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StartseiteThemaWas die Neuinfektionen für die kommenden Wochen bedeuten04.03.2021

Coronavirus in ZahlenWas die Neuinfektionen für die kommenden Wochen bedeuten

Eine Epidemie bedeutet ständige Veränderung. Die Situation ist im Fluss, doch wohin? Zahlen bieten Orientierung, aber sie verwirren auch. Ein Wert alleine wird der Dynamik nicht gerecht. Deshalb hier ein Überblick über Zahlen und Trends – für Deutschland und die Welt.

Grafik: Die Entwicklung in Deutschland – eine Chronik (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)
Die Entwicklung in Deutschland – eine Chronik (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)

Lockerungen trotz Mutationen?

Bund und Länder haben den Lockdown zwar grundsätzlich bis zum 28. März verlängert, gleichzeitig aber Lockerungsschritte vereinbart. Weitere Öffnungen werden vom Infektionsgeschehen abhängig gemacht und sollen durch Tests abgesichert werden. Alle Bürgerinnen und Bürger sollen sich ab dem 8. März einmal pro Woche testen lassen können. Die Kosten soll der Bund übernehmen.

Grafik zeigt Öffnungsschritte aus dem Lockdown (Deutschlandradio / Andrea Kampmann) (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)

Thorsten Lehr, Professor für Klinische Pharmazie und Mitentwickler des Covid-Simulators, hält Lockerungen der Coronamaßnahmen für richtig – allerdings müssten diese langsamer erfolgen als geplant und wissenschaftlich begleitet werden. Lehr glaubt, dass wir am Fuße der dritten Welle stehen. "Die Frage wird sein, wie hoch wird sie sich auftürmen. Das haben wir am Ende trotzdem selbst in der Hand", sagte er im Deutschlandfunk.

Ein Schild weist im Blumenladen "Tulpina" auf die Abstands und Hygieneregeln hin. Die Tulpenbrüterei hat wieder für die Kunden geöffnet. In Sachsen-Anhalt wie bundesweit wurde das öffentliche Leben seit November weitgehend heruntergefahren, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. (dpa / ZB / Klaus-Dietmar Gabbert) (dpa / ZB / Klaus-Dietmar Gabbert)Thorsten Lehr: "Blindflug ohne große Evidenz"
Wie sich die Lockerungen auf das Infektionsgeschehen auswirken werden, hänge ganz stark vom Verhalten der Bevölkerung ab. Es sei sinnvoll, bei den Öffnungsschritten nochmal nachzujustieren, sagte Lehr im Dlf.

Immer deutlicher zeichnet sich ab, dass die britische Variante B.1.1.7 die Überhand über den Wildtyp des Virus gewinnt. Die aktuellen Zahlen vom RKI in seinem fokussierten Bericht vom 3. März sehen den Mutantenanteil bei rund 40 Prozent in der Kalenderwoche 8. Für den weiteren Pandemieverlauf werden die Virusvarianten also die entscheidende Rolle spielen, sagt der Virologe Marco Binder.

Er sieht Anzeichen einer dritten Welle, angetrieben von ansteckenderen Mutanten, die von den bisherigen Gegenmaßnahmen nicht mehr im Zaum gehalten werden. Zugleich habe man in Großbritannien die Erfahrung gemacht: B.1.1.7 kann unter Kontrolle gebracht werden, mit sehr harten Lockdown-Maßnahmen. In Deutschland stehen die Zeichen eher auf Öffnung. Man wird also die Zahlen gut beobachten müssen, um rechtzeitig zu erkennen, ob Lockerungen wieder zurückgenommen werden müssen.

