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StartseiteThemaAktuelle Zahlen und Entwicklungen09.07.2020

CoronavirusAktuelle Zahlen und Entwicklungen

Im Coronavirus-Zeitalter sind wir alle zahlensüchtig: Wie viele gemeldete Coronavirusfälle gibt es in Deutschland? Verlangsamt sich die Ausbreitung des Virus, wie entwickeln sich die Fallzahlen international? Wie die Zahlen zu bewerten sind – ein Überblick.

Von Volkart Wildermuth

Grafik: Die Entwicklung in Deutschland – eine Chronik (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)
Die Entwicklung in Deutschland – eine Chronik (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)
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Dieser Beitrag wird jeden Donnerstag aktualisiert.
Stand: Text 9. Juli 2020 - Grafiken: 9. Juli 2020

Grafik: Ein Vergleich der Zahlen in Deutschland aus zwei Wochen. Hier lässt sich nur eine grobe Tendenz ablesen – die Zahlen sind aufgrund von Unregelmäßigkeiten bei den Meldungen nur eingeschränkt aussagekräftig. (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)Die Meldezahlen in Deutschland im Vergleich zur Vorwoche. (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)

Covid-19 ist das neue Normal. Seit das Virus im Januar seinen Zug um die Welt begann, hat es das Leben in Europa und allen anderen Kontinenten dramatisch verändert. Anfangs brachte jeder Tag neue Erkenntnisse und Entwicklungen, inzwischen hat sich das Tempo verlangsamt. Hier werden einmal pro Woche die wichtigsten Zahlen zusammengefasst und eingeschätzt. Dabei gilt nach wie vor: Die Dunkelziffer ist unbekannt, Teststrategien und Meldeverfahren unterscheiden sich von Land zu Land und verändern sich manchmal sprunghaft von einem Tag auf den anderen. Gut, dass der Erkenntnisgewinn nicht nur in den absoluten Werten steckt, sondern vor allem in den Mustern und typischen Verläufen, die ein Infektionsgeschehen produziert. 

Grafik: Neuinfektionen in Deutschland pro Tag (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)Neuinfektionen in Deutschland pro Tag (Stand 9. Juli 2020) (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)

COVID-19: So war die Woche in Deutschland

Vor allem der große Ausbruch bei Tönnies in Gütersloh mit mehr als 1.500 Infektionen hatte die Zahlen bundesweit nach oben getrieben. Dieser Ausbruch ist weitgehend bewältigt. Die Zahl der Neuinfektionen im Kreis Gütersloh ist mit 28,8 deutlich unter die Grenze gefallen, ab der ein Notfallmechanismus gilt (50 Neuinfektionen in sieben Tagen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner). Auf dem Dashboard des Robert-Koch-Instituts gibt es somit aktuell keine rot marktierte Stelle – also keinen Kreis, für den ein Notfallmechanismus gilt - und nur Gütersloh in orange. Kleinere Ausbrüche gab es in Studentenwohnheimen, Alten- und Pflegeheimen, Krankenhäusern und innerhalb einer Mennoniten-Gemeinde. Mitglieder einer 12-köpfigen Familie wurden positiv getestet. Die gesamte Gemeinde mit 1.000 Mitgliedern wurde daraufhin in Quarantäne gestellt, bis Testergebnisse vorliegen.

Die Ausbreitung des Virus in der Fläche ist trotz aller Lockerungen gering. Die Zahl der Neuinfektionen sinkt auf 2,8 pro 100.000 Einwohner (Vorwoche 3,3), allerdings waren weniger Landkreise als in der Vorwoche in den vergangenen sieben Tagen coronafrei (117; Vorwoche: 136). Das zeigt: Auch bei rückläufigen COVID-19-Zahlen ist das Virus immer noch da und verteilt sich in der Fläche. Experten empfehlen deshalb dringend, an der AHA-Regel – Abstand, Hygiene, Alltagsmaske - festzuhalten. Insbesondere die Maskenpflicht wurde in der vergangenen Woche durch einen Vorstoß Mecklenburg-Vorpommerns in Frage gestellt. Politisch ist die Abschaffung vorerst vom Tisch, doch die Diskussion gärt weiter. 

Der zeitliche Verlauf der Neuinfektionen in den Bundesländern zeigt, dass die jüngsten Ausbrüche von den Gesundheitsämtern erfolgreich eingedämmt werden konnten und das Infektionsgeschehen in der Umgebung nicht deutlich angetrieben haben. Die kleinen Erhebungen in den Kurven von Nordrhein-Westfalen aufgrund des Ausbruchs bei Tönnies und in Berlin in mehreren Wohnhäusern sind wieder abgefallen, neue Anstiege kamen nicht dazu. 

