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StartseiteThemaAktuelle Zahlen und Entwicklungen17.09.2020

CoronavirusAktuelle Zahlen und Entwicklungen

Im Coronavirus-Zeitalter sind wir alle zahlensüchtig: Wie viele gemeldete Coronavirusfälle gibt es in Deutschland? Beschleunigt sich die Ausbreitung des Virus, wie entwickeln sich die Fallzahlen international? Wie die Zahlen zu bewerten sind – ein Überblick.

Von Volkart Wildermuth

Die Entwicklung in Deutschland – eine Chronik (Stand: 10.9.2020) (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)
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Stand: Text 17. September 2020 - Grafiken: 17. September 2020

Grafik: Die Meldezahlen in Deutschland im Vergleich zur Vorwoche (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)Die Meldezahlen in Deutschland im Vergleich zur Vorwoche (Stand 17. September 2020) (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)

COVID-19 ist das neue Normal. Seit das Virus im Januar seinen Zug um die Welt begann, hat es das Leben in Europa und allen anderen Kontinenten dramatisch verändert. Hier werden einmal pro Woche die wichtigsten Zahlen zusammengefasst und eingeschätzt. Dabei gilt nach wie vor: Die Dunkelziffer ist unbekannt, Teststrategien und Meldeverfahren unterscheiden sich von Land zu Land und verändern sich manchmal sprunghaft von einem Tag auf den anderen. Gut, dass der Erkenntnisgewinn nicht nur in den absoluten Werten steckt, sondern vor allem in den Mustern und typischen Verläufen, die ein Infektionsgeschehen produziert. 

Grafik: Neuinfektionen in Deutschland pro Tag (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)Neuinfektionen in Deutschland pro Tag (Stand 17. September 2020) (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)

COVID-19: So war die Woche in Deutschland

Es sah so aus, als hätten sich die Fallzahlen Anfang September stabilisiert, aber das war offenbar nur eine Pause. Aktuell steigen sie wieder, langsam aber merklich – im Vergleich zum Frühsommer liegen sie mehr als doppelt so hoch.

Im Durchschnitt haben sich in der vergangenen Woche jeden Tag 1.419 Personen angesteckt. In der Woche davor waren es noch 1.289, der Trend zeigt nach oben. Das spiegelt sich wider in der gesunkenen Zahl der Kreise, die in der vergangenen Woche gar keine Neuinfektion gemeldet haben: Es sind jetzt nur noch 9 von insgesamt 401 Landkreisen und kreisfreien Städten. COVID-19 ist überall in Deutschland aktiv.

Vergangene Woche wurden 1,12 Millionen Tests ausgewertet, so viele, wie noch nie. Wer verstärkt sucht, findet natürlich auch mehr. Trotzdem erklärt die Ausweitung der Tests den Anstieg der Fallzahlen nur zum Teil, denn auch der Anteil positiver Tests ist angestiegen. Das weist darauf hin, dass nicht nur mehr Fälle gefunden werden, sondern dass sich SARS-CoV-2 tatsächlich weiter ausbreitet. Nach wie vor besteht ein erheblicher Rückstau von über 30.000 Proben in den deutschen Laboren. Es werden also noch weitere Infektionen nachgemeldet werden. Der Rückstau erschwert auch das Eindämmen von Ausbrüchen, weil viele Menschen ihren Befund erst nach tagelangem Warten erhalten.

Mitte August hatten Reiserückkehrende eine große Rolle gespielt – sie waren für rund die Hälfte der Neuinfektionen verantwortlich. Inzwischen sind die Sommerferien überall zu Ende gegangen und nur noch 20 Prozent der Infektionen fanden außerhalb Deutschlands statt. Im Umkehrschluss bedeutet das: Es finden mehr Übertragungen im Landesinneren statt. Das deutet darauf hin, dass die AHA-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske) wohl etwas lässiger beachtet werden – trotz Bußgeldern für Maskenverweigerer in Bus und Bahn. Der Anstieg wird sich aber nur über mehr Anstrengungen im Inland eindämmen lassen. Das wird nicht einfach, denn die Mehrzahl der Infektionen ist nicht Teil von größeren Ausbrüchen, wie etwa bei der Schlachterei Tönnies, sondern finden diffus verteilt überall in der Fläche statt. Laut Robert Koch-Institut (RKI) ist das besonders problematisch, weil es für die Gesundheitsämter schwieriger ist, viele kleine statt weniger großer Ausbrüche einzuhegen. Entscheidend bleibt die Prävention. Jede und jeder einzelne sollte an der AHA-Regel festhalten – und in Innenräumen viel lüften. Nur so lässt sich einer zweiten Welle gegensteuern.