AUSTRIA - VIENNA - HEALTH - VIRUS - LABORATORY ÖSTERREICH WIEN 20201215 Corona Virus Covid-19 Proben in einem Laborgerät , fotografiert in Wien am 15 Dezember 2020. Die Lifebrain Group hat heute das, nach eigenen Angaben modernste und grösste PCR und Antigentest Labor in Österreich mit einer Kapazität von 30 000 Proben am Tag, eröffnet. /// AUSTRIA VIENNA 20201215 Corona virus Covid-19 samples in a laboratory device, photographed in Vienna on December 15, 2020. The Lifebrain Group has what it claims to be the most modern and largest PCR and antigen test laboratory in Austria with a capacity of 30,000 rehearsals on the day. *** AUSTRIA VIENNA HEALTH VIRUS LABORATORY AUSTRIA VIENNA 20201215 Corona virus Covid 19 samples in PUBLICATIONxNOTxINxAUT (IMAGO / Alex Halada) (IMAGO / Alex Halada)Virologe Binder: "B.1.1.7 auf dem Weg zur dominierenden Variante" 
Für den weiteren Pandemieverlauf werden die neuen Virusvarianten eine entscheidende Rolle spielen, sagte der Virologe Marco Binder im Dlf. Die Erfahrungen aus Großbritannien seien jedoch positiv.

Aktuelle Corona-Zahlen der JHU für Deutschland

Unsere dynamischen Grafiken aktualisieren sich überwiegend an jedem Vormittag. Dabei gilt trotz der massiven Ausweitung der Tests noch immer: Die Dunkelziffer lässt sich nur grob schätzen, Meldeverfahren unterscheiden sich von Land zu Land und verändern sich manchmal sprunghaft von einem Tag auf den anderen.

Covid-19: Neuinfektionen in Deutschland pro Tag

Verbreitung der Corona-Mutationen

Wie verbreitet sind die verschiedenen Coronavirus-Varianten, die als ansteckender gelten, die sogenannten "Variants of Concern (VOC)"? Hierzu zählen vor allem die britische Variante (B.1.1.7), die südafrikanische Variante (B.1.351) und die Mutation, die vor allem in Brasilien verbreitet ist (P.1).

So laufen die Covid-19-Impfungen in Deutschland
 

Seit dem 27.12.2020 wird die Bevölkerung in Deutschland gegen das Coronavirus geimpft, zunächst vor allem in Alten- und Pflegeheimen. Mit Beginn des Jahres 2021 öffneten in einigen Bundesländern auch die ersten Impfzentren, wo nach einer bestimmten Reihenfolge geimpft wird. Dazu zählen nach §2 der Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums Menschen über 80 Jahre, Pflegende in Heimen und der ambulanten Betreuung, medizinisches Personal mit hohem Ansteckungsrisiko und solches, das besonders gefährdete Patienten betreut (PDF des Bundesgesundheitsministeriums).

Unterschiedliche Impfquoten in den Bundesländern

Die Impfquoten sind hierzulande in den unterschiedlichen Bundesländern sehr verschieden. Sollte es gelingen, 60 Prozent der Bevölkerung zu impfen, würde langsam eine Gruppenimmunität aufgebaut, die dem neuen Coronavirus die Verbreitungsmöglichkeiten abschneidet. Wenn sich ansteckendere Virenvarianten verbreiten, liegt die Hürde für die Gruppenimmunität allerdings höher.

7-Tage-Inzidenzen in Deutschland

Die folgenden Daten stammen aus dem Dashboard des Robert Koch-Instituts. Unsere Karte weist die 7-Tage-Inzidenzen aller Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland aus. Per Mausklick erhält man die tagesaktuellen Werte, den 14-tägigen Verlauf der Inzidenz sowie die höchsten und niedrigsten Werte der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen. Die hell markierten Landkreise gehören zu denen, die den Inzidenzwert von weniger als 50 Neuinfektionen in der Woche pro 100.000 Einwohner schon erreicht haben.

