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Alte Autos und Klimaschutz
Die Debatte um strengere Auflagen für Oldtimer

Mit einem H-Kennzeichen können Halter von Autos, die mindestens 30 Jahre alt sind, Steuern sparen. Unabhängig von ihren Emissionen dürfen Oldtimer auch in Umweltzonen unterwegs sein. Umweltverbände fordern deshalb strengere Auflagen. (Aktualisierte Wiederholung vom 21.10.2022)

Von Marlene Thiele und Bastian Rudde | 01.05.2023
Ein als Oldtimer zugelassener Mercedes fährt durch eine Innenstadt
Seit 1997 können Halter historischer Fahrzeuge ein H-Kennzeichen beantragen und ihren KFZ-Steuersatz dadurch auf pauschal 191 Euro deckeln lassen. Bei einem regulären Kennzeichen berechnet sich der Steuersatz hingegen anhand der Größe des Hubraums. (picture alliance / dpa / Carsten Rehder)
Oldtimer-Frühstück in der Motorworld im Münchner Norden: Die Karosserien blitzen, hier und da baumeln Würfel oder ein tanzender Elvis vom Rückspiegel, es duftet nach Kaffee und Croissants. Die Motorworld ist ein Erlebniszentrum für Mobilität im denkmalgeschützten Gebäude des ehemaligen Bahnausbesserungswerks.
Auf dem Parkplatz davor stehen rund 200 Autos und ein paar Motorräder. Dazwischen spazieren Oldtimer-Besitzer und -Fans, manche mit Kinderwagen, andere mit der Kamera. Ein älterer Mann lehnt an einem schneidigen Wagen. "Das ist ein Corvett C3, Collectors Edition, letzte Serie, die gebaut worden ist. Faszination: Die Form ist einfach schön, und einfach die alten Dinger am Leben zu halten. Das ist noch Autofahren, keine Helferlein, keine Elektronik. Einfach das Gefühl mit so einem Ding. Das ist was anderes, als wenn du in so einem modernen Auto drinsitzt."
Historische Fahrzeuge erhalten, das spezielle Fahrgefühl und vor allem die Nostalgie erleben – das sind häufige Gründe, einen Oldtimer zu besitzen. Die Autos sind außerdem Wertanlage und manchmal auch Erinnerungsstücke. Uli sitzt mit seinen zwei Töchtern Laura und Eva und dem Sohn Felix in einem roten Cabrio. "Hier haben wir ein E30 Cabrio BMW von 1991. Jetzt ganz frisch auch mit H-Kennzeichen. Den hat mein Vater gekauft, nachdem er das Golf Cabrio an mich abdrücken musste, nachdem ich meinen Führerschein gemacht habe 1997. Und seitdem ist das Auto in unserem Besitz."

H-Kennzeichen ermöglicht Geldsparen

Seit 1997 können Halter historischer Fahrzeuge ein H-Kennzeichen beantragen und ihren KFZ-Steuersatz deckeln lassen. Bei einem regulären Kennzeichen berechnet sich der Steuersatz hingegen anhand der Größe des Hubraums. Gerade Halter großer Oldtimer können mit dem H-Kennzeichen also ordentlich sparen, sagt Haiko Prengel. Er ist Autor und schreibt als Journalist für verschiedene große Tageszeitungen über Mobilität, Verkehr und Oldtimer. "Früher waren die Motoren ja einfach größer. Zum Beispiel bei den alten Ami-Schlitten, diesen Straßenkreuzern, die man vielleicht auch noch aus den alten Ami-Filmen kennt. Fünf, sechs Liter Hubraum war damals halt Standard, immer V8 eigentlich bis in die späten 70er-Jahre, so bis ungefähr dann auch die erste Ölkrise kam und so. Da lohnt sich das H-Kennzeichen sehr, weil die sonst locker 1.000 Euro KFZ-Steuer zahlen müssten."
Ein H-Kennzeichen bekommen nur Autos, deren Erstzulassung mindestens 30 Jahre zurückliegt. Voraussetzung ist außerdem das Oldtimer-Gutachten: Anerkannte Sachverständige, etwa von TÜV oder DEKRA, prüfen, ob Karosserie, Fahrwerk, Motor, Bremsanlage, Lenkung, Reifen, Elektronik und der Fahrzeuginnenraum historisch korrekt erhalten sind. Eine nachgerüstete Klimaanlage oder ein modernes Radio fallen durch. Es sei denn die Veränderungen entsprechen der damaligen Zeit.