Vergangene Woche konzentrierten sich die Neuinfektionen in den südlichen Bundesländern, die wegen des Ferienendes besonders viele Rückreisende verzeichneten. Nach wie vor liegen die Werte in Bayern deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 11,5 Infektionen in der Woche pro 100.000 Einwohnern. Auch die Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen sind stärker von COVID-19 betroffen genau wie Hessen und Nordrhein-Westfalen. Aber generell nähern sich die Werte derzeit eher an. Im Osten meldet gerade Thüringen steigende Werte, Warum ansonsten der Osten relativ gut durch die Pandemie kommt, ist unklar. Vielleicht ist das höhere Durchschnittsalter hier ein Vorteil, weil aktuell gerade junge Menschen tendenziell aktiver sind und die Viren verbreiten.

Grafik: Die Fallzahlen aller Bundesländer im Vergleich – 7-Tage-Inzidenz des RKI (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)Die Fallzahlen aller Bundesländer im Vergleich – 7-Tage-Inzidenz des RKI (Stand 17. September 2020) (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)

Aktuell sind auf dem Dashboard des Robert Koch-Instituts vier Kreise und Städte in Bayern rot markiert: Garmisch-Partenkirchen, Kulmbach, Kaufbeuren und Würzburg überschreiten die kritische Grenze von mehr als 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner in den vergangenen sieben Tagen. In weiteren 25 Kreisen werden mehr als 25 Infektionen pro Woche und 100.000 Personen verzeichnet. Auch sie konzentrieren sich in Bayern, aber auch Kreise und Städte in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen, Thüringen, Nordrhein-Westfalen, Berlin und Niedersachsen sind betroffen.

In Würzburg gehen die hohen Zahlen für Übertragungen in einer Shisha-Bar und an Arbeitsplätzen zurück. Die Stadt hält dagegen und hat Einschränkungen für Privatfeiern und den Alkoholausschank erlassen. In Garmisch-Partenkirchen soll eine Reihe von Infektionen auf das Konto einer einzelnen jungen Frau gegangen sein, die gegen Quarantäne-Vorschriften verstoßen haben soll. An dieser Theorie gibt es jedoch Zweifel, wie der ARD-Faktenfinder herausfand. Garmisch-Partenkirchen hat jedenfalls die Bestimmungen verschärft. So dürfen sich nur noch fünf Personen auf öffentlichen Plätzen treffen, die Gaststätten schließen um 22 Uhr.

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Die Reproduktionszahl R

Die Reproduktionszahl R gibt an, wie viele weitere Personen eine Infizierte oder ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt. Liegt sie über 1, breitet sich eine Epidemie weiter aus. R lässt sich nur mit komplexen Modellen abschätzen und unterliegt gerade auch bei den derzeit eher niedrigen Fallzahlen großen Unsicherheiten. Deshalb schwank R stark, das Robert-Koch-Institut gibt einen Durchschnitt über vier (sensitiv) oder über sieben (geglättet) Tage an. Weil zwischen einer Infektion und der Meldung ans RKI Zeit vergeht, spiegelt der sensitive R-Wert das Infektionsgeschehen vor sieben bis 14 Tagen wider, während der geglättete Wert auf Ereignisse vor gut zwei Wochen reagiert.

Für SARS-CoV-2 lag die Reproduktionszahl anfangs ungefähr bei 3. Dank der Ausgangsbeschränkungen und der anderen Gegenmaßnahmen ist R im März auf Werte unter 1 gesunken – das Virus wurde langsam zurückgedrängt. Anfang Juni stieg R aufgrund der Lockerungen leicht. Auch der Ausbruch Mitte Juni bei Tönnies zeichnet sich deutlich ab.

