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StartseiteThemaWas die Neuinfektionen für die kommenden Wochen bedeuten22.11.2020

Coronavirus in ZahlenWas die Neuinfektionen für die kommenden Wochen bedeuten

Eine Epidemie bedeutet ständige Veränderung. Die Situation ist im Fluss, doch wohin? Zahlen bieten Orientierung, aber sie verwirren auch. Ein Wert alleine wird der Dynamik nicht gerecht. Deshalb hier ein Überblick über Zahlen und Trends – für Deutschland und die Welt.

Von Volkart Wildermuth

Grafik: Die Entwicklung in Deutschland – eine Chronik (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)
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Die täglich gemeldeten Infektionszahlen haben sich stabilisiert, gehen zum Teil leicht zurück, in Deutschland und in vielen Ländern Europas. Ist das schon ein Erfolg des Teil-Lockdowns? Schwer zu sagen, vielleicht gaukelt hier auch nur eine veränderte Teststrategie einen positiven Trend vor. Umso wichtiger, Bilanz zu ziehen: Wie breitet sich SARS-CoV-2 aus und welche Konsequenzen hat COVID-19 für die Menschen?

Hier werden regelmäßig die wichtigsten Zahlen zusammengefasst, eingeschätzt und grafisch dargestellt. Die dynamischen Grafiken aktualisieren sich überwiegend an jedem Vormittag. Trotz der massiven Ausweitung der Tests gilt aber immer noch: Die Dunkelziffer ist unbekannt, Meldeverfahren unterscheiden sich von Land zu Land und verändern sich manchmal sprunghaft von einem Tag auf den anderen. Gut, dass der Erkenntnisgewinn nicht nur in den absoluten Werten steckt, sondern vor allem in den Mustern und typischen Verläufen, die ein Infektionsgeschehen produziert.

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Neuinfektionen in Deutschland pro Tag

Der steile Anstieg der Neuinfektionen ist erst einmal gebremst. Optimisten glauben sogar schon, einen Abwärtstrend erkennen zu können. Doch so deutlich sind die Signale noch nicht. Das Robert Koch-Institut hat wegen der Überlastung der Labore die Teststrategie angepasst. Die Zahl der Tests ist um gut ein Zehntel zurückgegangen und das erklärt einen Großteil des aktuellen Trends. Die veränderte Strategie beeinflusst auch die Positivenquote. Trotzdem spricht der sprunghafte Anstieg auf 9 Prozent von SARS-CoV-2-Nachweisen unter allen Tests eher gegen ein deutliches Abflauen der Corona-Epidemie in Deutschland.

In den vergangenen Wochen stieg die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland deutlich an – vor einigen Tagen hat sie aber einen Scheitelpunkt überschritten. Im Durchschnitt werden in der Woche rund 139 Personen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern neu positiv auf SARS-CoV-2 getestet. Ungefähr so viele wie vergangene Woche, aber das Dreifache im Vergleich zu den Werten vor einem Monat.

Ein sehr leichtes Abflachen der Kurven macht sich mittlerweile auch auf den Intensivstationen bemerkbar. Bis vor Kurzem verdoppelte sich die Zahl der COVID-19-Patientinnen und -Patienten noch alle zehn Tage. Zwar füllten sich in der zurückliegenden Woche die Intensivstationen weiterhin zusehends – allerdings nicht ganz so stark wie befürchtet. Inzwischen ist bundesweit etwa jedes sechste Intensivbett mit einem COVID-19-Patienten belegt. Kurzfristig dürfte sich das auch nicht ändern. Denn wer schwer erkrankt, verbringt meist einige Wochen in der Intensivpflege.

Die Todesfälle bei Menschen mit einer Corona-Infektion nehmen deutlich zu. Sie werden wohl weiter steigen, weil zwischen einer Infektion und dem Auftreten schwerer Symptome Zeit vergeht. Das heißt, die starke Welle der Infektion aus dem Oktober kommt erst nach und nach in den Krankenhäusern an.

