Donnerstag, 08. Dezember 2022

Harpunen, Plastikmüll und Geisternetze
Was die Wale weltweit bedroht

Früher wurden Wale so erbittert gejagt, dass die Bestände vieler Arten fast komplett vernichtet wurden. Inzwischen jagen nur noch drei Länder die Meeressäuger - andere, viel größere Gefahren lauern inzwischen auf die Tiere. Dabei wird immer deutlicher, wie wichtig Wale für die Weltmeere sind.

Von Monika Seynsche | 17.07.2022

Buckelwal in Alaska springt aus dem Wasser vor schneebedeckten Gipfeln.
Buckelwal in Alaska: Im 19. und 20. Jahrhundert wurden weltweit fast drei Millionen Großwale getötet (IMAGO / Cavan Images)
Tjuvholmen ist ein edles Neubaugebiet im Hafen von Oslo. Hinter gläsernen Fassaden locken exklusive Restaurants Besucher an, es gibt ein Erlebniszentrum, das der norwegischen Lachszucht gewidmet ist, Luxusappartements mit Blick auf das Wasser und einen Skulpturenpark. Øyvind André Haram sitzt auf den Stufen vor einem der Neubauten und schwärmt von seinem Lieblingsessen:
„Es schmeckt nach Fleisch und ein wenig nach Meeresfrüchten. Denn da ist immer dieser Hauch von Umami aus dem Ozean. Und das können Sie schmecken. Und so wie wir es heute bearbeiten, ist das Fleisch zart wie Butter. Es ist einfach köstlich, etwas ganz anderes als jedes Fleisch, das Sie je probiert haben.” - Øyvind André Haram redet von Walfleisch.

Nur zwei Prozent der Norweger essen regelmäßig Walfleisch

Wale wurden überall auf der Welt bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts so erbittert gejagt, dass die Bestände vieler Arten zusammengebrochen sind. Um sie vor dem Aussterben zu bewahren, haben die meisten Staaten in den 1980er Jahren beschlossen, keine Wale mehr zu töten. Norwegen ist eines von nur noch drei Ländern weltweit, das weiter kommerziellen Walfang betreibt. Aber auch hier sinkt die Nachfrage, gerade einmal zwei Prozent aller Norweger essen regelmäßig Walfleisch. Der Geschäftsführer von Norsk Hval will das ändern. Seine Organisation vertritt die verbliebenen Walfänger und Walfleischproduzenten.
Auf der Homepage von Norsk Hval laufen kurze Videos, in denen Köche von ihren Lieblingsrezepten erzählen, etwa Wal-Burger mit Möhrencreme oder Wal-Carpaccio. Das alles wird aus Minkewalen hergestellt, die vor den Küsten Nord-Norwegens gefangen werden. Nach Schätzungen der Weltnaturschutzunion leben weltweit etwa 200.000 Minkewale. Norwegische Walfänger erlegen davon jedes Jahr einige Hundert, 2021 waren es 577 – der höchste Wert seit 2016, aber deutlich weniger als sie laut norwegischer Fangquote dürften.
So sei der Walfang sehr nachhaltig, sagt Øyvind André Haram. Außerdem verursache er wesentlich weniger CO2-Emissionen als etwa die Schweinemast oder die Rinderzucht: „Heutzutage ist doch das Wichtigste, dass wir uns anders ernähren müssen. Überall auf der Welt wird darüber diskutiert, dass wir weniger Fleisch essen sollten. Wal ist Fleisch, aber aus dem Ozean. Aus Umweltsicht ist das etwas völlig anderes. Und Walfleisch ist sehr gesund. Es gibt also mehrere Gründe warum wir Wal essen sollten.“
Und tatsächlich steigt die Nachfrage nach Walfleisch in Norwegen seit einigen Jahren wieder leicht an. In diesem Jahr wurden schon 480 Tonnen verkauft und die Saison läuft noch.