Der R-Wert hat einen großen Unsicherheitsbereich. Zurzeit schwankt R meist um 1 – die COVID-19-Epidemie in Deutschland ist vorerst stabil. Aktuell liegt der 4-Tage-R-Wert bei 1,00 und der 7-Tage-R-Wert bei 1,06 (Stand 16. September).

Besorgniserregend ist, dass es in der vergangenen Woche wieder zu Ausbrüchen in Alten- und Pflegeheimen kam. Das spiegelt eine veränderte Altersstruktur bei den Infektionen wider. Im Sommer steckten sich vor allem die 10- bis 29-jährigen mit dem Virus an. Bei dem guten Wetter treffen sich in vielen Städten Deutschlands junge Erwachsenen zu spontanen Partys in Parks und auf Plätzen, sie reisen mehr und sind in den Urlaubsländern geselliger. Doch nach und nach breiten sich diese Infektionsketten weiter aus, beispielweise über Familienfeiern. Noch immer stellen die unter 25-Jährigen den Großteil der Fälle, aber gemessen am Anteil an der Bevölkerung sinken ihre Infektionsraten. Dagegen haben sich gerade in der vergangenen Woche die Infektionsraten in Raten bei über 55-Jährigen erheblich gesteigert. Das zeigt eine Analyse des Science Media Center.

Auf längere Sicht könnte das zu einem Anstieg von Patientinnen und Patienten in den Intensivstationen und dann auch bei den Todeszahlen führen. Doch das ist noch nicht eigetreten – auf deutschen Intensivstationen werden derzeit 238 Patientinnen und Patienten wegen COVID-19 behandelt, von denen etwas mehr als die Hälfte beatmet werden (Stand 17. September). 33 Menschen sind in der vergangenen Woche aufgrund von COVID-19 gestorben. Deutlich mehr, als in der Woche davor.

Grafik: Todesfälle in Deutschland pro Tag (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)Todesfälle in Deutschland pro Tag (Stand 17. September 2020) (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)

Im Vergleich zu den Neuinfektionen hinkt die Entwicklung bei den Todeszahlen hinterher, denn zwischen einer Infektion, einem schweren Verlauf der Krankheit und schließlich dem möglichen Tod vergehen gut drei Wochen. Die Zahlen werden also vermutlich weiter sinken. Es besteht aber die Gefahr, dass die vergleichsweise vielen Infektionen unter jungen Erwachsenen nach und nach auch ältere Generationen erreichen, das zeigen Erfahrungen aus England. Deshalb ist der Schutz der Alters- und Pflegeheime nach wie vor entscheidend. Das RKI warnte: "Sollten sich wieder vermehrt ältere Menschen infizieren, muss auch mit einem Wiederanstieg der Hospitalisierungen und Todesfälle gerechnet werden".

Die Ausbreitung des Coronavirus im internationalen Vergleich

Weltweit hat die COVID-19-Pandemie seit der Jahresmitte deutlich an Fahrt aufgenommen. Ende Juni meldete die Weltgesundheitsorganisation erstmals 10 Millionen bestätigte Infektionen. Inzwischen sind es mehr als 27 Millionen. Mehr als 904.000 Menschen sind an SARS-CoV-2 gestorben. Im Vergleich zur Vorwoche sind die Infektionen um fast sieben Prozent angestiegen, während die Zahl der Todesfälle in der vergangenen Woche im Vergleich zur Woche davor leicht absank. Global betrachtet, hat sich die Zahl der Neuinfektionen auf einem hohen Niveau um ungefähr 260.000 Neuinfektionen täglich eingepegelt. Auf der Ebene einzelner Nationen ist das Bild aber sehr heterogen. Die meisten Fälle in der vergangenen Woche verzeichneten Indien, die USA und Brasilien. Bezogen auf die Bevölkerungsgröße ist das Virus besonders in den Golfstaaten, Israel und Lateinamerika, sowie in Montenegro und Spanien aktiv. Was die Todesfälle pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner betrifft, führen ebenfalls Länder aus Südamerika die Statistik an.

