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Newsblog zum Coronavirus+++ Mehr als 20 Millionen Deutsche mit großem Risiko für schweren Corona-Verlauf +++

Im Infektionszimmer für Covid-19-Patienten auf der Interdisziplinären internistischen Intensivtherapiestation (ITS) der Universitätsmedizin Rostock pflegt Uta Kautz einen Patienten im künstlichen Koma. Für die Mitarbeiter auf der Intensivstation ist nicht nur der psychische Druck groß, sondern auch die körperliche Belastung bei der Versorgung der Patienten. (dpa/dpa-Zentralbild/picture alliance/Bernd Wüstneck)
Mehr als 20 Millionen Deutsche in Hochrisikogruppe (dpa/dpa-Zentralbild/picture alliance/Bernd Wüstneck)

Mehr als 20 Millionen Deutsche haben einer Studie zufolge ein stark erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung. Die Regierungsfraktionen wollen gegen Impfvordrängler vorgehen und Bußgelder in Höhe von bis zu 25.000 Euro vorschlagen. Gesundheitsminister Spahn bezeichnete Tests allgemein im Bundestag als "Chance im Kampf gegen das Virus". Weitere Meldungen in unserem Newsblog.

Mittwoch, 24. Februar

+++ US-Wissenschaftler haben sich besorgt über eine Coronavirus-Variante in Kalifornien gezeigt. Die im Dezember erstmals entdeckte Variante, die Forscher "B.1.427/B.1.429" genannt haben, sei ersten Erkenntnissen zufolge wahrscheinlich ansteckender als das Ausgangsvirus, berichteten mehrere US-Medien unter Berufung auf Wissenschaftler. Die Variante sei auch schon in anderen US-Bundesstaaten und Ländern weltweit entdeckt worden, habe sich aber nach bisherigen Erkenntnissen bislang vor allem in Kalifornien ausgebreitet.

+++ Die Regierungsfraktionen wollen gegen Impfvordrängler vorgehen und Bußgelder in Höhe von bis zu 25.000 Euro vorschlagen. Das sieht ein Änderungsantrag der Fraktionen von Union und SPD für das "Gesetz zur Fortgeltung der die epidemische Lage von nationaler Tragweite" vor, der dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt.

+++ Mehr als 20 Millionen Menschen in Deutschland haben einer Studie zufolge aufgrund ihrer körperlichen Konstitution ein stark erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung. Betroffen seien 30,6 Prozent der Bevölkerung ab 15 Jahren oder rund 21,6 Millionen Menschen, heißt es in einer Untersuchung von Forscherinnen und Forschern des Robert-Koch-Instituts (RKI). Ein stark erhöhtes Risiko haben demnach Menschen im Alter über 65 sowie Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen. Die Forscher nannten hier Diabetes mellitus, chronische Nierenbeschwerden und Adipositas.

Die Forscherinnen legten zugleich sozioökonomische und regionale Unterschiede offen. Während unter den Menschen mit geringer Bildung mehr als 49 Prozent in die Hochrisikogruppe fielen, seien es bei mittlerem Bildungsgrad knapp 22 Prozent und bei höherer Bildung knapp 24 Prozent. Regional gesehen gibt es den Angaben zufolge in den ostdeutschen Bundesländern und im Saarland den höchsten Anteil von Menschen mit erhöhten Risiko für einen schweren Verlauf.

Weitere Informationen zur Studie finden Sie hier.

+++ Die polnische Regierung führt wieder scharfe Beschränkungen in der nordöstlichen Region Warminsko-Mazurskie ein. Grund seien relativ hohe Zahlen bei den Neuinfektionen, sagt Gesundheitsminister Adam Niedzielski. Von Samstag an müssten Einkaufzentren, Hotels und Schulen in der Region geschlossen bleiben. Polen hatte zuletzt einige Beschränkungen gelockert, allerdings darauf hingewiesen, dass diese Schritte bei einer sich verschlechternden Lage wieder rückgängig gemacht werden könnten.

+++ Die Schweizer Regierung hat erste Lockerungen der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie beschlossen. Geschäfte, Museen und Lesesäle von Bibliotheken dürfen ab 1. März wieder öffnen, ebenso die Außenbereiche von Zoos, botanischen Gärten sowie Sport- und Freizeitanlagen. Im Freien sind wieder private Veranstaltungen mit bis zu 15 Personen erlaubt, in Innenräumen gilt hingegen weiterhin eine Beschränkung auf maximal fünf Personen. Auch Restaurantterrassen bleiben weiterhin zu. Weitere Öffnungsschritte stellte die Regierung abhängig von der epidemiologischen Lage für 22. März in Aussicht - früher als bislang angepeilt.