Walfang lohnt sich wirtschaftlich kaum

Norwegen ist zwar Mitglied der Internationalen Walfang-Kommission, aber es hat dem Walfang-Moratorium gegenüber einen sogenannten Vorbehalt geäußert. Deshalb dürfen in Nord-Norwegen bis heute Wale gejagt werden. Und der Norden des Landes sei wichtig, um politische Wahlen zu gewinnen, sagt Thilo Maack, Meeresbiologe bei der Umweltschutzorganisation Greenpeace:
„In Norwegen ist die Situation so, dass die norwegische Regierung seit Jahrzehnten viele Subventionen zahlt, um den Walfang am Leben zu erhalten und in erster Linie um die Lofoten besiedelt zu halten. Also 2021 waren 15 Schiffe, sprich 15 Familien in den norwegischen Walfang involviert.“
Davon hat dieses Jahr allerdings schon eine Familie erklärt, dass sie nicht jagen wird. Die hohen Spritpreise, der große Aufwand und der geringe Absatz machten die Jagd wirtschaftlich sinnlos.

Konkurrenz zum Whale-Watching

Der Laugavegur in Reykjavik ist Islands Shoppingmeile. Autos rauschen vorbei an bunt bemalten Häusern, Souvenirläden und Fisch-Restaurants. Auf deren Speisekarten könnte demnächst zum letzten Mal Wal gestanden haben. Denn am 4.  Februar 2022 hat die isländische Fischereiministerin Svandis Svavarsdottir angekündigt, die Fangquoten 2024 möglicherweise nicht mehr zu verlängern.
Der Walfang lohne sich einfach nicht und beschere Island darüber hinaus wirtschaftliche Nachteile. So konkurriert er mit dem wachsenden Walbeobachtungs-Tourismus und stößt im Ausland immer wieder auf Protest. Gejagt wird mit Harpunen, nicht selten sterben die Tiere langsam und qualvoll. Gleichzeitig geht der Konsum von Walfleisch in Island selbst immer stärker zurück. Der einzige verbliebene isländische Walfänger hat nach der Ankündigung der Fischereiministerin trotzdem entschieden, in diesem Jahr noch einmal auf Walfang zu gehen.
Einige Häuserblocks vom Laugavegur entfernt arbeitet der Walforscher Gísli Víkingsson am Meeresforschungsinstitut im Hafen von Reykjavik. Er und seine Kolleginnen zählen von Flugzeugen und Schiffen aus alle paar Jahre die Wale in isländischen Gewässern und bestimmen so den Status der einzelnen Arten. Auf Grundlage ihrer Daten werden dann die Fangquoten festgesetzt: „In den letzten Jahren fand nur sehr wenig Walfang statt. Der letzte Finnwal wurde 2018 getötet, und davor 2015. In den vergangenen sechs Jahren gab es also nur eine einzige Walfangsaison. Die Fangquoten werden nicht mal ansatzweise ausgeschöpft und dabei sind sie schon sehr niedrig angesetzt.“

"Japan jagt außerhalb jeglicher internationaler Kontrolle"

In früheren Jahren haben sowohl Island als auch Norwegen große Mengen an Walfleisch nach Japan exportiert. Dieser Markt ist aber eingebrochen, als Japan 2019 wieder begann, selbst kommerziellen Walfang zu betreiben.
Das Land hatte bis dahin nur sogenannten wissenschaftlichen Walfang in den Gewässern rund um die Antarktis praktiziert, der laut Internationaler Walfangkommission erlaubt ist. Dann aber urteilte der Internationale Gerichtshof der Vereinten Nationen, dass Japans Walfangprogramm nicht wissenschaftlich und damit verboten sei. Daraufhin hat das Land das Programm eingestellt und die Internationale Walfang-Kommission verlassen. Jetzt betreibt es wieder kommerziellen Walfang.
„Dass Japan die Internationale Walfangkommission verlassen hat, erfüllt viele von uns mit großer Sorge, denn jetzt jagt es außerhalb jeglicher internationaler Kontrolle“, sagt Kate O’Connell von der Tierschutzorganisation „Animal Welfare Institute“ in Washington DC.