In Europa verzeichnen viele Länder stark steigende Zahlen. Neben Spanien und Frankreich zum Beispiel auch die Niederlande, Belgien, Großbritannien und Österreich. Zum Teil gibt es dort inzwischen mehr Neuinfektionen als auf dem Höhepunkt der ersten Welle. Entsprechend wurden auch die Reisewarnungen des Auswärtigen Amts ausgeweitet. In vielen Ländern gelten auch wieder erheblich schärfere Vorschriften. Der Europadirektor der Weltgesundheitsorganisation, Dr. Hans Henri P. Kluge, sagt: "Die Zahlen von September sollten ein Alarmsignal für uns alle sein." Die höchsten Infektionszahlen in der weiteren europäischen Region verzeichnet Russland, weltweilt liegt das Land auf Platz vier. Noch immer werden rund dort rund 5.000 Neuinfektionen pro Tag registriert, mit steigender Tendenz (Stand 17. September). 

Grafik: Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner im Ländervergleich (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner im Ländervergleich (Stand 17. September 2020) (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)

Viele Länder kämpfen noch mit ihrer ersten Welle der SARS-CoV-2-Infektionen. Indien konnte das Virus mit einem Lockdown eine Weile zurückdrängen. Diese Strategie ließ sich aber nicht durchhalten. Seit den Lockerungen steigen die Fälle steil an – auf derzeit über 5,1 Millionen. Die Weltgesundheitsorganisation hält das für sehr bedenklich, verweist aber auch auf die Ausweitung der Tests in Indien. Mehr als 83.000 Menschen sind dort an COVID-19 gestorben. Die Dunkelziffer dürfte erheblich sein. Neben Indien ist auch Indonesien für die steigenden Zahlen in Asien verantwortlich.

Auf dem afrikanischen Kontinent leben mehr als die Hälfte der Infizierten in Südafrika. Doch vom Kap gibt es gute Nachrichten: Seit Mitte Juli gehen die Zahlen deutlich zurück, so wie in vielen anderen Länder des Kontinents. Entsprechend wollen die Regierungen weitere Lockerungen ermöglichen. Einzelne Länder wie Marokko oder Äthiopien berichten von steigenden Infektionszahlen. Insgesamt verzeichnet Afrika mehr als 33.000 COVID-19-Tote, aber im Vergleich zum Juli sind die wöchentlichen Zahlen auf fast ein Viertel gesunken. Auch hier gibt es Ausnahmen: In Nigeria sinken zwar die Neuinfektionen, aber die Todeszahlen haben sich verdoppelt. Auch hier dürfte die Dunkelziffer erheblich sein. Für Südafrika wurde die sogenannte Übersterblichkeit ausgerechnet, also wie viele Menschen jede Woche mehr sterben. Diese Übersterblichkeit betrug von Ende Juni bis Ende August rund 33.000 mehr Todesfälle, die Zahl der offiziellen COVID-19-Toten macht davon nicht einmal ein Drittel aus. Einige Todesfälle waren sicher falsch registriert, für einige afrikanische Staaten sind aber die indirekten Folgen von COVID-19 besonders dramatisch. Wegen der Pandemie sind viele andere Gesundheitsangebote wie Impfungen, Malarianetze, HIV- und TB-Medikamente nur eingeschränkt verfügbar. Auch der Hunger nimmt wieder zu und gefährdet vor allem Kinder.

Weltweit breitete sich das Virus gerade auch in einigen Länder des Nahen Ostens besonders schnell aus. Das gilt unter anderem für Israel, das inzwischen mehr als 6.000 Fälle täglich meldet – dabei hat das Land nur ein Neuntel der Einwohnerzahl Deutschlands. Nach der Aufhebung eines massiven Lockdowns gibt es für SARS-CoV-2 kaum Hindernisse. Standen am Beginn der zweiten Welle insbesondere Schulen im Fokus, sind es aktuell sehr beengte Wohngebiete, in denen größtenteils arabische Familien oder streng religiöse Juden leben. Inzwischen gelten wieder Kontaktbeschränkungen. Israel ist aber vergleichsweise klein, quantitativ sind die Ausbrüche im Iran und im Irak deutlich größer.