+++ Kanzlerin Angela Merkel ist optimistisch, dass sich genug Menschen in Deutschland impfen lassen werden, um eine sogenannte Herdenimmunität zu erreichen. Eine eine Impfpflicht lehnt sie deshalb weiterhin ab. "Wir haben genügend Impfwillige, um die Herdenimmunität zu erreichen", sagt sie der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Sie selbst wolle sich erst impfen lassen, wenn sie nach der Prioritäten-Einstufung an der Reihe sei. Sie könne zudem Abstand halten. "Eine Erzieherin in der Kita, ein Grundschullehrer kann das nicht. Das sind die Menschen, die vor jemandem wie mir drankommen sollten", sagte die Kanzlerin.

+++ Die deutsche Tourismusbranche begrüßt die erste Zulassung von Corona-Schnelltests zur Selbstanwendung als einen großen Schritt, um Reisen in der Pandemie zu ermöglichen. "Kontinuierliches und breites Testen jeglicher Art" sei ein wichtiger Baustein, um "mehr Sicherheit sowohl für die Kunden als auch für die Reisebranche bei der Planung und Durchführung von Reisen zu geben", sagt der Präsident des Deutschen Reiseverbands (DRV), Fiebig, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "In Verbindung mit fortschreitenden Impfungen lässt sich die Sicherheit weiter erhöhen." 

+++ Bundesgesundheitsminister Spahn hat sich im Bundestag zu den Verzögerungen bei den Schnelltests geäußert. Der CDU-Politiker betonte, man habe jetzt deutlich mehr Tests als noch vor zwei, drei Monaten. Dies sei eine Chance im Kampf gegen das Virus. Die Schnelltests könnten eine Sicherheit geben im Alltag oder beim Reisen. Die heute zugelassenen Selbsttests könnten Sicherheit geben in einer konkreten Situation. Er sei zuversichtlich, dass beide Tests dabei helfen würden, sicherer mit dem Virus zu leben und Stück für Stück mehr Freiheit zu erlangen, sagte der Minister.

Rund eine Woche vor der neuen Beratungsrunde zwischen Bund und Ländern mehren sich Forderungen nach einem Plan für mögliche Lockerungen der Corona-Beschränkungen. Das Robert Koch-Institut hat nun einen Stufenplan vorgelegt, die Bundesregierung will einen ähnlichen Entwurf vorstellen. Gemeinsam ist beiden Konzepte, dass sie sich nicht mehr ausschließlich an der Sieben-Tage-Inzidenz orientieren, sondern auch andere Faktoren einbeziehen. Eine Übersicht

+++ Ifo-Präsident Fuest fordert eine Beschleunigung der Impfungen und mehr Corona-Tests. "Sowohl die Beschaffung als auch die Verimpfung sind zu langsam", sagt Fuest in München. Die Tatsache, dass derzeit 2,3 Millionen Impfdosen auf Halde lägen, sei sehr bedauerlich. Notwendig sei nun eine massive staatliche Förderung des Ausbaus der Produktion von Impfstoffen. Außerdem sollten künftig auch Haus- und Betriebsärzte Impfungen vornehmen können.

+++ Ungarn hat als erstes Land der EU mit der Verabreichung des chinesischen Impfstoffs begonnen. Die zuständige Behörde erklärte in Budapest, in den nächsten sieben Tagen sollten 275.000 Menschen mit dem Vakzin des Herstellers Sinopharm immunisiert werden. In Ungarn kommt auch das russische Vakzin Sputnik V zum Einsatz.

+++ In Dänemark wird es ab März Lockerungen beim Lockdown geben. Nach Angaben der Regierung in Kopenhagen fallen manche Einschränkungen im Einzelhandel weg. So dürfen unter anderem die seit Ende 2020 geschlossenen Geschäfte wieder öffnen, wenn ihre Ladenfläche kleiner als 5.000 Quadratmeter ist und sie sich nicht in einem Einkaufszentrum befinden.

+++ Schweden plant Corona-Erleichterungen für ältere Menschen in Pflegeheimen nach einer Impfung. Die vollständig geimpften Heimbewohner sollten mit weniger Einschränkungen leben können, sagt Chef-Epidemiologe Tegnell der Zeitung "Dagens Nyheter". Dem Blatt zufolge haben inzwischen mehr als 80 Prozent der Bewohner von Altenheimen ihre erste Corona-Impfung erhalten, 64 Prozent sind mit einer zweiten Dosis bereits vollständig geimpft. 