Zurzeit gibt es noch genug freie Betten auf den Intensivstationen. Trotzdem ergeben sich an manchen Orten bereits lokale Engpässe. In Berlin beispielsweise liegt die Auslastung der Intensivstationen deutlich höher als im bundesweiten Durchschnitt. Hinzu kommt, dass nicht allein die Zahl der Betten ausschlaggebend ist, sondern auch die Personaldecke.

Im Vergleich zum August hat sich die Karte auf dem Dashboard des Robert Koch-Instituts völlig verändert. Damals waren die meisten Kreise blass gelb, heute dominieren Rot und Dunkelrot – im Süden und Westen Deutschlands praktisch flächendeckend. Im Norden gibt es einige gelbe Regionen. Mehr als 90 Prozent der Kreise und Kreisfreien Städte gelten inzwischen als Risikogebiet mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von über 50. Mehr als Zwanzig überschreiten sogar die Schwelle von 250 Ansteckungen pro Woche und 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Dazu gehören nicht nur Städte wie Speyer, Herne und Berliner Bezirke wie Mitte und Neukölln, sondern auch ländliche Regionen, wie die Landkreise Freyung-Grafenau, Bautzen oder Traunstein.

Eine weggeworfene Mundschutzmaske in Freiburg. Die Fallzahlen steigen, eine verschärfte Maskenpflicht ist vielerorts bei steigender 7-Tage-Inzidenz angeordnet. (dpa / Winfried Rothermel) (dpa / Winfried Rothermel)Corona-Szenarien für den Herbst
Die zweite Corona-Welle hat Deutschland erfasst, und mit ihr steigt auch die Zahl älterer Infizierter wieder an. Eine Modellierungsstudie prognostiziert dementsprechend einen deutlichen Anstieg der Todesfälle.

Bundesländer – Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner

Grafik: Welche Sieben-Tage-Inzidenz hat welches Bundesland? Ein Überblick. (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)Welche Sieben-Tage-Inzidenz hat welches Bundesland? Ein Überblick. (Stand 19. November 2020) (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)

Auch in den Bundesländern zeichnet sich ab, dass die Neuinfektionen etwas weniger stark anwachsen als befürchtet. Doch die Zahlen bleiben weiterhin hoch und die Trends verlaufen sehr unterschiedlich. Vor allem Berlin verzeichnet weiter deutliche Zuwächse. In der Hauptstadt ist die Zahl der positiven Tests im Verlauf einer Woche um 18 Prozent gestiegen. Dagegen sinken die Werte in Bremen und Hamburg, dort sogar um 23 Prozent im Wochenvergleich. Hinter diesen Trends liegen unterschiedliche Ausgangsbedingungen aber wohl auch verschiedene Strategien im Umgang mit der Epidemie.

Die nach wie vor hohe Zahl der positiven Tests bringt die Gesundheitsämter an den Rand ihrer Kapazitäten – und darüber hinaus. Vielerorts gelingt es nicht mehr, die Infektionsketten nachzuverfolgen. Deshalb ist derzeit nur bei einem Viertel der positiven Tests klar, wo sich die Menschen angesteckt haben.

Die Infektionsorte haben sich im Laufe der Epidemie verschoben: Im Frühjahr waren Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen entscheidend. Im Sommer ging das Infektionsgeschehen generell zurück, die Ausbrüche fanden vor allem in Betrieben, insbesondere der fleischverarbeitenden Industrie statt – Stichwort Tönnies. Im Herbst hat sich das Ausbruchsgeschehen in den privaten Bereich verlagert, zu Familienfesten, Hochzeiten und Partys. Beim geselligen Zusammensein unter Bekannten werden die AHA-Regeln offenbar weniger beachtet. Das heißt aber nicht, dass der öffentliche Nahverkehr oder Restaurants oder Hotels keine Rolle mehr spielen. Wie gesagt, bei drei Viertel der Ansteckungen ist unklar, wo die Infektion stattgefunden hat. Wegen dieser Unsicherheit und den vielen eher kleinen diffus verteilten Ausbrüchen ist es schwer, dem Trend gezielt gegenzusteuern. Entscheidend bleibt die Prävention. Die Politik versucht über den Teil-Lockdown die Zahl der Kontakte zu senken. Aber auch jede und jeder Einzelne sollte an der AHA+L-Regel festhalten: Alltagsmaske, Hygiene, Abstand – und in Innenräumen viel lüften.