Grafik: Die Bundesländer im Vergleich: Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)Die Bundesländer im Vergleich: Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner (Stand 9. Juli 2020) (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)

Die Corona-Warn-App verzeichnet inzwischen 15,2 Millionen Downloads und kann zur schnelleren Nachverfolgung positiv getesteter Corona-Patienten beitragen. Nicht überall läuft der Betrieb reibungslos, an Updates wird gearbeitet. 

Die Reproduktionszahl R

Die Reproduktionszahl R gibt an, wie viele weitere Personen eine Infizierte oder eine Infizierter im Durchschnitt ansteckt. Liegt sie über 1, breitet sich eine Epidemie weiter aus. R lässt sich nur mit komplexen Modellen abschätzen. Um statistische Schwankungen auszugleichen berechnet das Robert-Koch-Institut (RKI) einen Durchschnitt, entweder über vier (sensitiv) oder über sieben (geglättet) Tage. Weil zwischen einer Infektion und der Meldung ans RKI Zeit vergeht, spiegelt der sensitive R-Wert das Infektionsgeschehen vor sieben bis 14 Tagen wider, während der geglättete Wert auf Ereignisse vor gut zwei Wochen reagiert. Weil R sich aus statistisch schwankenden Größen berechnet, gibt das RKI R mit einer Schwankungsbreite an, die mit sinkenden Fallzahlen noch einmal zunimmt. Erst wenn der Wert mehrere Tage steigt oder sinkt, lässt sich daraus ein Trend ableiten.

Grafik: Die Entwicklung der geglätteten Reproduktionszahl R (7-Tage-R). (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)Die Entwicklung der geglätteten Reproduktionszahl R (7-Tage-R). (Stand 9. Juli 2020) (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)

Für SARS-CoV-2 lag die Reproduktionszahl anfangs ungefähr bei 3. Dank des Lockdowns und der anderen Gegenmaßnahmen ist R im März auf Werte unter 1 gesunken – das Virus wurde langsam zurückgedrängt. Bei den niedrigen absoluten Infektionszahlen, die wir aktuell in Deutschland sehen, können schon Verzögerungen in der Meldekette oder kleinere Ausbrüche R erheblich beeinflussen. Deshalb schwankt gerade der 4-Tages-R-Wert stark. Anfang Juni stieg R aufgrund der Lockerungen leicht. Auch der Ausbruch bei Tönnies zeichnet sich deutlich ab. Aktuell liegt der 4-Tage-R-Wert wieder bei 0,66 und der 7-Tage-R-Wert bei 0,86. Die Epidemie flaut weiter ab.

Eine Entspannung zeigt sich auch in den aktuell niedrigen Zahlen bei den Todesfällen aufgrund von COVID-19. Im Vergleich zu den Neuinfektionen hinkt die Entwicklung bei den Todeszahlen hinterher, denn zwischen einer Infektion, einem schweren Verlauf der Krankheit und schließlich dem möglichen Tod vergehen gut drei Wochen. Solange kein neuer Hotspot in Pflegeeinrichtungen oder Orten mit vorwiegend älteren Menschen auftritt, sollte SARS-CoV-2 deshalb in Deutschland nur noch vereinzelt Opfer fordern.

Grafik: Todesfälle in Deutschland pro Tag (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)Todesfälle in Deutschland pro Tag (Stand 9. Juli 2020) (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)

Mehr als 9.000 Menschen sind in Deutschland an SARS-CoV-2 gestorben – der Großteil der COVID-19-Patientinnen und -Patienten in Deutschland hat die Infektion aber überstanden. Die Zahl der Genesenen ist eine Schätzung, da diese nur zum Teil gemeldet werden. Wenn man nun die Zahl der Genesenen und der Verstorbenen von der Zahl der positiv auf COVID-19 Getesteten abzieht, so ergeben sich die aktiven Fälle – also die Zahl der Personen, die im Moment an der Infektion leiden. Diese Gruppe der aktuell Erkrankten wuchs im März stetig an. Am 6. April erreichte ihre Zahl mit über 70.000 einen Höhepunkt und ging seitdem stetig zurück. Das ist doppelt relevant, denn nur wer aktuell infiziert ist, kann das Virus weitergeben.

In der folgenden Grafik unterschritt die Kurve am 6. April die Nulllinie. Deutschland hatte einen ersten Wendepunkt der Epidemie erreicht. Wie fragil diese Entwicklung ist, zeigte sich Mitte Juni, als der Ausbruch bei Tönnies wieder zu einem Wachstum der aktiven Fälle führte. Entscheidend ist, dass die Kurve bereits wieder fällt. In Gütersloh, Berlin und Göttingen wurde breit getestet, potentiell Infizierte begaben sich in Quarantäne - der Cluster war weitgehend vom Rest der Bevölkerung isoliert.