Auf einer Spritze liegt ein Faehnchen von Schweden. (dpa-Zentralbild)Schweden hat schon einen Großteil der Bewohner*innen von Pflege- und Altenheimen geimpft (dpa-Zentralbild)

+++ Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat die ersten drei Sonderzulassungen für sogenannte Corona-"Selbsttests" erteilt. Damit sollen auch Laien prüfen können, ob möglicherweise eine Infektion mit Coronaviren vorliegt. Bei allen drei Tests würden die Proben durch einen Abstrich im vorderen Nasenbereich entnommen, teilte ein Sprecher des Bundesinstituts mit. Bundesgesundheitsminister Spahn (CDU) sagte im ZDF, die Selbsttests sollten in den nächsten Tagen unter anderem bei Discountern erhältlich sein. 

+++ Im Bundestag stellt sich Spahn heute den Fragen der Abgeordneten. Dabei werden die Verzögerungen bei der Einführung von Schnelltests wohl eine zentrale Rolle spielen. Bayerns Ministerpräsident Söder kritisierte im Vorfeld, in Deutschland dauerten Zulassungen "immer so endlos lange". Die FDP forderte, sich bei dem Thema Österreich als Vorbild zu nehmen und so stufenweise Lockerungen der Corona-Regeln möglich zu machen. Ein entsprechender Antrag soll noch diese Woche in den Bundestag.

+++ Im Vorfeld des Aufritts von Gesundheitminister Spahn im Bundestag wurde Kritik an dessen Corona-Politik laut: Der SPD-Fraktionsvorsitzende Mützenich nannte Spahn einen "Ankündigungsminister". Berlins Regierender Bürgermeister Müller, ebenfalls SPD, hatte Spahn bereits gestern vorgeworfen, zum wiederholten Mal Dinge versprochen zu haben, die dann nicht eingetroffen seien. Unterstützung erhielt der Minister gestern von Unionsfraktionschef Brinkhaus.

+++ Der Vorsitzende der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, Hegerl, fordert eine systematische Erfassung der psychischen Auswirkungen von Corona-Maßnahmen. Sie müssten ebenso sorgfältig registriert werden wie andere Zahlen zur Pandemie, sagte er der Funke Mediengruppe. Nur so könne man das an Leid und Tod, was man verhindere, mit dem ins Verhältnis setzen, was man verursache.

+++ Der Jugendpsychiater Paul Plener hält Schulöffnungen unter strengen Infektionsschutzmaßnahmen für dringend geboten. Je länger die Pandemie dauere, desto weniger könne man sich allein an Infektionszahlen orientieren, führte der Leiter der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Wien aus. Man müsse auch langfristige Folgen im Blick haben.

Wie die einzelnen Bundesländer die Schulöffnungen und andere Öffnungsschritte in ihrer Zuständigkeit organisieren haben wir hier für Sie zusammengefasst. 

+++ Die Bundesschülerkonferenz warnt vor schlechten Zukunftsaussichten wegen der Corona-Pandemie. Ihr Generalsekretär Dario Schramm sagte der Deutschen Presse-Agentur, insbesondere die Aussichten für ohnehin schon abgehängte Schülerinnen und Schüler aus wirtschaftlich schwächeren Familien bereiteten ihm Sorgen. Der ganze Bereich der Berufsvorbereitung mit Bewerbung, Praktika und Ausbildungsplätzen leide massiv unter der Situation.

Die Rückansicht eines jungen Teenagermädchens, sie steht auf einer Bank und schaut über Felder in eine herbstliche Landschaft. (Symbolbild) (imago images/Mint Images)Jugendliche in der Coronakrise: Eine ausgebremste Generation (Symbolbild) (imago images/Mint Images)

+++ US-Präsident Biden hat die landesweite Verteilung von Millionen Corona-Schutzmasken angekündigt. Dies werde sehr zeitnah geschehen, sagte er in Washington. Details etwa zu den Kosten nannte er nicht. Eine umfassende Bereitstellung hatte auch die Vorgängerregierung erwogen, den Plan dann aber fallenlassen.

+++ EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen hat sich überzeugt gezeigt, dass es bis zum Sommer eine spürbare Verbesserung bei den Impfrückständen gibt. Das sagte sie der "Augsburger Allgemeinen". Der Hersteller Biontech/Pfizer könne zum zweiten Quartal mehr Dosen liefern als zunächst angenommen. Der Impfstoff von Johnson and Johnson komme hinzu. Auch die Vorbereitungen für eine mögliche Anpassung an Mutation liefen bereits, erklärte von der Leyen

+++ Berlins Sozialsenatorin Breitenbach kündigte an, mit übrig gebliebenen Astra-Zeneca-Impfdosen die rund 3.000 Obdachlosen in den Notunterkünften der Stadt zu impfen. Die Linken-Politikerin sagte, es sei nicht hinnehmbar, dass Impfstoff ungenutzt herum liege. Obdachlose seien eine besonders vulnerable Gruppe. Nach wie vor lehnen viele Menschen den Impfstoff von Astrazeneca ab. Experten und die Bundesregierung betonen, Wirksamkeit und Qualität des Präparats seien gesichert.

