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StartseiteForschung aktuellWarum sich Menschen trotz Impfung mit dem Coronavirus infizieren02.09.2021

Impfdurchbrüche in DeutschlandWarum sich Menschen trotz Impfung mit dem Coronavirus infizieren

Trotz vollständiger Impfung können sich Menschen mit dem Coronavirus infizieren und sogar erkranken. Man spricht dann von einem Impfdurchbruch. Je mehr Menschen geimpft sind, umso mehr wächst auch ihr Anteil an den Neuinfektionen. Wie gut schützt eine Impfung noch vor einer Ansteckung?

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Impfaktion im Freizeitpark "Nürnbärland" (dpa/picture alliance/Daniel Karmann)
Trotz vollständiger Impfung stecken sich immer wieder Menschen mit SARS-CoV-2 an (dpa/picture alliance/Daniel Karmann)
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Trotz einer vollständigen Impfung gegen das Coronavirus stecken sich immer wieder Menschen mit SARS-CoV-2 an. Die sogenannten Impfdurchbrüche – also symptomatische Coronainfektionen mindestens zwei Wochen nach vollständiger Impfung - stellen aber laut RKI nicht die Effektivität der Impfung infrage. Die bewertet das Institut dennoch als hoch. Sie liege bei Erwachsenen je nach Altersgruppe geschätzt zwischen 88 und 89 Prozent.

Was bedeutet ein Impfdurchbruch genau?

Als Impfdurchbruch definiert das Robert Koch-Institut eine SARS-CoV-2-Infektion (mit klinischer Symptomatik), die bei einer vollständig geimpften Person diagnostiziert wurde. Vollständiger Impfschutz wird angenommen, wenn nach einer abgeschlossenen Impfserie (zwei Dosen Moderna-, Biontech- oder Astrazeneca-Vakzine oder eine Dosis Janssen-Vakzine) mindestens zwei Wochen vergangen sind. Seit Beginn der Impfungen hat das RKI gut 7.000 Impfdurchbrüche verzeichnet. Aktuell geimpft sind rund 44 Millionen Menschen in Deutschland (Stand: 4.8.2021).

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Warum gibt es Impfdurchbrüche?

Die eingesetzten Impfstoffe schützen gut gegen schwere Verläufe - aber auch unter Geimpften kann es zu Infektionen kommen. Steigt die Impfquote in einem Land, dann steigt relativ gesehen auch die Zahl der Geimpften unter den Menschen, die sich trotzdem infizieren. In diesen Fällen konnte die Impfung keinen vollständigen Schutz gegen das Virus aufbauen.

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Die Gründe für solche Impfdurchbrüche sind vielfältig. Verantwortlich kann ein schwaches Immunsystem sein, zum Beispiel bei Krebspatienten, die eine Chemotherapie durchlaufen, Menschen mit Autoimmunkrankheiten oder ältere Menschen, deren Immunsystem nicht immer ausreichend auf Immunisierungen anspricht.


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Ein weiterer Grund sind neue Mutationen. Die aggressive Delta-Variante kann die Wirksamkeit von Impfstoffen mindern. Sie hat die Eigenschaft, dass sie sich den Antikörpern, die nach der Impfung gebildet werden, besser entziehen kann als andere Varianten. Generell hat sich gezeigt: Impfungen sind auch gegen die Delta-Variante wirksam. Allerdings sind höhere Level an Antikörpern nötig, um diese Variante zu neutralisieren, also unschädlich zu machen.

Außerdem ist es möglich, dass die Impfwirkung nach einiger Zeit nachlässt. Erste Untersuchungen und die beobachtete rasche Verbreitung der Delta-Variante geben Hinweise darauf. Daten von Mitte Juli 2021 aus Israel deuten darauf hin, dass die Wirksamkeit der Biontech/Pfizer-Impfung mit der Zeit deutlich nachlässt. Messungen zeigten, dass nach drei Monaten die Antikörper-Level ungefähr um die Hälfte gefallen waren. Immunantworten seien jedoch fast alle vergänglich, sagte der Immunologe Professor Reinhold Förster von der Medizinischen Hochschule Hannover im Dlf.

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Auch der Immunologe Carsten Watzl weist im Deutschlandfunk darauf hin, dass der Schutz vor einer Corona-Infektion bei einer Impfung schneller nachlasse als gedacht. Der Schutz vor schwerer Erkrankung sei jedoch immer noch gegeben. Das Delta-Virus habe diese Situation etwas verschärft, da es ansteckender sei. Auch die Gefahr weiterer Mutanten sei weiterhin da – die Gefahr, dass eine mutierte Variante dem Immunschutz komplett entgehe, sei jedoch gering. Eine dritte Impfung verstärke den Immunschutz deutlich. Und eine solche Booster-Impfung ergibt in Ländern Sinn, wenn nach der zweiten Impfung schon mehrere Monate vergangen sind - wie in Israel, wo inzwischen viele Menschen ein drittes Mal geimpft werden.

