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StartseiteThemaWas die Neuinfektionen für die kommenden Wochen bedeuten08.06.2021

Coronavirus in ZahlenWas die Neuinfektionen für die kommenden Wochen bedeuten

Eine Epidemie bedeutet ständige Veränderung. Die Situation ist im Fluss, doch wohin? Zahlen bieten Orientierung, aber sie verwirren auch. Ein Wert alleine wird der Dynamik nicht gerecht. Deshalb hier ein Überblick über Zahlen und Trends, für Deutschland und die Welt.

Grafik: Die Entwicklung in Deutschland – eine Chronik (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)
Die Entwicklung in Deutschland – eine Chronik (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)

Aktuelles zum Coronavirus

Die Sieben-Tage-Inzidenzen in Deutschland sinken seit Wochen. Der Modellierer Thorsten Lehr von der Universität des Saarlandes meint, dass sich die Werte in den nächsten Wochen auf einem Plateau einpendeln werden. Einen Anstieg erwartet er aber wegen der Saisonalität und der steigenden Impfzahlen in den kommenden Sommermonaten nicht. Dennoch müsse man weiter achtsam und wachsam bleiben, sagte Lehr im Interview mit dem Deutschlandfunk. Das Risiko einer vierten Corona-Welle sei aber durchaus noch vorhanden.

Thorsten Lehr, Professor für Klinische Pharmazie der Saar-Uni, erläutert den Covid19-Online-Simulator (Oliver Dietze, Universität des Saarlandes) (Oliver Dietze, Universität des Saarlandes)Modellierer Lehr: Risiko einer vierten Corona-Welle vorhanden 
Einen Anstieg der Coronazahlen erwartet Modellierer Thorsten Lehr erstmal nicht. Er könne sich aber vorstellen, dass am Ende der Sommerferien die Zahlen aufgrund der Reiserückkehrer und neuer Mutationen wieder anstiegen.

"Es scheint vieles dafür zu sprechen, dass wir aus dieser Phase raus sind, in der die großen Inzidenzwellen stattfinden", sagte auch der Modellierer Dirk Brockmann im Deutschlandfunk. Man dürfe aber nicht vergessen, dass die Ansteckungen auch weiter durch AHA-Maßnahmen gebremst seien. Unterschiedliche Faktoren würden aktuell zum Rückgang der Inzidenzen beitragen. Wie groß ihr Einfluss jeweils sei, wisse man leider nicht genau.

Dirk Brockmann Wissenschaftler 05/20 her Prof. Dirk Brockmann am 19. Mai 2020 in Markus Lanz , ZDF TV Fernsehen Talkshow Talk Show Deutschland deutsch deutscher Mann Wissenschafter Physiker Physik german scientist quer Portrait neutral lächelnd *** Dirk Brockmann scientist 05 20 her Prof Dirk Brockmann on 19 May 2020 in Markus Lanz , ZDF TV television talk show talk show Germany german german man scientist physicist physics german scientist cross portrait neutral smiling (IMAGO / teutopress) (IMAGO / teutopress)Modellierer Brockmann: "Die Situation ist erfreulich" 
Vieles spreche dafür, dass es keine größeren Inzidenz-Wellen mehr geben werde, sagte der Modellierer Dirk Brockmann im Dlf. Wachsamkeit sei allerdings weiter geboten, ein Datum für ein Ende der Pandemie könne er nicht nennen.

Eine vollständige Rückkehr zur Normalität könne die Zahlen wieder nach oben treiben; in Gruppen mit niedriger Impfquote könne sich das Virus dann ungebremst ausbreiten, so Brockmann. Die jetzige Phase niedriger Inzidenz solle man nutzen, um Vorschläge der No-Covid-Initiative erneut aufzugreifen. Man müsse "schnell, früh und regional-differenziert" reagieren, falls Inzidenzen in bestimmten Regionen wieder ansteigen.