Lateinamerika zeigt ein heterogenes Bild: In Brasilien, Peru, Kolumbien und Bolivien fallen die Zahlen der Neuinfektionen, in Chile und Mexiko stabilisiert sie sich. Dafür ist das Virus in Argentinien weiter klar auf dem Vormarsch. 

Grafik: Todesfälle im Vergleich über sieben Tage pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)Todesfälle im Vergleich über sieben Tage pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner (Stand 17. September 2020) (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)

Der Ausreißer unter den Industrienationen sind nach wie vor die USA. Aktuell zählt das Land nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität (JHU) mehr als 6,6 Millionen Infizierte und fast 197.00 Tote (Stand 17. September). Das sind kumulative Zahlen. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen beginnt auch in den USA deutlich zu sinken. Dagegen bleibt die Sterblichkeit auf dem höchsten Niveau einer Industrienation. Am Mittwoch (16. September) starben über fast tausend US-Amerikanerinnen und -Amerikaner. Viele Bundesstaaten haben entgegen den Warnungen von Expertinnen und Experten ihre Beschränkungen gelockert. Die Zahlen stiegen zunächst in den südlichen Bundesstaaten und Kalifornien dramatisch. Inzwischen gehen sie dort deutlich zurück, danach breitet sich SARS-CoV-2 in den ländlichen Gebieten in der Mitte der USA aus. Inzwischen sind die Zahlen fast überall wieder rückläufig.

Während viele Länder noch mit ihrer ersten COVID-19-Welle kämpfen, konnten andere das Virus erfolgreich zurückdrängen. Neuseeland war über Wochen frei von Infektionen und reagierte Anfang August auf einen Ausbruch in Auckland mit strengen Beschränkungen. Andere Nationen waren nicht so konsequent und verzeichnen wieder deutlich steigende Zahlen. Das Virus nutzt jede Chance sich zu verbreiten, eine zweite Welle ist ständig möglich.  

Viele Länder in Europa waren von SARS-CoV-2 schwer betroffen. Eine aktuelle Analyse in Nature zeigt, dass in der Woche vom 30. März bis zum 6. April 50 Prozent mehr Menschen gestorben sind, als in anderen Jahren üblich. Vor allem Spanien, Belgien, Italien und Frankreich verzeichneten eine deutliche Übersterblichkeit – in Deutschland dagegen war sie kaum ausgeprägt. Großbritannien ist in dieser Analyse nicht enthalten, weil das Land nicht mehr zur EU gehört. Das Vereinigte Königreich nimmt allerdings bei den Todeszahlen in Europa die traurige Spitzenposition ein.

Wenn es eine Lehre aus der internationalen Entwicklung der Pandemie gibt, dann lautet sie: SARS-CoV-2 wird jede Chance nutzen, die eine Gesellschaft bietet.

Robert Koch-Institut (RKI) oder Johns-Hopkins-Universität (JHU)?

Ob man auf die Zahlen des RKI schaut oder auf die der JHU: Die Trends sind identisch, auch wenn sich die absoluten Werte ein wenig unterscheiden. Das liegt daran, dass beim RKI die offiziell gemeldeten Fälle verwendet werden. Es braucht einige Tage, bis Verdachtsfälle diagnostiziert und getestet sind, und die Information vom Gesundheitsamt vor Ort über das Bundesland nach Berlin gelangt.

Die JHU greift auf die Daten des RKI zu, ergänzt sie aber mit Modellen und weiteren Quellen (Veröffentlichungen der lokalen Behörden und der Weltgesundheitsorganisation sowie Berichte aus Medien/Internet).

Beide Datenquellen haben ihre Berechtigung. Beide hinken der tatsächlichen Situation hinterher. Vor allem im internationalen Vergleich muss man zudem von erheblichen Verzerrungen in der Abbildung des Geschehens ausgehen, die zum Teil strukturellen, zum Teil politischen Ursprungs sind.

(Redaktion: Andrea Kampmann, Christiane Knoll, Josh Moriarty, Charlotte Voß, Volkart Wildermuth, Anne Göbel)

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