Die Reproduktionszahl R

Die Entwicklung der Reproduktionszahl

Die Reproduktionszahl R gibt an, wie viele weitere Personen eine Infizierte oder ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt. Liegt sie über eins, breitet sich eine Epidemie weiter aus. R lässt sich nur mit komplexen Modellen abschätzen und schwankt deshalb stark. Das Robert Koch-Institut gibt einen Durchschnitt über vier (sensitiv) oder über sieben (geglättet) Tage an. Die Prognose ist mit gewissen Unsicherheiten behaftet, zum Beispiel dem Meldeverzug. Daher gleicht das Robert Koch-Institut den Wert nach einigen Tagen nach oben oder unten nachträglich an, wenn genauere Meldezahlen vorliegen.

Für SARS-CoV-2 lag die Reproduktionszahl anfangs ungefähr bei drei. Dank der Ausgangsbeschränkungen und der anderen Gegenmaßnahmen ist R im März auf Werte unter eins gesunken – das Virus wurde langsam zurückgedrängt. Anfang Juni stieg R aufgrund der Lockerungen leicht. Auch der Ausbruch Mitte Juni bei Tönnies zeichnet sich deutlich ab. Seit September liegt der R-Wert im Mittel beständig über eins – die COVID-19-Epidemie breitete sich weiter aus. Für eine echte Trendumkehr wäre es wichtig, den R-Wert dauerhaft deutlich unter eins zu bekommen.

Datengrundlage für 7-Tage-R-Wert

Die Reproduktionszahl wird berechnet, indem man die gemittelte Zahl der Infizierten zu einem bestimmten Zeitpunkt vergleicht mit der Zahl der Infizierten zu dem Zeitpunkt vier Tage früher. Beim 7-Tage-R-Wert verwendet man dabei für jeden Zeitpunkt die Mittelwerte aus sieben Tagen. Der Mittelwert des zweiten Zeitraums wird dann geteilt durch den Mittelwert des ersten Zeitraums, um den R-Wert zu erhalten.

Deutschland – Wachstum der aktiven Fälle

Neben den Neuinfektionen bietet auch die Zahl der aktiven Fälle einen Blick auf die Entwicklung der Pandemie in Deutschland. Die aktiven Fälle sind alle Personen, die sich angesteckt haben, aber noch nicht genesen, beziehungsweise zum sehr viel kleineren Teil verstorben sind. Sie bilden sozusagen den Brennstoff der Epidemie, denn sie können das neue Coronavirus weiterverbreiten.

Hier sind die prozentualen Veränderungen in den aktiven Fällen dargestellt. Liegt die Kurve über Null, wächst diese Gruppe weiter an, und befeuert die Ausbreitung des Virus. Das ist aktuell der Fall, wobei die Kurve inzwischen wieder nach unten weist. Aber erst, wenn sie unter Null sinkt, wäre das ein Zeichen für eine Trendumkehr, würde das Virus tatsächlich an Boden verlieren, weil es weniger Chancen zur Weiterverbreitung erhält. Wobei man nicht vergessen darf: In absoluten Zahlen ist die Gruppe der aktiven Fälle nach wie vor auf einem Höchststand.