Die Entwicklung der Reproduktionszahl R

Die Reproduktionszahl R gibt an, wie viele weitere Personen eine Infizierte oder ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt. Liegt sie über eins, breitet sich eine Epidemie weiter aus. Um die Situation spürbar zu entschärfen, müsste der R-Wert dauerhaft auf 0,7 sinken, wie die Physikerin Viola Priesemann im Deutschlandfunk erklärte. Denn dann halbieren sich die Infektionen jede Woche, während das bei einem R-Wert von 0,9 jeweils einen Monat dauert. Aufgrund der komplexen Berechnung ist die Zahl immer ein Blick in die Vergangenheit.

Wie berechnet sich der R-Wert?

Die Reproduktionszahl wird berechnet, indem man die gemittelte Zahl der Infizierten zu einem bestimmten Zeitpunkt vergleicht mit der Zahl der Infizierten zu dem Zeitpunkt vier Tage früher. Beim Sieben-Tage-R-Wert verwendet man dabei für jeden Zeitpunkt die Mittelwerte aus sieben Tagen. Der Mittelwert des zweiten Zeitraums wird dann geteilt durch den Mittelwert des ersten Zeitraums, um den R-Wert zu erhalten. Der Verlauf der Epidemie wird zum Beispiel aufgrund des Meldeverzuges nur teilweise in den jeweils neuen Daten widergespiegelt. Um das auszugleichen nutzt das Robert Koch-Institut komplexe Modelle, deren Ergebnisse aber immer noch stark schwanken. Deshalb wird der Durchschnitt über vier (sensitiv) oder über sieben (geglättet) Tage angegeben. Diese Werte werden angepasst, sobald die nachgemeldeten Daten vorliegen.

Auslastung der Intensivbetten in Deutschland

Knapp ein Zehntel der Menschen mit einer nachgewiesenen SARS-CoV-2-Infektion müssen aufgrund ihrer Symptome ins Krankenhaus, dort werden sie im Durchschnitt für zwei Wochen behandelt. Wenn lebensbedrohliche Symptome entstehen, müssen Covid-19-Patienten auf die Intensivstation. Seit dem November kämpften die Intensivmediziner mit einem starken Ansturm, deutlich über dem der ersten Welle. Die Gesamtzahl der verfügbaren Intensivbetten ist seit Oktober sichtbar gesunken. Das liegt vor allem daran, dass auch das medizinische Personal von SARS-CoV-2 betroffen sein kann – entweder direkt über eine Infektion oder indirekt wegen Quarantäne-Auflagen oder weil Kinder betreut werden müssen, deren Kitas oder Schulen geschlossen haben. Noch sind freie Intensivbetten deutschlandweit verfügbar.

Die Entwicklung der Pandemie weltweit

Zahlen und Daten: Robert Koch-Institut (RKI) oder Johns-Hopkins-Universität (JHU)?

Ob man auf die Zahlen des RKI schaut oder auf die der JHU: Die Trends sind identisch, auch wenn sich die absoluten Werte ein wenig unterscheiden. Das liegt daran, dass beim RKI die offiziell gemeldeten Fälle verwendet werden. Es braucht einige Tage, bis Verdachtsfälle diagnostiziert, getestet sind und die Information vom Gesundheitsamt vor Ort über das Bundesland nach Berlin gelangt sind.

Die JHU greift auf die Daten des RKI zu, ergänzt sie aber mit Modellen und weiteren Quellen (Veröffentlichungen der lokalen Behörden und der Weltgesundheitsorganisation sowie Berichte aus Medien/Internet).Beide Datenquellen haben ihre Berechtigung. Beide hinken der tatsächlichen Situation hinterher. Vor allem im internationalen Vergleich muss man zudem von erheblichen Verzerrungen in der Abbildung des Geschehens ausgehen, die zum Teil strukturellen, zum Teil politischen Ursprungs sind.

(Redaktion: Andrea Kampmann, Christiane Knoll, Josh Moriarty, Charlotte Voß, Volkart Wildermuth, Anne Göbel, Frank Barknecht)

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