Sonntag, 02. Oktober 2022

Olympiasiegerin Karin Büttner-Janz
Im Sport und in der Medizin zur rechten Zeit am rechten Ort

Turnerin Karin Janz war die erfolgreichste deutsche Sportlerin der Olympischen Sommerspiele 1972. Direkt danach beendete sie ihre Sportkarriere und widmete sich der Medizin, die ihr Leben prägen sollte.

Karin Büttner-Janz im Gespräch mit Marina Schweizer | 04.09.2022

Aufnahme von DDR-Turnerin Karin Janz bei den  Olympischen Sommerspielen 1972 in München
DDR-Turnerin Karin Janz gewann bei den Olympischen Sommerspielen 1972 in München zweimal Gold, zweimal Silber und einmal Bronze (picture-alliance / Sven Simon / Sven Simon)
Karin Büttner-Janz - damals nur Karin Janz - hat als Turnerin bei den Olympischen Spielen 1972 fünf Medaillen für die DDR geholt (2x Gold, 2x Silber, 1x Bronze). Sie war damit die erfolgreichste deutsche Athletin bei den Spielen, in denen die zwei Teile Deutschlands nicht nur sportlich, sondern auch in einem "Kampf der Systeme" gegeneinander antraten.
"Die DDR hat ja permanent um Anerkennung gekämpft, auch viel über den Sport", berichtete sie im Deutschlandfunk Sportgespräch. Der Leistungssport habe dabei eine besonders große Rolle gespielt. "In der Ökonomie kann man schon mal nicht so einfach vergleichen. Auch in anderen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens ist das ein wenig schwierig." Beim Sport, wo alle die gleichen Regeln hätten, könne man das sogar "schön direkt. Und insofern waren die sportlichen Hochleistungen, die Erfolge für das DDR-System sicher wichtig. Nicht umsonst hatte ja Walter Ulbricht damals auch die Formulierung geprägt: 'Sportler sind Diplomaten im Trainingsanzug'."

Büttner-Janz fand keine Hinweise auf unwissentliches Doping

Die fünf Medaillen holte Büttner-Janz damals unter großen Schmerzen wegen einer Fußverletzung. Dabei habe ihr "Leistungsauftrag" noch mehr Medaillen vorgesehen. Unter Druck habe sie das nicht gesetzt, sagt sie heute: "Mein Körper, mein Kopf hat gesagt: 'Nein, legt das mal weit weg und mach das, was du gelernt hast, wo du dich stabilisiert hast, sicher bist in den Übungen. Und dann werden wir sehen, was unterm Strich herauskommt'."
Das Thema Doping habe dagegen bei ihr keine Rolle gespielt, so Büttner-Janz, "außer, dass ich in München zur Doping-Kontrolle musste." Sie sei sehr vorsichtig gewesen, um auch Fremdeinwirkung auszuschließen. "Ich habe in meiner Einraumwohnung auch die großen Zwei-Liter-Flaschen, wenn die geöffnet waren und mehrere Stunden allein im Kühlschrank waren, ohne dass ich in der Wohnung war, nicht wieder getrunken, sondern habe neue Flaschen genommen." Zudem habe sie im Nachhinein ihre Medizin-Akte geholt, um nach Doping-Einträgen zu forschen. Fündig sei sie nicht geworden, berichtete sie im Dlf.

Kaum Informationen zum Attentat 1972

Von dem Attentat auf die israelische Mannschaft habe sie erst spät erfahren. Es war ihr Abreisetag. Es habe zwar einige neue Absperrungen gegeben, aber niemand habe erklärt, warum. "Beim Frühstück gab es dann erste Informationen. Dass etwas ganz Fürchterliches passiert ist - nämlich, dass da jemand erschossen wurde." Erst nach dem Rückflug habe sie Genaueres erfahren.
Büttner-Janz hofft, dass es mit der kürzlich erfolgten Einigung bei der Entschädigung zwischen den Hinterbliebenen und der Bundesrepublik, dem Freistaat und der Stadt München und dem Versprechen, dass es weitere Aufarbeitung gibt, einen gewissen Frieden geben werde, "auch wenn der nicht vollständig sein kann. Dieses furchtbare Erlebnis wird bleiben. Und die Angehörigen, die werden sicher ihr ganzes Leben lang damit zu tun haben."

Sportliches Karriereende mit 20 Jahren

Im Alter von nur 20 Jahren hat Büttner-Janz nach den Spielen 1972 mit dem Leistungssport aufgehört - weil sie sich "am Zenit ihrer sportlichen Möglichkeiten" sah. Sie wollte fortan ihr Leben der Medizin widmen, das Medizinstudium sei in den Monaten vor den Spielen viel zu kurz gekommen.
Karin Büttner-Janz steht am Mikrofon und hebt den Zeigefunger ihrer linken Hand
Karin Büttner-Janz entwickelte nach ihrer Sportkarriere eine künstliche Bandscheibe (imago / Sven Simon / Annegret Hilse / SVEN SIMON)
Büttner-Janz ist heute habilitierte Medizinerin und hat mit einem Kollegen die erste künstliche Bandscheibe entwickelt, war parallel Chefärztin in zwei Berliner Kliniken. "Insgesamt war ich 22 Jahre Chefärztin von Berliner Kliniken, und das war natürlich gerade mit paralleler Leitung die absolute Herausforderung, noch in einem operativen Fach."
Mit olympischen Medaillen und in der Medizin habe sie das Glück gehabt, am rechten Ort zur rechten Zeit gewesen zu sein. Bedeutsamer für ihr Leben sei aber die Entwicklung der künstlichen Bandscheibe gewesen. "Weil das weltweit ein Unikat ist und eine neue Strategie in der Behandlung schwerstkranker Patienten - und insofern auch einen Fortschritt in der Medizin gebracht hat."