Deutschland – Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner nach Altersgruppen

In der ersten Welle im Frühjahr wurden Menschen über 80 Jahren am häufigsten positiv auf SARS-CoV-2 getestet. Auch weil damals vor allem beim Vorliegen von Symptomen getestet wurde. Dank der Ausweitung der Tests werden inzwischen auch milde Verläufe erfasst. Damit gerät das Infektionsgeschehen bei den 15- bis 34-Jährigen in den Blick. Mit dem Ende der Ferien kam es in dieser besonders aktiven Gruppe vermehrt zu Ansteckungen. Seit September werden die Infektionen aber auch an andere Altersgruppen weitergereicht. Inzwischen entfallen auf die Gruppe der über 60-Jährigen etwa 20 Prozent der Infektionen. Besonders steil ist der Anstieg bei den über 80-Jährigen, die ein erheblich höheres Risiko haben, schwer an einer SARS-CoV-2-Infektion zu erkranken. Aktuell liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei den Hochbetagten über der der 20-29-Jährigen. Das liegt auch an den wieder häufigen auftretenden Ausbrüchen in Alten- und Pflegeheimen.

Deutschland – Betten in der Intensivmedizin

Bei älteren Menschen führt eine Infektion mit SARS-CoV-2 häufiger zum Auftreten schwerer Krankheitssymptome. Entsprechend werden mehr Menschen aufgrund einer SARS-CoV-2-Infektion in die Krankenhäuser eingewiesen. Durchschnittlich werden sie dort 14 Tage behandelt. Auch die Intensivstationen werden voller. Anfang September waren dort bundesweit nur rund 200 Betten mit COVID-19-Patienten belegt. Mittlerweile liegen auf den Intensivstationen deutlich mehr COVID-19-Patientinnen und Patienten als noch auf dem Höhepunkt der Fallzahlen im April. Obwohl das Durchschnittsalter der Intensivpatienten zurzeit niedriger liegt als während der ersten Welle, muss etwas über die Hälfte von ihnen intensiv beatmet werden. Beatmungspatienten bleiben durchschnittlich 25 Tage in der Klinik. Nach wie vor stirbt aber ein hoher Prozentsatz dieser Patientinnen und Patienten.

Die Gesamtzahl der verfügbaren Intensivbetten sinkt seit Oktober sichtbar ab. Das liegt vor allem daran, dass auch das medizinische Personal von SARS-CoV-2 betroffen sein kann. Entweder direkt über eine Infektion oder indirekt wegen Quarantäneauflagen oder weil Kinder betreut werden müssen, deren Kitas oder Schulen geschlossen haben. Parallel steigt die Zahl der COVID-19-Erkrankungen und wird noch einige Zeit weiter steigen. Derzeit sind noch gut 6.000 freie Intensivbetten verfügbar.

In einigen Krankenhäusern ist aber absehbar, dass die Kapazitäten nicht ausreichen werden. Ob sich das über die Betten der Notfallreserve ausgleichen lässt, ist unklar. Sie verfügen zwar über die notwendige technische Ausstattung, der Engpass liegt aber beim gut ausgebildeten Personal für die Versorgung der Patientinnen und Patienten. Viele Kliniken denken deshalb bereits über das Verschieben nicht notwendiger Operationen nach, um auf einen Anstieg bei COVID-19-Intensivpatienten vorbereitet zu sein. Außerdem gibt es das "Kleeblatt-Prinzip", das im Notfall eine Verteilung von schwer Erkrankten auch über die Grenzen von Bundesländern hinweg ermöglicht. 

Deutschland – Todesfälle pro Tag

Der wichtigste Risikofaktor für einen schweren Verlauf der Erkrankung ist das Alter. Nach den Zahlen des Robert Koch-Instituts waren in Deutschland 85 Prozent der COVID-19-Toten älter als 70 Jahre. Seit Ende Oktober weisen die Zahlen der Todesfälle eine deutliche Tendenz nach oben auf, wobei sie von Tag zu Tag stark schwanken. Noch liegen die absoluten Sterbezahlen etwas niedriger als während der ersten Welle – aber es dürfte nur noch eine Frage von Tagen sein, bis das Maximum von damals überschritten wird. Denn es ist fast unvermeidlich, dass sich die erhöhte Zahl der Neuinfektionen mit Zeitverzug auch auf die Todeszahlen auswirken wird.