Aktuelle Maßnahmen

Seit dem 6. Juni liegt in allen Bundesländern die Inzidenz unter 35, allerdings nicht in allen Kreisen. Nach dem Stufenplan zu Lockerungen, den die Bundesregierung rausgegeben hat, fallen  viele vorherige Maßnahmen weg, wenn die Inzidenz fünf Werktage in Folge unter 35 liegt.

Im öffentlichen Raum dürfen private Treffen dann zum Beispiel mit Angehörigen aus fünf Haushalten ohne Begrenzung wieder stattfinden – bis zu 100 negativ Getestete aus beliebigen Haushalten dürfen sich treffen. Genesene und Geimpfte dürfen zusätzlich teilnehmen.

Theater, Oper oder Kino dürfen bis zu 1.000 Personen zulassen. Beim Sport sind draußen mehr als 1000 Zuschauer erlaubt und drinnen bis zu 1.000 Zuschauer.

Für den Restaurantbesuch drinnen ist kein Test mehr notwendig. Clubs und Diskotheken dürfen im Außenbereich bis zu 100 getestete Personen empfangen. Für Partys sind draußen bis zu 100 Gäste und drinnen bis zu 50 Gäste erlaubt jeweils mit Test und Abstand.

In mehreren Bundesländern kehren die Schulen seit Ende Mai in den Regelbetrieb zurück. Eine Reihe von Bundesländern sind auch wieder geöffnet für Touristen. Zudem gibt es bundesweite Diskussionen um Masken- und Homeoffice-Pflicht.

Städte und Kreise mit einer Inzidenz zwischen 100 und über 50 müssen sich weiter stärker einschränken. Treffen im öffentlichen Raum sind etwa für Angehörige aus nur zwei Haushalten erlaubt. Für Theater, Oper, Kino ist die Personenzahl auf 250 begrenzt. Kleinere Außeneinrichtungen wie Minigolf oder Kletterparks und Hochseilgärten dürfen aber wieder öffnen. Und Einkaufen im Einzelhandel ist wieder ohne Test möglich. Auch die Außengastronomie darf öffnen.

Entwicklung der Neuinfektionen nach Altersgruppen

Bei den nach Altersgruppen aufgeschlüsselten Neuinfektionen wird sichtbar, dass die Gruppe der Älteren inzwischen besser geschützt ist und sich weniger häufig mit dem Virus infiziert. Aber auch bei den Jüngeren gehen die Zahlen seit Wochen zurück.

7-Tage-Inzidenzen in Deutschland

Die folgenden Daten stammen aus dem Dashboard des Robert Koch-Instituts. Unsere Karte weist die 7-Tage-Inzidenzen aller Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland aus. Per Mausklick erhält man die tagesaktuellen Werte, den 14-tägigen Verlauf der Inzidenz sowie die höchsten und niedrigsten Werte der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen. Die hell markierten Landkreise gehören zu denen, die den Inzidenzwert von weniger als 50 Neuinfektionen in der Woche pro 100.000 Einwohner schon erreicht haben.

Unsere dynamischen Grafiken aktualisieren sich überwiegend an jedem Vormittag. 

Geschlossene Gastronomie während des Corona-bedingen Lockdowns im April 2021 in Mülheim an der Ruhr, NRW (picture alliance/ Jochen Tack) (picture alliance/ Jochen Tack)Corona-Pandemie - Die dritte Welle brechen - das sagen die Modellierer
Der Bund zieht die sogenannte Corona-Notbremse. Modellierer, die als Wissenschaftler Prognosen über das Infektionsgeschehen berechnen, mahnen schon länger eindringlich Anstrengungen an

Covid-19: Neuinfektionen in Deutschland pro Tag

So laufen die Covid-19-Impfungen in Deutschland

Die Impfungen haben auch dank der Hausärzte zuletzt deutlich an Fahrt aufgenommen. Die älteren Bevölkerungsgruppen und die Risikogruppen in Deutschland haben zu einem großen Teil ihre Impfungen bereits erhalten, am 7. Juni ist die bisherige Priorisierung gefallen. Zudem können inzwischen auch Kinder ab 12 Jahren mit dem Vakzin von Biontech und Pfizer in Deutschland geimpft werden. Die Europäische Arzneimittelkommission hat den Impfstoff bereits Ende Mai für Kinder zugelassen, eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission steht dazu allerdings noch aus.

