Sonntag, 05. Februar 2023

Nachhaltigkeit
Wie das Gesundheitswesen seine Emissionen senken kann

Krankenhäuser verbrauchen viele Ressourcen und produzieren viel Abfall. Der Gesundheitssektor verursacht einen beträchtlichen Teil der deutschen CO2-Emissionen. Immer mehr Einrichtungen machen sich Gedanken, wie sie klimaneutraler werden können.

Von Birgit Augustin | 09.01.2023

Müllbehälter mit Biohazard-Symbol in Krankenhausflur
Müllbehälter mit Biohazard-Symbol in Krankenhausflur (picture-alliance / BSIP / BELMONTE)
Oliver Pöpken läuft mit schnellen Schritten durch den OP-Trakt der Orthopädie und klappt den Deckel des nächstgelegenen Mülleimers hoch. „Das ist so sein handelsüblicher Mülleimer. Und wenn wir reingucken, was da drinnen ist, dann finde ich hier Papier, Plastik, Handschuhe – ein Kautschukmaterial – ganz viele Mischverpackungen – und das hat eigentlich in diesem Mülleimer nichts zu suchen.“
Oliver Pöpken ist Anästhesist im Pius-Hospital im niedersächsischen Oldenburg. Die Müllberge, die in seiner Arbeitsumgebung Tag für Tag entstehen, bereiten ihm zusehends Unbehagen. „Ich will mich nicht damit abfinden. Und sagen: Es ist so, wie es ist. Sondern ich mache mir Gedanken, was kann man ändern.“
Er zieht ein großes Paket aus dem Regal. Für verschiedene Operationen sind unterschiedliche OP-Bestecke vorgepackt. Steriles Einmalmaterial, in luftdurchlässige Spezialfolie eingeschlagen. „Das ist eine OP-Abdeckung hier, das könnte man auch aus Stoff benutzen. Aber das ist natürlich viel praktischer, wenn man hier hingeht, das aus dem Regal zieht, es aufreißt, da ist alles drinnen, wie man es braucht. Und wenn man es nicht braucht, dann muss man es nicht sammeln, sondern man schmeißt es in den Müll.“

100.000 Tonnen medizinischer Müll pro Jahr

Der 51-Jährige weiß: Im OP muss jeder Handgriff sitzen, es muss schnell gehen. Und das Wohl der Patientinnen und Patienten steht an erster Stelle. Bisher bedeutet das: Fast alle Materialien werden nach dem Kontakt mit einem Patienten weggeworfen. Das betrifft nicht nur Infusionsnadeln, sondern auch Lagerungskissen, die sich eigentlich abwaschen ließen. Auch Metallartikel wie Pinzetten und Scheren zur Wundversorgung wandern nach einmaligem Gebrauch in den Müll.
Das Ergebnis laut Umweltbundesamt: Jährlich rund 100.000 Tonnen medizinischer Müll in deutschen Krankenhäusern. Weniger als fünf Prozent davon sind hochinfektiös und müssen in speziellen Anlagen verbrannt werden. Aber der weitaus größte Teil gilt als ungefährlicher Hausmüll und wäre zu einem gewissen Prozentsatz auch recycelbar.
Doch welche Produkte dafür infrage kommen und ob sich der Aufwand lohnt, ist unklar. Schon das Sterilisieren medizinischer Werkzeuge hält die Hygienebeauftragte des Pius-Hospitals, Claudia Rösing, für keine praktikable Lösung. "Das wurde früher immer aufbereitet, weil es auch unkritisch war, mittlerweile sind aber die Aufbereitungskosten so hoch, dass es sich gar nicht mehr lohnt. Und dass man sagt: Aus hygienischen Gründen ist es ohnehin besser, Einmalprodukte zu nehmen, also bereiten wir gar nicht mehr auf.“
Trotz solcher Einwände: Oliver Pöpken würde gerne dafür sorgen, dass weniger Müll produziert wird, dass getrennt und recycelt wird. „Vielleicht gibt es einen Zwischenweg, einen klugen Zwischenweg, dass man nicht zu viel trennt… aber da braucht man. Ich mein, ich bin Arzt, bin ja kein Müllexperte. Da brauche ich einen Profi, der mir sagt: Das Zeug ist super, das muss in diesen Eimer rein, da lohnt es sich, das zu sammeln.“

