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StartseiteKultur heutenah und fern04.08.2020

Gesprächsreihenah und fern

Nähe und Distanz sind keine feststehenden Größen. Wo das eine aufhört und das andere beginnt, empfindet jeder anders. Und jede Disziplin, jede Kunstgattung geht auf ihre Weise damit um. Im Corona-Sommer 2020 blicken wir aus anderer Perspektive auf Abstandhalten und Annäherung.

In einer Glaskugel spiegelt sich die Adriaküste, die im Hintergrund nur unscharf zu sehen ist. (imago images / Shotshop)
Ganz nah dran oder endlos weit weg - es ist alles eine Frage der Perspektive (imago images / Shotshop)

Alle Gespräche aus unserer Sommerreihe "nah und fern" finden Sie hier:

Marina Weisband in der ARD-Talkshow hart aber fair im WDR Fernsehstudio A. Köln, 10.02.2020 (imago images / Future Image / C.Hardt) (imago images / Future Image / C.Hardt)Netzexpertin Marina Weisband über digitale Nähe und Ferne im Internet Ihre Heimat ist das Internet, meint Marina Weisband. Sie war Gesicht der Piraten-Partei und ist heute Expertin für digitale Themen. Das Netz sei ein Raum für Nähe und Distanz, eine Art "Wohnzimmer". Dort äußert sie sich politisch, trifft aber auch ihre Familie.

Schriftstellerin Ulrike Draesner sitz auf einem Podium und spricht zum Publikum. (imago/gezett) (imago/gezett)Schriftstellerin Ulrike Draesner über Ausgrenzung "Auch Menschen, die keine Rassisten sind, sprechen englisch mit meiner Tochter", sagt Ulrike Draesner über ihr "nicht grünäugiges" Kind. Hautfarbe ist für sie eine "Sekundeninformation" – und ein Attribut, dem wir eine zu große Bedeutung zuschrieben. Stattdessen sollte man über eigene Klischees nachdenken: "Eine gute Absicht ist eine wirklich gute Absicht nur dann, wenn sie sich auch in die Kommunikationsformen übersetzt hat." Ulrike Draesner ist Schriftstellerin und schreibt Lyrik, Romane, Essays, Novellen und andere Prosa. Sie selbst würde ihr Metier als ‚Menschenforschung durch Sprache‘ bezeichnen.

Die Urbanistin und Architekturhistorikerin Turit Fröbe (Philip Birau)Turit Fröbe (Philip Birau)Architekturhistorikerin Turit Fröbe über "Alltagsarchitektur" Für viele muss Architektur immer spektakulär sein, wie etwa der Mailänder Dom. Dabei ist es der Häuserblock um die Ecke, der das Verständnis für Bauten schult und auch ein Gefühl für ferne kunstvolle Häuser schafft.

Porträt von Christian Metz. (S. Fischer Verlag / Markus Kirchgessner) (S. Fischer Verlag / Markus Kirchgessner)Literaturwissenschaftler Christian Metz über die ambivalente Kulturtechnik des Kitzelns Kitzeln erzeugt extreme Gefühle: Lust und lautes Lachen, aber auch Abwehr, Scham oder Schmerz. Und es ermöglicht, Nähe und Distanz im selben Augenblick erleben zu können, beschreibt Buchautor Christian Metz im Dlf.

Thalia-Kinos Babelsberg: Der Filmregisseur Andreas Dresen (imago images / tagesspiegel / Manfred Thomas) (imago images / tagesspiegel / Manfred Thomas)Andreas Dresen über die DDR - "Ich kann mit Ostalgie herzlich wenig anfangen" Mit wachsendem Abstand werde es leichter, sich über historische Ereignisse zu unterhalten, meint der ostdeutsche Regisseur Andreas Dresen. Dabei sei es durchaus hilfreich, sich mit einzelnen Biographien auseinanderzusetzen.

Berlin Tempelhof, Luftaufnahme des Zentralflughafens in Berlin, ca.1935 AUFNAHMEDATUM GESCHÄTZT! (imago stock&people) (imago stock&people)Archäologe Reinhard Bernbeck über zeitgenössische Archäologie
Vom Alltag der Zwangsarbeiter im Nationalsozialismus ist wenig bekannt. Reinhard Bernbeck sucht nach Spuren: So zeigen etwa Flaschenverschlüsse auf dem Tempelhofer Feld, was die Menschen damals getrunken hätten. 