Trotzdem gibt es auch eine positive Nachricht: Laut einer aktuellen Auswertung deutscher Daten sinkt die Sterblichkeit auch unter den sehr alten COVID-19-Patientinnen und -Patienten im Krankenhaus im Vergleich zum Beginn der Pandemie. Vielleicht zeichnet sich hier schon der Einfluss von Medikamenten wie Dexamethason und vor allem der zunehmenden Erfahrung des medizinischen Personals ab.

Die Ausbreitung des Coronavirus im internationalen Vergleich

SARS-CoV-2 erreicht auch die entlegensten Gebiete der Erde: Im November wurde auf den pazifischen Inselstaaten Samoa und Vanuatu jeweils ein erster Fall dokumentiert. Global wird das Geschehen aber nach wie vor von der Entwicklung in Europa dominiert. Dort wurden in der vergangenen Woche knapp die Hälfte der 4 Millionen Neuinfektionen auf der Welt gezählt. Erfreulicherweise sinken die Zahlen aber langsam. In den USA dagegen breitet sich SARS-CoV-2 wieder schneller aus. Insgesamt haben sich inzwischen mehr als 56 Millionen Menschen angesteckt. Im Verlauf der Pandemie sind über 1,3 Millionen Menschen mit COVID-19 gestorben. Das sind allerdings nur die offiziellen Zahlen, tatsächlich dürften deutlich mehr Menschen dem neuen Coronavirus zum Opfer gefallen sein.

Kontinentalvergleich – Neuinfektionen international in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner

Vergleicht man die Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen bezogen auf die Bevölkerungsgröße, dann scheint sich die Pandemie fast nur noch in Europa und Nordamerika abzuspielen. Aber auch in Südamerika weisen die Kurven nach Wochen des Abfallens wieder leicht nach oben. Gemeinsam verzeichnen diese drei Kontinente etwa 80 Prozent der Neuinfektionen und ebenso der Todesfälle. Der Rest der Welt scheint demgegenüber kaum noch eine Rolle zu spielen. Aber auch wenn Asien sinkende Fallzahlen verzeichnet, sind aufgrund der großen Bevölkerungszahlen auch dort viele Menschen von SARS-CoV-2 betroffen. Auf dem afrikanischen Kontinent steigen die Zahlen weiter auf niedrigem Niveau an. Auch Australien und Neuseeland berichten von rückläufigen Zahlen.

Auf der Ebene einzelner Nationen ist das Bild aber sehr heterogen. In den vergangenen zwei Wochen meldeten die USA, Indien, Italien, Frankreich und Brasilien die meisten neuen Fälle. Bezieht man die Infektionszahlen auf die Größe der Bevölkerung, nehmen nicht mehr nur europäische Länder die vordersten Plätze ein – inzwischen verzeichnen auch einige Länder des Nahen Ostens hohe Zahlen. Am stärksten betroffen ist aktuell Andorra gefolgt von Bahrain, Katar, Aruba, Israel, Tschechien, Armenien und Montenegro. Die traurige Statistik der Todesfälle pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern führen Belgien, Luxembourg, Tschechen, Andorra und die Schweiz an.  

Europa – Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner

In Europa sank die Zahl der Neuinfektionen zum ersten Mal seit drei Monaten, und zwar innerhalb einer Woche um etwa 10 Prozent. Das ist wohl ein Erfolg der strengen Einschränkungen in vielen Ländern, wie etwa in Frankreich, Italien oder Tschechien. In Österreich dagegen breitete sich die Epidemie aus. Die Regierung hat deshalb ebenfalls einen Lockdown erlassen. Auch Russland, Teil der WHO Region Europa, verzeichnet deutlich steigende Infektionszahlen.