Grafik: Wachstum der aktiven Fälle in Deutschland (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)Wachstum der aktiven Fälle in Deutschland (Stand 9. Juli 2020) (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)

Die Ausbreitung des Coronavirus im internationalen Vergleich

Am Pfingstwochenende meldete die Johns Hopkins-Universität erstmals sechs Millionen Fälle von SARS-CoV-2, am 9. Juli sind es schon mehr als zwölf Millionen. In sechs Wochen hat sich die Zahl verdoppelt. Die meisten Fälle verzeichnen die USA, Brasilen, Russland und Indien. Pro Tag kamen zuletzt weltweit über 210.000 neue Fälle dazu. Auch in Südafrika, Indien und Iran ist das Virus wieder im Aufwind. 

Grafik: Kontinente im Vergleich anhand der Neuinfektionen über sieben Tage pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)Kontinente im Vergleich anhand der Neuinfektionen über sieben Tage pro 100.000 Einwohner (Stand 9. Juli 2020) (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)

Besonders Ländern in Ost-Asien gelingt es nach wie vor, die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Das gilt beispielsweise für Südkorea, Taiwan und sogar für die chinesische Region Hubei, wo die Pandemie ihren Ausgang nahm und es dramatische Verhältnisse mit vielen Toten gab. Seitdem kommt es immer wieder zu lokalen Ausbrüchen, die mit großem Aufwand bekämpft werden. 

Hotspot in Asien ist derzeit Indien. Noch dramatischer entwickelt sich die Lage allerdings in den USA, wo fast täglich neue Höchtstände bei den Neuinfektionen vermeldet werden. Aktuell zählt das Land nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität mehr als drei Millionen Infizierte und 132.309 Tote (Stand 9. Juli). In vielen Bundesstaaten weist der Trend nach oben, einzelne Krankenhäuser stoßen an ihre Grenzen, nachdem trotz eindringlicher Warnungen von Expertinnen und Experten in vielen Bundesstaaten die Beschränkungen gelockert worden sind.

Mit Sorge betrachtet wird nach wie vor die Entwicklung in Brasilien, wo zuletzt an einem Tag etwa 44.000 neue Coronainfektionen gemeldet wurden (Stand 9. Juli) – auch der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro hat sich nach eigenen Angaben mit dem Virus infiziert. Mangelnder politischer Wille, gegen das Virus vorzugehen, trifft in Brasilien auf ein Gesundheitssystem, in dem nur wenig getestet wird. Aktuell tauchen in den Statistiken mehr als 1,7 Milionen COVID-19-Fälle auf (Stand 9. Juli). Expertinnen und Experten schätzen die tatsächlichen Fallzahlen auf ein Vielfaches. In Peru und Chile haben sich die Neuinfektionen dagegen stabilisiert, während in Mexiko die Fallzahlen weiter anwachsen. 

Grafik: Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner im Ländervergleich (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner im Ländervergleich (Stand 9. Juli 2020) (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)

Vom afrikanischen Kontinent hört man von Ausbrüchen, die sich nicht überall in den offiziellen Statistiken widerspiegeln. Insgesamt melden die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Africa CDC am 9. Juli für den Kontinent über eine halbe Millionen Fälle, 12.206 Menschen sind auf dem Kontinent bisher gestorben. Die höchsten Zahlen an Neuinfektionen verzeichnen Südafrika mit zuletzt 8,8 Neuinfektionen (9. Juli).

Wie zuvor in Asien ist inzwischen auch in Europa die exponentielle Entwicklung vielerorts gestoppt. Besonders schwer betroffen waren anfangs Italien und Spanien, dort sank die Zahl der Neuinfizierten zuletzt deutlich. Großbritannien (UK) hingegen verzeichnet inzwischen mehr Tote als Italien und nimmt damit eine traurige Spitzenposition in Europa ein. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen ist zuletzt deutlich gesunken.  Schweden hatte mit seinem Sonderweg, auf einen Lockdown weitgehend zu verzichten, zunächst Erfolg. Inzwischen kommt es vor allem bei der älteren Bevölkerung zu großen Problemen; die Zahl der Todesfälle liegen im weltweiten Vergleich sehr hoch. Anfang Juni schwenkte Schweden um. Höhere Testquoten führten vorübergehend zu einem  Ausschlag in der Kurve, in der Folge aber seit Ende Juni zu einem Rückgang bei den Neuinfektionen. Gemessen an seiner Bevölkerung ist der Ausbruch in Russland besonders groß und entwickelt sich auch dynamisch. Aktuell werden rund 6.000 Neuinfektionen pro Tag registriert (Stand 9. Juli). Nach einem strengen Lockdown öffnet das Land jetzt rigoros. Die Zahlen im weiteren Verlauf sind - wie in vielen Ländern - mit Vorsicht zu genießen. 