Vor wenigen Wochen waren die ersten Lieferungen des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca zwischen der EU und dem britisch-schwedischen Hersteller hart umkämpft. Jetzt liegt das Präparat in einigen Bundesländern offenbar auf Halde. Ein Grund dürfte das Imageproblem des Impfstoffes sein. Doch ist der Impfstoff von Astrazeneca minderwertig? Experten widersprechen.

+++ Die Gesundheitsämter haben dem Robert Koch-Institut binnen eines Tages 8.007 Neuinfektionen mit dem Coronavirus gemeldet. Das sind rund 450 Fälle mehr als am Mittwoch vergangener Woche. Zudem wurden innerhalb von 24 Stunden 422 neue Todesfälle im Zusammenhang mit dem Krankheitserreger registriert. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei 59,3, gestern wurde sie mit 60,5 angegeben.

+++ Lehrer an Grund- und Förderschulen sowie Erzieher an Kitas sollen von heute an gegen Corona geimpft werden können. Das Bundesgesundheitsministerium erwartet, dass  dadurch zusätzliche Sicherheit gegeben ist in einem Umfeld, in dem Abstand und das Tragen von Masken nicht immer möglich seien. Für die Impfungen infrage kommen voraussichtlich zunächst hunderttausende Impfdosen des Herstellers Astrazeneca, die bisher nicht genutzt werden.

Mundmasken und Jacken hängen im Flur der Schule an einem Kleiderhaken. Die Schulen bleiben während des Corona-Lockdowns geschlossen.  (dpa/Inderlied/Kirchner-Media)Schule in der Coronazeit (dpa/Inderlied/Kirchner-Media)

+++ Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Mertens, spricht sich für zweckmäßige Lösungen für übrig gebliebene Impfstoffe aus. Er sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, beim Mittel von AstraZeneca blieben jeden Tag viele Einheiten liegen, aber in der Praxis sei es oft schwierig, den nächsten in der Reihenfolge zu identifizieren und zu erreichen. Deshalb sollte es in allen Impfzentren Listen geben, die festlegen, wer an die Reihe komme, so Mertens. Dann könne man geeignete Kandidaten aus nachfolgenden Prioritätsgruppen vorziehen.

Senioren warten in einer Impfstraße des Impfzentrums auf dem Messegelände. Wegen der Impfstoff-Knappheit sind im Impfzentrum nur vier von acht Impfstraßen in Betrieb. Am 1. Februar starten hier die Corona-Impfungen für Menschen im Alter von über 80 Jahren, die noch zu Hause leben. (dpa)Senioren warten in einer Impfstraße des Impfzentrums Hannover auf dem Messegelände. Wegen der Impfstoff-Knappheit sind im Impfzentrum nur vier von acht Impfstraßen in Betrieb. (dpa)

+++ Bundesgesundheitsminister Spahn stellt sich heute im Bundestag den Fragen der Abgeordneten. Erwartet wird, dass die für Anfang März angekündigten, dann aber verschobenen kostenlosen Corona-Schnelltests eine zentrale Rolle spielen. Für die Verschiebung wurde Spahn von den Oppositionsparteien, aber auch vom Koalitionspartner kritisiert.

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Dienstag, 23. Februar

+++ Die niederländische Regierung hat eine Verlängerung der Corona-bedingten nächtlichen Ausgangssperre bis zum 15. März bekannt gegeben. Über eine mögliche weitere Verlängerung werde die Regierung am 8. März entscheiden, sagte Ministerpräsident Rutte. Am 15. März beginnt in den Niederlanden die vorgezogene Parlamentswahl. Gegen die Einführung der Ausgangssperre zwischen 21.00 und 04.30 hatte es in dem Land heftige Proteste gegeben.

+++ In Irland soll bis mindestens zum 5. April die höchste Stufe der Corona-Maßnahmen gelten. Das sagte Premierminister Martin im Regierungssitz in Dublin. Die Schulen sollen allerdings schrittweise bereits vom kommenden Monat an wieder geöffnet werden. Die Infektionszahlen seien zwar rückläufig, so Martin. Doch die britische Virus-Variante B.1.1.7 habe die Situation stark verändert. Inzwischen seien 90 Prozent aller Neuinfektionen in dem Land auf den sich schneller ausbreitenden Virus-Typ zurückzuführen.