Gesundheitswesen fast so klimabelastend wie Stahlindustrie

Das Krankenhaus – nicht nur als Ort, an dem die Gesundheit von Menschen geschützt oder wiederhergestellt werden soll – sondern auch als Müllproduzent und Treiber der Klimakrise. Diese Perspektive ist verhältnismäßig neu. Tatsächlich ist der gesamte Gesundheitssektor von Krankenhäusern über Reha-Einrichtungen bis Arztpraxen laut der Nichtregierungsorganisation „Health Care Without Harm“ für 5,2 Prozent des deutschen Emissionsausstoßes verantwortlich – und damit fast genauso klimabelastend wie die Stahlindustrie.
Der Großteil der Emissionen entfällt auf die Krankenhäuser. Peter Bobbert, im Vorstand der Bundesärztekammer zuständig für Klimaschutz, hält es für einen „Riesenfortschritt“, dass das Thema mittlerweile mehr Aufmerksamkeit bekomme. „Wir haben seit drei Jahren eine enorme Zunahme der Entwicklung bezüglich der Akzeptanz gesehen. Dass wir gemerkt haben, dass gerade auch im Gesundheitsbereich die Frage nach dem Klimaschutz und die Frage, was der Klimawandel auf den Gesundheitssektor als Wirkung hat, viel offener diskutiert wird.“

Ziel des Ärztetags: Klimaneutralität bis 2030

Im November 2021 hat der Deutsche Ärztetag an alle Entscheidungsträger im Gesundheitswesen appelliert, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um bis 2030 eine Klimaneutralität für das deutsche Gesundheitswesen zu erreichen. Noch einmal Peter Bobbert: „Wir wissen: Der Klimawandel ist eine der größten Bedrohungen für die menschliche Gesundheit und wir im Gesundheitssektor dürfen nicht Trigger des Klimawandels sein. Wir müssen den Klimawandel auch im Sinne eines klimaneutralen Gesundheitswesens reduzieren.“
Klimaneutralität bis 2030 ist ein ehrgeiziges Ziel. Auf ihrem letzten Treffen im Mai vergangenen Jahres vereinbarten die Gesundheitsminister der G7-Staaten bis spätestens 2050 ökologisch nachhaltige und klimaneutrale Gesundheitssysteme aufzubauen. Rechtlich bindend sind die Beschlüsse der führenden Industrienationen, darunter auch Deutschland, allerdings nicht.
Mitte Dezember vergangenen Jahres hat Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach nun gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern von Krankenkassen, Apotheker- und Ärzteverbänden, Krankenhäusern, Ländern und Kommunen einen „Klimapakt Gesundheit“ unterzeichnet. Gemeinsam wollen sie für Klimaanpassung und Klimaschutz im Gesundheitswesen eintreten.

Klare Vorgaben, damit sich etwas ändert

Das Bewusstsein sei da, bestätigt Dorothea Baltruks vom „Centre for Planetary Health Policy“. "Das Problem ist die Umsetzung. Da haben wir bisher im Gesundheitssystem einfach noch nichts, was wirklich flächendeckend passiert.“ Das „Centre for Planetary Health Policy“ ist eine Berliner Denkfabrik, die den gesundheitlichen Folgen der Klimakrise mit wissenschaftlicher Analyse entgegenwirken will. Gegründet wurde es von der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit, einem Netzwerk von Einzelpersonen, Verbänden und Organisationen aus dem gesamten Gesundheitsbereich. Dorothea Baltruks glaubt: Um etwas zu verändern, braucht es klare Vorgaben.
„Wir haben für das Gesundheitssystem kein Klimaneutralitätsziel, wir haben auch keine systematische Erhebung der Daten. Also diese fünf Prozent - das ist im Prinzip eine Schätzung. Alle Daten, die wir benutzen, um überhaupt ungefähr abzuschätzen, wie viel Emissionen entstehen im Gesundheitswesen – das sind oftmals Daten aus anderen Ländern. Oder es sind eben Hochrechnungen.“
Baltruks und ihre Kolleginnen und Kollegen haben vor wenigen Monaten eine repräsentative Umfrage zum Stand der Transformation hin zu einem klimaneutralen und klimaresilienten Gesundheitswesen durchgeführt. Ergebnis: Den meisten Entscheidungstragenden ist die Relevanz des Themas bewusst. Aber: Die Mehrheit der Führungskräfte wusste nicht, ob die eigene Einrichtung ihre Treibhausgase bilanziert. Und ob es ein strategisches Ziel ihres Hauses gibt, diese zu reduzieren. „Also das heißt: Wir wissen aus unserer Umfrage ganz klar, dass das noch nicht als Führungsaufgabe in der ganzen Klinikleitung verankert ist. Und das ist natürlich etwas, was geändert werden muss.“

