Montag, 26. September 2022

75 Jahre CIA
US-Auslandsgeheimdienst als Waffe gegen den Kommunismus gegründet

US-Präsident Harry Truman gründete 1947 die CIA. Dessen Agenten beteiligen sich bis in die 90er-Jahre oft brutal am Sturz moskaufreundlicher Regierungen. Dann wurde der islamistische Terror zum Gegner. Und noch heute foltert die CIA außerhalb der USA.

Von Almut Finck | 18.09.2022

 Die Flagge der CIA gemalt auf eine rissige Wand
Das Bild der CIA ist nach 75 Jahren nicht frei von Rissen (picture alliance / Zoonar / daniel0Z)
„Good evening, my fellow citizens“: Oktober 1962, während der Kubakrise, als die Welt am Rand eines Atomkriegs steht, hält John F. Kennedy eine Rede. Und sagt einen erstaunlichen Satz.
"Die Geschichte zeigt, dass die USA, anders als die Sowjetunion, nicht danach streben, irgendein anderes Land zu erobern oder dessen Bevölkerung unser System aufzuzwingen.“

Die Mission der CIA

Hat der US-Präsident das wirklich geglaubt? „Jein. Ernsthaft hat er es nicht geglaubt“, meint der Amerikanist Andreas Etges. „Aber das amerikanische Selbstverständnis ist: Wenn wir das machen, wir machen das natürlich immer zum Guten.“

Der nationale Sicherheitsakt NSA

15 Jahre zuvor. Am 18. September 1947 tritt der von Harry S. Truman auf den Weg gebrachte nationale Sicherheitsakt NSA in Kraft. Es ist die Geburtsstunde des Auslandsgeheimdienstes CIA, der Central Intelligence Agency. Und, so der Historiker Bernd Stöver von der Universität Potsdam, der Beginn des Kalten Kriegs: „Im Zentrum stehen immer die Sowjets. Im Zentrum steht der sowjetische Block.“

Italien als "Gründungsmythos der CIA"

Die CIA soll verhindern, dass sich der "rote Bazillus" nach Westen ausbreitet. Nach Italien womöglich: „Italien ist der Gründungsmythos der CIA“, sagt Bernd Stöver - 1947 finden dort Parlamentswahlen statt.
„Es wurde sehr erfolgreich versucht, die Christdemokraten gegen die Kommunisten zu unterstützen, mit viel Geld, das im Übrigen aus den beschlagnahmten Guthaben des Deutschen Reiches geschöpft wurde.“

Antikommunistische Propagandafilme

Die Methoden sind simpel, aber effektiv. Flugblätter verteilen. Antikommunistische Propagandafilme zeigen, so Bernd Stöver: „Bis in den letzten Winkel Italiens sind Lastwagen mit Filmmaterial dann gefahren.“
Die Christdemokraten werden tatsächlich stärkste Partei, Und, so Bernd Stöver, „am Ende sind sie’s auch über Jahrzehnte geblieben.“

Der Fall Iran

Teheran 1953. Im Schulterschluss mit dem britischen MI6 bringt die CIA die parlamentarisch legitimierte, moskaufreundliche Regierung von Premier Mossadegh zu Fall. Dazu Bernd Stöver:
„Die Absetzung im Iran hat damit zu tun, dass die Amerikaner befürchteten, dass die Ölquellen in falsche Hände geraten. Und schließlich die Sowjets darauf sitzen.“

Exekution Patrice Lumumbas

Kongo 1960. Eisenhower gibt Order, den Sozialisten Lumumba zu töten. Mithilfe der CIA gelangt Joseph-Désiré Mobuto an die Macht. Er wird 30 Jahre lang herrschen, als einer der weltweit brutalsten Diktatoren und enger Verbündeter der USA.
Kongo, Iran. Indonesien unter Sukarno. Chile unter Allende. Nicaragua unter den Sandinistas. Fast überall auf dem Globus führt die CIA ihre geheimen Kriege. Folter habe schon früh zum Werkzeug der Agenten gezählt, sagt Bernd Stöver.

Folter nach Vorschrift

„Es gibt in den 50er-Jahren das Kubark, das CIA interrogation handbook, wo eben verschärfte Befragungen, also Folter, dann auch beschrieben wird und was man anwenden muss.“
Die CIA gibt ihr Wissen gern weiter. In Montevideo hilft sie der uruguayischen Polizei in den 60er-Jahren bei der Verfeinerung von Foltertechniken. Im Iran baut sie die SAVAK auf, den berüchtigten Geheimdienst, dank dessen sich der Schah ein Vierteljahrhundert lang auf dem Pfauenthron halten kann. Doch Dann zerbricht in den 90er-Jahren das Sowjetreich. Und nun, so Bernd Stöver:
„Mit dem Ende des Kalten Krieges fällt die CIA natürlich in ein tiefes Loch. Da kommt der islamistische Terrorismus gerade recht, das ist der neue Gegner.“

Geheimgefängnisse jenseits der USA

Ihre „verschärften Befragungen“ führt die CIA heute außerhalb des eigenen Territoriums durch, in geheimen Gefängnissen, sogenannten Black Sites, und in Ländern, wo Folter und Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung seien, sagt Bernd Stöver: „Also Syrien beispielsweise, Thailand, auf Schiffen, in internationalen Gewässern.“
Ihre Bodentruppen haben die Amerikaner aus Afghanistan oder Irak abgezogen. Doch der Krieg gegen den Terror geht weiter, dank CIA und unter Einsatz modernster Technik, sagt Andreas Etges:
„Indem ein Präsident in den USA die Todesstrafe qua Drohne verhängen kann, sogar in Ausnahmefällen gegen amerikanische Staatsbürger. Die USA bewegen sich immer noch in vielen Punkten mit der CIA und ähnlichen Dingen in einer rechtlichen Grauzone, und das ist schon vorsichtig ausgedrückt.“