Opel Manta - es muss zeitgenössisch sein

"Zum Beispiel der Opel Manta, den kennt jeder aus dem Film 'Manta Manta'. Die Dinger werden immer gerne getunt, wurden damals schon gerne getunt mit Fuchsschwanz und Tieferlegung und Breitbau und Alufelgen. Kann man alles machen. Ist auch kein Thema normalerweise, aber es muss halt zeitgenössisch sein. Das heißt, es müssen Teile sein, die eben damals erhältlich waren, also dementsprechende Alufelgen oder so, und es dürfen da nicht Teile sein, die halt heute erst erhältlich sind", sagt Prengel.
Wie jeder andere PKW muss der Oldtimer natürlich auch die Hauptuntersuchung bestehen. Dabei muss das Auto die Vorschriften erfüllen, die im Jahr der Erstzulassung gegolten haben. Zusätzlich gibt es ein paar notwendige Sicherheitsstandards, so Mario Theissen, Klassik-Referent beim ADAC und früher Motorsportdirektor bei BMW: "Man rüstet gewisse Dinge nach. Es ist zum Beispiel Vorschrift, eine Warnblinkanlage im Auto zu haben. Das ist verbindlich, auch für jeden Oldtimer. Sicherheitsgurte werden womöglich nachgerüstet, aber es bleibt immer so: Man muss sich immer bewusst sein, dass dieses Fahrzeug im Verkehr vorsichtig, umsichtig zu bewegen ist, weil es einfach sich anders verhält als die durchschnittlichen modernen Autos."
Der Opel Manta aus dem Film "Manta, Manta"
Der Opel Manta aus dem Film "Manta, Manta" (dpa / picture alliance / Oliver Berg)

Günstige Zulassung

Die meisten Oldtimer sind keine Alltagsautos, sie werden seltener gefahren. Deshalb ist die Zulassung so günstig. Und das H-Kennzeichen bringt für die Halter weitere Vorteile mit sich: Egal wie dreckig, Oldtimer mit dem H-Kennzeichen dürfen auch in Umweltzonen einfahren.  "Das H-Kennzeichen nimmt Rücksicht darauf, dass diese Fahrzeuge in der Regel wenig bewegt werden, dass sie schonend gefahren werden, dass sie sehr gepflegt sind, also im technischen Zustand einwandfrei sind", erklärt ADAC-Referent Theissen.
In Deutschland gibt es über eine Million Autos, die älter sind als 30 Jahre. Laut Kraftfahrt-Bundesamt sind Stand Januar 2022 knapp 650.000 Pkw mit H-Kennzeichen zugelassen, die Quote an Kennzeichen liegt also bei 57 Prozent.
Das Diagramm zeigt die Anzahl der Oldtimer (Pkw) in Deutschland von 2012 bis 2022
Das Diagramm zeigt die Anzahl der Oldtimer (Pkw) in Deutschland von 2012 bis 2022 (Kraftfahrtbundesamt (KBA)/Statista )

Versicherungstarife oft mit Einschränkung

Manche Autos bekommen kein H-Kennzeichen, weil sie nicht mehr historischen Standards entsprechen. Manchmal rentiert sich das Kennzeichen nicht, weil der reguläre Steuersatz noch niedriger ist. Viele Besitzer lassen ihr Auto aber gerne prüfen. Durch das Kennzeichen werden die Autos als "historisch" aufgewertet. Außerdem gibt es sehr günstige Versicherungstarife – allerdings oft mit der Einschränkung, dass der Oldtimer höchstens 5.000 bis 10.000 Kilometer im Jahr gefahren wird und der Versicherte einen Erstwagen hat.
Viele Oldtimer-Fans haben mehrere Wagen, so auch Uli beim Oldtimer-Frühstück in München. Zur Freude seiner Kinder. "Wir haben noch zwei andere: Wir haben noch ein Goggomobil und ein VW T2-Bus", sagt Uli. Seine Kinder sagen: "Also mir gefallen beide sehr doll! Mir gefallen auch beide!“