Positivbeispiel Großbritannien

In Großbritannien ist das bereits der Fall. Hier werden die Emissionen im Gesundheitswesen seit Jahren erfasst. Es gibt klar definierte Zwischenschritte, wann welche Emissionen etwa in den Kliniken reduziert werden müssen, um das gesetzlich vorgeschriebene Ziel von null Emissionen bis 2040 zu erreichen. Der staatliche Gesundheitsdienst NHS – oft wegen Personalmangel, Unterfinanzierung und langen Wartezeiten in der Kritik – beschäftigt seit 2020 einen „Chief Sustainability Officer“, einen Nachhaltigkeitsbeauftragten, der zusammen mit den regionalen Unterorganisationen dafür sorgen soll, dass der Plan aufgeht.
„Wir wissen, dass eine erfolgreiche Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen in Krankenhäusern vom Top 1-Faktor - gute klimaschutzorientierte Führung – tatsächlich abhängt“, sagt Henriette Neumeyer, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft.
30 Prozent der Krankenhäuser hätten bereits einen Klimamanager, weitere 59 Prozent planten demnächst einen solchen zu beschäftigen. Nur: Welche Qualifikationen diese Menschen haben und welche Kompetenzen – das ist von Haus zu Haus sehr unterschiedlich. Klimaschutz sei aber kein Selbstläufer, warnt Edda Weimann, Professorin für Kinder- und Jugendheilkunde und zugleich Expertin für internationale Gesundheitssysteme. „Wenn da jetzt ein armer Assistenzarzt anfangen soll, die Klinik klimaneutral umzustrukturieren, das ist schon schwierig. Es ist einfach wichtig, dass man dort auf Leitungsebene sagt: Das möchten wir.“
Edda Weimann hat bereits zwei Kliniken in Südafrika und Deutschland klimafreundlich umgestaltet und dafür internationale Preise gewonnen. Sie hat die Erfahrung gemacht: Es braucht Führung, aber auch ein interdisziplinäres „Zero-Emission-Team“ – das sich in den verschiedenen Bereichen der Klinik darum kümmert, wie das Netto-Null-Ziel zu erreichen ist. Ein Klimamanager, der sich um Energie und Energieeffizienz der Gebäude kümmere, sei zentral, sagt Edda Weimann. „Dann Arzneimittelverbrauch, den haben wir auch drastisch reduzieren können, wo wir auch Kosten sparen. Wir haben da auch Initiativen gestartet, weniger Plastik und Einweg-Plastik zu verbrauchen und auch mehr zu recyceln.“

