Sonntag, 25. Februar 2024

Eiskunstlauf-EM in Litauen
DEU-Präsident Wagner: Starostin und Volodin sollen eingebürgert werden

Im Dlf-Gespräch hat Andreas Wagner, Präsident der Deutschen Eislauf-Union, das bisherige Abschneiden der Deutschen analysiert. Außerdem erklärte er, dass die in Russland geborenen Nikita Starostin und Nikita Volodin eingebürgert werden sollen.

Andreas Wagner im Gespräch mit Astrid Rawohl | 13.01.2024
Nikita Starostin zeigt seine Kurzprogramm-Kür bei den Eiskunstlauf-Europameisterschaften in Litauen
Nikita Starostin kommt aus dem russischen St. Petersburg, ist aber schon länger in Deutschland. Er tritt bereits für die DEU an, für eine Teilnahme bei den Olympischen Winterspielen 2026 unter deutscher Flagge müsste er sich allerdings gemäß der Regeln des Internationalen Olympischen Komitees einbürgern lassen. (picture alliance / NurPhoto / Foto Olimpik)
Russische und belarusische Eiskunstläuferinnen und -läufer sind für die Europameisterschaften in Litauen gesperrt. Die Internationale Eislaufunion (ISU) hat sie wegen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine nicht zugelassen. Dennoch sind viele von ihnen auf dem Eis zu sehen, weil sie die Startberechtigung für Länder wie z.B. Armenien, Ungarn, aber auch Deutschland erhalten haben.
Nikita Volodin aus St. Petersburg etwa arbeitet seit gut einem Jahr mit Minerva Hase zusammen. Das Paar hatte sich hohe Ziele gesteckt für das Treffen der europäischen Eiskunstlauf-Elite in Litauen, am Ende belegten Hase/Volodin Platz fünf mit 190,69 Punkten. Das zweite deutsche Paar, Annika Hocke und Robert Kunkel, das verletzungsbedingt kaum Vorbereitungszeit hatte, landete auf Platz sieben (177,75).

DEU-Präsident Wagner macht Hase/Volodin keinen Vorwurf

Im Deutschlandfunk-Gespräch ordnete Andreas Wagner, Präsident der Deutschen Eislauf-Union (DEU), das Abschneiden der Teams mit ein wenig Ernüchterung ein: "Natürlich hatten wir uns ein bisschen mehr erhofft." Schließlich hatten Hase/Volodin vor dem Jahreswechsel die Events in Espoo (Finnland), Osaka (Japan) sowie das Grand-Prix-Finale in Peking (China) gewonnen, "sich also als die Weltbesten erwiesen", erklärte Wagner.
Der DEU-Präsident merkte allerdings trotz der verpassten Medaillenränge an: "Da mache ich ihnen keinen Vorwurf. Das war so ein steiler Aufstieg mit zwei Grand-Prix-Siegen und dem Finalsieg in Folge – da war klar, dass es irgendwann mal auch wieder ruckeln würde. Dass es dann bei der EM stattfindet, ist ein bisschen schade. Aber es kann halt passieren. Im letzten Jahr hätte die Punktzahl von Hase/Volodin zur Silbermedaille gereicht. Also der Wettbewerb war dieses Jahr auch stärker."
In der Kür der Männer verfehlte außerdem der deutsche Meister Nikita Starostin, wie Volodin aus St. Petersburg, die Top-Ten. Der Wahl-Dortmunder landete am Ende auf dem 13. Rang, wobei er einen persönlichen Saisonrekord von 211,85 Punkten hinlegte. Der DEU-Präsident betonte: "Man darf nicht übersehen, dass er auch ein kleines Tief hatte, war gesundheitlich angeschlagen, hat deswegen bei der Deutschen Meisterschaft nicht die Leistung abliefern können, die er von sich erwartet hatte. Ich denke, er hat die Zukunft noch vor sich."

Einbürgerungen von Starostin und Volodin sind geplant

Die Zukunftsprognose Wagners lässt den Blick zwangsläufig auf die Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand und Cortina d'Ampezzo (Italien) schweifen. Sofern Starostin und Volodin für Deutschland die Schlittschuhe schnüren wollen, müssten sie sich in der Zwischenzeit einbürgern lassen, denn für die Olympischen Spiele legt das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Zulassungsvoraussetzungen fest. Bei der EM, die die ISU organisiert, reichte bislang die Freigabe durch den russischen Verband.
"Bei Nikita Starostin mache ich mir gar keine Sorgen, das steht relativ kurz vor dem Abschluss. Er ist schon relativ lange hier, spricht schon ganz gut deutsch", sagte Wagner. "Bei Nikita Volodin wird es ein bisschen sportlicher. Also er muss eben die deutsche Sprache noch lernen. Aber ich bin auch da zuversichtlich."

Shmuratko mit beklemmender wie berührender Darbietung

Der DEU-Präsident nahm den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine in Litauen unter den Athletinnen und Athleten nicht als allzu großes Thema wahr: "Ich muss aber ehrlicherweise sagen: Ich kenne keinen ukrainischen Läufer persönlich, den ich hätte fragen können. Aber es ist zumindest nicht an mein Ohr gedrungen, dass darüber diskutiert würde."
Jedenfalls sorgte auf dem Eis der Ukrainer Ivan Shmuratko für einen beklemmenden, wie berührenden Moment. Er tanzte beim Kurzprogramm der Männer in einem mit falschen Blutflecken bespritzten, weißen Hemd, verbildlichte damit einen Schusstreffer ins Herz und setzte so die Kriegsthematik in Szene.
Der Ukrainer Ivan Shmuratko im Kurzprogramm der Männer bei der Eiskunstlauf-EM in Litauen
Der Ukrainer Ivan Shmuratko trägt im Kurzprogramm der Männer bei der Eiskunstlauf-EM in Litauen ein weißes Hemd, das mit falschem Blut bespritzt ist und einen Schusstreffer ins Herz symbolisieren soll. (IMAGO / AFLOSPORT / IMAGO / Raniero Corbelletti)
Wagner sagte zur Kür des Ukrainers: "Es wurde applaudiert, aber ich habe jetzt keine Reaktionen wahrgenommen, die über das Normale hinausgegangen wären. Auch wenn wir uns in einem Land befinden, das natürlich eine sehr kritische Haltung zum russischen Angriffskrieg hat, ist es bei dieser Sportveranstaltung wirklich nicht so präsent."