Die Anfänge der Oldtimer-Szene

Die Oldtimer-Szene entwickelte sich bereits im frühen 20. Jahrhundert. 1966 wurde der Oldtimer-Weltverband FIVA gegründet, um die gesellschaftliche und politische Akzeptanz von Oldtimern zu fördern. Die FIVA, die "Féderation Internationale des Véhicules Anciens" vertritt heute über 1,6 Millionen Oldtimer-Besitzer aus fast 70 Ländern aller Kontinente. Die verschiedenen Klassiker-Verbände in Deutschland sind Mitglied bei der FIVA. Die deutschen Verbände vertreten ihrerseits zahlreiche kleine Clubs und Vereine.

Auf Autoscout und Mobile ist sogar der Betrugsanteil extrem hoch. Also gerade was Oldtimer anbelangt, erschreckend hoch.

Kay MacKenneth, "Rollendes Museum"
Der Journalist Haiko Prengel sieht einen Trend: "Das hat sich wirklich dann erst in den vergangenen zehn, 15, vielleicht 20 Jahren dann doch wirklich sehr stark kommerzialisiert. Auch mit negativen Begleiterscheinungen natürlich, dass Preise einfach deutlich überzogen sind, auch Leute übers Ohr gehauen werden natürlich mitunter auch, die keine Ahnung haben."
Wer ein historisches Fahrzeug kaufen möchte, sich aber noch nicht so gut auskennt, solle sich am besten an einen Oldtimer-Club in der Umgebung wenden, empfiehlt Kay MacKenneth vom "Rollenden Museum", einem Zusammenschluss von rund 80 Oldtimer-Besitzern. Er warnt vor Inseraten im Internet. "Auf Autoscout und Mobile ist sogar der Betrugsanteil extrem hoch. Also gerade was Oldtimer anbelangt, erschreckend hoch."
Kay MacKenneth koordiniert nicht nur die Aktivitäten des Rollenden Museums, er ist auch Journalist für Oldtimer-Themen und hat eine Werkstatt für historische Fahrzeuge. Dort druckt MacKenneth zum Beispiel Ersatzteile mit dem 3D-Drucker. Für die Rekonstruktion braucht man entweder alte Baupläne oder einen Scan des Originalteils, das dann originalgetreu zum Beispiel aus Metall oder Kunststoff nachgedruckt werden kann. Eine große Hilfe beim Reparieren und Restaurieren historischer Fahrzeuge. "Also man hat ja eine Zeitlang, so Anfang der 2000er, angefangen, völlig überzurestaurieren. Also die Fahrzeuge sahen besser aus als, kann man so sagen, besser als neu. Also, völlig utopisch, mit Lacken, die es nie gab mit Chromglanz, den es nie gab, weil es eigentlich normalerweise Aluminiumteile waren. Oder die Amerikaner haben ja sogar angefangen die Motorenblöcke zu verchromen."