Europa – Todesfälle in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner

Der leichte Rückgang der Pandemie in Europa wird sich erst nach und nach auch in sinkenden Sterbezahlen widerspiegeln. In Wochenvergleich kam es zu 18 Prozent mehr Todesfällen in Zusammenhang mit COVID-19, das ist etwa die Hälfte der globalen Sterbefälle.

In einigen europäischen Regionen insbesondere in Belgien, Tschechien und Großbritannien sind die Krankenhäuser überlastet. Auch Frankreich, die Niederlande und Polen berichten von Problemen. Generell hat eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ergeben, dass in Europa das Hautproblem der Gesundheitssysteme der Mangel an Pflegepersonal ist.

Genau wie in Deutschland haben auch die Regierungen vieler anderer europäischer Länder drastische Einschränkungen beschlossen. Das gilt ebenfalls für Schweden, das seinen eher liberalen Ansatz angesichts deutlich steigender Sterbezahlen anpasst.

Ländervergleich – Neuinfektionen international in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner

Im Nahen Osten hat Israel inzwischen seine zweite Welle mit einem strengen Lockdown erfolgreich eingedämmt. Dagegen verzeichnet der Iran seit September wieder deutlich steigende Infektions- und auch Todeszahlen.

In vielen Ländern Asiens ist es gelungen, SARS-CoV-2 zurückzudrängen. Selbst in Indien fallen die Infektionszahlen seit Mitte September, und auch die Todesfälle gehen zurück. Trotzdem verzeichnet Indien aufgrund der Größe seiner Bevölkerung hinter den USA weltweit die zweitmeisten SARS-CoV-2-Fälle und liegt bei den Toten hinter den USA und Brasilien an dritter Stelle. Allerdings dürfte die Dunkelziffer erheblich sein. Entgegen dem Trend in Asien verzeichnen Indonesien und inzwischen auch das vielfach für seine vorbildliche Strategie gepriesene Japan wieder steigende Zahlen.

In Ozeanien bewährt sich das strikte Vorgehen in Neuseeland und Australien. Die beiden Länder konnten ihre Epidemien weitgehend zurückdrängen. Wenn es wie im Bundesstaat Süd-Australien doch zu einem Ausbruch mit nur 22 Infizierten kommt, wird gleich ein sechstägiger Lockdown erlassen.

Die Länder auf dem afrikanischen Kontinent konnten lange entgegen aller Prognosen SARS-CoV-2 zurückdrängen. Seit Oktober kommt es vermehrt zu Neuinfektionen. Das gilt insbesondere für Südafrika, Kenia, Algerien und Äthiopien. Die Zahl der Todesfälle bleibt dort vorerst stabil. Allerdings tötet SARS-CoV-2 in Afrika nicht nur direkt: Wegen der Pandemie sind viele Gesundheitsangebote wie Impfungen, Malarianetze, HIV- und TB-Medikamente nur eingeschränkt verfügbar. Auch der Hunger nimmt wieder zu und gefährdet vor allem Kinder.

Lateinamerika zeigt ein heterogenes Bild: Argentinien scheint auf einem guten Weg zu sein, dagegen steigen die Zahlen in Brasilien und Mexiko. Der Doppelkontinent der beiden Amerika wird aber von der Entwicklung in den USA geprägt. Dort wurden allein in der vergangenen Woche über eine Million Neuinfektionen verzeichnet. Viele Städte verschärfen die Bestimmungen, in New York zum Beispiel wurden die Schulen wieder geschlossen. Die Zahl der Krankenhauseinweisungen und der Todesfälle steigen um jeweils ein Viertel im Vergleich zur Vorwoche. Insgesamt sind in den USA über eine Viertelmillion Menschen in Zusammenhang mit SARS-CoV-2 gestorben. Allerdings liegt die Sterblichkeit auf die Bevölkerung bezogen in Belgien, Spanien und Argentinien höher.