Sparpotenziale zum Beispiel beim Narkosegas

Zurück nach Oldenburg. Hier macht kein Klimamanager Vorgaben zur Emissionsreduktion des Pius-Krankenhauses. Der Anästhesist Oliver Pöpken fühlt sich in seinem Engagement für weniger Müll und mehr Klimaschutz aber getragen von den meisten Mitarbeitenden des Hauses – trotz aller Widrigkeiten. „Wir haben Pflegenotstand, ist das Hauptproblem, dass wir auch Betten sperren müssen im Krankenhaus, das ist hier in der Region so, das ist deutschlandweit ein Problem. Aber wir sitzen alle in einem Boot. Und ich glaube, die Bereitschaft des Personals, einen Schritt zu mehr Nachhaltigkeit zu gehen – die ist gegeben.“
Unterstützung in Sachen Nachhaltigkeit kommt auch vom Chef der Anästhesie. Joachim Gödeke hat dabei vor allem die Vermeidung besonders klimaschädlicher Narkosegase im Blick. Er und sein Team arbeiten prinzipiell nicht mehr mit dem Narkosegas Desfluran. Denn es ist 2.540-fach schädlicher als CO2.
„Narkose kann man führen mit einem minimal flow, also mit wenig Frischgaszufuhr, oder auch einfach mit einer hohen Frischgaszufuhr, nämlich mit sechs Liter pro Minute. Fahre ich das mit einer Desfluran-Narkose, dann habe ich ungefähr das Äquivalent von einer Autofahrt über 9.000 Kilometer. Das ist jetzt gewaltig, von Oldenburg bis nach Kenia. Nur die Einstellung der Narkose-Gase, die Achtsamkeit, wahrzunehmen, immer im minimal-flow-Modus zu fahren, allein das bringt an Einsparungen um den Faktor zehn.“
Im Pius-Hospital verwenden die Ärztinnen und Ärzte nun Sevofluran, auch dieses Narkosegas ist klimaschädlich, aber deutlich weniger als Desfluran. Die Oldenburger haben sich zudem angewöhnt, die Narkosegeräte nach der Operation aus der Absaugung herauszuziehen und erst bei erneutem Bedarf wieder in die Steckdose zu stecken. Das spart Strom – und ganz nebenbei 25.000 Euro im Jahr.

Nachhaltigkeit heißt mehr als Stromsparen

Dass sich mit Klimaschutz Geld sparen lässt – diese Erfahrung hat auch Christian Schulze gemacht. Der Allgemeinmediziner führt zusammen mit einer Kollegin eine Hausarztpraxis in der rheinland-pfälzischen Gemeinde Winterburg, im Südosten des Hunsrücks. Das Haus ist gedämmt, eine Solarthermieanlage wandelt Sonnenenergie in warmes Wasser um, dazu im Keller eine Pelletheizung. Die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach produziert den größten Teil des Stroms, den die Praxis benötigt. Die PC-Ausstattung ist auf dem neuesten Stand, die Beleuchtung seit Jahren auf LED umgestellt.
„Ich habe dann mit Anfang 30 die meisten Investitionen hier gemacht. Bin jetzt fast 50, das hat sich schon mehrfach gelohnt. Und wenn man das in diesen langfristigen Perspektiven denkt, dann sind diese Investitionen die einfachste Methode, bares Geld zu sparen.“
Die aktuell hohen Energiepreise machen Christian Schulze keine Sorgen – sie betreffen ihn kaum. Aber der 50-Jährige denkt bei „Nachhaltigkeit“ nicht nur an eine energieeffiziente Praxisführung – es geht ihm auch um medizinische Aspekte. Bildgebende Diagnostik, etwa mit radioaktiven Kontrastmitteln, fordert der Arzt nur an, wenn er sich von den Ergebnissen etwas für die Therapie verspricht. Und er versucht, seine Patienten hin zu einem gesünderen Leben zu begleiten.
Schulzes Überlegung: Weniger Grunderkrankungen führen zu weniger Folgeschäden, der Medikamentenbedarf sinkt, die Lebensqualität steigt. „Natürlich schützt das auch die Umwelt. Weil jedes Päckchen Medikamente, das ich nicht herstellen muss, landet ja auch nicht irgendwo im Trinkwasser oder im Abwasser oder im Müll oder sonst wo.“

Unwissenheit und Zeitmangel als Hindernisse

Christian Schulze und sein Team gehören zu den wenigen Leuchtturmpraxen in Deutschland, die sich auf den Weg gemacht haben, ihren ökologischen Fußabdruck zu minimieren. Häufig spielen Nachhaltigkeitsüberlegungen im Alltag von Ärztinnen und Ärzten aber keine Rolle – aus Unwissenheit oder Zeitmangel.
Diese Lücke will Nora Stroetzel schließen. „Praxis ohne Plastik“ heißt das kleine Unternehmen, das sie in Kiel gegründet hat. Es bietet Beratung und Workshops an, im Web-Shop finden sich mittlerweile einige Artikel aus nachhaltigeren Materialien, etwa Zahnbürsten mit Bambusstiel oder Händedesinfektionsmittel auf pflanzlicher Basis. Plastikvermeidung sei aber nur ein Ziel, sagt Nora Stroetzel.
„Wir haben eine Checkliste, wenn wir in so eine Praxis reingehen. Dann prüfen wir von der Energiebilanz über einzelne Arbeitsabläufe der Mitarbeitenden, wo überall nachhaltige Probleme sind. Und versuchen dann, den Leuten Methoden an die Hand zu geben, wie sie das ändern können und zeigen eben die effektivsten Punkte auf, wo sie nachhaltiger arbeiten können.“