"Die japanische Bevölkerung will eigentlich kein Walfleisch mehr essen"

Japan plant in diesem Jahr 150 Brydewale und 25 Seiwale zu fangen. Letztere gehören neben Blau- und Finnwalen zu den größten Walen der Welt und gelten laut Weltnaturschutzunion als vom Aussterben bedroht. Thilo Maack, Meeresbiologe bei Greenpeace:
„Es kommen Unmengen, also viele hundert Tonnen an Fleisch zustande aus dieser Waljagd. Und die japanische Bevölkerung will eigentlich kein Walfleisch mehr essen. Und die japanische Regierung subventioniert deswegen den Walfang mit 40 Millionen Euro umgerechnet circa jährlich. Es wird jetzt ein neues Fabrikschiff gebaut, auch das wird viele Millionen japanische Yen kosten. Man kann eigentlich nur abschließend sagen und bewerten, warum das passiert, dass offensichtlich die japanische Regierung dem Westen damit kräftig vors Schienbein treten will und zeigen will, dass sie als Japaner und japanische Nation sich von niemandem vorschreiben lassen wollen, was zu tun und was zu lassen ist. Das ist, glaube ich, der Hauptgrund für den japanischen Walfang.“
Japan selbst beruft sich dagegen immer wieder darauf, dass der Verzehr von Walfleisch zur japanischen Kultur gehöre und die meisten Arten nicht mehr bedroht seien. Tatsächlich ist der Konsum von Walfleisch nach Angaben des japanischen Landwirtschaftsministeriums allerdings von über fünf Kilo pro Kopf und Jahr in den 1960er Jahren auf weniger als 30 Gramm im Jahr 2018 gesunken. Seit dem Austritt aus der Internationalen Walfang-Kommission jagt das Land nur noch in den eigenen Hoheitsgewässern, nicht mehr auf hoher See im Südpolarmeer.
„Das ist absolut eine gute Nachricht für die Gewässer der Antarktis, dass da kein Walfang mehr betrieben wird. Da gibt es noch ein bisschen andere Fischerei auf Schwarzen Seehecht und so weiter, aber wir hoffen sehr, dass zum Beispiel bei der Konferenz der Antarktis-Kommission in diesem Jahr im Oktober, November, der Grundstein gelegt wird für das größte Meeresschutzgebiet der Welt im antarktischen Weddellmeer. Und auch dort wird kein Walfang mehr stattfinden. Das ist eine wirklich gute Entwicklung“, so Thilo Maack.

Walfang ist kaum noch eine Gefahr für weltweite Bestände

In den Hochzeiten des kommerziellen Walfangs im 19. und 20. Jahrhundert wurden insgesamt fast drei Millionen Großwale getötet und die Bestände vieler Arten fast komplett vernichtet. Dagegen stellt der heutige Walfang kaum noch eine Gefahr für die weltweiten Walbestände dar. Japan, Island und Norwegen zusammen töten pro Jahr weniger als 1.300 Tiere.
Einige Walarten haben sich seit dem Walfang-Moratorium auch wirklich erholt. Die Buckelwal-Bestände vor Australien etwa sind so stark angestiegen, dass die Art im Februar dieses Jahres von der australischen Liste bedrohter Tierarten gestrichen werden konnte.

Umweltgifte, Plastikmüll und Klimawandel

Aber nicht alle Walarten erholen sich. Denn in den Ozeanen der Welt lauern heute ganz andere, viel größere Gefahren als die letzten Walfänger. Fabian Ritter leitet den Bereich Meeresschutz bei der deutschen Zweigstelle der Nichtregierungsorganisation „Whale and Dolphin Conservation“:
„Um ein Beispiel zu nennen die Belugas, die Weißwale in der Hudson Bay in Nordamerika. Die Hudson Bay ist ein von Industrie nicht mal so sehr stark umgebenes Gebiet aber ein relativ eingekesseltes Meeresgebiet, und dort weiß man, dass die Umweltbelastung enorm hoch ist. Die Belugas, die man dort findet, wenn die stranden, die müssen als Sondermüll entsorgt werden, so hoch ist die Belastung mit Umweltgiften, dass man die nicht einfach irgendwo deponieren kann. Und natürlich hat das Auswirkungen auf die Gesundheit der Tiere. Wir reden über Immunodepression, das heißt die Verminderung der Wirksamkeit des Immunsystems, Anfälligkeit gegenüber Hautkrankheiten gegenüber Krebserkrankungen, die man früher bei Walen und Delfinen so gut wie gar nicht gefunden hat.“

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Auch die Fruchtbarkeit der Tiere leidet unter den Giften. Und immer wieder verenden überall auf der Welt Wale, weil ihr Magen gefüllt ist mit Plastikmüll. Sie sind mit vollem Bauch verhungert. Gleichzeitig beginnt der Klimawandel den Tieren zu schaffen zu machen, indem er Strömungen verändert und Nahrungsnetze verschiebt. Und: Immer mehr Wale sterben durch Schiffskollisionen oder verlieren durch den zunehmenden Unterwasserlärm ihre Orientierung oder gar ihr Gehör.