+++ Der innereuropäische Streit über Grenzschließungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie wird am Donnerstag Thema bei einer Videokonferenz der EU-Staats- und Regierungschefs. Das richtige Gleichgewicht zwischen Beschränkungen und dem reibungslosen Waren- und Dienstleistungsverkehr im Binnenmarkt zu finden, bleibe eine Herausforderung, schrieb EU-Ratspräsident Michel in seinem Einladungsschreiben zu den Beratungen. 

Stau auf der Autobahn nach Polen aufgrund der durch die Grenzschließungen entstandenen Kontrollen, 17. März 2020 (dpa ZB / Robert Michael)Stau auf der Autobahn nach Polen aufgrund der durch die Grenzschließungen entstandenen Kontrollen, 17. März 2020 (dpa ZB / Robert Michael)

+++ Die Ansteckungsrate ist laut Robert-Koch-Institut (RKI) erstmals seit Tagen wieder leicht unter den Wert von eins gesunken. Das RKI beziffert die sogenannte Reproduktionsrate (R) in seinem Lagebericht vom Abend mit 0,96 auf Basis der Vier-Tages-Schätzung, mit 0,98 auf Bais der Sieben-Tages-Schätzung. Der R-Wert gibt an, wie viele weitere Menschen ein Infizierter statistich ansteckt. Liegt der Wert über eins nimmt das Infektionsgeschehen zu, unter eins lässt es nach.

+++ Der britisch-schwedische Pharmakonzern AstraZeneca rechnet nach Angaben aus der EU damit, im zweiten Jahresquartel weniger als die Hälfte der vertraglich vereinbarten Impfdosen in die Europäische Union zu liefern. Das meldet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf EU-Vertreter. Demnach will der Konzern von April bis Juni weniger als 90 Millionen Einheiten liefern. Der Vertrag zwischen der EU und AstraZeneca sieht für diesen Zeitraum die Bereitstellung von 180 Millionen Impfdosen vor.

+++ Sachsen-Anhalt will das schwer von der Corona-Pandemie betroffene Tschechien unterstützen und Covid-Patienten aufnehmen. Die Landesregierung habe entschieden, sich solidarisch zu zeigen und zu helfen, sagte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Haseloff (CDU) nach einer Kabinettssitzung in Magdeburg. Zuvor sei er von Bundeskanzlerin Merkel gefragt worden, ob Sachsen-Anhalt Patienten aufnehmen könne. In Tschechien sei die Situation katastrophal, sagte Haseloff. "Sie schaffen es nicht mehr." Wie viele Patienten aufgenommen werden sollen, blieb zunächst offen.

+++ Inmitten der Debatte um mögliche weitere Lockerungen von Corona-Beschränkungen stellt sich Gesundheitsminister Spahn morgen (13.00) im Bundestag den Fragen von Abgeordneten. Der CDU-Politiker steht aktuell wegen des schleppenden Starts der Corona-Impfungen und Verzögerungen bei Schnelltests als Angebot für alle Bürger in der Kritik.

Mehr zu möglichen Öffnungsperspektiven finden Sie hier

+++ Die Corona-Lage auf des Deutschen liebster Urlaubs-Insel Mallorca und auf den anderen Balearen verbessert sich im Zuge des strengen Lockdowns weiterhin rapide. Die spanische Region meldete am Dienstag nur noch 52 Neuinfektionen binnen 24 Stunden. Das sind die niedrigsten Werte seit Ende Juli. Vor genau einer Woche waren noch 128 neue Fälle erfasst worden. Der am 4. Januar registrierte Tageshöchstwert lag mit 1.865 sogar mehr als 35 Mal so hoch.

+++ Brandenburg will in der Corona-Krise mit einem Stufenplan den Bürgern und Unternehmen Perspektiven für Lockerungen schaffen. Ab Montag dürfen neben Friseursalons auch Gartenmärkte, Gärtnereien und Blumenläden wieder öffnen, wie Ministerpräsident Woidke (SPD) nach einer Kabinettssitzung bekanntgab. Diese Lockerungen der Corona-Beschränkungen sind nach der aktuellen Verordnung möglich, die bis zum 7. März gültig ist.