Ein Mann mit grauen Haaren und einer Brille sitzt auf einem Sofa. (picture alliance/dpa/Jens Kalaene) (picture alliance/dpa/Jens Kalaene)Historiker Tillmann Bendikowski über die "Deutsche Frage"
Was haben die Gründung des Deutschen Kaiserreichs und die Wiedervereinigung miteinander zu tun? Und was können wir aus der Vergangenheit lernen? "Vielleicht wäre es den Deutschen besser ergangen, wenn sie nicht ständig auf die Einheit geguckt hätten wie das Kaninchen auf die Schlange", sagt der Historiker Tillman Bendikowski. "Deutschland hatte immer schon viel mehr zu bieten, als die deutsche Einheit." Tillmann Bendikowski ist ein deutscher Journalist und Historiker. Zu seinen Büchern zählen "Der Tag, an dem Deutschland entstand. Die Geschichte der Varusschlacht" und "Friedrich der Große".

Siegessäule Berlin - Lorbeerkranz der Viktoria (picture alliance / dpa / Wolfram Steinberg) (picture alliance / dpa / Wolfram Steinberg)Altphilologin Melanie Möller zu neuen Cäsaren Populisten und Autokraten gab es schon im Römischen Reich. Trump, Bolsonaro, Putin, Orbán und andere – der Typus der "neuen Cäsaren" wird entweder bewundert oder gehasst. Kein neues Phänomen, sagt Melanie Möller.

Der deutsche Philosoph und Schriftsteller Rüdiger Safranski in seinem Wohnhaus in Badenweiler (Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald). (dpa/Patrick Seeger) (dpa/Patrick Seeger)Rüdiger Safranski über Reisen in die Vergangenheit "Nah" und "fern" sind nicht nur räumliche Begriffe. Mit der Zeit rückt auch die Vergangenheit in immer weitere Ferne. Einer, der die Brücke in unsere Zeit schlägt, ist der Schriftsteller und Biograf Rüdiger Safranski.

Filmemacherin Corinna Belz mit Produzenten Thomas Kufus auf dem roten Teppich, Film Festival Cologne, 06.10.2017 (imago images / Sven Simon) (imago images / Sven Simon)Filmemacherin Corinna Belz - "Distanzlosigkeit ist nicht meine Art zu arbeiten" Zwischen Close-up und Totale: Die Filmemacherin Corinna Belz kommt berühmten Künstlern mit der Kamera sehr nahe. Das gelinge aber nur, weil sie die Grenzen der Porträtierten akzeptiere.

Annika Reich bei einer Lesung in Berlin aus ihrem Roman "Die Nächte auf ihrer Seite"   (imago / Future Image) (imago / Future Image)Schriftstellerin Annika Reich über das Schreiben in der Fremde
Annika Reich wurde 2015 Mitgründerin der Initiative "Weiter Schreiben" für geflüchtete Autor*innen. Im Dlf berichtet sie unter anderem davon, wie Nähe und Ferne das Schreiben beeinflussen.

Die Journalistin und Literaturwissenschaftlerin Elisabeth von Thadden auf dem 37. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dortmund am 22.06.2019 (www.imago-images.de) (www.imago-images.de)Sachbuchautorin Elisabeth von Thadden über die "berührungslose Gesellschaft" Für sie hat das Wort "Berühren" zwei Gesichter: "Menschen wollen einander nah sein, aber sie wollen nicht verletzt werden dabei." Ein Verdienst der Moderne sei, dass innerhalb einer Gesellschaft alle das Recht hätten, nicht berührt zu werden. Thadden warnt aber auch davor, dass der schutzlose Mensch ohne Berührung eingehe. Elisabeth von Thadden ist ZEIT-Redakteurin und Autorin des Sachbuchs "Die berührungslose Gesellschaft".

Die Autorin Barbara Stollberg-Rilinger wird am 23.03.2017 auf der Buchmesse in Leipzig (Sachsen) mit dem Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Sachbuch/Essayistik ausgezeichnet. (picture alliance / dpa / Jan Woitas) (picture alliance / dpa / Jan Woitas)Historikerin Barbara Stollberg-Rilinger über Geschichtsdeutung
"Es ist mit der Geschichte wie mit einem Vexierbild", sagt Stollberg-Rilinger. "Jede Epoche kann man als eher fern und eher nah wahrnehmen", abhängig davon, ob man nach den Gemeinsamkeiten sucht oder nach den Unterschieden. Sie plädiert dafür, Historisches erst einmal in seiner Fremdheit wahrzunehmen - Irritation sei immer der Anfang von Wissenschaft. Barbara Stollberg-Rilinger hat eine Professur an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und ist Rektorin des Wissenschaftskollegs in Berlin

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