CO2-Ausstoß in den Lieferketten

Ein großes Thema neben Energie und Heizkosten: Der CO2-Ausstoss in den Lieferketten von Medikamenten und Medizinprodukten. Denn die kommen häufig aus China oder Indien. Zwei Drittel der CO2-Emissionen im Gesundheitswesen entstehen in diesem Bereich. Nora Stroetzel und ihr Team haben sich deshalb eigene Kriterien überlegt, um der mangelnden Transparenz in den Lieferketten etwas entgegenzusetzen. „Stattdessen schauen wir darauf: Hat ein Hersteller schon auf Ökostrom umgestellt? Wie viel Energie wurde insgesamt verwandt? Ist das vielleicht ein wassersparender Herstellungsprozess im Vergleich zu anderen Produkten?“
Klare Vorgaben seitens der Politik würden ihr die Arbeit erleichtern. Die fordert auch Peter Bobbert von der Deutschen Ärztekammer. Etwa, wenn es bei Krankenhäusern um Baumaßnahmen geht. Noch zu häufig stünden die Renditeerwartungen der Eigentümer im Vordergrund. „Neben den ökonomischen Interessen, neben weiteren Interessen, muss auch der Faktor Klimaschutz hier eine Rolle spielen. Und hier eine gesetzliche Vorgabe zu schaffen, die es den Beteiligten ermöglicht, auch genau mit dem Argument der Klimaneutralität zu arbeiten und hierüber Entscheidungen zu treffen – das ist jetzt wichtig.“

Chronische Unterfinanzierung der Krankenhäuser

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft beteuert, ihre Mitglieder hätten das Thema Klimaschutz als Top-Priorität erkannt. Allerdings, so die stellvertretende Vorstandsvorsitzende Henriette Neumeyer, seien die Krankenhäuser seit Jahren chronisch unterfinanziert. Die Länder – zuständig für die Investionskosten – kämen schon jetzt ihren Verpflichtungen nicht nach. „Der große Teil der Klimaschutzvorgaben kann nur erfüllt werden, wenn auch die bauliche Substanz erneuert wird. Das ist immer der größte Kostenfaktor und das bedeutet signifikante Investitionen. Diese müssen von Bund und Ländern gleichermaßen geschultert werden, um auch wirklich schnell in die Umsetzung dort kommen zu können.“ Die deutsche Krankenhausgesellschaft fordert daher einen Klimaschutzfonds im mittleren zweistelligen Milliardenbereich.
In Oldenburg wäre Oliver Pöpken schon froh, wenn er eine Förderung für sein Projekt zur Müllreduzierung bekommen würde. 120.000 Euro hatten er und seine Mitstreiter beantragt – für Rechtsgutachten, Laboranalysen und technische Unterstützung. Um ein Konzept zu entwickeln, dass als Blaupause auch für andere Krankenhäuser dienen könnte. Doch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt hat den Antrag nach monatelanger Prüfung abgelehnt. „Ich finde es schade, dass sie es abgelehnt haben, weil es uns ausgebremst hat. Ich hoffe, dass sie ihre Energie in andere gute Projekte investieren und möchte daran glauben.“
Entmutigen lassen will sich der Arzt nicht – Oliver Pöpken setzt jetzt auf Kolleginnen und Kollegen, die in ihrer Freizeit bei der Umsetzung des Projekts mitmachen. Und er hofft, wie auch viele andere Ärzte und Ärztinnen sowie Pflegende, auf eine übergreifende klimapolitische Strategie fürs Gesundheitswesen, die ihrem Engagement Rückenwind verleiht.