Best of Sportgespräche 2021Corona und andere Krisen

Große Sportereignisse, Krisen bei Verbänden und vor allem die Corona-Pandemie haben das Sportjahr 2021 geprägt. Sportfunktionäre, Athleten, Politiker und Experten haben dazu in den Dlf Sportgesprächen ihre Eindrücke geschildert. Ein Rückblick auf besondere Momente.

Von Jonas Reese | 26.12.2021

Auch 2021 stand im Sport ganz im Zeichen der Corona-Pandemie
Auch 2021 stand im Sport ganz im Zeichen der Corona-Pandemie (imago images/Jan Huebner)
Wenn man zurückblickt auf das Sportjahr 2021, dann wird eines schnell deutlich: Dieses Jahr hat so angefangen, wie es aufhört - und zwar mit einer Corona-Welle. Auch das ausgehende Jahr begann mit hohen Infektionszahlen, mit Debatten über Lockdown und Hygiene-Konzepte - und mit Diskussionen darüber, ob mitten in einer solchen Welle Sportveranstaltungen stattfinden dürfen.
Handball-Nationalspieler Philipp Weber
Philipp Weber im Trikot der deutschen Handball-Nationalmannschaft (imago images / foto2press)
Das erste große Sportereignis 2021 war die Handball-WM in Ägypten. Erst kurz vor Beginn hatten die Veranstalter entschieden, das Turnier ohne Zuschauer abzuhalten. Das lange Zögern hatte zuvor auch Handball-Nationalspieler Philipp Weber ganz schön geärgert. Von Seiten des Weltverbandes habe man die Veranstalter gebeten, sich das genau zu überlegen, sagte Weber im Sportgespräch am 10. Januar.
Die Spieler hätten diese Entscheidung als fahrlässig empfunden. "Da bin ich auch froh, dass wir Sportler alle die gleiche Sprache sprechen und das wirklich hinterfragen". Viele Spieler der deutschen Mannschaft waren allerdings gar nicht erst angereist. Die deutsche Handball-Nationalmannschaft belegte dann einen etwas mageren 12. Platz. Selbst ohne Zuschauer gab es dann doch einen Covid-Eklat. Wegen zu vielen positiven Corona-Fällen in der Mannschaft der Kapverden musste das Vorrundenspiel abgesagt werden.

Die Frage 2021: Darf der Profi-Sport weitermachen?

So ging es wochenlang hin und her in der Frage: Darf der Profi-Sport weitermachen, während viele andere Bereiche lahmgelegt sind und auch während der Amateur-Betrieb pausiert? In der ersten Welle musste selbst der Profi-Fußball pausieren - zumindest zwischenzeitlich. Solange, bis ein ordentliches Hygiene-Konzept erstellt worden war. Dafür verantwortlich war der Teamarzt des Deutschen Fußball Bundes, Tim Meyer.
Er hat maßgeblich an diesem Konzept mitgewirkt und damit schließlich bewirkt, dass der Profi-Fußball in Deutschland als erster wieder seinen Spielbetrieb aufnehmen durfte. Meyer sagte dazu im Sportgespräch am 17. Januar, dass der Fußball genau wie andere Branchen das Bestreben habe, weiterzumachen. „Dass ein Aspekt wie Neid immer aufkommen kann, wenn es um Menschen geht, die viel Geld verdienen, ist ganz klar“, meinte der DFB-Arzt.
DFB-Chefmediziner Tim Meyer
DFB-Chefmediziner Tim Meyer (picture alliance/dpa | Oliver Dietze)

Auch das beste Hygienekonzept bietet keinen kompletten Schutz

Aber auch das beste Hygiene-Konzept kann keinen kompletten Schutz liefern. Das konnte man 2021 auch in der nordamerikanischen Basketball Profiliga NBA sehen. Trotz strenger Hygiene-Maßnahmen hatte sich Basketballer Maximilian Kleber bei den Dallas Mavericks mit Corona infiziert. Im Sportgespräch am 21. März berichtete er darüber. „Eine nervige Situation“, sagte er.

Die ersten Wochen waren wirklich schwer. Ich hatte das Gefühl, dass ich keine Beine hatte. Ich war langsam, keine Kondition.

Immer wieder hatten Teams Spieler wegen Corona-Infektionen gefehlt. Die NBA hatte dennoch den Spielbetrieb aufrechterhalten. Von Chancengleichheit könne man da nicht mehr sprechen, sagte Kleber. „Es ist einfach das, womit man in diesem Jahr rechnen musste und jedes Team wusste das auch.“
Der deutsche Basketball-Nationalspieler und NBA-Profi Maximilian Kleber.
Der deutsche Basketball-Nationalspieler und NBA-Profi Maximilian Kleber. (dpa / picture alliance / Swen Pförtner)
Komplizierter klang es bei der Triathletin Katharina Blach. Sie war im Sommer 2020 an Covid erkrankt und hatte lange damit zu kämpfen. Und zwar so schlimm, dass sie sogar zeitweise auf einen Rollator angewiesen war. Über Long-Covid im Sport sprach sie gemeinsam mit dem Sportmediziner Wilhelm Bloch Mitte April im Sportgespräch.
„Das große Problem bei mir war das Nervensystem und ist es auch immer noch. Meine Hände und Füße sind dann wie eingeschlafen. Ich spüre sie dann nicht richtig“, sagte sie am 11. April. Zwar sei das Immunsystem vieler Sportlerinnen und Sportler gestärkt, aber auch sie seien nicht davor gefeit, so Sportmediziner Wilhelm Bloch.
Trotz Pandemie war dieses Sportjahr 2021 auch ein Jahr der Großereignisse und der Riesenevents. Mit einem Jahr Verspätung fanden die Olympischen Spiele in Tokio und die Fußball-Europameisterschaft statt. Muss das sein in der Pandemie?, fragten sich da viele.

