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StartseiteThemaWas die Neuinfektionen für die kommenden Wochen bedeuten14.04.2021

Coronavirus in ZahlenWas die Neuinfektionen für die kommenden Wochen bedeuten

Eine Epidemie bedeutet ständige Veränderung. Die Situation ist im Fluss, doch wohin? Zahlen bieten Orientierung, aber sie verwirren auch. Ein Wert alleine wird der Dynamik nicht gerecht. Deshalb hier ein Überblick über Zahlen und Trends, für Deutschland und die Welt.

Grafik: Die Entwicklung in Deutschland – eine Chronik (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)
Die Entwicklung in Deutschland – eine Chronik (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)

Drei Millionen Corona-Infektionen

Die Gesamtzahl der Corona-Fälle in Deutschland liegt nach Angaben des RKI mittlerweile bei über drei Millionen seit Beginn der Pandemie. Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert liegt bei über 1 - das Virus breitet sich also wieder stärker aus. Auch die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz steigt an. Auch in den Krankenhäusern verschärft sich die Lage. Intensivmediziner erwarten schon für April einen neuen Höchststand an Patienten, falls die Politik nicht gegensteuert.

Die Sieben-Tage-Inzidenz ist ein wesentlicher Maßstab für die Verschärfung oder Lockerung von Restriktionen. Diese Maßnahmen sollen künftig bundesweit einheitlich geregelt werden. Dazu hat die Bundesregierung die Änderung des Infektionsschutzgesetzes auf den Weg gebracht. Der Entwurf sieht strenge Kontaktbeschränkungen und nächtliche Ausgangssperren in allen Landkreisen und kreisfreien Städten vor, sobald mehr als 100 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen registriert werden.

Melle, Deutschland 16. Maerz 2021: In einem Restaurant steht auf dem Tresen eine kleines Hinweisschild, welches auf die Maskenpflicht hinweist. vor dem Schild steht eine Flasche mit Desinfektionsspray. Zur Zeit sind die Zapfhähne in dem Lokal nach oben gedreht, da wegen dem Lockdown zur Bekämpfung der Corona-Pandemie keine Gasstätten geöffnet haben dürfen. (Fotostand) (Fotostand)Was regelt das Infektionsschutzgesetz und wie soll es geändert werden?
Nach einem Jahr Pandemie soll künftig der Bund einheitliche Maßnahmen vorgeben können. Das Bundeskabinett hat hierfür ein neues Infektionsschutzgesetz beschlossen. Vielerorts wird damit ein schärferer Lockdown mit Ausgangsbeschränkungen möglich.

Derweil warnen die niedergelassenen Ärzte vor einem Stocken der Corona-Impfkampagne in Deutschland, denn nach aktuellen Plänen aus dem Bundesgesundheitsministerium erhalten sie viel weniger Biontech-Impfstoff als versprochen - dafür aber den Angaben zufolge als Ausgleich mehr Dosen des Astrazeneca-Impfstoffs.

Allerdings wird nach Meldungen über schwere Hirnvenenthrombosen im Zusammenhang mit einer Astrazeneca-Impfung dieses Vakzin zurzeit nur für Menschen über 60 Jahren empfohlen. Die Altersgruppen darunter können es aber nach einer zusätzlichen Beratung erhalten.

Anfang März meldeten mehrere europäische Länder, dass sie die Corona-Impfung mit AstraZeneca ausgesetzt haben. Bei mehreren Menschen gab es Fälle von Blutgerinnsel und niedrigen Thrombozytenwerten. Die European Medicines Agency (EMA) bestätigte hingegen die Sicherheit der Impfung. (picture alliance / NurPhoto / Mauro Ujetto) (picture alliance / NurPhoto / Mauro Ujetto)Debatte um Impfstoff von Astrazeneca - Was über Wirksamkeit und Nebenwirkungen bekannt ist
Der Impfstoff von Astrazeneca steht in Deutschland spätestens seit der zwischenzeitlichen Impfpause in der Kritik. Die Ständige Impfkommission der Bundesregierung empfiehlt den Impfstoff uneingeschränkt jetzt nur noch für Menschen ab 60 Jahren. Ein Überblick über Wirksamkeit und Nebenwirkungen.

Impfstofflieferungen und Impfungen

Bis zum Ende der Kalenderwoche 14 am 11. April 2021 wurden 22.444.875 Dosen Impfstoff geliefert. Knapp über 81 Prozent dieser Dosen wurden verimpft.

Die Lieferungen stammen von den Herstellern Biontech/Pfizer (15.105.675 Dosen), Astrazeneca (5.577.600 Dosen) und Moderna (1.761.600 Dosen).

Aktuelle Corona-Zahlen der JHU für Deutschland

Unsere dynamischen Grafiken aktualisieren sich überwiegend an jedem Vormittag. 

Covid-19: Neuinfektionen in Deutschland pro Tag

So laufen die Covid-19-Impfungen in Deutschland

Die Impfdiskussion bleibt weiter ein wichtiges Thema: Inzwischen sind auch die Hausärzte mit einbezogen und haben geholfen, die Impfkampagne zu beschleunigen. Zugleich fehlt aber der Impfstoff von Astrazeneca, von dessen Einsatz bei Menschen unter 60 Jahren das Paul-Ehrlich-Institut vorerst abrät.

Mehrere Injektionsnadeln liegen in einem Halbkreis, das Foto ist künstlerisch verfremdet. (imago / Future Image) (imago / Future Image)Corona-Impfstoffe in der Übersicht 
Die EU-Behörde EMA hat bisher drei Corona-Impfstoffe zugelassen – von Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca. Wie die Impfstoffe wirken, was über Nebenwirkungen bekannt ist und welche Impfstoff-Kandidaten es noch gibt – ein Überblick.