Ob Kinder und Jugendliche priorisiert gegen Covid-19 geimpft werden sollte, sorgt für Kontroversen (picture alliance / dpa / Laci Perenyi) (picture alliance / dpa / Laci Perenyi)Impfkampagne wird für Jugendliche geöffnet
Bund und Länder haben sich geeinigt: Mit dem Ende der Priorisierungen sollen auch die Corona-Impfungen für Jugendliche ab zwölf Jahren beginnen. Wie sinnvoll ist das, welche Voraussetzung muss noch erfüllt werden und was ist mit den ganz Kleinen? Ein Überblick.

 Impfstoff ist allerdings weiterhin ein knappes Gut, Termine für Erstimpfungen werden an vielen Orten für Juni kaum noch vergeben, weil die Zweitimpfungen Vorrang haben. Insbesondere der Impfstoff von Biontech und Pfizer ist stark nachgefragt. Die Vakzine von Astrazeneca und Johnson & Johnson empfiehlt die Ständige Impfkomission nur noch für Menschen über 60 Jahren. Grund dafür sind schwere Hirnvenenthrombosen, die in seltenen Fällen bei bei jüngeren Menschen aufgetreten sind. Auch Menschen unter 60 dürfen beide Impfstoffe aber nach einer zusätzlichen Beratung erhalten.

Mehrere Injektionsnadeln liegen in einem Halbkreis, das Foto ist künstlerisch verfremdet. (imago / Future Image) (imago / Future Image)Corona-Impfstoffe in der Übersicht 
Die EU-Behörde EMA hat bisher drei Corona-Impfstoffe zugelassen – von Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca. Wie die Impfstoffe wirken, was über Nebenwirkungen bekannt ist und welche Impfstoff-Kandidaten es noch gibt – ein Überblick.

Tägliche Impfungen


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Verbreitung der Corona-Mutationen

Die WHO hat den besorgniserregenden Virus-Varianten nun Namen aus dem griechischen Alphabet gegeben. Damit will sie vermeiden, dass Länder oder Regionen mit bestimmten Varianten in Verbindung gebracht und Menschen stigmatisiert werden. Nach dem neuen Schema wird die zuerst in Großbritannien aufgetauchte Virusmutante (B.1.1.7) nun als Alpha bezeichnet, die in Südafrika entdeckte (B.1.351) Beta und die in Brasilien bekannt gewordene (P.1) Gamma. Die in Indien verbreitete Mutante B.1.617 heißt jetzt Delta.

Die Mutation Alpha (B.1.1.7) ist mit großem Abstand die in Deutschland vorherrschende Variante. Aktuell wird Alpha in etwa 9 von 10 der untersuchten positiven Proben in Deutschland gefunden. Alpha ist deutlich ansteckender und verursacht vermutlich schwerere Krankkeitsverläufe als der frühere Wildtyp. Unter Beobachtung steht auch die Variante Delta. Laut Weltgesundheitsorganisation wurde die erstmals im Oktober 2020 aufgetretene Variante bis zum Mai 2021 in fast 50 Ländern nachgewiesen.