Das Noten-System für den Zustand von Oldtimern

Der Zustand von Oldtimern wird in fünf Zustandsnoten unterteilt. Note eins gibt es für ein makelloses Fahrzeug, das also aussieht wie neu oder noch besser. Note zwei wird bei leichten Gebrauchsspuren und so weiter vergeben. Note vier und fünf bedeutet: nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr fahrtüchtig. Ein nicht restauriertes Original läuft außerhalb dieser Wertung – und ist inzwischen für viele mehr wert als der chromglänzende Rolls-Royce. Die neue Währung seien Provenienz und Seltenheit, erklärt MacKenneth. "Ich habe vor kurzem noch einen Lancia gesehen, der gehörte dem italienischen Pfarrer. Und da hat man gesehen von der Robe, wie er immer am Auto gesessen hat und hat gewunken und hat sich halt andere an der Tür wirklich ein schwarzer Fleck abgebildet. Das ist jetzt das, was man immer mehr mit einer Wertigkeit belegt."
In der Motorworld in München werden auch Autos ausgestellt. Dort ein VW-Bus, da ein sogenannter Scheunenfund, ein ziemlich heruntergekommener roter Mercedes - interessant anzusehen aber definitiv eine Zustandsnote 5. Und dann die Art Cars: BMW hat irgendwann Künstler eingeladen, die Lackierung einzelner BMW-Serien und Rennfahrzeuge zu gestalten. Insgesamt sind dabei 19 BMW Art Cars entstanden, die zu Werbe- und Ausstellungszwecken genutzt wurden.
Ein alter VW-Bus fährt in einer Straße in Berlin im Bezirk Schöneberg.
Ein alter VW-Bus fährt in einer Straße in Berlin im Bezirk Schöneberg. (Wolfram Steinberg / dpa)
Das wertvollste Auto in der Motorworld ist aktuell ein BMW, den Andy Warhol bemalt hat. "Also er hat einen unendlichen Schätzpreis. Darüber redet man auch gar nicht mehr, weil das so hoch ist, dass es schon fast utopisch ist. Aber dadurch, dass dieses Auto quasi eine absolute Originalität hat, von Warhol gemalt wurde. Selbst, dass jetzt die Farben langsam verbleichen, weil sie halt schon so alt sind, es ja auch immerhin jetzt schon fast 50 Jahre her, hat das Auto einen immensen Wert", sagt MacKenneth. 
Mitten im Gebäude der Motorworld in München befindet sich der Showroom von GTA Racing. Schachbrett-Fußboden, ein rot glänzender Luxusschlitten und direkt daneben auf einem Stuhl sitzt Inhaber Peter Kohlbeck. Er ist Restaurateur und Händler klassischer Fahrzeuge. "Jeder versucht, natürlich in dem Bereich eine Anlage zu schaffen. Egal, ob es jetzt der Einfache ist oder der Multimilliardär. Der Einfache kauft sich beispielsweise einen Cinquecento und geht davon aus, wenn er jetzt im Endeffekt 3.000, 2.000 oder 1.000 Euro bezahlt, dass er vielleicht in ein, zwei Jahren das Doppelte, Dreifache oder Vierfache bekommt. Ähnlich ist es dann beim Milliardär. Der geht dann vorne hin, holt sich einen McLaren oder Bugatti und geht davon aus, dass er vielleicht ein Milliönchen mehr dafür einsackt. Die Verhältnisse sind halt entsprechend angepasst."

Stimmen zum Umwelt- und Klima-Aspekt bei Oldtimern

In der großen Halle der Motorworld spielt ein DJ auf einem orangefarbenen, natürlich historischen Truck die Hits der 50er- und 60er-Jahre. Paare tanzen. Einige Carspotter sind unterwegs – vor allem Männer, aber auch eine Frau, mit Kameras auf der Suche nach Autos mit Seltenheitswert. In dieser chromglänzenden Welt ist es nicht leicht, auch kritische Stimmen zu finden – zum Beispiel zum Thema Umwelt- und Klimaschutz. Ist ein Oldtimer womöglich sogar recht umweltverträglich, wo er doch schon da ist, das heißt, nicht mehr produziert werden muss und keine neuen Ressourcen verbraucht?

Der Einfluss auf die Verkehrswende ist bei Oldtimern sehr gering. Das ist darin begründet, dass Oldtimer tatsächlich nur ein Prozent der gesamten Bestandsflotte im Pkw-Bereich ausmachen und von daher sowohl was die Verkehrswende betrifft kaum Einfluss haben, als auch auf die Hotspot-Probleme in den Innenstädten.