+++ Die Zahl der Corona-Neuinfektionen ist in Griechenland stärker gestiegen als von Experten angenommen. Am Dienstagnachmittag meldete die griechische Gesundheitsbehörde 2.147 neue Fälle binnen 24 Stunden. Zu Beginn des harten Lockdowns für den Großraum Athen vor knapp zwei Wochen waren es landesweit noch 1.526 Neu-Infektionen am Tag. Mit einem Höhepunkt der Fallzahlen seit dem Start des Lockdowns hatte der Corona-Krisenstab der Regierung zwar gerechnet - allerdings nicht mit einem so starken Anstieg, heißt es.

Zwei Frauen mit Maske laufen an einem leeren Café in der Athener Innenstadt vorbei.  (imago images / Thea Photography)Zwei Frauen mit Maske laufen an einem leeren Café in der Athener Innenstadt vorbei. (imago images / Thea Photography)

+++ Ein Feiertag gegen Corona: Mit einer Petition wird in England ein freier Tag gefordert, um das erwartete Ende aller Lockdown-Maßnahmen am 21. Juni zu feiern. Innerhalb weniger Stunden unterzeichneten im Internet weit mehr als 10.000 Menschen den Antrag. Bei mehr als 10.000 Unterschriften muss die Regierung auf eine Petition reagieren, bei 100.000 muss das Parlament darüber diskutieren.

+++ Die zunächst in Großbritannien entdeckte Corona-Variante B.1.1.7 breitet sich nach Beobachtung eines großen Laborverbands in Deutschland weiter aus. Während sich die Rate der positiven Corona-Tests insgesamt in den vergangenen Wochen verringert habe, sei der Anteil der ansteckenderen Mutante gewachsen, sagte Michael Müller, der Vorsitzende des Verbands Akkreditierte Labore in der Medizin (ALM), in einer Videoschalte. In untersuchten Stichproben aus der vergangenen Woche habe der Anteil bei annähernd 30 Prozent gelegen. Die Angaben bilden die Ansteckungen von ungefähr ein bis zwei Wochen zuvor ab.

+++ Angesichts der hohen Corona-Fallzahlen hat Tschechien seine Kapazitätsgrenze bei den Plätzen auf den Intensivstationen erreicht. Vor allem qualifiziertes Personal fehle, sagte der stellvertretende Gesundheitsminister Vladimir Cerny vor Journalisten. Er verwies auf die Möglichkeit, Patienten aus dem schwer betroffenen tschechischen Westen in deutsche Krankenhäuser zu verlegen. Die Regierung dürfte Deutschland demnach offiziell bitten, Patienten aufzunehmen. 

+++ Mit einer bundesweiten Plakatkampagne wirbt das evangelische Hilfswerk Brot für die Welt für die gerechte Verteilung von Corona-Impfstoffen. Unter dem Motto "Darf nicht auf Abstand gehen: die Nächstenliebe" setzt sich die Organisation dafür ein, dass sich auch die Menschen in ärmeren Ländern gegen Covid-19 impfen lassen können. Die ersten Plakate wurden heute in Kiel aufgehängt, wie die Diakonie Schleswig-Holstein mitteilte.

+++ Nach Berichten über die Bevorzugung von Parlamentariern hat die Weltbank dem Libanon mit dem Aussetzen von Finanzhilfen für Corona-Impfungen gedroht. Einige Abgeordnete hätten sich impfen lassen, ohne sich vorher zu registrieren, kritisierte die Weltbank am Dienstag. "Alle müssen sich registrieren und warten, bis sie dran sind", twitterte Weltbank-Regionaldirektor Saroj Kumar Jha. Das gelte tatsächlich für alle.

+++ Der Deutsche Städte- und Gemeindebund kritisiert die Verzögerung bei der Einführung der kostenlosen Corona-Schnelltests. In Zukunft sollte man ehrlich mit den Bürgerinnen und Bürgern kommunizieren und nicht Erwartungen schüren, die am Ende zu Enttäuschungen führten, sagte der Hauptgeschäftsführer Landesberg der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

+++ Chronisch Kranke zwischen 65 und 70 Jahren sollten ihre Ärzte nicht wegen eines Attests für eine Corona-Impfung aufsuchen. Um einen Ansturm auf die Praxen zu vermeiden, wollen die Ärzte die Kontaktdaten ihrer Patienten an die Gesundheitsverwaltung weiterleiten, die die Patienten dann zum Impfen einladen soll. Darauf hat die Kassenärztliche Vereinigung Berlin hingewiesen. Der Prozess sei noch in der Abstimmung mit der Gesundheitsverwaltung. Ziel sei eine schnelle, schlanke Lösung mit wenig Bürokratieaufwand, sagte eine KV-Sprecherin.