Prägende Szene bei der EM

Im Nachhinein wurde klar: Die EM-Finalrunde in London war ein Superspreading-Event. Trotz Ausbreitung der Delta-Variante war das Wembley-Stadion gut gefüllt. Das Ergebnis: 3.000 Neuinfektionen.
Italien wurde Europameister. Die eindrucksvollste Szene gehörte aber den Dänen. Nach dem dramatischen Zusammenbruch von Kapitän Christian Eriksen zeigte sich die ganze Welt solidarisch. Auch für den deutschen EM-Botschafter und Fußball-Weltmeister Philipp Lahm war das die prägende Szene und ein Beispiel dafür, dass der Fußball noch positive Werte vermitteln kann. "Gott sei Dank ist es gut ausgegangen und die Solidarität die sich in Europa in der Fußballwelt gebündelt hat, die war sehr beeindruckend."
Aber auch Themen wie die Black-Lives-Matter-Bewegung hätten die EM geprägt, findet Lahm. „Ich finde, hier zeigt der Fußball, er hat eben eine Verantwortung und eine gesellschaftliche Verantwortung. Wir stehen hier in in Deutschland eben für Vielfalt, und das hat mir das Turnier gezeigt, dass es möglich ist, solche wichtigen gesellschaftliche Themen öffentlich zu machen und zu diskutieren in der Öffentlichkeit."
Der ehemalige Fußball-Nationalspieler Philipp Lahm
Philipp Lahm, Geschäftsführer der DFB EURO GmbH (picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Sebastian Willnow)

"Die organisatorischen Fähigkeiten in Japan sind bemerkenswert"

Die Olympischen Spiele in Tokio waren das nächste sportliche Großereignis im Sommer - wenn auch ohne Zuschauer und mit einem Jahr Verspätung. IOC-Mitglied Richard Pound zog im Deutschlandfunk Bilanz – und bezeichnete Olympia 2021 als ein japanisches Wunder. Die Olympischen Spiele seien trotz der Pandemie ein „absolut fesselnder Wettbewerb“ gewesen, sagte er am 8. August. Dass russische Athleten trotz Staatsdopings antreten durften, bezeichnete er jedoch als „verpasste Gelegenheit“.
IOC-Mitglied Richard Pound
IOC-Mitglied Richard Pound (dpa / picture alliance / Sven Hoppe)
Im nächsten Jahr finden die Winterspiele in Peking statt. Zum ersten Mal richtet eine Stadt nach der Sommer- auch die Winterausgabe aus. Momentan sorgt aber eher der Umgang Chinas mit den Uiguren und die Missachtung von Menschenrechten für Diskussion - und auch für einige Boykott-Ankündigungen. Wolfgang Ischinger, ehemaliger Botschafter in London und Washington, sprach sich schon im Juli 2021 für einen Boykott der Bundesregierung aus.

Wenn ich beim Auswärtigen Amt noch in Amt und Würden wäre, würde ich meinem Minister oder Bundeskanzler raten: Fahren Sie da am liebsten nicht hin!

Ischinger äußerte aber auch Zweifel daran, wie viel Eindruck ein Boykott auf das chinesische Regime machen würde. Maximilian Klein, der bei der Athletenvertretung „Athleten Deutschland“ der Beauftragte für internationale Sportpolitik ist, sagte dazu, dass auch die Sportler im Zwiespalt seien, einerseits nicht mit Menschenrechtsverletzungen in Verbindung gebracht werden zu wollen, und andererseits jahrelang auf Olympia hin trainiert zu haben.
Wolfgang Ischinger, Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz
Wolfgang Ischinger, Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz (picture alliance/dpa/Kay Nietfeld)
Befeuert wurde diese Diskussion auch vom Fall der chinesischen Tennisspielerin Peng Shuai. Die verschwand auf mysteriöse Weise für eine Zeit, nachdem Sie einem chinesischen Politiker sexuellen Missbrauch vorgeworfen hatte. Der neue Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Thomas Weikert, reist dennoch mit einem guten Gefühl nach Peking.
Kurz nach seiner Wahl sagte er am 5. Dezember im Sportgespräch, nach seinen Informationen würde alles getan, dass die sportlichen Bedingungen dort gut seien. "Alles andere muss jetzt erst einmal die Politik machen." Athletinnen und Athleten könnten sich jedoch zur Situation äußern, wenn sie das wünschen.
DOSB-Präsident Thomas Weikert
DOSB-Präsident Thomas Weikert (picture alliance / Jonas Güttler/dpa)

Krisen beim DFB und DOSB

Mit dem Wechsel von Weikert an die Spitze des DOSB endet auch ein turbulentes Jahr für den Verband. Vorgänger Alfons Hörmann wurde aus der Belegschaft vorgeworfen, eine „Kultur der Angst“ gefördert zu haben. Er musste seinen Chefposten räumen.
Der Kulturwissenschaftler und Literaturkritiker Klaus Zeyringer sieht dabei generelle Probleme bei den Sportverbänden. Die Struktur der reichen Sportdachverbände führe zu derlei Problemen. Auch beim Deutschen Fußball Bund kam es 2021 zu einem Skandal in der Führungsriege. DFB-Chef Fritz Keller hatte Vize Rainer Koch mit dem NS-Richter Roland Freisler verglichen. Er musste daraufhin zurücktreten, weil die Landes- und Regionalverbände dies gefordert hatten.
Hier haben wir nur einige der Gesprächspartner und Themen des „Best of“ zusammengefasst. Die ganze Sendung gibt es im Audio.