Wie viele Menschen sterben an COVID-19?

Die allermeisten Menschen überstehen eine COVID-19-Erkrankung ohne große Probleme, etwas Fieber, ein trockener Husten, vielleicht nicht einmal das. Aber 20 Prozent der Patientinnen und Patienten, also eine oder einer aus fünf, erkranken schwer und müssen in der Klinik behandelt werden. Fünf Prozent der Erkrankten benötigen eine Beatmung. Ein erheblicher Teil kann auch dann nicht gerettet werden. Solche Verläufe treffen durchaus nicht nur ältere Personen oder Menschen mit Vorerkrankungen. Immer wieder sterben auch scheinbar gesunde, kräftige Menschen an SARS-CoV-2. Genesene berichten  von anhaltender Erschöpfung und neurologische Symptome. Dies sind Einzelfälle, die derzeit nicht verstanden sind.  

Das Risiko für einen dramatischen Verlauf steigt mit dem Alter erheblich an. Besonders Menschen jenseits der 70 haben ein erhöhtes Sterberisiko. Ebenso Personen mit Herz-Kreislauf-Leiden, einer Zuckerkrankheit, Atemwegsproblemen oder Bluthochdruck. 

Grafik: Kontinente im Vergleich anhand der Neuinfektionen über sieben Tage pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)Kontinente im Vergleich anhand der Neuinfektionen über sieben Tage pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner (Stand 9. Juli 2020) (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)

Dass die Kurve der Sterbezahlen nicht gleichmäßig der Zahl der Infektionen folgt, kann unterschiedliche Gründe haben. Etwa ein von Anfang an nicht gut aufgestelltes Gesundheitssystem oder ein plötzlicher Ansturm von COVID-19-Erkrankten, der die Kapazitäten überfordert. Plötzliche Sprünge in der Kurve gehen meist auf Änderungen im Meldeverfahren zurück. Darüber hinaus werden wohl bei weitem nicht alle COVID-19-Sterbefälle als solche erfasst oder erkannt (New York Times).

Viel diskutiert wird die unterschiedliche Sterberate in verschiedenen Ländern. Bei dieser Case Fatality Ratio (CFR) handelt es sich um den Anteil der nachgewiesen Infizierten, der am Ende stirbt. In Deutschland liegt sie aktuell bei 4,6 Prozent. Dieser Wert hängt aber von sehr vielen Faktoren wie der Teststrategie ab, nicht nur von der Qualität des Gesundheitssystems. Die CFR überschätzt die Gefährlichkeit von SARS-CoV-2, weil sie die vielen leichten Verkaufe ausblendet, die gar nicht zum Arzt gehen und deshalb auch nicht getestet werden. Interessanter wäre die Infection Fatality Rate (IFR), also die Sterblichkeit bezogen auf die Zahl aller Infizierten. Wegen der hohen Dunkelziffer kann sie nur mit Modellen abgeschätzt werden, die aktuell auf Werte zwischen 0,5 Prozent und 1,5 Prozent kommen.

Robert-Koch-Institut (RKI) oder Johns-Hopkins-Universität?

Ob man auf die Zahlen des RKI schaut oder auf die der Johns-Hopkins-Universität: Die Trends sind identisch, auch wenn sich die absoluten Werte ein wenig unterscheiden. Das liegt daran, dass beim RKI die offiziell gemeldeten Fälle verwendet werden. Es braucht einige Tage, bis Verdachtsfälle diagnostiziert und getestet sind, und die Information vom Gesundheitsamt vor Ort über das Bundesland nach Berlin gelangt.

Die Johns-Hopkins-Universität greift auf die Daten des RKI zu, ergänzt sie aber mit Modellen und weiteren Quellen (Veröffentlichungen der lokalen Behörden und der Weltgesundheitsorganisation sowie Berichte aus Medien/Internet).

Beide Datenquellen haben ihre Berechtigung. Beide hinken der tatsächlichen Situation hinterher. Vor allem im internationalen Vergleich muss man zudem von erheblichen Verzerrungen in der Abbildung des Geschehens ausgehen, die zum Teil strukturellen, zum Teil politischen Ursprungs sind.

(Redaktion: Andrea Kampmann, Christiane Knoll, Josh Moriarty, Charlotte Voß, Volkart Wildermuth, Anne Göbel)


Anmerkung der Redaktion: In der Grafik "Die Entwicklung in Deutschland – eine Chronik" haben wir eine falsche Position der Fallkurven korrigiert. (25.5.2020)

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