+++ Die Grenzkontrollen an den Übergängen zu Tschechien und dem österreichischen Bundesland Tirol werden bis zum 3. März verlängert. Wie ein Sprecher des Bundesinnenministeriums am Dienstag auf Nachfrage bestätigte, sollen die seit dem 14. Februar geltenden Verbote und Regeln für Einreisen von dort unverändert beibehalten werden.

+++ Der Deutsche Olympische Sportbund begrüßt den Plan der Sportministerkonferenz zu möglichen Lockerungen im Amateursport im Laufe der Corona-Pandemie. Mit diesem einstimmigen Beschluss habe die Konferenz den schrittweisen Wiedereinstieg anhand eines sechsstufigen Rückkehrmodells vorbereitet, sagte DOSB-Präsident Hörmann der Deutschen Presse-Agentur. Zunächst werde mit kleineren Gruppen und nur mit Aktivitäten im Freien begonnen. Danach solle es in zunehmendem Maße und stufenweise in den Normalbetrieb gehen. "Bei dieser schrittweisen Rückkehr des Sports soll ein besonderes Augenmerk auf die begünstigte Behandlung von Kindern und Jugendlichen gelegt werden", betonte Hörmann.

+++ Nach fast einem Jahr dürfen New Yorks Kinos ab dem 5. März wieder öffnen. Das gab Gouverneur Andrew Cuomo bekannt. Allerdings dürften die Kinos nur zu einem Viertel ausgelastet sein und nicht mehr als 50 Besucher in eine Vorstellung. Für alle gilt: zugewiesene Sitzplätze, Masken und Abstandspflicht. Zudem müssen die Kinos garantieren, dass die Luftfilter in den Sälen strengen Richtlinien entsprechen.

Ein Fotograf mit Maske steht auf der Ausblicks-Plattform des New Yorker Rockefeller Center (AFP/Angela Weiss)New York hatte zum Teil stark unter der Corona-Pandemie zu leiden (AFP/Angela Weiss)

+++ Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Buyx, sieht die vorrangige Impfung von Lehrkräften und Kita-Beschäftigten mit gemischten Gefühlen. Damit verabschiede man sich vom gut überlegten Prinzip, dass zunächst diejenigen Gruppen geimpft werden sollten, die evidenzbasiert ein besonders großes Risiko durch eine Corona-Infektion hätten, sagte die Medizinethikerin im Deutschlandfunk. Ein Verändern der Priorisierung bedeute immer, dass andere Menschen in der Liste nach hinten rutschten. Gleichzeitig könne sie die politische Motivation sehr gut nachvollziehen, denn Schulen und Kitas seien ein ganz essentieller Bereich der Gesellschaft. Sie hätte sich aber gewünscht, dass der Schutz an Schulen und in Betreuungseinrichtungen eher über alternative Mittel wie Tests vorgenommen worden wäre, betonte Buyx.

Nach den Weihnachtsfeiertagen wurde mit den Impfungen gegen das Coronavirus begonnen. 2,8 Millionen Menschen in Deutschland haben inzwischen eine erste Impfung erhalten, mehr als 1,3 Millionen laut Robert-Koch-Institut aus beruflichen Gründen. Dazu zählen unter anderem Ärztinnen und Krankenpfleger. Eine weitere große Gruppe ist die der über 80-Jährigen. Mit wem geht es entsprechend der Impfverordnung nun weiter? Eine Übersicht.

+++ Nach Verzögerungen bei der Einführung kostenloser Corona-Schnelltests hat Berlins Regierender Bürgermeister Müller Kritik an Bundesgesundheitsminister Spahn geäußert. Zum wiederholten Mal habe Spahn Dinge angekündigt, die danach nicht oder zumindest nicht so schnell eingetroffen seien, sagte der SPD-Politiker im ZDF.

Für die Schulen bedeute dies, dass die nächsten Klassen wahrscheinlich erst deutlich später in den Präsenzunterricht zurückkehren können wie erhofft. Regierungssprecher Seibert hatte gestern eingeräumt, dass noch geprüft werden müsse, wie viele Schnelltests jedem in welchen Zeitraum zur Verfügung stünden. Hintergrund sind Sorgen vor explodierenden Kosten.

+++ Mit der offenbar raschen Ausbreitung einer ansteckenderen Corona-Mutante in Deutschland rückt die Zielmarke von 35 bei der Sieben-Tage-Inzidenz aus Expertensicht in die Ferne. Ohne zusätzliche Maßnahmen erscheine das Erreichen dieses Werts zunächst einmal unrealistisch, erklärte der Leiter des Fachgebiets Verkehrssystemplanung und Verkehrstelematik an der TU Berlin, Kai Nagel, der Deutschen Presse-Agentur. Seine Gruppe modelliert das Infektionsgeschehen in Berlin unter anderem mit anonymisierten Mobilfunkdaten. Nagel zufolge sind die Ergebnisse übertragbar auf die Lage bundesweit.