Ländervergleich – Todesfälle international in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner

Die Zahl der Todesfälle innerhalb von sieben Tagen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner steigt aktuell nicht nur in den USA und beispielsweise im Iran an, sondern auch in Deutschland. Dagegen verzeichnen Länder wie Brasilien und Argentinien hier eine positive Entwicklung – bei ihnen lag die Sterblichkeitsrate in der Vergangenheit hoch. 

In den Statistiken geht immerhin der Wert für die Gesamtsterblichkeit an COVID-19 vielerorts langsam zurück. Dafür gibt es Gründe: So wurden weltweit die Tests ausgeweitet – deshalb werden auch mehr infizierte Personen ohne oder mit nur milden Symptomen entdeckt. Außerdem infizieren sich derzeit vor allem junge Menschen, die zwar auch an COVID-19 sterben können, aber doch erheblich seltener als die über 70-Jährigen. Diese statistischen Effekte werden begleitet von realen medizinischen Fortschritten. Erste Analysen zeigen, dass durch die zunehmende Erfahrung von Ärztinnen und Ärzten, vermutlich auch durch Medikamente wie Dexamethason, die Überlebenswahrscheinlichkeit selbst für die Patientengruppe über 80 gestiegen ist. Trotz dieses Trends bleibt SARS-CoV-2 ein tödliches Virus.

Die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) haben die sogenannte Übersterblichkeit in den USA analysiert. Dabei vergleicht man die aktuellen Sterbezahlen mit dem langjährigen Mittel. Danach sind zwischen Januar und September rund 300.000 zusätzliche Todesfälle in den USA aufgetreten, also deutlich mehr, als die Zahl der offiziell registrierten COVID-19-Todesfälle. Das liegt zum Teil an "übersehenen" SARS-CoV-2-Infektionen, außerdem kam es auch zu einer erhöhten Sterblichkeit bei anderen Krankheiten. Viele Erkrankte trauten sich nicht in die Krankenhäuser – und die waren durch die Corona-Epidemie überlastet. Überraschend an der Analyse: Gerade bei den 25- bis 44-Jährigen lag die Übersterblichkeit hoch. Es ist also keineswegs so, dass COVID-19 ausschließlich eine Gefahr für die Älteren darstellt.

Wenn es eine Lehre aus der internationalen Entwicklung der Pandemie gibt, dann lautet sie: SARS-CoV-2 wird jede Chance nutzen, die eine Gesellschaft bietet.

Robert Koch-Institut (RKI) oder Johns-Hopkins-Universität (JHU)?

Ob man auf die Zahlen des RKI schaut oder auf die der JHU: Die Trends sind identisch, auch wenn sich die absoluten Werte ein wenig unterscheiden. Das liegt daran, dass beim RKI die offiziell gemeldeten Fälle verwendet werden. Es braucht einige Tage, bis Verdachtsfälle diagnostiziert und getestet sind, und die Information vom Gesundheitsamt vor Ort über das Bundesland nach Berlin gelangt.

Die JHU greift auf die Daten des RKI zu, ergänzt sie aber mit Modellen und weiteren Quellen (Veröffentlichungen der lokalen Behörden und der Weltgesundheitsorganisation sowie Berichte aus Medien/Internet).

Beide Datenquellen haben ihre Berechtigung. Beide hinken der tatsächlichen Situation hinterher. Vor allem im internationalen Vergleich muss man zudem von erheblichen Verzerrungen in der Abbildung des Geschehens ausgehen, die zum Teil strukturellen, zum Teil politischen Ursprungs sind.

(Redaktion: Andrea Kampmann, Christiane Knoll, Josh Moriarty, Charlotte Voß, Volkart Wildermuth, Anne Göbel)

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