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StartseiteComputer und KommunikationWie der digitale Corona-Immunitätsnachweis funktionieren soll24.04.2021

Zertifikat für Geimpfte und GeneseneWie der digitale Corona-Immunitätsnachweis funktionieren soll

Am Grenzübergang, beim Shoppen oder an der Theaterkasse könnte ein digitaler Corona-Immunitätsnachweis Geimpften und Genesenen in Deutschland bald Vorteile bringen. Experten loben die digitale Lösung, die auf einem Open-Source-Ansatz beruht und den Schutz personenbezogener Daten gewährleistet.

Von Jan Rähm

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Digitaler Impfpass, entwickelt von den Firmen IBM und Urbich (picture alliance / Flashpic / Jens Krick)
Der deutsche digitale Immunitätsnachweis wird von einem Konsortium aus den Firmen IBM, Ubirch, Govdigital und Bechtle als Open-Source-Projekt entwickelt (picture alliance / Flashpic / Jens Krick)
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Was soll der digitale Impfnachweis können?

Der Impfnachweis soll vor allem nachvollziehbar zeigen, dass eine Person geimpft ist und dabei fälschungssicher sein. Auch an Corona Genesene sollen sich mit diesem Nachweis ausweisen können, deshalb wird er auch als Immunitätsnachweis bezeichnet.

Im Gegensatz zum analogen gelben Impfpass oder Impfbuch dient der geplante digitale Impfnachweis ausschließlich dem Nachweis der Corona-Impfung beziehungsweise der überstandenen Erkrankung. Im Impfbuch werden dagegen alle Impfungen einer Person aufgeführt. Ab 2022 soll der jetzt im Aufbau befindliche digitale Impfnachweis im Rahmen der Fortentwicklung der elektronischen Gesundheitskarte in den digitalen Impfpass bezieungsweise die elektronische Gesundheitsakte übernommen werden, heißt es aus dem Bundesgesundheitsministerium. 

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Ab wann soll der Corona-Immunitätsnachweis verfügbar sein?

Nach derzeitigem Stand soll der digitale Nachweis in Deutschland zu Beginn der zweiten Jahreshälfte 2021 startklar sein. Auch das auf EU-Ebene geplante sogenannte Grüne Zertifikat ist für Sommer geplant. Beide sollen interoperabel werden.

Worin unterscheidet sich der deutsche vom EU-Impfpass?

Der geplante EU-Impfpass, das sogenannte "Grüne Zertifikat", und die deutsche Lösung unterscheiden sich voneinander. Das "Grüne Zertifikat" soll unter anderem anzeigen, ob jemand vollständig gegen das Coronavirus geimpft ist und mit welchem Wirkstoff er geimpft wurde. Es soll Aufschluss darüber geben können, ob jemand negativ getestet wurde oder bereits eine Covid-19-Erkrankung überstanden hat. Über einen Barcode sollen diese Informationen fälschungssicher abgerufen werden können. Das Dokument soll in der jeweiligen Landessprache und auf Englisch ausgestellt werden.

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Der deutsche digitale Impfnachweis orientiert sich am Konzept des europäischen Ansatzes. Die deutsche Lösung wird mit der europäischen kompatibel und interoperabel sein. Die Zertifikate werden auch in den europäischen Nachbarländern geprüft werden können und vice versa.

Wie soll der digitale Immunitätsnachweis technisch funktionieren?

Der Impfnachweis soll technisch auf Basis einer sogenannten Public Key Infrastruktur, kurz PKI, aufgebaut werden. Der zunächst vorgesehene Einsatz der Blockchain-Technologie wurde wieder verworfen.

Bei der PKI werden die Daten der Geimpften als ein Datensatz verschlüsselt und mit einem geheimen Schlüssel signiert. Zu den Daten gehören etwa Informationen zum Ort der Impfung und des verwendeten Vakzins. Der Datensatz soll dann über ein zusätzliches Modul in der Corona-Warn-App und in anderen Anwendungen als "Digitales" Grünes Zertifikat" angezeigt werden. Mit dem zugehörigen öffentlichen Schlüssel, der ungeschützt verbreitet werden kann, wird der Datensatz überprüfbar, etwa an einem Grenzübergang, beim Shoppen oder an der Theaterkasse. Die freie Prüfbarkeit hatte der Chaos Computer Club (CCC) gefordert. Die Prüfung soll grundsätzlich offline erfolgen können, so die Pläne. Zudem soll es auch den analogen Impfnachweis auf Papier weiterhin geben.

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CCC-Sprecher Matthias Marx forderte darüber hinaus auch eine dezentrale IT-Architektur, damit die Erstellung von Bewegungsprofilen oder Besuchsprotokollen erschwert wird. Diese Anforderung soll mit dem digitalen Impfausweis ebenfalls erfüllt werden. In einer Mitteilung aus dem Bundestags-Ausschuss "Digitale Agenda" heißt es, die Lösung beruhe auf einem Open-Source-Ansatz und es entstehe keine Datenbank mit personenbezogenen Daten.

Damit zeigte sich etwa Anke Domscheit-Berg, netzpolitische Sprecherin der Bundestags-Fraktion Die Linke, zufrieden: "Wir werden also diesen digitalen Impfnachweis nur auf unserem eigenen Handy haben und es wird keine große Datenbank geben, weder auf europäischer noch auf nationaler Ebene, wo unser aller Nachweise auf einen Haufen gelegt sind. Also das wird es nicht geben."

Die Politikerin Domscheit-Berg und Computer-Club-Sprecher Matthias Marx warnen aber vor dem Glauben, "dass irgendeine App uns aus der Pandemie rausbringt." Digitale Lösungen könnten kleine Beiträge leisten, das gelte auch für die "aktuell hochgehypte Luca App", so Marx. Es dürfe aber nicht davon ablenken, dass es zur Bekämpfung der Pandemie große Maßnahmen brauche. Nicht der Impfpass helfe uns zurück in ein normales Leben, sondern die Impfung, betont Marx.

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Wie fälschungssicher ist der digitale Impfpass?

Es besteht die Gefahr, dass digitale Impfnachweise gefälscht werden, weil die Zertifikatsinfrastruktur angreifbar ist. Denn die streng zu schützenden geheimen Schlüssel, mit denen der Impfnachweis beglaubigt wird, können entwendet werden und in falsche Hände gelangen oder auch gehackt werden. Hier verweisen Experten darauf, dass vor allem in den Arztpraxen eine zum Teil haarsträubend geringe Absicherung der IT-Infrastruktur zu finden sei. 

Im Vergleich zu analogen Impfnachweisen, von denen ein paar Dutzend gefälscht würden, etwa mit geklauten Aufklebern von Impfchargen, ist es möglich, mit den entwendeten Schlüsseln in kürzester Zeit Tausende gefälschte digitale Nachweise zu erzeugen. Die Schlüssel können bei der PKI-basierten Lösung jedoch zurückgerufen werden – ein großer Vorteil, weil zertifizierte Nachweise beim Update der öffentlichen Schlüssel ungültig werden.

Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)Übersicht zum Thema Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)

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