Unter 60-Jährige, die eine erste Corona-Impfung mit dem Impfstoff von Astrazeneca bekommen haben, sollen bei der zweiten ein anderes Mittel erhalten. Das geht aus einer überarbeiteten Empfehlung der Ständigen Impfkommission vom 1. April hervor. Zwar gebe es noch keine wissenschaftlichen Erkenntnisse zu Impfungen mit verschiedenen Mitteln. Bis entsprechende Daten vorlägen, werde jedoch eine Dosis eines mRNA-Impfstoffs zwölf Wochen nach der Erstimpfung empfohlen. Zu dieser Klasse gehören die Produkte von Pfizer/Biontech und von Moderna.

Verbreitung der Corona-Mutationen

Die britische Mutation B.1.1.7 ist inzwischen auch in Deutschland die vorherrschende Virusvariante. In seinem am 31. März aktualisierten Bericht sieht das RKI den Anteil der besorgniserregenden Varianten (VOC) aktuell bei rund 90 Prozent. B.1.1.7 ist deutlich ansteckender und verursacht vermutlich schwerere Krankkeitsverläufe als der frühere Wildtyp. Selbst die beim Bund-Länder-Treffen Anfang März vereinbarte sogenannte Notbremse würde nun nicht mehr reichen, um dieses zu stoppen, betonte der Modellierer Kai Nagel. Neben der britischen Variante (B.1.1.7) stehen die südafrikanische (B.1.351) und die Mutation, die vor allem in Brasilien verbreitet ist (P.1), im Fokus des RKI. Beide sind in Deutschland aber noch wenig verbreitet.

Eine Laborantin bereitet eine Probe mit extrahierter RNA für PCR-Tests vor, bei denen Mutationen des Coronavirus erkannt werden sollen. (picture alliance / dpa / Keystone / Ti-Press / Pablo Gianinazzi) (picture alliance / dpa / Keystone / Ti-Press / Pablo Gianinazzi)Die Gefahr der Coronavirus-Mutationen
Gleich drei veränderte Varianten des ursprünglichen Coronavirus bereiten derzeit Sorgen. Vor allem die britische Mutante B.1.1.7 hat sich massiv schnell verbreitet. Was macht die neuen Mutationen gefährlich? Wie können Impfstoffe angepasst werden? 

7-Tage-Inzidenzen in Deutschland

Die folgenden Daten stammen aus dem Dashboard des Robert Koch-Instituts. Unsere Karte weist die 7-Tage-Inzidenzen aller Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland aus. Per Mausklick erhält man die tagesaktuellen Werte, den 14-tägigen Verlauf der Inzidenz sowie die höchsten und niedrigsten Werte der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen. Die hell markierten Landkreise gehören zu denen, die den Inzidenzwert von weniger als 50 Neuinfektionen in der Woche pro 100.000 Einwohner schon erreicht haben.

Die Entwicklung der Reproduktionszahl R

Die Reproduktionszahl R gibt an, wie viele weitere Personen eine Infizierte oder ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt. Liegt sie über eins, breitet sich eine Epidemie weiter aus. Um die Situation spürbar zu entschärfen, müsste der R-Wert dauerhaft auf 0,7 sinken, wie die Physikerin Viola Priesemann im Deutschlandfunk erklärte. Denn dann halbieren sich die Infektionen jede Woche, während das bei einem R-Wert von 0,9 jeweils einen Monat dauert. Aufgrund der komplexen Berechnung ist die Zahl immer ein Blick in die Vergangenheit.

Wie berechnet sich der R-Wert?

Die Reproduktionszahl wird berechnet, indem man die gemittelte Zahl der Infizierten zu einem bestimmten Zeitpunkt vergleicht mit der Zahl der Infizierten zu dem Zeitpunkt vier Tage früher. Beim Sieben-Tage-R-Wert verwendet man dabei für jeden Zeitpunkt die Mittelwerte aus sieben Tagen. Der Mittelwert des zweiten Zeitraums wird dann geteilt durch den Mittelwert des ersten Zeitraums, um den R-Wert zu erhalten. Der Verlauf der Epidemie wird zum Beispiel aufgrund des Meldeverzuges nur teilweise in den jeweils neuen Daten widergespiegelt. Um das auszugleichen nutzt das Robert Koch-Institut komplexe Modelle, deren Ergebnisse aber immer noch stark schwanken. Deshalb wird der Durchschnitt über vier (sensitiv) oder über sieben (geglättet) Tage angegeben. Diese Werte werden angepasst, sobald die nachgemeldeten Daten vorliegen.

Auslastung der Intensivbetten in Deutschland

Knapp ein Zehntel der Menschen mit einer nachgewiesenen SARS-CoV-2-Infektion müssen aufgrund ihrer Symptome ins Krankenhaus, dort werden sie im Durchschnitt für zwei Wochen behandelt. Wenn lebensbedrohliche Symptome entstehen, müssen Covid-19-Patienten auf die Intensivstation. Weil viele ältere Menschen inzwischen durch eine Impfung geschützt sind, infizieren sich vermehrt jüngere Menschen, bei denen eine längere Behandlungszeit erwartet wird. Seit dem November kämpften die Intensivmediziner mit einem starken Ansturm, deutlich über dem der ersten Welle. Die Gesamtzahl der verfügbaren Intensivbetten ist seit Oktober sichtbar gesunken. Das liegt vor allem daran, dass auch das medizinische Personal von SARS-CoV-2 betroffen sein kann – entweder direkt über eine Infektion oder indirekt wegen Quarantäne-Auflagen oder weil Kinder betreut werden müssen, deren Kitas oder Schulen geschlossen haben.

Die Entwicklung der Pandemie weltweit

Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)Übersicht zum Thema Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)

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