Die Illustration zeigt die Kronenzacken (Spikes) des Coronavirus. Links die britische, in der Mitte die brasilianisch und rechts die südafrikanische Variante. In diesem Bild sind die Atome der Spikes zu erkennen (picture alliance / Maximilian Schönherr ) (picture alliance / Maximilian Schönherr )Wie gefährlich sind die Mutationen? 
Gleich mehrere veränderte Varianten des ursprünglichen Coronavirus bereiten derzeit Sorgen. Sind die neuen Coronavirus-Varianten gefährlich? Wie wirksam sind die Impfstoffe noch? Ein Überblick.

Die Entwicklung der Reproduktionszahl R

Die Reproduktionszahl R gibt an, wie viele weitere Personen eine Infizierte oder ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt. Liegt sie über eins, breitet sich eine Epidemie weiter aus. Um die Situation spürbar zu entschärfen, müsste der R-Wert dauerhaft auf 0,7 sinken, wie die Physikerin Viola Priesemann im Deutschlandfunk erklärte. Denn dann halbieren sich die Infektionen jede Woche, während das bei einem R-Wert von 0,9 jeweils einen Monat dauert. Aufgrund der komplexen Berechnung ist die Zahl immer ein Blick in die Vergangenheit.

Wie berechnet sich der R-Wert?

Die Reproduktionszahl wird berechnet, indem man die gemittelte Zahl der Infizierten zu einem bestimmten Zeitpunkt vergleicht mit der Zahl der Infizierten zu dem Zeitpunkt vier Tage früher. Beim Sieben-Tage-R-Wert verwendet man dabei für jeden Zeitpunkt die Mittelwerte aus sieben Tagen. Der Mittelwert des zweiten Zeitraums wird dann geteilt durch den Mittelwert des ersten Zeitraums, um den R-Wert zu erhalten. Der Verlauf der Epidemie wird zum Beispiel aufgrund des Meldeverzuges nur teilweise in den jeweils neuen Daten widergespiegelt. Um das auszugleichen, nutzt das Robert Koch-Institut komplexe Modelle, deren Ergebnisse aber immer noch stark schwanken. Deshalb wird der Durchschnitt über vier (sensitiv) oder über sieben (geglättet) Tage angegeben. Diese Werte werden angepasst, sobald die nachgemeldeten Daten vorliegen.

Auslastung der Intensivbetten in Deutschland

Knapp ein Zehntel der Menschen mit einer nachgewiesenen SARS-CoV-2-Infektion müssen aufgrund ihrer Symptome ins Krankenhaus, dort werden sie im Durchschnitt für zwei Wochen behandelt. Wenn lebensbedrohliche Symptome entstehen, müssen Covid-19-Patienten auf die Intensivstation. Weil viele ältere Menschen inzwischen durch eine Impfung geschützt sind, infizieren sich vermehrt jüngere Menschen, bei denen eine längere Behandlungszeit erwartet wird. Um den Jahreswechsel herum kämpften die Intensivmediziner mit einem starken Ansturm, deutlich über dem der ersten Welle. Nach einem Abflachen der Kurve stieg die Auslastung nach den Ostertagen erneut stark an.

Die Gesamtzahl der verfügbaren Intensivbetten ist seit Oktober sichtbar gesunken. Das liegt vor allem daran, dass auch das medizinische Personal von SARS-CoV-2 betroffen sein kann – entweder direkt über eine Infektion oder indirekt wegen Quarantäne-Auflagen oder weil Kinder betreut werden müssen, deren Kitas oder Schulen geschlossen haben. 

Nach Ansicht führender Intensivmediziner ist die dritte Corona-Welle in Deutschland gebrochen. Der wissenschaftliche Leiter des Divi-Intensivregisters, Karagiannidis, verwies auf sinkende Infektionszahlen und weniger Intesivpatienten. Er geht davon aus, dass sich die Lage auf den Intensivstationen voraussichtlich bis Ende Juni entspannt haben wird. Dazu müsse das Einschleppen von Virusvarianten verhindert werden - durch strenge Kontrollen von Reiserückkehrern aus Ländern außerhalb Europas. 

Die Entwicklung der Pandemie weltweit

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