Helge Jahn, Umweltbundesamt
Anruf bei Helge Jahn vom Umweltbundesamt: "Es gibt da keine konkrete Zahl, wie viele Kilometer man mit seinem alten Auto fahren soll. Klar ist aber, wenn man sich für ein neues Auto entscheidet, entscheidet man sich erst mal für ein umweltverträglicheres Auto in Sachen Abgasstufe. In Sachen Klimaschutz muss man halt schauen: Wie viel verbraucht das Auto tatsächlich weniger im Vergleich zum alten Auto. Und hierbei sind jeweils vor allen Dingen der Verbrauch des alten Autos und dessen reale Kraftstoffart, dann die Größe des neuen Autos und dessen Kraftstoffart sowie natürlich die jährliche Fahrleistung relevant."

"Geringer Einfluss auf Verkehrswende"

Es gibt zu viele Parameter, um die Frage pauschal zu beantworten. Meistens stellt sie sich aber nicht, denn viele Oldtimer sind Zweitwagen für die Tour am Wochenende oder fürs Oldtimertreffen. Widerspricht das Hobby-Fahren nicht der Verkehrswende? "Der Einfluss auf die Verkehrswende ist bei Oldtimern sehr gering. Das ist darin begründet, dass Oldtimer tatsächlich nur ein Prozent der gesamten Bestandsflotte im Pkw-Bereich ausmachen und von daher sowohl was die Verkehrswende betrifft kaum Einfluss haben, als auch auf die Hotspot-Probleme in den Innenstädten."
Aber die Zahl der H-Kennzeichen wächst stetig. 2022 waren es schon zehn Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Noch sei das aber kein Problem, sagt Jahn. „Das kann sich in 10, 20 Jahren noch anders abbilden. Wenn jetzt die jetzigen modernen Autos dann immer noch gefahren werden und irgendwann als Oldtimer dann angemeldet werden, könnte da durchaus noch ein Problem auftreten. Was aber jetzt eben noch nicht akut ist."

Die starke Oldtimer-Lobby

Oldtimer haben eine starke Lobby: Nicht nur der Weltverband FIVA und die Bundesverbände vertreten die politischen Interessen der Oldtimer-Besitzer – es gibt auch Gruppen im EU-Parlament und im Bundestag. Seit 2009 kämpft der Parlamentskreis Automobiles Kulturgut für die Rechte von Oldtimer-Besitzern. Vorsitzender ist der CDU-Politiker Carsten Müller. "Der Parlamentskreis ist ein informelles, überfraktionelles Gremium. Wir kümmern uns um aktuelle Themen, beispielsweise historische Fahrzeuge und Nachhaltigkeit. Wir kümmern uns um die Fragen des Zulassungsrechts, sind da auch durchaus für eine Praxisorientierung, aber auch für eine durchaus anspruchsvolle, scharfe Handhabung unterwegs."
In der Praxis kann das dann so aussehen, dass ein 29 Jahre altes Auto, wenn es zu dreckig ist, nicht in die Umweltzone einfahren darf, und ein Jahr später, mit 30 Jahren und H-Kennzeichen ist das dann kein Problem mehr. Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe hält diese Sonderregeln für absurd. "Überall dort wo wir aber Regelungen fürs Auto haben in Deutschland ist es am besten vergleichbar mit den Waffengesetzen in den USA. Das ist sehr irrational, was wir hier an Diskussionen erleben. Die Verschärfung von Vorschriften für das Auto sind fast genauso schwierig wie Verschärfungen für das Waffentragen in den USA."
Die Deutsche Umwelthilfe setzt sich für Naturschutz, Biodiversität und saubere Luft ein. Die Luft in Deutschland ist ihrer Einschätzung nach vielerorts zu dreckig. Eine zu hohe Konzentration von Ozon, Stickoxiden und Feinstaub gefährdet die Gesundheit. Resch blickt mit Sorge auf die steigende Zahl zugelassener H-Kennzeichen. Für Oldtimer mit Seltenheitswert hat er Verständnis, viele der gerade erst 30 Jahre alten Autos gebe es aber zuhauf – mit steigender Tendenz. "Die Deutsche Umwelthilfe fordert eine Neuregelung für Fahrzeuge mit dem H-Kennzeichen. Massenfahrzeuge müssen ausgenommen und ausgeschlossen werden. Die Altersgrenze von 30 Jahren auf 40 oder 45 Jahre angehoben und schließlich für alle Fahrzeuge, die in Städte einfahren, die Vorschrift verfügt werden, dass diese genauso in der Abgasreinigung nachgerüstet werden müssen, wie dies auch für andere Fahrzeuge gilt, die eben in belasteten Innenstädten unterwegs sind."