+++ Bundesfamilienministerin Giffey würde sich nach eigener Aussage auch öffentlichkeitswirksam gegen Corona impfen lassen, um möglicher Impfskepsis entgegenzuwirken. Die SPD-Politikerin sagte der Deutschen presse-Agentur, man habe in der Bundesregierung entschieden, sich einzureihen, so wie alle anderen auch. "Wir lassen uns impfen, wenn wir dran sind."

In Deutschland sind binnen eines Tages 3.883 neue Infektionen mit dem Coronavirus registriert worden. Das sind 27 Fälle weniger als vor einer Woche. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei 60,5 – und damit etwas niedriger als am Vortag. Hier finden Sie alle relevanten Zahlen.

+++ In den USA sind seit Beginn der Coronavirus-Pandemie mehr als eine halbe Million Menschen an oder mit dem Krankheitserreger gestorben. Dies geht aus den Daten der Johns-Hopkins-Universität hervor. US-Präsident Biden sagte in Washington, es sei an der Zeit, an die Toten zu erinnern und an deren Angehörige und Freunde zu denken. Der Präsident ordnete an, dass an allen öffentlichen US-Gebäuden die Flaggen auf halbmast gesetzt werden sollen.

Washington: US-Präsident Joe Biden und seine Frau First Lady Jill Biden treten vor das Weiße Haus für eine Schweigeminute für die Opfer der Pandemie.  (AP/Evan Vucci)Washington: US-Präsident Joe Biden und seine Frau First Lady Jill Biden treten vor das Weiße Haus für eine Schweigeminute für die Opfer der Pandemie.  (AP/Evan Vucci)

+++ Der Deutsche Lehrerverband und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft haben es begrüßt, dass Beschäftigte an Kindertagsstätten sowie Lehrkräfte an Grund- und Förderschulen schneller gegen das Coronavirus geimpft werden sollen. Lehrerverbands-Chef Meidinger sprach in der "Bild"-Zeitung von einer überfälligen Entscheidung. GEW-Chefin Tepe mahnte gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland außerdem ein schnelleres Impftempo an.

+++ Vor Beratungen von Bund und Ländern über Öffnungsstrategien in der Corona-Pandemie hat Unions-Fraktionschef Brinkhaus zu Vorsicht gemahnt. Es gehe darum, dass man Schritt für Schritt sehr bewusst setze, sagte der CDU-Politiker im ARD-Fernsehen. Eins wäre sehr schlecht: Wenn man jetzt lockere und dann in drei oder vier Wochen wieder den Schritt zurück machen müsse und erneut in den Lockdown gehe. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Dreyer bekräftigte ihre Forderung nach einem klaren Stufenplan. Dieser müsse an Inzidenzwerte, Testmöglichkeiten und die Impfquote gekoppelt werden, sagte die SPD-Politikerin der "Rheinischen Post" aus Düsseldorf.

Schülerinnen und Schüler sitzen mit Masken und Abständen in einem Klassenraum. Vorne steht eine Lehrerin, ebenfalls mit Maske. (IMAGO / Independent Photo Agency Int./ Marco Passaro)Unterricht mit Alltagsmaske und regelmäßigem Lüften - Schule in Coronazeiten (IMAGO / Independent Photo Agency Int./ Marco Passaro)

+++ Die Einführung der von Bundesgesundheitsminister Spahn angekündigten Massen-Schnelltests auf das Coronavirus verzögert sich offenbar. Das Corona-Kabinett der Bundesregierung befasste sich am Abend mit der geplanten Ausweitung der Test-Angebote, vertagte die Entscheidung aber. Regierungssprecher Seibert erklärte, man wolle erst bei den kommenden Bund-Länder-Beratungen am 3. März über eine Teststrategie beraten

+++ Die Vorschläge von Bundeskanzlerin Merkel zu Lockerungen der Corona-Maßnahmen haben erneut Diskussionen über mögliche Öffnungsschritte ausgelöst. CDU-Chef Laschet sprach sich gegen einen starren Stufenplan als Weg aus dem Lockdown aus. Der Vorsitzende der Ministerpräsidentenkonferenz, Berlins Regierender Bürgermeister Müller, plädierte dafür, bei Entscheidungen auch andere Zahlen als den Inzidenzwert zu berücksichtigen. 

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