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StartseiteInformationen am MorgenVon Amtsmüdigkeit keine Spur 18.09.2017

Wolfgang Schäuble wird 75 Von Amtsmüdigkeit keine Spur

Mal spöttisch, mal witzig oder einfach nur knallhart: Wolfgang Schäuble hat die deutsche Politik der vergangenen Jahrzehnte geprägt. Als CDU-Finanzminister legte er drei Jahre hintereinander einen ausgeglichenen Haushalt vor. Die Schwarze Null ist das Markenzeichen des gebürtigen Freiburgers. Heute feiert er seinen 75. Geburtstag.

Von Theo Geers

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) spricht nach einem Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs in Washington.  (AFP / SAUL LOEB)
Niemand zweifelt daran, dass Schäuble in seinem Wahlkreis Offenburg am Fuße des Schwarzwaldes am kommenden Sonntag wieder gewinnen wird (AFP / SAUL LOEB)

Amtsmüde ist er nicht. Wolfgang Schäuble genießt es vielmehr, als Politiker längst in einer eigenen Liga zu spielen. Überall hat sein Wort Gewicht, in Berlin als oberster Kassenwart der Nation, in Brüssel oder beim IWF in Washington als dienstältester Finanzminister der Eurozone, aber auch als Mahner, der mit sorgsam ausgewählten Formulierungen arbeitet:

"Eine Lawine kann man auslösen, wenn irgendein etwas unvorsichtiger Skifahrer oben in den Hang geht und ein bisschen Schnee in Bewegung setzt."

Mit diesen Worten über die deutsche Flüchtlingspolitik trat Wolfgang Schäuble 2015 selbst eine Lawine los, jeder wusste sofort, was und wer gemeint war – die mögliche Unbeherrschbarkeit der Flüchtlingspolitik von Angela Merkel. Es ist schwer vorstellbar, dass ein anderes Kabinettsmitglied sich so etwas gegenüber seiner Kabinettschefin hätte erlauben können. Heute wird Wolfgang Schäuble 75 Jahre alt, 45 davon ist er Berufspolitiker - und die Leidenschaft für Politik brennt in ihm bis heute:

"Politik fasziniert mich und auch wenn ich nicht mehr Mitglied des Bundestages und der Bundesregering bin, wird mich Politik, solange ich noch leben darf und mein Verstand klar bleibt, interessieren - und deswegen mache ich es gern."

Schäuble braucht die Politik und die Union braucht ihn

Seit 1972 gehört der gebürtige Freiburger dem Bundestag an. Niemand zweifelt daran, dass Schäuble in seinem Wahlkreis Offenburg am Fuße des Schwarzwaldes am kommenden Sonntag wieder gewinnen wird. Zum 13. Mal in Folge. Und sollte man ihn danach rufen, wieder Finanzminister zu werden, dürfte es ihm, dem protestantischen Pflichtmenschen, schwerfallen, Nein zu sagen. Denn Wolfgang Schäuble braucht die Politik, und dort, in der Politik, vor allem in der Union, braucht man auch ihn – als Garanten dafür, dass in turbulenten Zeiten zumindest beim Geld Verlässlichkeit herrscht.

"Eine nachhaltige verlässliche berechenbare Finanzpolitik, die Wort hält, ist ein Anker für Vertrauen. Und Vertrauen ist in einer Zeit, in der die wirtschaftliche Lage hochfragil und nervös ist, ein ganz wichtiges Kapital für nachhaltige, stabile wirtschaftliche Entwicklung."

Drei Jahre hintereinander ausgeglichener Haushalt

So lautet Schäubles Credo. Drei Jahre hintereinander - 2014, '15 und '16 – hat er einen ausgeglichenen Haushalt vorgelegt. Und wahrscheinlich kommt 2017 eine vierte schwarze Null dazu. Sie ist das Markenzeichen des Wolfgang Schäuble, der in seiner langen Politiker-Karriere kaum ein wichtiges Amt nicht bekleidet hat. Fraktionsgeschäftsführer und Fraktionschef der Union, Chef des Kanzleramtes, zweimal Innenminister und zwischendurch auch mal CDU-Vorsitzender, ein Politikerleben mit Höhen und Tiefen. Schäuble hat nach dem Fall der Mauer den Einigungsvertrag ausgehandelt, er hat entscheidend dafür gesorgt, dass Berlin wieder Hauptstadt wurde – mit einer legendären Rede am 20. Juni 1991.

"Ich glaube, in den 40 Jahren, in denen wir geteilt waren, hätten die allermeisten von uns auf die Frage, wo denn Parlament und Regierung sitzen werden, wenn wir die Wiedervereinigung haben, die Frage nicht verstanden und gesagt: selbstverständlich in Berlin."

Eine Frage der Gesundheit

Große Themen reizen den gelernten Juristen Wolfgang Schäuble. Die deutsche Einheit, die Zukunft Europas, die Lösung der Euro-Krise – und Wolfgang Schäuble im Zentrum des Geschehens - mit messerscharfem Verstand, mal spöttisch, mal witzig, mal rechthaberisch oder einfach nur knallhart ...

"Am 28. um 24 Uhr isch over!"

Gemeint war hier der 28. Februar 2015. Die Drohung – auf einem der vielen Krisentreffen zur Griechenlandkrise in Richtung Athen ausgesprochen – wirkte auch damals. Diesen Einfluss – daran zweifelt niemand in Berlin – möchte Schäuble weiter haben. Es warten der Umbau der Eurozone, aber auch eine prall gefüllte Staatskasse, aus der viel Geld verteilt, aber auch versagt werden kann. Bremsen kann Schäuble deshalb nur eine Frage: Wie lange spielt seine Gesundheit noch mit? Die nächsten Wochen jedenfalls macht Wolfgang Schäuble erst einmal weiter – für Mitte Oktober sind die Flüge nach Washington zur Herbsttagung des IWF schon gebucht.

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