Aus dem H- wird ein E-Kennzeichen

Es gibt sogar schon Oldtimer, die auf Elektroantrieb umgerüstet wurden. Dann wird aus dem H- ein E-Kennzeichen. Wer jedoch die alte Seele des Wagens erhalten möchte, macht Abstriche in punkto Umweltverträglichkeit. Ohne zu sehr in technische Details einzusteigen: Vieles ist sehr aufwendig, gewisse Änderungen wie ein nachträglich eingebauter Katalysator sind aber möglich. In Internetforen diskutieren Besitzer darüber, ob diese oder jene Änderung erlaubt ist. Einigen ist das H-Kennzeichen wichtiger als die Umwelt.
Ein anderes Thema, zu dem aktuell viel geforscht wird – nicht nur im Bereich Oldtimer - sind die sogenannten E-Fuels. E-Fuels sind synthetische Kraftstoffe, die meist aus Wasser und Kohlendioxid gewonnen werden. Dafür wird viel Strom benötigt – handelt es sich dabei um Ökostrom, ist der Treibstoff theoretisch klimaneutral, da beim Verbrennen genau so viel Kohlendioxid entsteht, wie zuvor bei der Herstellung gebunden wurde.
Für die Umweltbelastung in den Städten bringe das aber nichts, sagt Jürgen Resch von der Umwelthilfe. "Die Verwendung von E-Fuels in Oldtimern bringt praktisch keine Verbesserungen in der Luftqualität, weil wir genauso Partikelemissionen haben, aber vor allen Dingen Stickoxid-Emissionen, das heißt ohne Abgasreinigung im Motor haben wir zum Teil eine zehn- oder zwanzigfache Überschreitung, teilweise mehr, der Grenzwerte für Neufahrzeuge. Und so bleiben eben auch Oldtimer in den Innenstädten richtige Dreckschleudern, was Feinstaub angeht und Giftgasschleudern, was eben die gasförmigen Schadstoffe betrifft."

VW-Bulli mit synthetischem Kraftstoff

E-Fuels sind inzwischen Thema in vielen Klassiker-Medien und Clubs. Der ADAC hat gerade ein Projekt erfolgreich abgeschlossen: Bei der Olympia-Autorallye von Kiel bis nach München fuhr ein VW-Bulli aus dem Jahr 1964 mit, der komplett mit synthetischem Kraftstoff angetrieben wurde. Carsten Müller vom Oldtimer-Parlamentskreis ist streckenweise mitgefahren. "Ich glaube, dass die E-Fuels auch im sonstigen Verkehrswesen eine wichtige Rolle spielen, in der Luftfahrt und auch im Bereich der Logistik. Und deswegen finde ich, das ist ein Thema, das noch viel intensiver vorangebracht werden muss, weil mehrere technische Lösungswege dafür beschritten werden müssen, um Verkehr, Mobilität umweltfreundlich zu gestalten. Dazu gehört auch der batterieelektrische Antrieb und der Wasserstoffantrieb, aber auch beispielsweise synthetische Kraftstoffe."
Aktuell haben E-Fuels mit nur 15 Prozent den schlechtesten Wirkungsgrad aller Antriebstechnologien. Darüber hinaus wird in Deutschland über die Hälfte des Strombedarfs aus nicht regenerativen Quellen gedeckt. Die Oldtimer rollen also erst einmal weiter mit Diesel und Benzin.