace zeigt aber, dass der CO2-Fußabdruck der FIS deutlich größer ist, als der Verband selbst angibt.
Wie viel CO2 stößt die FIS laut eigenen Angaben aus?
Was ist die Kritik am CO2-Fußabdruck der FIS?
Wie genau hat die FIS ihren CO2-Fußabdruck kleingerechnet?
Welche Maßnahmen sollte die FIS aus Sicht der Kritiker ergreifen?

Wie viel CO2 stößt die FIS laut eigenen Angaben aus?

Obwohl die FIS seit Oktober 2021 behauptet, „klimapositiv“ zu sein, hat der Verband eineinhalb Jahre lang keine Berechnung vorgelegt, wie viele klimaschädliche CO2-Emissionen durch FIS-Aktivitäten entstehen.
Erst nachdem hunderte Athletinnen und Athleten in einem offenen Brief mehr Transparenz gefordert haben, veröffentlicht die FIS im März 2023 eine Zusammenfassung der Berechnungen – allerdings fehlen in der online-gestellten Fassung mehrere Seiten.

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Der CO2-Fußabdruck soll knapp 58.000 Tonnen CO2 betragen, so viel wie rund 5400 Deutsche durchschnittlich pro Jahr verursachen.
Fast die Hälfte dieser Emissionen sollen durch die Reisen der Teilnehmer an den Wettkämpfen entstehen. 39% der Emissionen sollen durch die An- und Abreise der Fans entstehen. Dieser Anteil liegt bei vielen anderen Sportarten, zum Beispiel in der Fußball-Bundesliga, höher.
Den größten Anteil der Emissionen entstehen durch Ski-Alpin-Events, gefolgt von Skisprung-Wettkämpfen.

Was ist die Kritik am CO2-Fußabdruck der FIS?

„Wir konnten in vielerlei Hinsicht nicht nachvollziehen, wie diese Daten zustande gekommen sind und wie die FIS hier auf die angegebenen CO2-Emissionen kommt“, kritisiert Ursula Bittner von Greenpeace Österreich. Der Naturschutzbund hat zusammen mit der Agentur „Mission Zero – Klimapartner“ selbst nachgerechnet.
Für die Berechnung wurde das Analysetool der FIS nachgebaut und mit öffentlichen Daten wie den Zuschauerzahlen gefüttert.
Die FIS behauptet zum Beispiel, dass alle Ski-Alpin-Events insgesamt knapp 13.000 Tonnen CO2 verursachen. Die Berechnung von Greenpeace kommt aber zu dem Schluss, dass alleine die vier großen Ski-Alpin Weltcups in Kitzbühl, Schladming, Adelboden und Sölden fast 11.000 Tonnen CO2 verursachen.
Dass die restlichen Weltcups und die hunderten kleineren Wettbewerbe nur rund 2.000 Tonnen CO2 verursachen, hält Greenpeace für nicht plausibel. Bittner kommt daher zu dem Schluss, dass die FIS ihren CO2-Fußabdruck massiv kleingerechnet hat.

Wie genau hat die FIS ihren CO2-Fußabdruck kleingerechnet?

Zum einen fehlen in der Zusammenfassung viele Angaben, die eigentlich zu einer kompletten CO2-Bilanz dazugehören, zum Beispiel die Übernachtung und das Essen der Athletinnen und Athleten, der Abfall und der Energiebedarf für die Präparierung der Pisten.
Die schwerwiegendsten Mängel gibt es aber bei der Berechnung der CO2-Emissionen, die durch die Reiseaktivität rund um die Ski-Events entstehen.
Greenpeace geht anhand der Zuschauerzahlen und der Gespräche mit den Veranstaltern davon aus, dass viele Fans weitere Strecken zurücklegen, als die FIS das annimmt.
Aber auch die Emissionen, die durch die Reisen der Wettkampf-Teilnehmer verursacht werden, rechnet die FIS klein. Denn der Verband nimmt an, dass die Athletinnen und Athleten zu Wettkämpfen in ganz Europa nie das Flugzeug nutzen.
„Das entspricht einfach nicht der Wahrheit“, sagt dazu Stefan Schwarzbach vom DSV.
Er geht davon aus, dass rund 30% der Reisen innerhalb Europas per Flugzeug absolviert werden. Dazu passt, dass die FIS in diversen Einladungen zu Wettkämpfen in Norwegen, Finnland oder Russland auf Charterflüge hinweist, die teilweise sogar über das Reisebüro des Weltverbandes gebucht wurden.
Auf dem Youtube-Kanal der FIS gibt es zudem ein Video, in dem zu sehen ist, wie im Oktober 2021 ein Teil des Skisprung-Trosses von München ins russische Jekatarinburg fliegt.

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Auf Nachfrage, wie das zu den Aussagen in der CO2-Bilanz passt, antwortete die FIS wie auf alle weiteren Fragen nicht.

Welche Maßnahmen sollte die FIS aus Sicht der Kritiker ergreifen?

Greenpeace fordert genauso wie auch der DSV und die Unterzeichner des offenen Briefes, dass der Weltcup-Kalender angepasst wird. Gerade die Ski-Alpin-Saison solle später beginnen und es sollte nur einmal von Europa nach Nordamerika geflogen werden – in der vergangenen Saison sind die Männer zweimal über den Atlantik geflogen.
„Das ist unsere Achillesferse“, so DSV-Vorstand Schwarzbach. „Und dazu müssen wir stehen und das müssen wir in der nächsten Zeit angehen und versuchen, das so zu lösen, dass das im Gesamtkonzept umsetzbar und tragbar ist.“
Außerdem fordert Bittner, dass die FIS einen „plausiblen und transparenten Klimabericht“ vorlegt. Der Verband sollte zudem aufhören, mit dem Begriff „klimapositiv“ zu werben. „Das ist sehr gefährlich, weil dadurch den Verbraucherinnen und Zuschauern vermittelt wird, dass alles unter Kontrolle ist und etwas gegen die Klimakrise unternommen wird“, so Bittner. „De facto wird aber nichts gemacht. Und das ist ganz grundsätzlich die Gefahr bei Greenwashing.“
Die FIS hat aber wahrscheinlich andere Pläne: Präsident Johann Eliasch hat in der Vergangenheit immer wieder angekündigt: Er will neue Märkte außerhalb Europas erobern.