KlimawandelHeizen - was muss sich ändern?

In privaten Haushalten ist das Heizen für einen großen Teil des Energieverbrauchs verantwortlich. Was kann getan werden, um in diesem Bereich den CO2-Fußabdruck zu verringern und dem Klimawandel entgegenzuwirken?

Von Georg Ehring | 25.10.2021

Die Schornsteine auf den Dächern der Häuser rauchen in der kalten Luft in Luthe-Wildenau.
Die meisten Häuser werden mit Gas geheizt, auch Öl hat noch einen großen Marktanteil (picture alliance/dpa - Matthias Balk)
2015 auf dem UN-Klimagipfel verpflichteten sich fast alle Staaten im sogenannten Pariser Abkommen, die Weltwirtschaft klimafreundlicher zu gestalten. Die Länder setzten sich zudem das Ziel die globale Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad Celsius zu beschränken. Nun steht der nächte UN-Klimagipfel (COP26) vom 31. Oktober bis zum 12. November in Glasgow an und soll das wichtigeste Treffen seit dem Gipfel vor sechs Jahren werden. Doch was kann man selbst für mehr Klimaschutz tun - zum Beispiel bei der Heizung?

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Große Energieverbraucher: Heizung und Warmwasser

Immer mehr Strom kommt aus erneuerbaren Quellen, doch bei der Heizung sieht es noch anders aus: Die meisten Häuser werden mit Gas geheizt, auch Öl hat noch einen großen Marktanteil. Heizung und Warmwasser-Bereitung sind im privaten Haushalt die größten Energieverbraucher – und das belastet das Klima, sagt Alexander Steinfeldt von der Beratungsgesellschaft CO2 online.
"Heizung und Warmwasser machen ein Drittel des CO2-Fußabdrucks im Haushalt aus und das ist schon ein großer Bestandteil. Und da lohnt es sich schon auch aus Klimaschutzgründen drüber nachzudenken, dort zu wechseln. Dann ist weder Öl noch Gas die richtige Alternative, sondern: Da müssen die Erneuerbaren her."
Die vorliegende Statistik zeigt die Entwicklung des Pro-Kopf-Energieverbrauchs in Deutschland in den Jahren 1999 bis 2019. Im Jahr 2019 verbrauchte ein Einwohner Deutschlands durchschnittlich 154 Gigajoule Primärenergie.
Im Jahr 2019 verbrauchte ein Einwohner Deutschlands durchschnittlich 154 Gigajoule Primärenergie (Statista / Statistisches Bundesamt / AGEB)

Heizung der Zukunft

Die Heizung der Zukunft läuft vor allem mit Hilfe von Wärmepumpen. Die beziehen mit Hilfe von Strom die Heizenergie aus dem Boden oder aus der Luft und sind deutlich effizienter als herkömmliche Stromheizungen. Allerdings sind sie relativ teuer.
Die Statistik zeigt die Entwicklung der Absatzzahlen von Heizungswärmepumpen in Deutschland in den Jahren von 2010 bis 2020. Im Jahr 2020 wurden in Deutschland rund 120.000 Heizungswärmepumpen abgesetzt. Zu den Heizungswärmepumpen gehören Luft/Wasser-Wärmepumpen sowie erdgasgekoppelte Wärmepumpen.
Im Jahr 2020 wurden in Deutschland rund 120.000 Heizungswärmepumpen abgesetzt. (Statista / BDH / Bundesverband Wärmepumpe)
Voraussetzung für ihren Einsatz ist ein gut gedämmtes Haus. Rein wirtschaftlich gesehen rechnen sich die nötigen Investitionen für private Hausbesitzer nur selten. Zuschüsse und vergünstigte Kredite staatlicher Stellen verändern jedoch die Rechnung.
Raymond Krieger, Energieberater bei der Verbraucherzentrale Bremen: "Da muss man berücksichtigen, dass die Förderung im Moment ja enorm ist. Also: Wenn ich eine Ölheizung gegen eine Wärmepumpe austausche, bekomme ich 45 Prozent an Zuschuss und wenn ich mir vorher eine Energieberatung dazu hole, bekomme ich noch mal fünf Prozent dazu, das heißt: Die Hälfte der Kosten als Zuschuss. Das kann ja schon ein Anreiz sein." Die erhöhte Förderung sorgt gerade für einen Boom bei der energetischen Sanierung von Altbauten.
Diese Statistik zeigt das Fördervolumen des KfW-Programms "Energieeffizient Sanieren" in Deutschland im Zeitraum der Jahre von 2001 bis 2020. Finanziert werden bei diesem Programm insbesondere umfangreiche Maßnahmen zur energetischen Sanierung von Wohngebäuden, seit 2009 auch Einzelmaßnahmen. Im Jahr 2020 lag die Fördersumme des KfW-Programms "Energieeffizient Sanieren" bei rund 5.432 Millionen Euro.
Im Jahr 2020 lag die Fördersumme des KfW-Programms "Energieeffizient Sanieren" bei rund 5.432 Millionen Euro (Statista / KfW)

Nicht jede Sanierung ist zukunftsfähig

Geld ist also da, doch nicht jede Sanierung macht das Haus fit für eine klimaneutrale Zukunft, bemängelt Jürgen Schnieders, Geschäftsführer des Passivhaus-Instituts in Darmstadt.
"Allerdings ist das große Problem, dass die Sanierungen, die gefördert werden, nicht alle zukunftsfähig sind. Also auch schwächere Standards in der Sanierung bekommen eine schon recht gute Förderung, was dazu führt, dass diese Gebäude zwar energetisch verbessert werden, aber auf einer mittleren Qualität stehen bleiben und dann aber die nächsten Jahrzehnte nicht mehr angefasst werden und damit auch in ein klimaneutrales Energiesystem gar nicht reinpassen."
Dachdecker dämmen das Dach eines Hauses in Cottbus mit Glaswolle
Das Eigenheim energetisch sanieren
Wärmedämmung und eine bessere Heizung: Die Sanierung eines Altbaus lohnt. Eine Familie aus Buchholz bei Hamburg erwartet 84 Prozent weniger CO2-Ausstoß.

Klimaziele bei der Heizenergie

Rund zwei Prozent des Bestandes muss jedes Jahr saniert werden, damit Deutschland die Klimaziele bei der Heizenergie erreicht. Seit vielen Jahren verharrt sie bei etwa der Hälfte dieses Wertes. Der Staat wird noch viel Geld in die Hand nehmen müssen, um dies zu ändern.
Solarfeld im Licht des Sonnenaufgangs in Mecklenburg-Vorpommern bei Luttow-Valluhn.
Solarenergie (imago / Westend61)
Die neuen Klimaziele für Deutschland
Mit dem erneuerten Klimaschutzgesetz muss Deutschland schneller klimaneutral werden als ursprünglich geplant. Welche neuen Klimaziele gelten, wie sollen sie erreicht werden? Ein Überblick.
(Quellen: dpa, Statista)