Etwa 300.000 Wale enden jährlich als Beifang

Das mit Abstand größte Problem aber ist der Beifang: „Denn es ist so, dass unzählige Wale und Delfine jedes Jahr unnötig in den Netzen sterben, die wir zum Fischfang auslegen oder sich in den Leinen verheddern, an denen die Reusen hängen, womit wir die Hummer aus dem Meer holen. Also dieses Fischereigerät, was oft auch einfach, wenn es nicht mehr benutzt wird, über Bord geworfen wird, sich verheddert in der Tiefe und dort weiter fischt, das ist eine enorme Gefahr für alles, was Meeressäuger heißt. Das Problem des Beifangs ist so groß, dass man schätzt, dass in den letzten Jahrzehnten jedes Jahr 300.000 Wale und Delfine in diesen Netzen umkommen“, so Fabian Ritter.
Nach Recherchen der Umweltschutzorganisation WWF gehen jährlich 640.000 Tonnen Netze, Leinen und anderes Fischereigerät in den Ozeanen der Welt verloren. Als sogenannte Geisternetze treiben sie durchs Wasser und werden zur tödlichen Falle für alles, was dort schwimmt. Sind sie voll, sinken sie zu Boden. Dann verwesen die Tiere und die Netze treiben wieder nach oben und fangen weiter. Die modernen Fischereinetze sind aus Kunststoff. Sie können Jahrhunderte lang durch die Ozeane treiben, ohne kaputt zu gehen.
Theoretisch ließe sich das Problem durch strenge Vorgaben lösen, etwa durch das Verbot, alte Netze auf See zu entsorgen oder durch den Einsatz von Netzen mit Sollbruchstellen, aus denen sich die Wale befreien könnten. Solche Regelungen auf Hoher See, die keinem Staat gehört, durchzusetzen, sei allerdings schwierig, sagt Nele Matz-Lück. Sie ist Professorin für Seerecht an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel:
„Hier sind die Staaten gefragt, in ihren ausschließlichen Wirtschaftszonen Regelungen zu treffen und natürlich auch weiterhin auf internationaler Ebene zu versuchen, entsprechende Regelungen zu verhandeln. Die EU hat da natürlich besonderes Gewicht, weil die EU auch auf die Fischerei-Flotten der Mitgliedstaaten regelnd Einfluss nehmen kann, wenn sie sich auf hoher See bewegen. Eine vergleichbare supranationale Organisation mit einem so großen und wirtschaftlich starken Fischereizweig haben wir aber ansonsten weltweit nicht. Andere große Fischerei-Nationen wie Japan zum Beispiel, aber auch China, Russland, Nordkorea werden sich im Zweifel auf solche Regelungen derzeit nicht verständigen wollen.“
Denn solche Regelungen zum Schutz der Wale könnten theoretisch den Ertrag der Fischerei mindern oder den Fischfang teurer machen.

Bedeutung der Wale für die Ökosysteme

Dabei wird seit einigen Jahren immer deutlicher, welche enorm wichtige Rolle Wale für die Ökosysteme, die Gesundheit der Meere und damit auch für das Überleben der Menschheit spielen. So sind sie zum Beispiel extrem effiziente Klimaschützer. Ein einziger Blauwal entzieht der Atmosphäre so viel klimaschädliches Kohlendioxid, wie tausende von Bäumen. Thilo Maack von Greenpeace:
„Wenn ein solcher Wal auf der hohen See stirbt, dann sinken 200 Tonnen gebundener Kohlenstoff in die Tiefsee. Ozeane sind im Durchschnitt bis zu 4.000 Meter tief. Das heißt also da entsteht eine Oase in der Tiefsee und eine Riesenmenge Kohlenstoff und Fleisch steht dort zur Verfügung und alle möglichen Arten der Tiefsee können sich da viele, viele Jahre von ernähren.“
Gerade Blauwale aber gehören zu den Arten, die sich bis heute nicht vom Walfang erholt haben. In den Gewässern rund um die Antarktis lebten früher mehrere Hunderttausend Blauwale. Der emeritierte Meeresforscher Victor Smetacek vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven hat die Fangzahlen und Berichte der Walfänger ausgewertet: „Die Walbestände waren so groß, von Horizont zu Horizont hat man nur Wale, fressende Wale gesehen. Dazwischen war das Wasser rot mit Krill, mit Krillschwärmen, die die Wale vertilgt haben.“