Wie schwer sind die Krankheitsverläufe bei Impfdurchbrüchen?

Auch zu dieser Frage gibt es bereits erste Erkenntnisse aus Israel. Daten, die das Science Media Centre auflistet zeigen, dass von 152 Covid-Patienten, die zwischen Januar und April 2021 wegen einer Infektion im Krankenhaus behandelt wurden und bereits geimpft waren, 61 Prozent schwer erkrankten und 22 Prozent verstorben sind. Zu beachten ist dabei, dass der überwiegende Teil schon Vorerkrankungen wie Diabetes, Lungen- oder Herzleiden oder chronisches Nierenversagen hatte. Außerdem war das Immunsystem von rund 40 Prozent der Erkrankten bereits durch eine Chemotherapie oder eine Organtransplantation geschwächt. Nur sechs der 152 Covid-Patienten waren vor der Infektion gesund. 

Aufschluss über Impfdurchbrüche geben auch Daten aus Indien. Eine Studie hat dort die Verläufe von insgesamt 1.161 geimpften und ungeimpften Patienten vergleichen. 90 Prozent hatten sich dabei nachweislich mit der Delta-Variante infiziert. Bei den davon 495 teilweise oder vollständig geimpften Personen verlief die Infektion weniger schwer. Im Vergleich zu den Ungeimpften mussten deutlich weniger Menschen beatmet werden – und das, obwohl die Personen älter waren und Risikofaktoren aufwiesen.

Eine weitere Beobachtung: Die Sterblichkeitsrate sank bei den Geimpften im Vergleich zu den Ungeimpften deutlich. Sie lag bei den vollständig geimpften Impfdurchbrechern etwa 50 Prozent niedriger. Ungeimpfte und nur einmal Geimpfte lagen bei der Sterblichkeit allerdings gleichauf.

Können geimpfte Infizierte auch andere anstecken?

Wie bei vielen anderen Impfungen kann auch durch die Impfung gegen das Coronavirus keine sogenannte Sterilität erzeugt werden. Wenn eine geimpfte Person das Virus aufnimmt, muss das Immunsystem darauf reagieren. Ohne Impfung dauert das lange und Krankheitserreger haben Zeit, sich zu vermehren. Aber auch bei Geimpften braucht die Immunantwort Zeit und so lange befindet sich das Virus im Körper.

Die entscheidende Frage: Reicht diese Viruslast, um andere anzustecken? Das ist noch nicht eindeutig geklärt, denn bisher weisen Tests nur Virus-RNA nach, also das Erbgut der Viren und nicht die Menge ansteckender Viren. Deshalb sind sie nicht besonders aussagekräftig, wenn es um das Ansteckungspotenzial eines Menschen geht.

Entsprechend dünn ist daher die Studienlage zur Viruslast bei Geimpften, die an der Coronainfektion erkranken. Eine noch nicht offiziell veröffentlichte Studie aus den USA zur Delta-Variante will herausgefunden haben, dass bei einer Corona-Infektion die Viruslast von Geimpften genauso hoch sein kann wie bei Ungeimpften. Allerdings ist die Stichprobengröße mit knapp 80 Personen sehr klein.

Eine neue Studie aus Singapur zeigt auf, dass die Viruslast bei Geimpften deutlich schneller runtergeht, weil das Immunsystem die Viren durch die Impfung schneller unschädlich machen kann. Andere ältere Studien kommen zu dem Ergebnis, dass sich im Rachen geimpfter Menschen bei einem Impfdurchbruch deutlich weniger Viren nachweisen lassen.

Wie schätzt das RKI die Lage ein?

Das Robert Koch-Institut gibt an, dass die geschätzte Impfeffektivität im Zeitraum von Februar bis Mitte Juli für die Altersgruppen 18 bis 59 Jahre bei ca. 89 Prozent, bei den über 60-Jährigen bei ca. 87 Prozent liegt. Die Anzahl der Impfdurchbrüche im Vergleich sowie die geschätzte Wirksamkeit der eingesetzten Impfstoffe bestätigen laut RKI die hohe Wirksamkeit aus den klinischen Studien.

Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)Übersicht zum Thema Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)

Quellen: RKI, Science Media Center, Christine Westerhaus, Dlf, kh

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