Mit den Walen verschwand auch der Krill

Das südliche Polarmeer müsse damals ein unglaublich produktives Ökosystem gewesen sein. Zwischen 1915 und 1964 wurden dann 360.000 Blauwale in den antarktischen Gewässern getötet. Nur etwa 600 Tiere überlebten. Und dann geschah etwas, mit dem niemand gerechnet hatte: Mit den Walen verschwand auch deren Nahrung, der Krill. Die Bestände dieser kleinen Krebstierchen nehmen seit Jahrzehnten ab. Das ehemals so produktive Ökosystem des Südozeans ist heute gewissermaßen eine Wüste.
Victor Smetacek hat sich viele Jahre über dieses Rätsel den Kopf zerbrochen. Bis er die Lösung fand: "Die Wale waren Gärtner des Ozeans. Die haben also nicht nur ihre Nahrung vertilgt, aufgelöst und wieder zurückgebracht. Sie haben auch noch durch ihr Fressen, das ist ein sehr energetisches Fressen, diesen Kot vermischt in das Wasser, die haben also auch noch den Ozean gepflügt mit ihrem Fressen.“

Großflächige Düngung mit Eisen

Krill enthält viel Eisen. Mit dem Walkot gelangte dieses Eisen ins Wasser und ließ Kieselalgen wachsen, die Nahrung des Krills. So züchteten die Wale ihr eigenes Essen. Jetzt aber funktioniert dieses System nicht mehr. Deshalb würde Victor Smetacek die Gewässer rund um die Antarktis gern großflächig mit Eisen düngen.
„Das ist ein künstlicher Eingriff, könnte man sagen, aber auf der anderen Seite würden wir praktisch das machen, was die Wale früher gemacht haben. Das wäre so, als wenn an Land irgendwo ein Gebiet an Dürre leidet. Wenn man da mit Bewässerungsprojekten und so weiter das wieder aufbaut, so ähnlich wäre das. Mit dem Vorteil, dass hier, wenn man das einmal angefangen hat, wird es von alleine weiterlaufen.“
Andere Forschende und viele Umweltschützer stehen dieser Idee skeptisch gegenüber, etwa Thilo Maack von Greenpeace: „Diese ganzen Experimente, wo wir Menschen in wirklich komplexe, nicht komplett verstandene Naturkreisläufe eingreifen, ist tatsächlich was, wo wir ganz vorsichtig sein sollten, weil das hat in der Vergangenheit vielfach nicht funktioniert.“

Rettung der Wale durch Meeresschutzgebiete

Stattdessen sieht er die Rettung der Wale in der Einrichtung von Meeresschutzgebieten, in denen die Natur sich selbst überlassen bleibt und die Walbestände sich erholen könnten. Seit Jahrzehnten schon wird auf Ebene der Vereinten Nationen über einen Hochseeschutzvertrag verhandelt, der genau solche Gebiete ermöglichen könnte sagt die Professorin für Seerecht, Nele Matz-Lück. Das nächste Treffen der Verhandlungspartner soll Mitte August in New York stattfinden:
„Da geht es um verschiedene Fragen des Umgangs mit biologischer Vielfalt auf hoher See. Es ist ein sehr komplexer Prozess. Meeresschutzgebiete zum Schutz biologischer Vielfalt sind nur ein Aspekt, der dort geregelt wird und wann dieses Abkommen wirklich abgeschlossen ist und wann es dann in Kraft tritt – nämlich nur, wenn Staaten beitreten, ratifizieren, das ist derzeit völlig ungewiss.“
Es wird also vermutlich noch viel Zeit vergehen, bis effektive Meeresschutzgebiete den Walen helfen können.